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Rollmaterial:                     


WB: Dampfloks G 3/3 4‘‘-6

Zwischen 1902 und 1912 nahm die Waldenburgerbahn weitere drei, weitgehend baugleiche, dreiachsige Dampflokomotiven (Dreikuppler) in Betrieb. Die erste dieser drei war die noch heute betriebsfähige Nr. 5, benannt nach dem WB Mitbegründer Gédéon Thommen. Die Lok bewährte sich, so dass 1910 eine gleiche Maschine als Ersatz für die sehr reparaturanfällige Nr. 4 "Waldenburg" angeschafft wurde. Der Neuen wurde wieder die Nr. 4 und der Name "Langenbruck" zugeteilt. 1911 entschloss man sich, eine weitere Lok gleicher Bauart zu bestellen, um die leistungsschwachen Zweikuppler aus der Gründungszeit zu entlasten. Abgeliefert wurde die letzte Dreikuppler der WB 1912. Sie erhielt die Nr. 6 und den Namen, der 1910 ausrangierten Nr. 4, "Waldenburg".

Bei diesen drei Lokomotiven wurde die Dampfsteuerung nach "Walschaerts" ausgeführt. Der Dampfantrieb wirkte auf die mittlere Achse, von wo die Antriebskraft über Kuppelstangen auf die beiden aussenliegenden Achsen übertragen wurde. Bereits ab Werk verfügten die neuen Loks über die Installationen für die Dampfheizung. Alle waren mit Gegendruckbremse und automatischer Vakuumbremse (System Hardy) ausgerüstet. Auch diese Maschinen hatten seitliche Wasserkästen. Sie verfügten zudem über eine, für die damalige Zeit sehr gut ausgebaute, geschlossene Führerkabine. Eine Talfahrt bei Wind, Schnee oder Regen war so für Lokführer und Heizer bestimmt angenehmer.

Die Drillinge erwiesen sich als unproblematisch und leistungsstark. Sie standen in regelmässigem Dienst bis 24.10.1953. Im Mai 1952 wurde mit den Arbeiten im Zusammenhang mit der Elektrifizierung der WB begonnen. Bereits am 25.10.1953 konnte der durchgehend elektrische Betrieb, mit den neuen Triebwagen CFe 4/4 aufgenommen werden. Die Loks Nr. 5 und Nr. 6 blieben noch in der Betriebsreserve bis Ende 1953, während die reparaturanfälligere Nr. 4‘‘ bald auf Abbruch verkauft wurde.

Die Lok Nr. 6 ist dank einer Gruppe Initiativer Mitglieder des Vereins Eisenbahn- und Modellbaufreunde Luzern (EMBL) vor der Verschrottung gerettet worden. Der Kaufpreis konnte anlässlich einer 1954 durch den Schweizerischer Verband Eisenbahn-Amateur (SVEA, Dachverband von 90 Modellbahn Clubs der Schweiz im Jahr 2012) organisierten Sammelaktion unter den angeschlossenen Vereinen aufgebracht werden. Nach dem Erwerb ist die "Waldenburg" im April 1955 per Strassentransport in ihr neues Domizil in Luzern, in die Obhut der EMBL, überführt worden. Auf der Reise war an Lok Nr. 6 und Zugfahrzeug ein Plakat mit etwa der folgenden Aufschrift angebracht: "Geschenk von den Modelleisenbahnclubs der Schweiz an das Verkehrsmuseum in Luzern". In den Jahren 1955 bis 1957 haben Mitglieder des EMBL die kleine Lok geputzt, geschniegelt und - da ihr neuer Heimatbahnhof noch im Bau war - eingemottet. Im Oktober 1958 wurde das "Waldenburgerli" dann dem soeben eröffneten Verkehrshaus der Schweiz (VHS) als Geschenk übergeben. Dort ist sie heute noch, leider nicht mehr betriebsfähig, täglich zu bewundern.

