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Strecke: Lysbüchel - Huningue (1910-1961)

Linie 15 Hüningerstrasse 1900: St.Johann 1900: St.Johann Linie 5 Hüningerstrasse Linie 9 Hüningerstrasse 1900: St.Johann 1900: St.Johann Linie 5 Hüningerstrasse 1900: St.Johann 1913: Lysbüchel - Kannenfeld - Bahnhof SBB Linie 5 Linie 9 1900: St.Johann

1900, zum Zeitpunkt der Linieneröffnung nach St.Ludwig, war die ehemalige Festung Hüningen noch ein eher unbedeutendes Dorf. Inzwischen hatten sich aber mehrere Industriebetriebe angesiedelt, was das Bedürfnis nach einer Tramverbindung in die Stadt erhöhte. Zudem belieferten die Gemüsefrauen vom nahegelegenen Neudorf (heute Villageneuf) den Basler Markt mit ihren Frischprodukten. Am 17. Dezember 1910 wurde die Linie zwischen Lysbüchel und Hüningen Bahnhof feierlich in Betrieb genommen. Eine damals vorgesehene Verlängerung nach Neudorf wurde in der Folge wegen Ausbruchs des Ersten Weltkriegs nie mehr realisiert. Die Strecke war auf Elsässer Seite einspurig mit einer Ausweiche beim Kanal. Diese diente bis zum Zeiten Weltkrieg zwei Zugskreuzungen frühmorgens. Danach wurde sie nicht mehr benötigt. Zwischen der Grenze und dem Ortseingang von Hüningen war die Strasse dunkel und unbeleuchtet. Es verkehrten deshalb ausschliesslich Motorwagen, die mit Dachscheinwerfern ausgerüstet waren. Der Streckenendpunkt besass seit Beginn eine Schlaufe, die nach dem Zweiten Weltkrieg aber nicht mehr benutzt wurde. Die ganze Strecke blieb während ihres Bestehens unverändert.

Streckenplan Lysbüchel - Hüningen (Zustand 1910 - 1961)

          

Die Hüningerstrecke wurde im Laufe der Geschichte der Reihe nach von den Linien 15 (1910-1911), 6 (1911-1914), 9 (1915-1932), 5 (1932-1939), 7 (1947-1951) und 25 (1951-1961) bedient.

Die erste Hüninger Linie fuhr bis zum St.Johanntor. Ab 24.12.1910 bis 30.07.1914 und ab 01.06.1923 bis 01.09.1939 fuhren die Wagen durchgehend in die Stadt hinein, auch mit Anhängern. Vom 31.07.1914 bis 30.09.1915 sowie vom 01.9.1939 bis 13.07.1947 war die Strecke kriegsbedingt stillgelegt.

Betrieb 1932 bis 1939 (Linie 5)

Die Strecke wurde vom 22.05.1932 bis 01.09.1939 durch die Kombinationslinie 5 / 4 bedient: Hüningen (5) - Voltastrasse (5) - Schifflände (5) - Aeschenplatz (5) - Thiersteinerallee (5) - Güterstrasse (5->4) - Bahnhof SBB (4) - Aeschenplatz (4) - Schifflände (4) - Claraplatz (4) - Kleinhüningen (4). Der ganztägig angebotene 12-Minutenbetrieb benötigte 10 Kurse, Anhängewagen wurden nur frühmorgens, über Mittag und abends mitgeführt. Die Hüningerstrecke wurde nur im 24-Minutenintervall befahren, der Zwischenkurs änderte seine Richtung an der Grenze. Führten diese Kurse einen Anhängewagen mit, so wurde letzterer bei der Haltestelle Lysbüchel stehen gelassen und bei der Rückfahrt über den Gleiswechsel 96/97 wieder übernommen. Damit konnten umständliche Manöver an der Landesgrenze vermieden werden (Infos W.Liechti).

Betrieb 1947 bis 1961 (bis 28.10.1951 Linie 7, danach Linie 25)

Am 14.07.1947 nahm die Hüningerlinie ihren Betrieb wieder auf, verkehrte aber nur noch zwischen dem Lysbüchel in der Hüningerstrasse und Hüningen Bahnhof. In Basel wendeten die Motorwagen über einen Gleiswechsel in der Hüningerstrasse, in Hüningen befand sich die Endhaltestelle etwa im Bereich der Weiche zur (unbenutzten) Schlaufe. Von 1947 bis 1961 verkehrten ausschliesslich zweiachsige Motorwagen der Serie 101-136 mit Längssitzen. Bei einer Fahrzeit von 11 Minuten pro Weg und betriebenem Halbstundentakt genügte ein einzelnes Fahrzeug. Dieser Motorwagen wurde nachts in Hüningen abgestellt, für den Unterhalt war er dem Depot Dreispitz zugeteilt. Für die Strecke bestand ein von der BVB unabhängiger Tarif in französischer Währung, das Personal war ebenfalls französisch, aber von der BVB angestellt und uniformiert. Am Hüninger Zoll mussten die Fahrgäste während des ganzen Bestehens der Hüninger-Tramlinie das Tram verlassen und die Grenze zu Fuss überqueren. Diese Schikane entfiel von dem Moment an, als der französische Autobus den Betrieb übernommen hatte. Am 12.04.1961 verkehrte das Tram nach Huninge zum letzten Mal, danach übernahmen die nach damaliger Vorstellung zeitgemässen, dieselbetriebenen, französischen Autobusse den Betrieb.

