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Rollmaterial:                     


WB: Dampfloks G 2/2 1-2

Als erste Dampflok in der Geschichte der Waldenburgerbahn wurde im Jahre 1880, durch die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur, mit der Fabrikationsnummer 180, eine zweiachsige Tenderlokomotive geliefert. Die Lok erhielt die Betriebsnummer 1 und wurde zum Gedenken an den leider 1878 verstorbenen, grossen Förderer der Bahn durch das Waldenburgertal, Dr. med. Martin Bider aus Langenbruck, benannt. Die neue Lok wurde bereits am 15.08.1880 in Betrieb gesetzt. Sie wurde beim Bahnbau für die notwendigen Schottertransporte eingesetzt. Nach Abschluss der Arbeiten wurde am 01.11.1880 der reguläre Fahrplandienst im Personenverkehr aufgenommen. Mit dem Gütertransport konnte erst am 17. Januar 1881 begonnen werden. In ihrer Dienstzeit erfuhr die Lok diverse technische Nachrüstungen. So wurde die vorhandene Spindelbremse (Handbremse, die mit Bremsklötzen auf die hintere Achse der Lokomotive wirkt) mit einer Gegendruckbremse, welche über die Zylinder und Kuppelstangen die Triebräder der Lok abbremst, ergänzt. Zusätzlich ist die automatische Vakuumbremse (nach System Hardy), die auf jeden einzelnen Wagen wirkt, eingebaut worden. Die Einrichtung der Dampfheizung dürfte die Winterfahrgäste bestimmt gefreut haben. Ein grösserer Schaden entstand am Führerhaus, als sich am 27.08.1884 Putzfäden entzündeten. Diverse Dinge mussten ersetzt werden und das Führerhaus erhielt einen neuen Farbanstrich. Eine Besonderheit gibt es noch zu vermerken: In den Jahren 1920 bis 1922 versuchte ein Mechaniker (aus dem Tal) die Lokomotive auf Gasfeuerung umzubauen. Dies gelang jedoch nicht. Die Maschine wurde 1928 ausrangiert und verschrottet.

Ebenfalls im 1880 beschaffte die Waldenburgerbahn eine zweite Dampflok bei der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur. Diese wurde mit der Fabrikationsnummer 181 gebaut. Bei der WB erhielt sie die Nr. 2 und den Namen "Rehhag". Dies ist ein "geografischer" Name. Der gleichnamige Höhenzug ist 900m ü.M. und liegt süd-östlich von Waldenburg. Die Lok wurde im September 1880 für Probefahrten in Betrieb gesetzt und konnte, zusammen mit der Nr. 1, am 1. November 1880 den Fahrplanbetrieb aufnehmen. Die Fahrzeit von Liestal nach Waldenburg betrug 55 bis 60 Minuten. An der Nr. 2 wurden die selben technische Verbesserungen wie an der Lok Nr. 1 vorgenommen. Ausser den normalen Reparaturarbeiten und Hauptrevisionen sind im Lokbuch keine besonderen Vorkommnisse vermerkt. Die "Rehhag" wurde bereits 1913 ausrangiert und an das Tunnelbauunternehmen Berger & Cie verkauft. Die kleine Lok wurde in der Folge beim Bau des Hauenstein-Basistunnel eingesetzt. Der weitere Verbleib ist nicht bekannt.

Technische Daten

 
G 2/2 Nr. 1 "Dr. Bider", G 2/2 Nr. 2 "Rehhag"
Inbetriebnahme1880
ErbauerSLM Winterthur
FabrikationsnummerNr. 180, Nr. 181
AnschaffungspreisFr. 16‘850.-
Zylinderdurchmesser180 mm
Kolbenhub350 mm
Heizfläche direkt2.5 m2
total Heizfläche19.0 m2
Rostfläche0.32 m2
Dampfdruck12 bar
Siederohre61 Stück
Siederohr-Länge2‘240 mm
Wasservorrat950 l
Kohlenvorrat250 kg
Zugkraft bei max. Kesseldruck (Leistung)920 kg (ca. 50 PS)
Radstand1‘800 mm
Raddurchmesser750 mm
Tara-Gewicht7‘821 kg
Dienstgewicht (Adhäsionsgewicht)9‘900 kg (8‘800 kg)
Länge über Kupplung5‘020 mm
Spurweite750 mm
V max.25 km/h
BremsenSpindelbremse (wirkt nur auf Lok)
spätere Änderungen1892: Gegendruckbremse (nur Lok), automatische Vakuumbremse (System Hardy, auf den Zug wirkend), Einrichtung für Dampfheizung