Die Nr. 5 war als Denkmal in Waldenburg vorgesehen, stand aber bis 1961 in der Remise in Waldenburg. Auf Wunsch der Stadtgemeinde Liestal wurde die Lok im August 1961 im Bahnhofsgelände von Liestal, unter freiem Himmel, aufgestellt. Bis 1975 rostete sie nicht betriebsfähig vor sich hin. Leider war sie auch ein beliebtes Objekt für nächtlich arbeitende Langfinger. So wurde sie um ihre Loklaternen und andere wichtige Gegenstände gebracht, bis sie am 30.6.1975 endlich vom Sockel geholt und wieder nach Waldenburg geschleppt wurde. Einer Gruppe von engagierten Dampffreunden wurde die Totalrestaurierung der letzten Überlebenden Dampflokomotive der Waldenburgerbahn anvertraut. (Die im VHS stehende Nr. 6 ist ja leider nicht mehr Eigentum der WB). In jahrelanger Fronarbeit konnte die Nr. 5 "G.Thommen" wieder betriebsfähig hergerichtet werden. Dank dem enormen Einsatz der Arbeitsgruppe konnte die Maschine am 29. November 1979 zum ersten mal wieder unter Dampf gesetzt werden. Am 24.März 1980 fand dann die erste Ausfahrt mit stilgerechten Güterwagen statt. Am Betriebsjubiläum "100 Jahre Waldenburgerbahn", im Juni 1980, verkehrte der Jubiläumszug G 3/3 Nr.5 mit Güterwagen und dem einzigen noch vorhandenen, aus dem Jahre 1881 stammenden und ebenfalls restaurierten, Personenwagen C 24. Seit diesem Anlass steht nun der historische Dampfzug in den Sommermonaten in regelmässigem Einsatz.

Technische Daten

 
G 3/3 Nr. 5
"G. Thommen"
G 3/3 Nr. 4‘‘
"Langenbruck"
G 3/3 Nr. 6
"Waldenburg"

Inbetriebnahme190219101912
ErbauerSLM Winterthur
FabrikationsnummerNr. 1440Nr. 2094Nr. 2276
AnschaffungspreisFr. 25‘000.-Fr. 24‘515.-Fr. 26‘500.-
Zylinderdurchmesser260 mm
Kolbenhub350 mm
FeuerbüchseKupfer
total Heizfläche26.6 m2
Rostfläche0.53 m2
Dampfdruck14 bar
Siederohre77 Stück
Siederohrlänge2‘200 mm
Wasserinhaltvorrat1‘800 l
Kohlenvorrat500 kg
Zugkraft bei max. Kesseldruck (Leistung)1‘900 kg (ca. 180 PS)
Radstand2‘000 mm2‘030 mm
Raddurchmesser750 mm
Tara-Gewicht12‘000 kg
Dienstgewicht (Adhäsionsgewicht)15‘400 kg (15‘400 kg)
Länge über Kupplung5‘880 mm
Spurweite750 mm
V max.25 km/h
BremsenSpindel- und Gegendruckbremsen (wirken nur auf Lok),
automatische Vakuumbremse (Hardy)

Typenskizze


Skizze der G 3/3 Nr.5 "Gedeon Thommen" (1902) der Waldenburgerbahn. Anlässlich der Wiederinbetriebnahme 1980 wurde unter anderem eine Knorr-Druckluftbremse eingebaut (nicht dargestellt).

Rollmaterial-Geschichte

Nr.InbetriebVerbleibAbbildungsnachweis und Bemerkungen
4‘‘
Langenbruck
26.02.1910Abbruch
04.10.1954
WB78. WB80: 37, 40, 106. WB00: 48, 133, 151, 154, 179, 182. CJ4: 8, 28, 29, 30, 37.
(Ersatz für die 1910 auszumusternde Lok 4 "Waldenburg"). Ablieferung am 23.02.1910 (SLM Fabriknummer 2094), Probefahrten am 25.2.1910. Inbetriebnahme am 26.02.1910. Ersatz der 6 Achslager 1912. Ersatz des Geschwindigkeits-messers im 1929 durch einen Gebrauchten und 1941 durch einen Neuen. Egalisieren der Dampfsteuerung und Revision aller Hahnen und Ventile im 1921. Totalrevision der Dampfsteuerung, alle Bremssysteme und der festen und beweglichen Teile, neue Feuerbüchse (durch SLM) vom Okt. 1930 bis Jan. 1931. Revision wegen Riss in der Feuerbüchsen Rohrwand am 5.8.1944. Bereits zwischen März und Juli 1947 wurde wieder die Feuerbüchse und verschiedene Kesselarmaturen ersetzt (bei SLM). Die letzte Revision erfolgte am 19.9.1951. Ausserdienststellung 1953. 1954 an Firma Kopfmehl, Solothurn, auf Abbruch verkauft. Abtransport (ab WB) 04.10.1954.
5
G. Thommen
1. Inbetriebn.
28.08.1902