Sandoz-Pendelkurse

Die Haltestelle "Fabrikstrasse" war für die Angestellten der benachbarten Chemiefirma Sandoz von grosser Bedeutung. Für diese Fahrgäste zirkulierte in den Hauptverkehrszeiten morgens, mittags und abends ein Pendelkurs zwischen Lysbüchel und der Landesgrenze. Dieser Kurs nahm vom Lysbüchel die Fahrgäste der Linien 5 und 15 auf und fuhr das kurze Stück zur Fabrikstrasse und Grenze. Dieser fast ausnahmslos als Einmannwagen verkehrende Kurs war dem Depot Wiesenplatz zugeteilt und erreichte seine "Stammstrecke" via Dreirosenbrücke und Spitzkehre am Voltaplatz. Bei einer Fahrzeit von knapp zwei Minuten pro Richtung war dieser Dienst beim Personal wohl nicht sehr beliebt. Als Abwechslung musste den täglich vier stadtwärts verkehrenden Einsatzkursen an der Landesgrenze beim Umstellen der Anhänger über die Weiche 132 verschoben werden. Mit einem solchen Einsatzkurs ereignete sich am 13.10.1958 an der Landesgrenze ein spektakulärer Zusammenstoss mit einer Rangierkomposition der Hafenbahn. Der Tramanhänger B3 1324 wurde umgeworfen und die Dampflok E3/3 8480 schräg darauf aufgestellt. Vermutlich spätestens 1961, mit der Betriebseinstellung des Hüninger Trams, wurde dieser Pendelkurs nicht mehr angeboten. Im Weichenplan von 1962 waren die Gleisanlagen in der Hüningerstrasse nicht mehr aufgeführt (Infos W. Liechti).

Haltestellen

Die Haltestellennamen blieben bis 1918 unverändert. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde Huningue französisch, die Haltestellennamen ebenfalls. Ab den frühen Zwanzigerjahren hiess die bisherige Haltestelle "Landesgrenze" neu "Rheinhafen St.Johann". 1922 wurde die Haltestelle "Rue Barbanègre" aufgehoben, aus der Haltestelle "La Chapelle" wurde "Chemin de la chapelle".
 





In den letzten 10 Jahren ihres Bestehens wurde die Strecke nach Hüningen durch die Linie 25 bedient. Eingesetzt wurden dabei ausschliesslich Motorwagen der Serie 101-136 solo (Foto Archiv BVB).
 
Links: Am Der MW 135 im Jahr 1961 am Lysbüchel. Im Hintergrund die Verzweigung zur St.Johannstrecke Richtung Voltaplatz (Foto D.Heer).

Rechts: Der MW 127 am Lysbüchel nach seiner Ankunft von Hüningen her am 3.1.1961 (Foto G.A.Schetty in Coll.W.Liechti).


Links: Am Der MW 127 am 2.1.1961 am Zoll. Der Wagen steht exakt auf dem kreuzenden Geleise der Hafenbahn. Im Hintergrund liegt Frankreich (Foto G.A.Schetty in Coll.W.Liechti).

Rechts: Der Fotograf steht auf der Landesgrenze und erfasst den von Hüningen angekommenen MW 134. Die Fahrgäste müssen die Grenze in behördlich diktiertem Fussmarsch passieren (Foto A.Amstein in Coll.W.Liechti).


Links: Selbst der leere Tramwagen wurde minutiös von eifrigen Zollbeamten untersucht. Glücklicherweise hat sich das Verständnis von Nachbarschaft inzwischen gewandelt (Foto A.Amstein in Coll.W.Liechti).

Rechts: Der MW 127 am 3.1.1961 zwischen Grenze und Canal. Diese nachts unbeleuchtete Strasse erforderte Motorwagen, die mit Dachscheinwerfern ausgestettet waren (Foto G.A.Schetty in Coll.W.Liechti).


Links: Die Strecke beim Canal mit Sicht von Basel Richtung Hüningen. Links das mächtige Schleusentor, im Vordergrund die Geleise der Ausweichstelle (Foto 3.1.61 G.A.Schetty in Coll.W.Liechti).

rechts: NW 127 im Bereich der Haltestelle "rue de la libération" am 2.1.1961 (Foto G.A.Schetty in Coll.W.Liechti).


Der MW 127 im Januar 1961 im Zentrum von Hüningen (Fotos G.A.Schetty in Coll.W.Liechti).


Der MW 127 im Januar 1961 am Streckenende beim Hüninger Bahnhof. Die Schlaufe wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr benutzt (Fotos G.A.Schetty in Coll.W.Liechti).


 


Alle Rechte © www.tram-basel.ch und Heiner Ziegler (Stand: 04.02.2005) - Letzte Änderung: 17.07.2012