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René Schweizer im Interview mit dem ORF (1979), Tanskription

Das Radio-Interview mit dem ORF im Rahmen der Sendung Kopfhörer wurde stark aufgehübscht und von der Redation des ORF bearbeitet. Das Ergebnis lässt sich prima anhören, kann hier aber auch nachgelesen werden:



Einleitungsklang.

René Schweizer: (Lachen) "Ich war eigentlich nie ein richtiges Arschloch, nur so zwischendurch. Ich hab einfach immer innerlich gewusst, dass irgendwann mal was geschehen wird, nicht. Ich hab mich nie angepasst."

Sprecher: "So spricht René Hermann Arthur Schweizer, des Emil und der Irma Maria Elena, geborene Rappe, ehelichs Kind. Geboren am 27. Juli 1943 in Basel. Zweimal vorbestraft, 1969 wegen Betrugs und Urkundenfälschung, 1971 wegen der Erschleichung einer Leistung.

Dieser René Schweizer hört auf den Kosenamen Ubaldo, geschäftlich führt er jedoch den Decknamen Kaiser von China. Eine interessierte Öffentlichkeit erwartet von ihm 1999 um 24 Uhr Greenwich-Zeit die Ausrufung des Goldenen Zeitalters. Schweizer erklärt auf nachdrückliches Befragen, dieses hochgesteckte Ziel mittels einer Organisation GAGA erreichen zu wollen, einer Organisation zur Verblüffung des Erdballs. Mittlerweilen terrorisiert René Schweizer die Eidgenossen mit wahren Salven verblüffenden Humors.

Die bodenständige Basler Zeitung attestiert seiner Arbeit: "Es ist das hingeworfene Produkt eines grinsenden Fantasten, der alles tierischernste hasst."

Im heutigen Kopfhörer bleibt es freilich vorbehalten, Schweizers fahrlässiges Hantieren mit humoristischen Attacken und kraftmeiernden Verbalinjurien als kühl kalkulierte Methode zu entlarven. Als Methode zur Instandstellung der Schöpfung, der Errichtung des Goldenen Zeitalters.

Deshalb haben wir im heutigen Kopfhörer eine grobe Einteilung in Fallbeispielen und Lektionen vorgenommen, um Ihnen als Hörer ein tiefes Eindringen in die lichtvollen Ausführungen des verehrenswürdigen Ubaldo zu ermöglichen. Gelegentlich wird sich auch René Schweizer höchstselbst mit erläuternen Bemerkungen einschalten. Die Tonqualität ist jedoch nicht die Beste, kein Wunder, residiert Ubaldo doch im Dreigestirn von Arkol, Motubar und Nep, wie er später noch erklären wird.

Vorweggenommen sei deshalb nur das Motto dieses Olympes."

Andere Stimme: "Ich spiele Euch den Menschen vor, auf dass Ihr Gott erkennt."

Zwischenklang.

Sprecher: "Erstes Beispiel zur Verblüffung des Erdballs. Brief des René Schweizer an die Staatsanwaltschaft Basel:"

Andere Stimme: "Sehr geehrte Herren, ich habe in die Hosen geschissen und möchte Sie gerne anfragen, ob das ein Offizialdelikt ist. Mit bestem Dank für Ihre Mühe verbleibe ich hochachtungsvoll, Ihr René Schweizer".

Sprecher: "Antwort der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt:"

Andere Stimme: "Sehr geehrter Herr Schweizer, wenn Sie in die Hose scheissen ist dies nur dann straftechtlich relevant, wenn es sich um eine fremde Hose handelt, ein entsprechender Vorsatz vorliegt und Strafantrag gestellt wird. Dann würde nach konstanter Praxis und herrschender Lehre Sachbeschädigung im Sinn von Art. 145 Abs. 1 Strafgesetzbuch vorliegen. Es handelt sich also nicht um ein Offizialdelikt, sondern um ein sogenanntes Vorsatz- und Antragsdelikt, das gemäss Paragraph 6 lit. c der Strafprozessordnung zu den Privatanklagedelikten gehört. Sie können also beruhigt sein und müssen sich auch weiterhin keinen Zwang antun. Mit freundlichen Grüssen, Dr. Flachsmann, Staatsanwalt, stv. Chef Kriminalkommissariat."

