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Wegweiser für den Nächsten

Wenn du das Sichtbare siehst,
das Riechbare riechst,
das Fühlbare fühlst,
das Hörbare hörst
und das Machbare machst,
dann kannst du deine ersten Nasenstüber verteilen
und die ersten Wildschweine schiessen.

Wenn du Hosen aus Zeltstoff trägst
und Socken aus Maschendraht,
Unterleibchen aus Zahnseide
und einen Velohelm aus Elefantenhaut,
dann ist die Zeit gekommen,
dass du deine ersten Flüche fluchst,
deine ersten Watschen verteilst
und die ersten Malt Whiskys
von den schottischen Inseln schlürfst.

Pass jedoch auf, dass du nicht in dein erstes Fettnäpfchen trittst;
denn Fett ist anhänglich und riecht.
Es bleibt bei dir wie ein Tintenfleck
oder ein starkes, billiges Parfum
aus der talentlosen Gerüchebrauerei
eines indischen Antitalentes.

Sei also auf der Hut und jubiliere nicht zu früh.
Lass dein Herz in Ruhe seinen Takt finden
und die Füsse ihr Gefühl für die Beschaffenheit deines Weges.
Sollte dich aber unverhofft der Schmerz des Heimwehs packen,
dann trinke ein Glas Zyankali mit viel Zucker
oder rauche eine Zigarette -
je nach dem, wie stark dein Wunsch nach Rückkehr ins Nichts ist.

Meditiere über diese Zeilen, schlachte einen Ochsen,
schneide ihm das Herz aus der Brust,
lege es auf deinen Kopf und versuche
einen kubanischen Rumba um den Totempfahl deiner Seele zu tanzen.

Wenn du das schaffst, kannst du dich zur Ruhe setzen
und Domino gegen dich selbst zu spielen beginnen.
Eine Flasche Malt Whisky von einer der schottischen Inseln
dürfte dabei nichts schaden.

Wir sehen uns dann nach deiner letzten Partie.
Hasta la vista, Partner...


René Schweizer, 2007




Alle Rechte © René Schweizer - Letzte Änderung: 05.09.2009