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Standort: Werk > Kolumnist > «Vielleicht sprengen wir die Bank» (Nr. 32, 29.01.2002)

«Vielleicht sprengen wir die Bank»

AIs die Welt aus dem Nichts hinaus ploppte, war das die Geburt einer Idee. Und jetzt hocken wir hier und wundern uns über den Inhalt dieser Idee. War alles wirklich so gemeint? Ideen sind Absichten, Realität zu erschaffen. Einstein hat gesagt: «Gott würfelt nicht.» Ich denke, er ist der Oberwürfler. Er setzt unablässig seinen gesamten Einsatz aufs Spiel. Und zwar gegen sich selbst.
Er hat die Schöpfung als Zufallsgenerator konzipiert. Sie lässt ihn gewinnen und verlieren, aber zum Schluss stehen wir, seine Figuren, immer mit abgesägten Hosen da. Dann heisst es, den Saloon zu verlassen und alles zurückzulassen. Das Einzige, was uns bleibt, sind die Erfahrung und die Erinnerung. Eine Zeitlang hängen wir nach dem Abtritt in der Theaterkantine herum, trumpfen mit unseren Abenteuern auf und werden von der Sehnsucht verzehrt, zurückzukehren und erneut gegen die Bank anzutreten.
Für mein jetziges Game habe ich mir etwas Besonderes vorgenommen. Mit Baron Füdi, einem Freund, der regelmässig als Frau gekleidet durch die Kleinbasler Beizen zieht, habe ich beschlossen, den Claraplatz zum Zentrum der Welt zu machen. Einfach so zum Spass. Ich schreibe ein Buch über die Idee, und Baron Füdi macht dafür Propaganda auf der Gasse. Einige Menschen sind schon neugierig geworden und haben ihre aktive Teilnahme an der Umsetzung zugesagt. Am Bündelitag machen wir unsere erste Vernissage. Wir zeigen, wie wir aus unserer Idee Realität machen wollen. Zwar werden wir eines Tages wieder mit abgesägten Hosen dastehen, aber vielleicht gelingt es uns ja, die Bank zu sprengen, und dann werden wir den Zufallsgenerator neu programmieren.


Kolumne im Baslerstab vom 29.01.2002




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