Sprecher: "René Schweizer, Originalton:"

René Schweizer: "Ich sass in Spanien an einem Strand mit einer Freundin zusammen, einer Amerikanerin, und dann habe ich plötzlich den Einfall gehabt, bin aufgesprungen und hab zu ihr gesagt, auf englisch: "Now I go to Amsterdam and decleare the Golden Age", also jetzt gehe ich nach Amsterdam und erkläre das Goldene Zeitalter für eröffnet, nicht. Und "Golden Age", das heisst eben "Goldenes Zeitalter" und das ist "G" und "A", die beiden Anfangsbuchstaben, und das ergibt dann interessanterweise, wenn man es verdoppelt, das Wort "GAGA", welches ja auch ein englisches Wort ist, wie sie wissen, und im Wörterbuch nachgeschaut werden kann und welches so viel wie senil, vertrottelt, verblödet heisst. GAGA, also der völlige Blödsinn von der Warte des Normalen in Anführungszeichen aus gesehen."

Sprecher: "Erste Lektion zur Erringung des Goldenen Zeitalters:"

Andere Stimme: "Wenn ich stockbesoffen meine Klauen in irgendeinen drallen Weiberarsch schlage und vor wilder Gier aufschreie, dass die Erde bebt, dann ist das für mich auf der Werttabelle des Daseins nicht unter dem Gotteserlebnis angesiedelt. Es gibt letztlich für den wissenden Menschen weder Prioritäten noch wird unterschieden. Es ist alles ein Spiel. Und weil ich von allen, die dieses Spiel spielen der geschickteste und talentierteste Spieler bin, werde ich das Spiel meines Lebens gewinnen. Und das Spiel meines Lebens, um das nocheinmal in Erinnerung zu rufen, meine Damen und Herren, ist die Instandstellung der Schöpfung, die Errichtung des Goldenen Zeitalters.

Allgemein hält man mich für einen Spinner oder Verrückten. Das ist in Ordnung."

Zwischenklang.

Sprecher: "Zweites Beispiel für die Verblüffung des Erdballs. Brief des René Schweizer an die theologische Fakultät in Basel."

Andere Stimme: "Sehr geehrte Herren. Gemäss den Erläuterungen der Theologen soll der biblische Text verschieden ausgelegt werden können, was mich veranlasst, die Schöpfungsgeschichte zu untersuchen. Dabei ist mir der Einfall gekommen, dass die Namen Kain und Abel als Kein und Apfel gelesen werden können. Wenn diese These stimmt würde das bedeuten, dass kein Apfel vorhanden war und der Sündenfall demnach nicht stattgefunden hat. Somit wäre die Menschheit immer noch im Paradies, ohne es zu wissen. Mit freundlichen Grüssen, René Schweizer".

Sprecher: "Antwort der theologischen Fakultät Basel:"

Andere Stimme: "Sehr geehrter Herr Schweizer, das alte Testament ist in hebräischer Sprache geschrieben in denen die Stämme k'in und 'eb'l rein gar nichts mit den deutschen Worten "kein" und "Apfel" zu tun haben. Zudem spricht die Geschichte vom Fall nie von einem Apfel, sondern von einer Frucht. Leider hat Ihre "These" daher keine solide Grundlage. Mit bestem Gruss, Barth, Dekan"

Sprecher: "Originalton Schweizer, ständig auf der Suche nach Gott:"

René Schweizer: "Gott, was das ist ... ja, das ist, ähh ... Wissen Sie, ich stamme ja im Grunde genommen aus dem Dreigestirn von Arkol, Motubar und Nep. Das ist ein Dreigestirn, wenn man an den Pleyaden vorbeifährt, mit dem Raumschiff, in Richtung diesen blaueleuchtenden Punkt in der Ferne ..."

Sprecher: "Sie sind doch auch ohne Raumschiff Gott in den Schweizer Alpen begegnet."

René Schweizer: "Ja, da bin ich den Berg hinauf gewandert und da hab ich plötzlich das Gefühl gehabt, dass einer hinter mir steht, sozusagen.

Sprecher: "Hinter Ihnen, nicht vor Ihnen?"

René Schweizer: "Nein, hinter mir, komischerweise. Hab ihn aber gleichwohl gesehen. Und dann hab ich mit dem gesprochen und dann hat er mir gesagt, ich solle da ein bisschen Wirbel machen, damit es ein bisschen lustiger wird auf der Erde. Ungefähr ist es auf das hinausgegangen, dass, wenn dieses Leben überhaupt einen Sinn hat, dann den, sich zu amüsieren. Der Idiotenstaat der Wahnsinnigen hat mich während ungefähr zwanzig Jahren daran gehindert, mein Leben so zu leben, wie ich es hätte wollen, nicht. Und dafür verlange ich jetzt Schadenersatz. Also, ich werde den Staat einklagen. Auf 100 Millionen Franken."

