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Standort: Werk > Kolumnist > Wenn alles relativ relativ ist (Nr. 22, 17.08.2001)

Wenn alles relativ relativ ist

Es heisst, alles sei relativ. Wenn es so ist, dann ist auch «relativ» relativ, denn «alles» ist total alles, also auch relativ, denn «relativ» gehört zum Alles dazu. Und wenn relativ relativ ist, ist es nicht wirklich, sondern nur relativ relativ. Wenn aber etwas relativ relativ ist, was ist es dann? Absolut? Sind «relativ» und «absolut» identisch? Oder ist «relativ» relativ absolut oder absolut relativ? Und «absolut» ebenso, also relativ absolut oder absolut relativ? Wenn alles relativ ist, ist auch «absolut» relativ, das heisst es ist nicht völlig, sondern nur relativ absolut.
So wie Sir Charles Fislers «Was isch wo, wenn nüt niene-n-isch?» Und sonst? Naja, sonst gibt es noch Flachmänner und ein paar andere Dinge. Haben Sie beispielsweise schon mal etwas von einem Schnorchelschnitzel gehört, einer Ameisenzahnbürste oder einer Satteldattel?
Und was halten Sie von dem Satz «Sterbe früher, dann bist du länger tot»? Mir ist er ziemlich egal; weil ich vom Tod nämlich sowieso nicht viel halte. Ich finde, er übertreibt. Und er fährt ein rostiges Motorboot. Dabei könnte er sich als Berufserbschleicher eine Superjacht leisten. Aber ich möchte trotzdem nicht mit ihm tauschen. Sein Job ginge mir über kurz oder lang auf die Nerven. Immer diese Leichen.
Gut, er muss wahrscheinlich nicht zum Zahnarzt. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Aber wahrscheinlich zum Psychiater und vielleicht zum Physiotherapeuten. Niemand mag ihn, höchstens ein paar Grabschänder, auf Leichenmahle spezialisierte Catering-Unternehmer und professionelle Grabredenschreiber. Ich glaube, ich sterbe erst, wenn der Tod das Zeitliche gesegnet hat und ich ihm nicht mehr persönlich begegnen muss.


Kolumne im Baslerstab vom 17.08.2001




Alle Rechte © René Schweizer - Letzte Änderung: 17.02.2006