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Rollmaterial:                     


BVB: Motorwagen Ce 2/4 251-253

Im Anschluss an die erste Serie von 22 Be 4/4 Motorwagen (401-422) wurde eine Folgebestellung von 32 baugleichen Motorwagen (423-454) angeschlossen. Auf Vorschlag der Industrie wurden aber statt der beiden letzten vorgesehenen Fahrzeuge (453-454) drei "ultraleichte" Vierachser mit den Nummern 601-603 gebaut und 1952 abgeliefert. Diese Fahrzeuge hatten hinten einen stufenlosen Niederflureinstieg, entsprechend klein waren die Räder im hinteren Laufdrehgestell. Bei der Ablieferung besass dieses Laufdrehgestell keine Schienenbremsen, diese wurden in den folgenden Jahren wegen mangelhafter Bremsleistung eingebaut (Info U.Weber). Die beiden Motoren lieferten 130 PS (gegenüber den 4 Motoren der Be 4/4 von 360 PS). Die Wagen konnten keine Anhänger mitführen und waren für den alleinigen Einsatz auf der Ringlinie 2 konzipiert. Der Wagenboden wies ein starkes Längsgefälle auf, und das Fahrzeug verfügte über viele Stehplätze, aber im Verhältnis wenig Sitzplätze. Trotz Niederflureinstieg waren diese Wagen beim Publikum deshalb wenig beliebt. Die starke Neigung des Wagenbodens vermittelte zudem ein spezielles Fahrgefühl: Man fühlte sich wie in einem vorne aufgebockten Pannenfahrzeug. Die kleinen Räder des Laufdrehgestells erwiesen sich im Betrieb als problematisch: Sie nutzten sich schnell ab und neigten zu Laufflächen. Wenn ein Bugatti die Spalentorkreuzung befuhr, war er von weitem als solcher hörbar: "bum-bum - - ding-ding" tönte es. Ein am 28. Oktober 1954 bewilligter Kredit zur Beschaffung von 9 weiteren baugleichen Fahrzeugen wurde in einer Volksabstimmung im März 1955 gegen 3479 Stimmen abgelehnt. Der Grund der Ablehnung lag weniger in der Bauweise, sondern in der Forderung der Gegnerschaft, die Ringlinie 2 auf Busbetrieb umzustellen. Dieses Abstimmungsresultat wurde später nicht mehr bedauert. Mit der Ablieferung der ersten Gelenkwagen (601-602) wurden die drei Bugattis, wie sie im Volksmungenannt wurden, umnumeriert und erhielten die Nummern 251-253. Nachdem der Westast der Ringlinie 2 1966 stillgelegt worden war, kamen sie noch auf der Linie 7 oder abends auf der Linie 2 gelegentlich zum Einsatz. Danach standen sie jahrelang auf dem Abstellgleis neben dem Depot Allschwilerstrasse, ohne je wieder eingesetzt worden zu sein. Am 19. September 1978 wurden sie dem Abbruch übergeben. Keines der Fahrzeuge ist erhalten geblieben.

Technische Daten

(für Details siehe TB15 [2003]: 92-94)
Inbetriebnahme1952
ErbauerSchindler Waggon AG, Pratteln (SWP)
elektrische AusrüstungBrown Boveri, Baden (BBC). Montage BVB.
WagenpreisSFr. 205‘000.-
Länge über Stossstangen12‘740 mm
grösste feste Breite2‘200 mm
grösste feste Höhe3‘832 mm
Achsabstand1‘700mm (Triebdrehgestell), 1‘340 (Laufdrehgestell).
Drehgestellmittenabstand6‘375mm.
Triebraddurchmesser660 mm
Laufraddurchmesser420 mm
Tara-Gewicht11‘840 kg.
Adhäsionsgewicht7‘970 kg.
Total: Sitz/Stehplätze99: 20+2/79
V max.55 km/h
Motoren2 BBC G 25 à 65 PS
Bremsenelektrische Widerstandsbremse
Druckluftbremse System Knorr
Magnetschienenbremse für Fahrleitungsspannung (hinten erst nachträglich montiert)
Handbremse (Kurbel/Spindel) auf vorderes Drehgestell wirkend
spätere Änderungen um 1953: Ersatz der Einkammer-Luftdruckbremse durch Zweikammer-LDP System Westinghouse.
1953-1954: Einbau von Magnetschienenbremsen auch im Laufdrehgestell
1954: Richtungsblinker.
Um 1955: weisse Zierstreifen
1959-1960: Ersatz des EFAP-Geschwindigkeitsmessers durch Hasler-Tachographen.
um 1964: Brosebandkasten vorne, Aussenrückspiegel rechts.
1970: Einrichtungen für billeteurlosen Betrieb, später Demontage Billeteursitz.
ab 1972: Auf Aussengleis neben dem Depot Allschwilerstrasse remisiert.
19.9.1978: Abbruch bei Thommen, Kaiseraugst (Fotodokumentation W.Liechti).
31.12.1978: Buchhalterische Ausmusterung.

