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Strecke: Jakobsberg - Bruderholz (1915)

Studio Basel 1915: Jakobsberg - Bruderholz Linie 15 Jakobsberg 1915: Leimgrubenweg - Thiersteinerallee Hechtliacker Bruderholz Hauensteinstrasse Studio Basel 1930: Bruderholz - Wolfschlucht - Tellplatz Linie 15 Jakobsberg 1915: Leimgrubenweg - Thiersteinerallee Hechtliacker Bruderholz Hauensteinstrasse Linie 15 Linie 16 Linie 16 1930: Bruderholz - Wolfschlucht - Tellplatz Studio Basel 1930: Bruderholz - Wolfschlucht - Tellplatz Linie 5 Jakobsberg 1915: Leimgrubenweg - Thiersteinerallee Hechtliacker Bruderholz Hauensteinstrasse Linie 15 Linie 16 Linie 16 Linie 26 Linie 26 Linie 5 Linie 15 1930: Bruderholz - Wolfschlucht - Tellplatz Airolostrasse

Am 1. Juli 1915 konnte der erste Teil der Bruderholz-Tramlinie zwischen der Thiersteinerallee und dem Bruderholz dem Betrieb übergeben werden. Die damalige Endhaltestelle namens "Bruderholz" war ungefähr bei der heutigen Haltestelle Lerchenstrasse. Die Strecke war bis zum Leimgrubenweg doppelspurig, von dort an bis zum Bruderholz einspurig, mit kurzen Ausweichgeleisen bei der Haltestelle Thiersteinerrain (später "Reservoirstrasse", heute "Hauensteinstrasse") und bei der Endhaltestelle. Vom 02.04.1928 bis 15.05.1928 wurde die Strecke vom Leimgrubenweg bis zur Hauensteinstrasse auf Doppelspur ausgebaut. Der Ausbau der weiteren Strecke zwischen der Hauensteinstrasse und dem Batterieweg folgte vom 29. Mai bis 12. Juli 1929. Gleichzeitig wurde die Strecke von der anderen Seite der Bruderholzallee über die Strasse verlegt. Am 15. Mai 1930 wurde der zweite Teil der Bruderholzstrecke zwischen dem Tellplatz und dem Bruderholz via Wolfschlucht dem Betrieb übergeben. Um 1929 entstand ein erster Gleiswechsel bei der Haltestelle Bruderholz, 1932 ein zweiter, ab etwa 1935 ein dritter. Bis anfangs der Sechzigerjahre blieb es bei drei Gleiswechseln, danach blieb einer übrig, und dieser letzte wurde um 1976 entfernt (Details siehe unten). 1939 erhielt die Haltestelle Jakobsbergerhölzli einen Gleiswechsel mit den Weichen 45/55, dieser bestand bis zum Bau der Wendeschlaufe 1949. 1945 war vorgesehen, bei der Haltestelle Hauensteinstrasse, auf Höhe der Einmündung der Niklaus-von-Flüh-Strasse, eine Wendeschlaufe zu bauen. Die Vorlage wurde aber am 01.07.1945 mit 9680 Nein zu 3023 Ja deutlich abgelehnt. Das Referendum richtete sich vor allem gegen den Verlust von Pflanzland. Die Ablehnung dieser Vorlage führte zum Bau der Schlaufe Jakobsberg, die zusammen mit der während des Zweiten Weltkriegs teilweise stillgelegten Strecke auf das Bruderholz am 18. Mai 1949 in Betrieb genommen wurde und bis 1962 der Linie 26 als neuen Linienendpunkt diente. 1951 wurde sie durch eine Abstellanlage mit 2 Geleisen ergänzt (später auf 3 Geleise ausgebaut, 2002 stillgelegt).

Betrieb

Gefahren wurde 1915 werktags im 24-Minuten Betrieb, an Sonntagnachmittagen im 12-Minuten Betrieb. Eingesetzt wurden neue, im Jahr 1914 in Dienst gestellte Motorwagen, die aber noch keine Luftbremsen besassen. In der kühlen Jahreszeit führten die Motorwagen kurze, aus Motorwagen der ersten Serie umgebaute Anhänger mit, im Sommer waren es offene Sommerwagen. Zu jener Zeit war das Bruderholz kaum bebaut: Das Gebiet um die Batterie war umgeben von Getreidefeldern. Die Tramlinie wurde deshalb in erster Linie von Sonntagsausflüglern genutzt. Vom 07.09.1939 bis 26.10.1941 war der Betrieb auf der Strecke Leimgrubenweg - Bruderholz weitgehend eingestellt. Einzelne Kurse der Linie 15 fuhren bis zum Jakobsberg. Da dort zunächst noch keine Wendemöglichkeit bestand, fuhr solo zum Jakobsberg und auf demselben (also "falschen") Geleise wieder zum Leimgrubenweg zurück! Damals wurde sogar erwogen, diese Strecke definitiv stillzulegen und das Bruderholz nur noch durch die Wolfschlucht zu bedienen.