Sprecher: "Zweite Lektion zur Erringung des Goldenen Zeitalters:"

Andere Stimme: "Fünfzigjährige schrieben mir, ich solle mich beeilen, sie hätten keine Zeit mehr bis 1999 zu warten. Ich bin kein Riese Goliath, meine Lieben, auch nicht ein zweiter Nazarener oder oder gar der Meister Proper. Ich halte es aber für schlicht unmöglich, dass mir irgendjemand dieser Weltwichser einen Strich durch die Rechnung zu machen vermöchte. Ich will schlicht alles oder nichts. Und ich rate euch allen: Setzt auf das Alles, denn das Nichts habt ihr schon.

Zwischenklang.

Sprecher: "Drittes Beispiel zur Verblüffung des Erdballs. Brief des René Schweizer an Direktion des Friedhofs Hörnli:"

Andere Stimme: "Hörnli-Allee, Riehen, Basel. Sehr geehrte Herren, mein Grossvater David Schweizer-Leibrock, welcher im Jahre 1961 gestorben und in Ihrem Friedhof begraben ist, erschien mir in einem Traum und beklagte sich darüber, wie kalt es in seinem Grab sei. Ich möchte nun höflich anfragen, ob es eventl. möglich wäre, eine Heizung einzubauen."

Sprecher: "Antwort des Friedhofamtes Basel-Stadt:"

Andere Stimme: "Sehr geehrter Herr Schweizer, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass der Einbau einer Grabheizung praktisch unmöglich ist. Die Urnen liegen jedoch in einer Tiefe von 90 Zentimetern. Die darüber liegende Erde bewirkt eine gewisse Isolation, welche die Bodentemperatur im Grab gleichmässig halten. Vorzügliche Hochachtung, Friedhofamt Basel"

Sprecher: "Brief des René Schweizer an den Friedhof am Hörnli, Hörnli-Allee:"

Andere Stimme: "Gestern Nacht ist mir der alte Kerl wieder im Traum erschienen. Er war äusserst aufgebracht und sagte folgendes zu mir: "Du bist der gleiche Trottel wie Dein Vater. Ihr könnt beide nicht logisch denken, ich habe deutlich gesagt, dass es zu kalt ist in meinem Grab. Was diese Ignoranten vom Hörni Dir geantwortet haben, ist ein verfluchter Blödsinn." Ich habe nun endgültig genug von diesen andauernden und unverhofften Störungen meines Seelenlebens und ich möchte Sie hiermit eindringlich bitten, mir klar mitzuteilen, welches die genauen Gründe dafür sind, dass man keine Heizung in meines Grossvaters Grab einbauen kann. Wenn er nämlich in meinem Garten läge, wäre die ganze Angelegenheit absolut kein Problem. Wieso ist es in Ihrem Garten ein Problem?

Sprecher: "Schweizer richtet dann an Prof. Dr. Bender vom Institut für Parapsychologie der Universität Freiburg die Bitte, ihm zu bestätigen, dass es Phänomene gibt, die sich empirisch nicht erklären lassen. Antwort von Prof. Bender:"

Andere Stimme: "Sehr geehrter Herr Schweizer, ich möchte Ihnen empfehlen, den sich in unregelmässigen Abständen wiederholenden Traum von dem kalten Grab einmal symbolisch zu betrachten. Vielleicht sagt er aus, dass die Erinnerung an ihren verstorbenen Grossvater so kalt ist und mehr Wärme erfodert. Mit freundlichen Grüssen, Prof. Bender."

Sprecher: "Originalton René Schweizer. Frage: Wird es uns im Goldenen Zeitalter besser gehen?"

René Schweizer: "Ja, ich hoffs schon, ja. Ich glaube schon, dass das zu machen ist. Und zwar aus dem Grunde, es sind ja zwanzig Jahr, nicht, die wir zur Verfügung gestellt haben. Verstehen Sie, was ich meine? Sind Sie noch da?"

Sprecher: "Ja, ich bin noch da."

René Schweizer: "Ah, ich habe gemeint, sie sind schon eingeschlafen."