Typenskizze

Skizze der G 2/2 Nr.1 "Dr.Bider" (1880) der Waldenburgerbahn. Die zweite im 1880 abgelieferte Lok, die Nr. 2 "Rehhag", entsprach der Nr. 1. Die Maschinen hatten zum Schutze des Triebwerkes eine umlaufende Holzbohle. Diese wurden jedoch bei einer Revision entfernt. Anfänglich hatten die Kupplungen keine Trichter. Diese wurden nachträglich aufgebaut.

Rollmaterial-Geschichte

Nr.InbetriebAusmusterungAbbildungsnachweis und Bemerkungen
1
Dr. Bider
18801928CJ4: 2, 3, 15. WB78. WB80: 18, 104. WB00: 6, 25, 126, 192.
Ablieferung 1880 (SLM Winterthur, mit Fabriknummer 180). Einsatz für Schottertransporte beim Bahnbau ab 15.08.1880. Fahrplandienst ab 01.11.1880. Ersatz der Feuerbüchse im 1888. Einbau der automatischen Vakuumbremse (Hardy), sowie der Gegendruckbremse, Geschwindigkeitsmesser und Einrichtung für Dampfheizung im 1892. Einbau eines neuen Kessels, einer neuen Feuerbüchse, neuer Siederohre, neuer Aschekasten und neuer Rauchkammerbodenplatte bei der SLM vom Oktober 1905 bis 31. Dezember 1906. Ausserdem wurden alle Ventile und Hahnen revidiert, die Lager neu gegossen und ein neuer Radsatz montiert. Eine erneute grosse Revision erfolgte im 1910. Eine weitere Kesselrevision im 1913. Die Maschine wurde 1928 ausrangiert und anschliessend verschrottet. (WB00: 124-126)
2
Rehhag
18801913CJ4: 4. WB78. WB80: 19, 104, WB00: 87, 127.
Ablieferung am 1880 (SLM Winterthur, mit Fabriknummer 181) Probefahrten ab Sept.1880, Fahrplandienst ab 01.11.1880. Im 1889 musste die Feuerbüchse ersetzt werden. Erste grosse Revision vom 14.08.1898 bis 05.11.1898. Reparaturen an zwei Federn, neuer Radsatz, Ersatz des Aschekastens, der Dampfpfeife und Revision der Umsteuerung im November 1898. Bereits 1913 wurde die Maschine ausrangiert und an das Tunnelbauunternehmen Berger & Cie verkauft. Dort wurde sie beim Bau des Hauenstein-Basistunnels eingesetzt. (WB00: 126-127)

Bilder

 
WB Lok G 2/2 1 "Dr. Bider" im Originalzustand. Noch mit der umlaufenden Holzbohle zum Schutze des Triebwerkes, jedoch bereits mit Trichterkupplung. Bild um ca. 1890. (Foto CJ4)   Die Lok Nr. 1 mit einem Güterzug in der Station Waldenburg, Im Bildhintergrund die Villa des Mitbegründers und grossen Förderer der Bahn Gédéon Thommen. Ansicht aus den ersten Betriebsjahren ca. um 1885. (Foto WB00)
 
 
WB Lok G 2/2 2 "Rehhag" im Originalzustand. Bild um ca. 1890. (Foto CJ4)   Die Lok Nr. 2 mit einem Personenzug in der Station Waldenburg. Bild ca. um 1885. (Foto WB80)
 


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