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Rollmaterial:                     


BVB: Motorwagen Ce 2/3 301

Ende der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts bewegte sich das Basler Tramnetz auf das Maximum seiner Ausdehnung hin (1934), die Stadt war in starkem Wachstum begriffen und die Fahrgastfrequenzen nahmen stetig zu. Auf der Suche nach neuen Fahrzeugen diskutierte man auch den Kauf von Vierachs-Motorwagen, wie sie neuerdings in Zürich zum Einsatz gekommen waren ("Elefanten"). Man beurteilte diese Fahrzeuge als zu schwer und deshalb ungeeignet für Basel. Man wollte statt dessen überlange Zweiachser bauen lassen, um die Vorortsstrecken damit auszurüsten. Neben dem Bau von 8 herkömmlichen Zweiachsern (193-200) gab man deshalb 1929 auch den Bau von zwei überlangen Motorwagen in Auftrag (Nr. 71‘‘ und 72‘‘). Der erste war viertürig, der zweite als Mitteleinstiegwagen konzipiert. Beide Mustermotorwagen wurden mit gleichartigem Anhänger gebaut. Besonders letztere zeigten ein derart unbefriedigendes Laufverhalten, dass sie bald mit Dreiachs-Lenkgestellen ausgerüstet wurden. Der Unterschied war verblüffend, so dass man beschloss, einen Dreiachsmotorwagen (Nr. 73‘‘) bauen zu lassen. Der erste überlange Zweiachser (71‘‘) erhielt 1953 ebenfalls ein Dreiachs-Lenkuntergestell. Die Fahreigenschaften dieser beiden einzigen Dreiachs-Motorwagen der BVB waren gut, aber sie blieben Prototypen. Inzwischen hatte die Industrie Einheits-Vierachser entwickelt, mit der eine neue Rollmaterialepoche eingeläutet wurde.

Wegen Pfeiffgeräuschen der Gummiabfederung erhielt der Zweiachser beim Personal den Übernamen "Kanarienvögeliwagen". Als besonderes Merkmal wies der Motorwagen an der Dachkante markante Lüftungsschlitze auf, und zwar nur vorne links und hinten rechts. Eine zweite Eigenheit dieses Motorwagens soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Von den Zweiachsern erhielten nur die zu Einrichtungsfahrzeugen umgebauten Wagen eine weisse Zierlinie. Der Wagen 301‘‘ war das einzige Zweirichtungsfahrzeug der BVB, das ab etwa 1964 ebenfalls einen solchen Streifen trug. Der schwere Motorwagen war untermotorisiert und kam deshalb nach wenigen Einsätzen auf Stadlinien auf die flache Linie 11, wo er bis 1971 verkehrte. Mit der Lieferung der zweiten Serie Düwags war die Zeit abgelaufen und er wurde 1972 verschrottet.

Technische Daten

(für Details siehe TB15 [2003]: 73-74)
Inbetriebnahme24.12.1930
ErbauerSchweiz. Industrie Gesellschaft, Neuhausen (SIG)
elektrische AusrüstungBrown Boveri AG, Baden (BBC)
WagenpreisSFr. 75‘380.-
Länge über Puffer10‘970 mm (mit +GF+-Kupplung: 10‘940 mm)
grösste feste Breite2‘200 mm
grösste feste Höhe3‘890 mm (ab 1935: 3‘980 mm)
Achsabstand3‘200 mm
SLM-Dreiachs-Untergestell: 4‘800 mm.
Triebraddurchmesser810 mm
Tara-Gewicht16‘600 kg
als Ce 2/3: 17‘800 kg.
Total: Sitz/Stehplätze68: 22/46
V max.30 km/h
Motoren2 GTM 3i à 66 PS
Bremsenelektrische Widerstandsbremse
Luftdruckbremse Westinghouse
Magnetschienenbremse für Fahrleitungsspannung
Handbremse (Kurbeln/Kettenzüge)
Einrichtungen für Anhänger-Solenoidbremse
spätere Änderungen 2.1931: Einbau Stopex-Bremsgestängesteller.
3.1932: 2 neue Motoren GTM 132 à 75 PS.
1935: Scherenpantograf.
7.1950: Brosebandkäten
9.1951: +GF+-Kupplungen
3.8.1953 - 27.9.1954 Einbau eines SLM-Dreiachs-Untergestells. Einbau von Richtungsblinkern, Verlegung diverser Apparaturen auf das Dach.
1.1955: Trug vorübergehend den Namen "Bebbi".