Sprecher: "Dritte Lektion zur Erringung des Goldenen Zeitalters:"

Andere Stimme: "Ich hocke in einem vergammelten Sofa in Bellohorizonte in Brasilien. Genis vom schmierigen Plattenspieler her. "Me and Bobby McGee". Das Glas ist fast leer. Zuckerrohrschnapps mit Eis und lokaler Limonade. Bin fertig. Absolut fertig. Tränen ... Wie solls bloss weitergehen, ohne Dich? Janis ... Der Hund schnauft. Miese Bilder hängen an den Wänden rum. Bin mal wieder am Arsch der Welt gelandet. Hat viele Ärsche, die Welt. Die Traurigkeit ödet mich an. War nur vorübergehend, eine Stimmung ... Aber "Me and Bobby McGee" ist schon etwas ganz hervorstechendes. Was für die Seele. Worte haben keine Bedeutung. Worte sind wie Unterhosen, sie halten den Sack im Zaum, vermögen aber nicht, ihn zum Schwingen zu bringen."

Zwischenklang.

Sprecher: "Viertes Beispiel zur Verblüffung des Erdballs. Brief von René Schweizer an das Polizeidepartements Basel:"

Andere Stimme: "Sehr geehrte Herren, ich habe am letzten Freitag auf dem Barfüsserplatz meinen Verstand verloren. Er ist rot mit gelben Tupfen und hört auf den Namen Erwin. Sollte der erwähnte Gegenstand bei Ihnen abgegeben worden sein, wäre ich um eine baldige Benachrichtigung sehr froh. Vorzügliche Hochachtung."

Sprecher: "Antwort des Fundbüros:"

Andere Stimme: "Wir möchten Sie bitten, uns die beigelegte Verlustanzeige mit allen Angaben zu retournieren. Polizeidepartement Basel."

Sprecher: "Verlustanzeige ausgefüllt und eingeschickt von René Schweizer:"

Andere Stimme: "Gegenstand: Verstand, intakt, rot mit gelben Tupfen, hört auf den Namen Erwin." "Schätzungsweiser Wert des Gegenstands: ca. 45 Franken."
"Erklärung des Eigentümers: Ich nehme davon Kenntnis, dass ich bei Nichteinbringung des Gegenstandes innerhalb von drei Monaten das Recht habe, Strafanzeige wegen Fundunterschlagung zu stellen."
"Zur Kenntnis genommen: René Schweizer"

Sprecher: "Antwort des Fundbüros:"

Andere Stimme: "Sehr geehrter Herr Schweizer, wir haben Ihre Verlustanzeige registriert. Sollte dieser Gegenstand bei uns eintreffen, werden wir ihn sofort berichten. Sollte dies nicht geschehen, werden wir Ihnen nicht berichten. Mit freundlichen Grüssen, gute Besserung und ein schönes Osterfest, Polizeidepartement Basel."

Sprecher: "Originalton René Schweizer:"

René Schweizer: "Also ich stelle mir vor, dass ungefähr so, in dieser Zeit bis zum Ende dieses Jahrtausends, die Weltraumfahrt noch so viele Fortschritte machen wird, dass dann ein Teil dieser Leute, jener Teil der Leute, die die gleichen Ideen vertritt wie ich in diesen Büchern, dass dieser Teil dann sich auf einen dieser Erdähnlichen Planeten wird fliegen können."

Sprecher: "Sie wollen die Welt also eigentlich ihrem Schicksal überlassen?"

René Schweizer: "Jaaa, ja, ja, ich will ... möchte mich absondern von den Idioten."

Sprecher: "Vierte Lektion zur Erringung des Goldenen Zeitalters:"

Andere Stimme: "Ihr seid krank, Menschen der Erde. Es ist der Glaube an Euch selbst, der Euch abgeht. Wisst ihr eigentlich, dass Ihr die Deppen des Universums seid? Dass man über Euch lacht? Ich bin der Kehrichtmann der Galaxien. Ich werde Euch in den Untergang führen, weil das mein Trip ist. Ihr werdet nichts mehr können, nichts mehr glauben. Ihr werdet mich bewundern, mir nachrennen, mir alles geben, was Ihr habt. Und ich werde Euch ins Nichts stürzen. Menschen, hier habt Ihrs! Teufel, der Satan, der Anti-Christ. Das ist das einzige Mal, dass ich ehrlich zu Euch bin. Von jetzt an werdet Ihr wieder angelogen, Ihr Lumpenpack! Ich liebe Euch."




Alle Rechte © Guido Studer - Letzte Änderung: 04.10.2005