Streckenplan Jakobsberg - Bruderholz





Gleiswechsel

Kaum irgendwo auf dem Basler Streckennetz gab es so viele Gleiswechsel in so enger Folge wie auf dem Bruderholz. Kompliziert wird die Sache, indem diese teilweise verschoben, umnummeriert oder von Links- auf Rechtslauf und umgekehrt geändert worden sind. Klarheit über die exakte Lage dieser Gleisverbindungen gab schliesslich ein aufgefundener Schienenplan von 1939 aus dem BVB-Archiv.

  1. GW 366/367 (=366/274): Westlich der Haltestelle "Bruderholz", ca. 1929 bis ca. 1932, rechtsläufig.

  2. GW 501/502: Westlich der Haltestelle "Thiersteinerrain", ca. 1932 bis ca. 1964, rechtsläufig.

  3. GW 366/367 (=505/506): Östlich der Haltestelle "Bruderholz", ca. 1932 bis ca. 1935, linksläufig.

  4. GW 503/504: Östlich der Haltestelle "Bruderholz", ca. 1935 bis ca. 1946, linksläufig.

  5. GW 505/506 (=366/367): Östlich der Haltestelle "Bruderholz", ca. 1935 bis ca. 1964, linksläufig.

  6. GW 54/55: Östlich der Haltestelle "Jakobsberg", ca. 1939 bis ca. 1949, linksläufig.

  7. GW 503/504: Westlich der Haltestelle "Bruderholz", ca. 1946 bis ca. 1967, rechtsläufig.

  8. GW 503/504: Westlich der Haltestelle "Bruderholz", ca. 1967 bis ca. 1976, linksläufig.

Bis in die Fünfzigerjahre wurde die kurze Strecke zwischen dem Thiersteinerrain und dem Bruderholz einspurig befahren. Das rechte Streckengleis (heller eingezeichnet) diente in diesem Bereich als Abstellgleis für Anhänger und war mit einem Entgleisungsschuh gesichert. Die Tramkurse der Linie 5 vom Jakobsberg her gelangten über den Wechsel 502/501 aufs linke Gleis und via Wechsel 506/505 wieder zurück.

Der Wechsel 503/504 diente zum Wenden bei unvorhergesehenen Wolfschlucht-Sperrungen.

Der Wechsel 506/505 diente dem regulären Wenden der Linie 15: Der Motorwagen kuppelte ab, fuhr in den Wechsel, der Billeteur schob den Anhänger mit Muskelkraft an, eilte zur Handbremse und liess ihn über die Weiche rollen. Der Motorwagen kam zurück und kuppelte wieder an. Manchmal mussten auch Wagenführer und Drittpersonen beim Schieben mithelfen (Infos zum Betrieb der Gleiswechsel von Peter Küpfer). Es mag heute erstaunen, dass in diesen vielen Jahren nie ein nennenswerter Unfall passiert ist, das heisst, nie ein Anhänger selbständig vom Bruderholz heruntergerollt ist (im Gegensatz zum Jakobsberg, wo sich am 22.6.1966 der Be 2/2 174 beim Manövrieren selbständig gemacht hat und an einer Hausmauer der Reinacherstrasse zerschellt ist. Um 1955 hatte der Be 2/2 175 an gleicher Stelle ein ähnliches Schicksal erlitten).



historische Postkarte

Die Haltestelle "Thiersteinerrain" (heute Hauensteinstrasse) Mitte der Zwanzigerjahre mit dem "Kaffestübli Bruderholz". Bis 1928 befand sich hier eine Ausweichstelle, danach wurde die Strecke doppelspurig ausgebaut. Am Masten links im Bild ist die Haltestellentafel mit der Aufschrift "Thiersteinerrain" (PK 04.01.1928 Sammlung R.Gerbig).
 


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