Typenskizze


Ce 2/4 601-603 in fabrikneuem Zustand: Ohne hintere Schienenbremsen, ohne Zierlinie und mit aufgesteckter Linientafel vorne.


Ce 2/4 251-253 (ex 601-603) im Endzustand: Mit hinteren Schienenbremsen, Zierlinie, Rückspiegel und vorderem Brosebandkasten.

Rollmaterial-Geschichte

Nr.Abbildungsnachweis und Bemerkungen
601 [251‘‘]AA94: 196 (1966). CJ68: Bild 51 (Typenzeichnung), Bild 53 (1952), Bild 55 (1964). JC81: Bild 114 (um 1964), Bild 110 (1952). JC84: Bild 86 (1970), Bild 188 (um 1964), Bild 189 (um 1964), Bild 190/191 (1968). TB9: 65 (1978). TB10: 97 (1962), 98 (Typenzeichnung). TB15: 92 (1952).
Inbetriebnahme 21.2.1952 als Nr. 601. Im Juni 1954 Einbau Magnetschienenbremsen im Laufdrehgestell. Trug 1955 den Namen "Gina". 19.6.1959: Entgleisung im Schlepp des Be 4/4 416. 3.8.1959: Umnumerierung: Nr. 251‘‘ (Quelle: TB15). 9.1978 Abbruch bei Thommen, Kaiseraugst (Info W.Liechti).
602 [252‘‘]AA94: 41, 143 (1962), 153 (1969). CJ68: Bild 135 (1955), Bild 144 (um 1965), Bild 54 (1967). JC81: Bild 115 (1967). JC84: Bild 192 (1952), Bild 193 (1965), Bild 194/195 (1971). SA95: 206 (1952). TB7: 48 (um 1965). TB15: 93 (1959, 1962).
Inbetriebnahme 10.4.1952 als Nr. 602. Im Dezember 1953 Einbau Magnetschienenbremsen im Laufdrehgestell. Trug 1955 den Namen "Marilyn". 4.8.1959: Umnumerierung: Nr. 252‘‘. 6.8.1959: Entgleisung mit Umkippen des Wagens beim Badischen Bahnhof (Quelle: TB15). 9.1978 Abbruch bei Thommen, Kaiseraugst (Info W.Liechti).
603 [253‘‘]CJ68: Bild 52 (um 1952). JC81: Bild 111 (1952). JC84: Bild 99 (1965), Bild 196 (1952), Bild 197 (1971). TB8: 81 (1976). TB11: 45 (1968). TB13: 24 (um 1964). TB15: 94 (1961), 169 (1969).
Inbetriebnahme 19.4.1952 als Nr.603. Im Februar 1954 Einbau Magnetschienenbremsen im Laufdrehgestell. Trug 1955 den Namen "Caroline". 5.8.1959: Umnumerierung: Nr. 253‘‘ (Quelle: TB15). 24.-31.5.1961: Vorübergehender weisser Anstrich mit Inneneinrichtung als Barwagen "Au Bonbon d‘or" als Werbeträger für das Weltflüchtlingsjahr. 9.1978 Abbruch bei Thommen, Kaiseraugst (Info W.Liechti).

Rollmaterial-Einsätze

Copyright Heiner Ziegler
Ce 2/4 solo: dokumentiert für Linien 2, 7, (24?).

Bilder

Werkaufnahmen von 1952 der Brown Boveri AG. Der Wagen 602 (später 252) steht in Kleinhüningen und befährt das Gleis im Uhrzeigersinn, wie es von Linienkursen damals nicht befahren worden ist. Beachte bei der Innenaufnahme die dem Dach entlang laufende, stufenförmige Haltestange (Fotoarchiv und Copyright BVB).

 


Alle Rechte © www.tram-basel.ch und Heiner Ziegler (Stand: 17.06.2004) - Letzte Änderung: 17.07.2012