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Für mein Liebes

Es war einmal ein Knabe hold
Mit Löckelein wie strahlend Gold
Schon früh erlitt er manche Panne
Doch nach und nach ward er zum Manne

Die Zeit zerrann, er wurde älter
Das Lebensklima kalt und kälter
Er suchte nach dem Glück beim Schreiben
Und schilderte der Menschen Treiben

Er flog auch übern grossen Teich
Und fühlte sich dort wohl sogleich
Doch was ihm fehlte, war die Liebe
Er war allein in dem Getriebe

Er flog zurück und wieder hin
Und leerte manche Flasche Gin
Er sah sich um nach einer Fraue
Die ihn vielleicht vom Sockel haue

Doch nirgends war die Maid zu sehen
Nicht im Bistrot, nicht in Alleen
Nicht unter Lauben oder Weiden
Bei Christen nicht und nicht bei Heiden

So zogen Jahre durch das Land
Und unser Mann blieb Aspirant
Er gab es auf, sich umzuschauen
Sein Haar begann leicht anzugrauen

Und als er sich schon abgefunden
Dass er wohl bliebe unverbunden
Allein bis an des Lebens Ende
Da kam doch plötzlich noch die Wende

Ein Mädchen schritt stolz in sein Leben
Begann die Schäden zu beheben
Und liebte ihn mit Haut und Haaren
Jetzt fehlen bloss noch die Fanfaren

Der Mann ist wieder Knab' geworden
Sein Herz hüpft wild zu den Akkorden
Der süssen Liebesmelodie
Trari trata tirilili
Das Mägdelein strahlt vor sich hin
Und alles Leben hat jetzt Sinn


René Schweizer, 1996




Alle Rechte © René Schweizer - Letzte Änderung: 04.10.2005