2. Inbetriebn.
07.06.1980
hist.Lok WB78. WB80: Titelseite, 16, 21, 28, 32, 33, 42, 95, 96, 97, 101, 102, 107, 108. WB00: 3, 8, 15, 21, 22, 37, 52, 53, 122, 135, 136, 194, 206. CJ4: Titelseite, 9, 28, 32, 38, 46.
Ablieferung 26.08.1902 (SLM Fabriknummer 1440), Inbetriebnahme 28.08.1902. Angeblich ging das Lokomotivbuch verloren. Achsbruch am 19.10.1933. Ausserdienststellung 1953, bis 1961 in Waldenburg remisiert. Vom 03.08.1961 bis 30.06.1975 auf dem Bahnhofgelände Liestal als Denkmal aufgestellt. Von 1975 bis 1980 vollständige Restauration durch eine Arbeitsgruppe von Freiwilligen. Revision von Feuerbüchse und Kessel in der HW der ÖBB in Knittelfeld. Einbau einer neuen Knorr-Druckluftbremse auf der vorderen rechten Seite. Wiederinbetriebnahme am 07.06.1980 als historische Dampflok. Seither führt sie während des Sommers historische Dampfzüge durch das Waldenburgertal.
6
Waldenburg
27.09.1912Verkehrshaus
der Schweiz
Luzern
WB78. WB80: 24, 29, 40, 53, 108. WB00: 35, 41, 112, 137, 138, 189, 210. CJ4: 10, 28, 35, 38, 42, 43, 46, Rückseite.
Ablieferung am 23.09.1912 (SLM Fabriknummer 2276), Probefahrten ab 24.09.1912. Inbetriebnahme 27.09.1912. Ersatz des Geschwindigkeitsmessers durch einen Gebrauchten 1929 und nochmals durch einen Neuen 1941. Entgleisung in Oberdorf nach Kollision mit Lastwagen am 8.05.1930 ohne Schaden an der Lok. Ersetzen der Triebachsen und der Feuerbüchse bei SLM 17.05.1934. Ersatz aller 74 Siederohre 1937. Ersatz der Feuerbüchse, des Aschekasten und der Rauchkammer bei SLM 7.06.1946. Kollision mit Lastwagen am 27.10.1948 bei der das Führerhaus stark beschädigt wurde. Dadurch auch div. Reparaturarbeiten an Trieb- und Kuppelstangen, richten der Gestänge der Steuerung, sowie Ersatz des Antriebs zum Geschwindigkeitsmesser. Ausserdienststellung 1953. Dank einer vom SVEA durchgeführten Spendenaktion 1954 durch den SVEA erworben. Von Angehörigen des Vereins Eisenbahn- und Modellbaufreunde Luzern (EMBL) einer Aussenrenovation unterzogen. Seit 1959 in nicht betriebsfähigem Zustand im Besitze des "Verkehrshaus der Schweiz" (VHS) in Luzern.

Bilder

 
Die frisch abgelieferte G 3/3 Nr. 4‘‘ "Langenbruck" präsentiert sich dem Fotografen im Mittagslicht.   Personenzug mit Lok Nr. 4‘‘ im Bezirkshauptort Waldenburg. Bild ca. um 1950. (Fotos CJ4)
 
 
Die G 3/3 Nr. 5 "G.Thommen" auf Rangierfahrt im Bahnhof Waldenburg. Bild nach Revision im 1943.   Personen- und Güterzug mit Lok. Nr. 5, abfahrtbereit im Liestaler Bahnhof. Bild ca. um 1910. (Fotos CJ4)
 
 
Die G 3/3 Nr. 6 "Waldenburg" wartet auf den nächsten Einsatz, Bild vor dem Depot in Waldenburg. Bild ca. um 1915.   Personenzug mit Lok Nr. 6 vor dem Depot in Waldenburg. Bild ca. um 1950. (Fotos CJ4)

Bilder der historischen Lok G 3/3 Nr. 5 "G. Thommen"

 
Ein Dampfzug mit der G. Thommen auf der Fahrt von Oberdorf Richtung Niederdorf. Das historisch anmutende Bild wurde 2002 geschossen: Die Leitungsmasten sind wegretouchiert.   Der historische Dampfzug in der Haltestelle Bad Bubendorf im Juni 2002 (Fotos H.Ziegler).
 
 
Die G. Thommen beim Wasserfassen in Liestal. Zwischen Liestal und Waldenburg verdampft die Lok 3000 Liter Wasser, also deutlich mehr als der Tenderinhalt von 1800 Litern.   Die linke Lokseite präsentiert sich weitgehend originalgetreu, wie hier in Waldenburg (Fotos H.Ziegler).
 
 
Auf der rechten Lokseite ist seit der Wiederinbetriebnahme 1980 eine Knorr-Druckluftbremse montiert, unterhalb des Kamins gut erkennbar.   Im Juni 2004 präsentiert sich G. Thommen im 103. Altersjahr im Bahnhof Liestal in seiner vollen Schönheit (Fotos H.Ziegler).
 


Alle Rechte © www.tram-basel.ch und Heiner Ziegler (Stand: 31.10.2005) - Letzte Änderung: 18.07.2012