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Standort: Werk > Kolumnist > Sterben ist lebensbedrohend (Nr. 16, 25.05.2001)

Sterben ist lebensbedrohend

Was heisst eigentlich Turnschlappen auf Englisch? Törnschläpps? Und auf Französisch? Schlapp dö türn? Das sind Fragen, die man sich stellen muss, sobald man vor hat, sich in die grosse, weite Welt hinaus zu begeben. Das war schon Goethe bekannt. Und auch Eddie Constantine.
Von Vorteil ist es auch, wenn man weiss, was ein Strauchdieb ist. Vielleicht einer, der einen Strauch stiehlt? Oder gar mehrere Sträucher? Nehmen wir an, Sie schleichen sich des nachts in einen Vorgarten, graben vorsichtig einen Strauch aus und hasten damit davon. Was machen Sie, wenn Ihnen ein anderer Strauchdieb begegnet und dieser einen grösseren Strauch hat als Sie? Werden Sie dann neidisch? Stellen Sie sich vor, die Eifersucht packt Sie, Sie hauen dem andern Ihre rechte Gerade in die Nase, und der sagt «autsch» und fragt, ob Sie Lust auf Spiegeleier mit Schinken haben. Was machen Sie dann? Dann sind Sie vielleicht verblüfft, und Verblüfftheit ist keine gute Voraussetzung für klares Denken. Haben Sie schon einmal einen verblüfften Philosophen gesehen? Philosophen sind viel zu ernst, um verblüfft zu sein. Sie denken über alles sehr lange nach, über das Leben zum Beispiel und den Tod. Vor kurzem hat einer von ihnen herausgefunden, dass Sterben eine der häufigsten Todesursachen ist - weltweit. Häufiger als Heimweh oder Unpässlichkeit; es ist lebensbedrohend.
Sogar Strauchdiebe finden den Tod oft durch das Sterben. Für mich gilt das allerdings nicht. Ich bin viel zu nervös. Zudem langweilt mich schon der Gedanke an das Sterben zu Tode. Ich esse zum Beispiel lieber einen Ochsenmaulsalat oder streichle einen hellgrauen Pudel. Da weiss man, was man hat.


Kolumne im Baslerstab vom 25.05.2001




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