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Von einem anderen Stern

Als ich noch ein Knäblein war, das unschuldig in der Kleinhüningeranlage seiner Mutter um den Rockzipfel wedelte, hatte ich einen alten Spielkameraden, den damaligen Jürg Rohrbach aus dem Berner Oberland. Er war für mich höchst interessant, denn er konnte die komischsten Töne von sich geben. Schriftlich lässt sich das nicht beschreiben, weshalb ich Sie bitte, sich nach der Lektüre dieser Zeilen meinen Song 'Sie kam von einem anderen Stern' zu Gemüte zu führen. Es kostete mich einen riesigen Aufwand, bis ich diese Töne endlich intus hatte - und meine Mutter beinahe eine psychiatrische Behandlung. Das Problem war, dass ich nicht wusste, was ich mit dieser neuen Fähigkeit anfangen sollte. So versuchte ich einfach von Zeit zu Zeit, meine Kameraden und Kameradinnen mit dieser Fertigkeit fertig zu machen, so unter anderem auch die kleine ZoŽ, Matthyas Jennys kleine Tochter, und heute in London lebende Mutter eines vor kurzem geborenen Kindes. Sie wollte stur wissen, wie ich diese Töne produzierte und löcherte mich damit. Da wir Nachbarn waren und Matthyas mein Verleger, war ich jeden Tag bei ihm zu Hause und begegnete der kleinen ZoŽ. Sie brachte mich soweit, dass ich mir analytische Gedanken über das Wie dieser Klangfolge zu machen begann. Und wie es so geht - sobald ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, was selten genug geschehen ist, blieb ich stur mit der Entschleierung des Problems befasst, und schliesslich tat sich das Geheimnis vor meinem inneren Auge auf. Ich konnte ZoŽ in wenigen Sitzungen beibringen, wie man 'Kchömmöllöbba kchéa kchéa' machte. (Dies ist übrigens die einzige weltweit anerkannte Schreibweise für dieses Kinderphänomen).
Mit dieser Entschlüsselung entstanden aber neue Probleme. Da ich mich für den einzig wahren Kenner dieses Phänomens weltweit hielt, dachte ich, dass ich diesen Umstand nützen und etwas damit anfangen sollte. Ich wohnte dann in den achtziger Jahren in Chur und traf dort den bekannten Boogie Woogie-Pianisten Little Fritz alias Fritz Trippel wieder. Ich fragte ihn, ob er mit mir einen Song aus dieser Lippen- und Gaumenjonglage machen wollte. Und da er ein neugieriger und stets für jeden Schabernack bereiten Künstler war, sagte er sofort ja und komponierte eine Musik, zu welcher ich einen Song schrieb - eben 'Sie kam von einem anderen Stern'. Falls dieser Song weltweite Berühmtheit erlangen sollte, werde ich noch einen über den Sockeneid und den Schwarzwälder Schraubenzieher schreiben (Schrauben?). Und natürlich diese Geschichte fertig erzählen und vielleicht noch die Geschichte, wieso Sterben gesund ist und was Sir Charles Fisler mit seiner Verzweiflungsformulierung 'Was isch wo, wenn nüt niene-n-isch?' genau gemeint haben könnte.

René Schweizer (Text) und Fritz Trippel (Musik), aufgenommen ca. 1982/1982 in Chur, damals einige Male auf Radio Basilisk und DRS 1 gespielt, ansonsten bisher unveröffentlicht.

Abspielen: Von einem anderen Stern (5:46)

(klicken Sie auf den Titel, um ihn sich anzuhören)




Alle Rechte © René Schweizer - Letzte Änderung: 09.12.2010