Typenskizze


1930 wurde der Wagen mit der Nummer 201 als Zweiachser abgeliefert.


1954 erhielt der Wagen ein Dreiachs-Lenkuntergestell der SLM. Seit 1948 trug er die Nummer 301.

Rollmaterial-Geschichte


Nr. BaujahrAbbruch    Abbildungsnachweis und Bemerkungen
30119301972AA94: 100 (1957), 159 (1938), 188 (1946, 1957). CJ68: Bild 56 (1930, Typenzeichnung), Bild 57 (1966), Bild 58 (1966). CJ81: Bild 116/117 (Typenzeichnung), Bild 118 (1930), Bild 119 (1966), Bild 120 (1966). CJ84: Bild 42 (1953), Bild 67 (1967). HS87: 67 (1967). TB15: 73 (1930), 74 (1954, 1966).
Inbetriebnahme 24.12.1930. als Be 2/2 Nr. 201‘‘. Ab 11.5.1931 Nr. 71‘‘. Am 15.10.1933 Frontalkollision mit dem Motorwagen 450 ("Dante Schuggi") mit grossem Schaden. Am 16.7.1943 Entgleisung beim Landhof in Reinach, wobei der Motorwagen umstürzte. Ab 10.2.1948 Nr. 301. Trug 1955 den Namen "Bebbi". Im September 1971 nach Ankerschluss aus dem Verkehr genommen, danach im Eglisee abgestellt. Ausmusterung 27.10.1972, anschliessend Abbruch bei Schlatter, Münchwilen. (Quelle: TB15).

Rollmaterial-Einsätze

Copyright Heiner Ziegler
Ce 2/2 solo: dokumentiert für Linie 6/9 während Schlaufenumbau in Allschwil (1949), vermutlich auch auf Bruderholzlinien 5, 15, 16, 26, hauptsächlich auf Linie 11.

Ce 2/3 301

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Ce 2/3 solo: dokumentiert für Linie 11.
Copyright Heiner Ziegler Copyright Heiner Ziegler
Ce 2/3 301 mit B2: dokumentiert für Linie 11
Copyright Heiner Ziegler Copyright Heiner Ziegler
Ce 2/3 301 mit B3 1301: dokumentiert für Linie 11
Copyright Heiner Ziegler Copyright Heiner Ziegler
Ce 2/3 301 mit B3 1303ff: dokumentiert für Linie 11
Copyright Heiner Ziegler Copyright Heiner Ziegler
Ce 2/3 301 mit B3 1333ff.: dokumentiert für Linie 11
Copyright Heiner Ziegler Copyright Heiner Ziegler
Ce 2/3 301 mit B4 1400: dokumentiert für Linie 11
Copyright Heiner Ziegler Copyright Heiner Ziegler Copyright Heiner Ziegler
Ce 2/3 301 mit 2 B3 1301-1344: dokumentiert für Linie 11
Copyright Heiner Ziegler Copyright Heiner Ziegler Copyright Heiner Ziegler Copyright Heiner Ziegler
Ce 2/3 301 mit 3 B3 1301-1344: dokumentiert für Linie 11

Sonderfahrten

Copyright Heiner Ziegler Copyright Heiner Ziegler
TCB-Sonderfahrt am 7.9.1969 mit Be 2/3 301 + B3 1301 übers Bruderholz

Bilder

 
Von 1931 bis 1947 trug der damals zweiachsige Motorwagen die Nummer 71. Mit einer Länge von 11‘970 mm war er der längste Zweiachs-Motorwagen der Schweiz.   Das Bild von 1954 zeigt den Wagen mit neuem Dreiachs-Untergestell. Inzwischen trägt er die Wagennummer 301 (Fotoarchiv BVB).
 


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