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Strecke: St. Ludwig/St-Louis (1900/1911-1957)

St-Louis-Grenze - Johanniterbrücke Linie 5 Linie 5 St-Louis-Grenze - Johanniterbrücke Linie 5 Linie 5

Am 30.06.1900 erreichten die Geleise vom Totentanz her die Landesgrenze und bildeten hier für kurze Zeit die Endstation der Linie 5. Schon drei Wochen später, am 22.07.1900, wurde die Verlängerung über die damals deutsche Landesgrenze eröffnet und führte bis zum ebenerdigen Bahnübergang der Eisenbahnlinie Weil - St.Ludwig, wo sich auch die deutsche Zollstation befand. Die Tramstrecke war in den ersten Jahren einspurig, mit Ausweichstellen von der "Schweizerhalle" bis über die Landesgrenze und am Streckenende beim Bahnübergang (mit kurzer Einspurstrecke im Bereich des Gasthofs Meid).

1911 - 1914

Nachdem die zuvor der Bahnübergang in der Hauptstrasse auf eine Eisenbahnüberführung verlegt worden war, konnte die Tramlinie westwärts verlängert und am 1. Mai 1911 eröffnet werden. Die Streckenverlängerung war bis auf ein kurzes Stück vor der Endschlaufe doppelspurig. Die ursprüngliche Haltestelle "Gasthof Meid" hiess jetzt "Marienstrasse", aus der Haltestelle "Bahnübergang" wurde "Bahnkreuzung", und ab 1913 hiess die Haltestelle "Bahnhofstrasse" neu "Alte Bahnhofstrasse". Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Grenze am 31.07.1914 geschlossen und der Trambetrieb nach St.Ludwig eingestellt.

1915 - 1923

Während des Ersten Weltkriegs war der Betrieb nur kurz, vom 31.7.1914 bis 30.9.1915, unterbrochen. Ab 1.10.1915 wurde ein Pendelbetrieb mit Linienschild 5 auf französischer Seite eingerichtet, die Fahrgäste mussten dabei die Grenze zu Fuss passieren und vom Basler in den Elsässer-Tramwagen umsteigen. 1918 wurde St.-Louis französisch, entsprechend wurden alle Haltestellennamen ins Französische geändert. Ab 1923 verkehrten die Kurse zwar wieder durchgehend, die Fahrgäste mussten die Grenze allerdings weiterhin zu Fuss überqueren.

1923 - 1939

Vom 01.06.1923 bis 01.09.1939 verkehrten die Tramkurse von Basel her wieder durchgehend bis zur Wendeschlaufe in St-Louis, die Fahrgäste mussten die Grenze allerdings weiterhin zu Fuss überqueren. Der im Geleiseschema eingezeichnete, rechtsläufige ("spitzwinklige") Gleiswechsel 134/135 wurde nach 1933 ausgebaut, vermutlich im Zusammenhang mit der Erstellung des Gleisdreiecks Kohlenstrasse. Vom 01.10.1915 bis 21.05.1932 wurde die Strecke von Basel nach St-Louis von der Linie 5 bedient, danach von der Linie 18. Die Linie 18 Neuweilerstrasse - St-Louis verkehrte täglich und ganztägig im 12-Minutenbetrieb mit Fahrten ab St-Louis ab 06.01 bis 00.01 Uhr. Eingesetzt waren 11 Kurse, die dem Depot Wiesenplatz zugeteilt waren. Ueber Mittag verkehrte ein Einsatzkurs zwischen Dreispitz und St-Louis mit einmaligem zusätzlichem Pendeln zwischen Grenze und St-Louis. Als Ergänzung zur Linie 15/25, die damals an der Grenze wendete, ergab dies einen 6-Minutenbetrieb während der mittäglichen Hauptverkehrszeit in St-Louis. Das Abstellgeleise in St-Louis wurde damals zum Abstellen von Anhängewagen planmässig benutzt (Infos W.Liechti). Um 1930 wurden einige Haltestellen geändert: Das Tram hielt fortan statt an der bisherigen Haltestelle "Rue St-Marie" an der "Rue Sundgau", und zwischen der "Rue du Rhin" und der "Mairie" gab es an Stelle der bisherigen drei nur noch zwei (neue) Haltestellen: "Rue de Hegenheim" und "Rue de Belfort"

