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Rollmaterial:                     


WB: Motorwagen BDe 4/4 11-17

Um 1980 wurde die Waldenburgerbahn mit neuen Herausforderungen konfrontiert: Die Einführung des Taktfahrplans stand bevor, und dieser konnte nur mit einer Fahrzeitverkürzung erreicht werden. Das bisher eingesetzte Rollmaterial war nicht mehr zeitgemäss und im Betrieb teuer, die Anhänger verfügten nicht über automatische Türen, weshalb noch immer ein Zugsbegleiter nötig war. Mit nur drei dreissigjährigen Motorwagen gelangte der Betrieb rasch an die Kapazitätsgrenzen, zudem wanderten mehr und mehr potenzielle Kunden auf den Individualverkehr ab. Die neuen Ziele (höhere Fahrtgeschwindigkeiten für Taktfahrplan, durchwegs automatiische Türen für Einmannbetrieb, Komfortverbesserung zur Attraktivitätssteigerung) konnten nur mit grundlegend neuem Rollmaterial erreicht werden. Um das zeitaufwändige Umstellen der Züge an den Streckenenden zu vermeiden, kamen nur mehrfachtraktionsfähige Zweirichtungs-Pendelzüge in Frage. Im April 1980 begann die Schindler AG in Pratteln im Auftrag der WB mit den ersten Projektierungsarbeiten für den Bau neuer Pendelzüge. Im Juli 1983 beschloss der Baselbieter Landrat die grundlegende Sanierung der Waldenburgerbahn, inklusive Anschaffung von vier neuen Pendelzügen.

Die neuen Pendelzüge haben sich sofort bewährt, und die einleitend genannten Betriebspostulate konnten alle erzielt werden. Kaum waren die neuen Pendelzüge in Betrieb, stiegen die Fahrgastzahlen derart an (um 50%), dass die Kapazitätsgrenzen bereits wieder erreicht waren. Am 18.10.1992 genehmigte der Landrat eine Folgebestellung von drei weiteren Motor- und sechs Steuerwagen gleicher Bauart, finanziert mit Bundeshilfe.

Die Triebwagen BDe 4/4 sind in einer selbsttragenden Stahlkonstruktion in Leichtbauweise gefertigt und verfügen über je einen abgetrennten Führerstand an jedem Wagenende, ein Gepäckabteil (Velotransport) und Personenabteil. Die Einstiege sind mit gesicherten automatischen Drehfalttüren mit grossen Klapptritten versehen. Die Triebwagen haben keine Magnetschienenbremse, eine Notbremsung erfolgt unter Abschaltung des Fahrstroms mit der Luftbremse. Das von der SIG gebaute Drehgestell besitzt einen längs eingebauten Motor, der die bereiften Vollräder über Hohlwellengetriebe und Kardangelenkkupplungen antreibt. Jedes Drehgestell verfügt über Spurkranzschmierung und Sander. Die Pendelzüge sind zweifarbig hellrot/creme lackiert mit schwarzem Unterbau. Die Wagen der zweiten Serie sind baugleich, haben aber unter anderem vergrösserte Einstiegsplattformen und ein moderneres Interieur. Alle Motorwagen sind vielfachtraktionsfähig und können unter sich oder mit Steuerwagen über 61-Polstecker beliebig gekoppelt werden. Die ersten vier dieser in Pratteln BL gebauten Pendelzüge trafen zwischen Dezember 1985 und April 1986 bei der WB ein, die zweite Serie zwischen 01.12.1992 und dem ersten Quartal 1993. Die Pendenzüge sind stets so konfiguriert, dass der Motorwagen bergseitig, also Richtung Waldenburg, eingereiht ist.

Technische Daten

Inbetriebnahme11-14: 1986
15-17: 1992/93
ErbauerSchindler Waggon AG, Pratteln (SWP)
Schweizerische Industrie-Gesellschaft, Neuhausen (SIG)
Elektrische AusrüstungBrown Boveri & Cie, Baden (BBC)
Motoren2 x 4ELO2057U à 330 PS
Fahrleitungsspannung1500 Volt Gleichstrom
Bremsenelektrische Widerstandsbremse, Druckluftbremse, Gleitschutzbremse, Federspeicher-Feststellbremse.
(keine mechanische Handbremse, keine Magnetschienenbremse).
Spurweite750 mm
minimaler KurvenradiusStrecke / Weiche 
70m / 20m
Radstand1‘800 mm
Drehzapfen-Mittenabstand11‘500 mm
Raddurchmesser660 mm
Tara-Gewicht24.0 t
Länge über Kupplung18‘200 mm
Breite2‘200 mm
max. Höhe3‘730 mm
Fussbodenhöhe860 mm
V max.75 km/h
Fassungsvermögen100: 33 Sitz- und 67 Stehplätze
spätere Änderungen1993: Motorwagen mit Gemeindewappen versehen als Dank für die Mithilfe der Bahnanliegergemeinden.
1993: Aufhebung der Raucherabteile (11-14)

Typenskizze


Skizze eines BDe 4/4 der Waldenburgerbahn, wie er auch heute noch in Betrieb steht.

Rollmaterial-Geschichte

Nr.InbetriebAbbildungsnachweis und Bemerkungen
11
Niederdorf
2.1986Ablieferung 12.12.1985, Kollaudation durch Bundesamt für Verkehr am 24.01.1986, Inbetriebnahme Februar 1986. 1993 auf den Namen "Niederdorf" getauft.
12
Oberdorf
1986WB00: 52.
1993 auf den Namen "Oberdorf" getauft.
13
Hölstein
1986WB00: 82, 213.
1993 auf den Namen "Hölstein" getauft.
14
Ramlisburg
19861993 auf den Namen "Ramlisburg" getauft.
15
Bubendorf
1992Ablieferung 01.12.1992. 1993 auf den Namen "Bubendorf" getauft.
16
Liestal
19931993 auf den Namen "Liestal" getauft.
17
Waldenburg
1993WB00: 53, 165, 171, 175.
1993 auf den Namen "Waldenburg" getauft.

Bilder

 
Pendelzug mit BDe 4/4 15 an der Spitze und zwei Steuerwagen am 01.06.2002 beim "Weidbächli". Der Motorwagen ist immer bergseitig, also Richtung Waldenburg, eingereiht.   BDe 4/4 17 am 1.6.2002 am Dorfeingang von Oberdorf. Hier durchquert die WB das Dorf als Strassenbahn.
 
 
Links: Fahrzeugparade am 01.06.2002 vor dem Depot Waldenburg.Von links nach rechts: BDe 4/4 13, 11, 16.   BDe 4/4 11 in Waldenburg, im Hintergrund die Wagenwaschanlage.
 
 
Nur ausnahmsweise sieht man in Liestal so viele WB-Fahrzeuge versammelt, die Gefahr durch Sprayer wäre zu gross. An diesem 4.7.2004 ist der obere Streckenabschnitt wegen Bauarbeiten gsperrt. Im Vordergrund steht der BDe 4/4 12.   BDe 4/4 17 im Geländeeinschnitt ob Bubendorf am 6.6.2004 (alle Fotos Heiner Ziegler).
 


Alle Rechte © www.tram-basel.ch und Heiner Ziegler (Stand: 09.07.2004) - Letzte Änderung: 17.07.2012