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Standort: Werk > Kolumnist > Gratis-Eidgenosse und Zusatz-Mongole (Nr. 42, 27.08.2002)

Gratis-Eidgenosse und Zusatz-Mongole

Auf meine letzte Kolumne habe ich Post bekommen. Frau S. aus B. will wissen: «Was zum Teufel ist ein Gratis-Eidgenosse?» Da diese Frage von breiterem Interesse ist, habe ich mich entschieden, sie öffentlich abzuhandeln.
Zunächst: Was ist an dem Begriff Gratis-Eidgenosse schwer verständlich?
Wir alle kennen sowohl das Wort gratis als auch das Wort Eidgenosse. Ein Gratis-Eidgenosse ist also einfach ein Eidgenosse, der nichts kostet, ähnlich wie ein Gratis-Bibeli, Gratis-Durchfall oder eine Gratis-Maul- und Klauenseuche.
Weil ich mit meiner Geburt gratis zum Eidgenossen geworden bin, nenne ich mich Gratis-Eidgenosse. Niemand hat etwas dafür gezahlt, und ich habe auch nicht in die Tasche greifen müssen. Es gibt zwischen Bodensee und Jura viele Gratis-Eidgenossen. Die meisten sind sich ihres Glückes aber nicht bewusst. Und diejenigen, die um ihr Glück wissen, schämen sich. Sie finden, es zieme sich nicht für einen anständigen Menschen, Geschenke anzunehmen, ohne eine Gegenleistung dafür zu erbringen. Ich bin da realistischer. Seit ich auf die Welt gekommen bin, atme ich - mit einigen Unterbrüchen - ohne zu murren die Luft ein, welche die Eidgenossenschaft mir bietet.
Ich finde das ziemlich nett von mir und denke deshalb nicht daran, für mein Eidgenossentum noch zusätzlich zu bezahlen. Wenn Sie das nicht verstehen, dann sagen Sie ein paar Mal Ollebolle ollebolle vor sich her und stellen Sie sich einen Zusatz-Mongolen vor.
Falls die Erleuchtung ausbleibt, kann ich Sie trösten. Die Fähigkeit, einen Teller Spaghetti zu mampfen, werden Sie dadurch nicht verlieren. Was brauchen Sie mehr?


Kolumne im Baslerstab vom 27.08.2002




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