1947 - 1957

Vom 01.09.1939 bis 1947 ruhte der Tramverkehr vollständig. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke erst am 01.08.1947 wieder eröffnet, allerdings kam ein durchgehender Betrieb nie mehr zustande. Die Elsässer betrieben die Strecke mit gemietetem, altem BVB-Rollmaterial in eigener Regie mit Kopfschild "St-Louis". In den Wagen mussten dazu alle deutsprachigen Schilder entfernt werden! Die Wendeschlaufe in St-Louis wurde in dieser Epoche nicht mehr verwendet, da nur noch Zweirichtungs-Motorwagen ohne Anhänger verwendet wurden. Am anderen Ende, vor dem Zoll, wurde zum Wenden der Wagen um 1947 ein einfacher, linksläufiger ("stumpfer") Gleiswechsel eingebaut. Die zwei eingesetzten Pendelwagen erlaubten tagsüber einen 7 1/2-Minutenbetrieb, abends verkehrte das Tram viertelstündlich. Nachts waren die dem Depot Wiesenplatz zugeteilten Motorwagen in St-Louis abgestellt. In den letzten Betriebsjahren waren dies Wagen der Serie 56-70 mit Längssitzen, vereinzelt auch solche der Serie 22-55. Am Silvester 1957 verkehrten die Basler Wagen letztmals durch St-Louis, danach übernahm der elsässische "Odobüss" den Betrieb (Infos W.Liechti).

Streckenplan St.Ludwig / St-Louis









Diese herrliche Foto zeigt die Grenze Schweiz-Elsass zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Das Bild ist mit dem 25.10.1918 datiert und dürfte im Sommer 1918 entstanden sein. Im Hintergrund liegt das St.Johannquartier mit damals noch weiten, unbebauten Flächen. Von 1915 bis 1923 wurde das Tram in St-Louis als Pendelbetrieb geführt, ohne dass die Tramkurse die Grenze passierten (Foto Sammlung H.Ziegler).


Am 01.08.1947 wurde der zuvor kriegsbedingte Tramverkehr nach St-Louis wieder eröffnet, ein durchgehender Tramverkehr wie vor dem Krieg kam allerdings nie mehr zustande. Zum Wenden der Kurse wurde 1947 der im Bild sichtbare Gleiswechsel 464/465 eingebaut, auf dem der Be 2/2 61 soeben wendet. Das Kopfschild mit der Aufschrift "St.Louis" diente beiden Fahrtrichtungen (Foto A.Amstein Sammlung W.Liechti).


Diese undatierte Foto zeigt den Zoll auf französischer Seite mit Blick gegen die Schweiz. Im Hintergrund ist die Grenze verbarrikadiert. Der Ce 2/2 der Serie 101-136 steht auf der französischen Seite und trägt ein Kopfschild mit der Liniennummer 5. Das Bild müsste somit um 1918 entstanden sein, kurz vor Entfernung der Grenzbarrikaden (Postkarte Sammlung H.Ziegler).


Bilder von St-Louis aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg sind eine gesuchte Rarität. Diese Abbildung zeigt die Rue de Bâle um etwa 1930. Der Ce 2/2 der Serie 22-55 im Hintergrund trägt ein Kopfschild mit der Liniennummer 5 und den Original-Lyrabügel, die Plattformen sind verschlossen gemäss Umbau von ca. 1910 (Postkarte Sammlung H.Ziegler).


Ein Ce 2/2 der Serie 56‘‘-70‘‘ im letzten Betriebbsjahr (1957) in der Rue de Bâle. Der Motorwagen trägt wie damals üblich ein Kopfschild mit der Aufschrift "St.Louis" (Foto A.Amstein Sammlung W.Liechti).


Der Ce 2/2 135 im Sommer 1936 an der Endstation in St-Louis. Auf diesem Bild sind einige Details besonders bemerkenswert: Die Wagen der Serie 101-136 bildeten auf dieser Strecke die Ausnahme, besonders, wenn es sich um ein Fahrzeug ohne Dachreflektoren handelte (wie auf dem Bild ersichtlich). Die Linie 5 verkehrte vor dem Zweiten Weltkrieg grenzüberschreitend (Foto Sammlung H.Ziegler).
 


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