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Standort: Werk > Kolumnist > Kunst kommt halt doch von Können (Nr. 25, 28.09.2001)

Kunst kommt halt doch von Können

Letzte Woche besuchte ich Schoenauers Broadway Theater. Es hat mir die Sprache verschlagen. Alle mir bekannten Wörter sind zu schwach, um das auszudrücken, was ich empfunden habe. Der Anlass war nicht einfach sensationell, monumental, kolossal, gigantisch, pracht- und glanzvoll und triumphal, sondern ... etwas mehr.
Aus einer mir bisher höchstens als Ahnung bekannten Dimension hernieder gestiegen hat diese Truppe von vor Talent und innerer Kraft strotzenden olympischen Wesen ein Mysterium geschaffen, wie ich es so umwerfend noch nie erlebt habe und ich bin früher in Las Vegas ein- und ausgegangen.
Was da abläuft, ist nicht einfach eine geniale Show, sondern eine Hymne auf das lebenssprühende Potenzial des ungebremsten Schabernacks und dessen krachende Braut: das Lachen. Irma und David Schoenauer haben den Stein der Weisen ihrer Profession entdeckt, die perfekte Mixtur. Sie sind zu Alchemisten mutiert, zu Meistern der ausgewogenen Dosierung, zu Dompteuren von Knalleffekten und Virtuosen der Groteske. Sie haben das Geheimnis der Harmonisierung von Extrem-Individualisten entdeckt.
Wenn man bedenkt, wie das alles angefangen hat: 1973 auf dem hinteren Andreasplatz mit einer zusammen gewürfelten Bande von Amateurgauklern und Alltagsspinnern, die mit einem Tohuwabohu-Programm Geld für die aethiopischen Kinder sammelten. Das war eine magische Zeit an einem magischen Ort. Jemand sollte mal festhalten, was damals alles ausgelöst worden ist, den Weg von Irma und David durch den Morast des Artistentums schildern, ihren unaufhaltsamen Aufstieg zur Spitze, zur strahlenden Höhe der täglich zelebrierten Ekstase. Wäre ich der Papst, ich würde sie heilig sprechen.


Kolumne im Baslerstab vom 28.09.2001




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