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Standort: Werk > Kolumnist > «Wenn die Finsternis naht» (Nr. 31, 15.01.2002)

«Wenn die Finsternis naht»

Die heutige Kolumne hätte eigentlich den Titel «Der hagere Dicke mit den ungewaschenen Socken» tragen sollen. Nun habe ich jedoch letzte Woche in der Titelgeschichte eines deutschen Nachrichtenmagazins gelesen, dass in zehn Milliarden Billiarden Billiarden Billiarden Billiarden Billiarden Billiarden Jahren die letzte Epoche des Universums anbrechen werde, das Zeitalter totaler Finsternis. Da habe ich mir gesagt: Warne die Leute, denn es gibt bestimmt welche, die den Artikel nicht gelesen haben, und dann stehen diese in zehn Milliarden Billiarden Billiarden Billiarden Billiarden Billiarden Billiarden Jahren da, wenn das Licht ausgeht, und haben vielleicht noch nicht einmal eine Taschenlampe zur Hand.
Zwar heisst es dann weiter, dass wir schon in fünfhundert Millionen Jahren sowieso alle ersticken würden, weil nämlich die Leuchtkraft der Sonne alle einhundert Millionen Jahre um ein Prozent zunimmt und uns dann demzufolge die Luft ausginge. Aber vielleicht beginnt ein neues Leben in einer anderen Dimension. Und weil wir das ja nicht ganz ausschliessen können, besteht immerhin rein theoretisch die Möglichkeit, dass Sie während einer fröhlichen Jassrunde in diesem Jenseits plötzlich im Dunkeln sässen. Das wäre mir ausgesprochen peinlich.
Ich finde, es müsste die Pflicht der Behörden sein, die Menschen auf solche Dinge aufmerksam zu machen - damit wir uns rechtzeitig mit Öl, Reis, Teigwaren und Dosenpfirsichen eindecken können. Aber welcher Politiker kümmert sich schon darum, was in zehn Milliarden Billiarden Billiarden Billiarden Billiarden Billiarden Billiarden Jahren mit uns geschieht. Die glauben eh immer, sie hätten Gescheiteres zu tun.


Kolumne im Baslerstab vom 15.01.2002




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