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Rollmaterial:                     


WB: Dampflok G 4/5 7

Im 1936 waren wieder einmal langwierige Diskussionen und Anhörungen in Bezug auf die betriebliche Weiterführung der Waldenburgerbahn im Gange. Einerseits wurden Überlegungen angestellt, auf Autobus-Betrieb umzustellen, andererseits die Bahn zu elektrifizieren. Als Entscheidungshilfe wurden Gutachten erstellt, die die Kostenseiten der verschiedenen Betriebsvarianten, von der Umstellung bis zum Betrieb beleuchten sollten. Die durch die Regierung des Kantons Basel-Landschaft beauftragten Experten kamen zu folgendem Schluss: "Es sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht opportun, in eine öffentliche Verkehrsunternehmung beträchtliche Kapitalien zu stecken". Dies wäre jedoch bei einer Umstellung auf Autobus Betrieb oder Elektrifikation erforderlich gewesen. Also wurde der Geschäftsleitung und den Aktionären der Bahn die Beschaffung einer weiteren Dampflokomotive und entsprechenden Personenwagen beliebt gemacht.

Am 17.05.1938 wurde die Dampflokomotive G 4/5 durch die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM), Winterthur, in Liestal auf die Geleise der WB abgestellt. Der Lok wurde die Betriebsnummer 7 zugeteilt. Einen Namen erhielt sie jedoch nicht. Ab dem 01.06.1938 war die Nr. 7 im regulären Dienstbetrieb eingereiht. Die Leistung der G 4/5 Tenderlokomotive vom Typ "Consolidation" war für die WB eigentlich fast zu gross. Mit ihren 28 Tonnen Adhäsionsgewicht erbrachte sie 5'400 kg Zugkraft. Damit war sie mehr als das 2.5-fache stärker als die G 3/3 Maschinen. Mit angehängten 100 Tonnen, war sie im Stande eine 30 Promille Steigung mit min. 25 km/h zu nehmen. Die Nr. 7 wurde meist nur für schwere Züge, an den Wochenenden, oder bei Militärtransporten während des 2. Weltkrieges eingesetzt. Bei leichten Zügen, unter der Woche, wurde die Zugkraft schlecht ausgenützt. Bedingt durch die engen Kurvenradien , mussten jährlich die ausgeschlagenen Achslager ersetzt werden. Die Lokomotive hatte eine Dampfsteuerung nach System "Walschaerts". Der Dampfantrieb wirkte auf die dritte Achse, von wo die Antriebskraft über Kuppelstangen auf die beiden vorderen und die vierte Achse übertragen wurde.

Technische Verbesserungen oder Umbauten mussten in der kurzen Betriebszeit von lediglich 22 Jahren keine vorgenommen werden. Die Lok Nr. 7 wurde, wie die noch vorhandenen G 3/3 Nr. 5 und Nr. 6, ab dem 25.10.1953, dem Tag der Aufnahme des elektrischen Bahnbetriebes, in Waldenburg remisiert. Bald stellte man aber fest, dass der elektrische Betrieb problemlos funktionierte. Die Betriebsleitung der Bahn bemühte sich, leider ohne Erfolg, bis 1960 eine Käuferschaft für die schöne, einmalige Dampflokomotive zu finden. Da der Platz im Depot dringend benötigt wurde, fiel der Entscheid, die G 4/5 abzubrechen und als Altmaterial zu verkaufen. So wurde die Lok im Dezember 1960 durch Depotangestellte der WB abgebrochen.

Technische Daten

 
G 4/5 Nr. 7
Inbetriebnahme1938
ErbauerSLM Winterthur
FabrikationsnummerNr. 3646
AnschaffungspreisFr. 84‘757.55
Zylinderdurchmesser360 mm
Kolbenhub420 mm
FeuerbüchseKupfer
Heizfläche direkt4.8 m2
total Heizfläche, mit Überhitzer60.5 m2
Rostfläche1.0 m2
Dampfdruck14 bar
Siederohre68 Stück
Siederohr-Länge2‘600 mm
Wasservorrat4'050 l
Kohlenvorrat1'000 kg
Zugkraft bei max. Kesseldruck (Leistung)5'400 kg (ca. 370 PS)
Radstand fest/total2'000 mm/4'300 mm
Raddurchmesser850 mm
Tara-Gewicht24'410 kg
Dienstgewicht (Adhäsionsgewicht)31'660 kg (27'790 kg)
Länge über Kupplung7'927 mm
Spurweite750 mm
V max.45 km/h
BremsenHandbremse (wirkt nur auf Lok)
automatische Vakuumbremse (Hardy)

Typenskizze


Skizze der G 4/5 Nr. 7 (1938) der Waldenburgerbahn. Während den 15 Jahren aktiver Betriebszeit (Mai 1938 bis Oktober 1953), mussten keine technischen Verbesserungen oder Änderungen vorgenommen werden.

Rollmaterial-Geschichte

Nr.InbetriebVerbleibAbbildungsnachweis und Bemerkungen
717.05.1938Abbruch
Dezember 1960
CJ4: 11, 21, 29, 30, 31, 38, 40, 44. WB78. WB80: 29, 30, 32, 37, 39, 45, 47, 54, 55, 109. WB00: 19, 46, 50, 61, 65, 66, 75, 105, 107, 108, 113, 118, 119, 139, 141-151, 200.
Ablieferung am 17.05.1938 (SLM Fabriknummer 3646), Probefahrten ab 19.05.1938. Inbetriebnahme am 31.05.1938. Radsatzwechsel erfolgten in den Jahren 1941, 1944, 1945, 1946 bei SLM oder SBB. Neben den üblichen Reparaturen und Revisionen mussten jährlich die Achslager ersetzt und eingegossen werden. Eine grosse Revision erfolgte vom 01.07. bis 13.09.1946. Revidiert wurden der Kessel, Achsen, Federung, das Triebwerk, Zylinder und Kolben, Steuerung, sämtliche Armaturen, die Bremsen und zum Schluss erfolgte ein Neuanstrich. Diese Totalrevision wurde vom 02.10. bis 16.12.1950 wiederholt. Ausserdienststellung am 25.10.1953. In Waldenburg remisiert, für eventuelle Einsätze bei Pannen im elektrischen Betrieb. Da dies nie eintraf und die Maschine nicht verkauft werden konnte, wurde sie im Dezember 1960 bei der WB abgebrochen und als Altmaterial verkauft.

Bilder

 
Die fabrikneue G 4/5 Nr. 7. Tenderlokomotive vom Typ Consolitation. Werkbild der SLM 1938. (Foto CJ4)   Personenzug mit Lok Nr. 7 im Bezirkshauptort Waldenburg. Bild um 1938. (Foto WB80)
 
 
Bekränzte Nr. 7 auf Einweihungsfahrt mit schwerem Schülerzug im Bahnhof Liestal. Bild von 1938.   Schwerer Personenzug mit Lok. Nr. 7 in Niederdorf. Bild um 1950. (Fotos WB80)
 

Paradepferd der Waldenburgerbahn die Lok Nr. 7 mit schwerem Personenzug vor der Einfahrt in den Bahnhof Waldenburg. (Foto: WB00)

 


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