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Die Projekte

Die Säuferin

Die Figur der Regina ist inspiriert von einer Mitpatientin, die ich in einer Schweizer Klinik für Alkoholkranke Ende 2004 kennen gelernt habe.
Sie hat alles, was ein Leben lebenswert macht: Überragende Intelligenz, gutes Aussehen und die angeborene Leichtigkeit, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Sie ist charmant und weitgereist, hat einen Universitätsabschluss in Latein, Griechisch und Kunstgeschichte und hat stets gesoffen wie ein Pirat.
Wieso trinkt sie?
Dieser Frage versucht sie nachzugehen. «Die Säuferin» ist eine Spurensuche. Was bringt so viele Menschen dazu, sich in eine Abhängigkeit - egal welcher Art - zu begeben? Hat es etwas mit dem Seelenzustand der sogenannt zivilisierten Welt zu tun? Oder sind gar die Gene schuld?

Autor: René Schweizer, Uraufführung: 27. Mai 2005, Textauszug

Entlassen

Eine Frau, Mitte 50, verliert Knall auf Fall ihre Stelle im mittleren Kader eines grossen Konzerns. Es war Mobbing unter dem Vorwand einer Umstrukturierung.
Es wird der Versuch beschrieben, wie sie sich ohne feste Struktur in ihrem Leben zurecht finden muss, oder sich eben nicht zurecht findet, schliesslich hat sie nur für die Firma gelebt. Die Firma war ihre Lebensberechtigung, mit deren Erfolgen und Misserfolgen hat sie sich identifiziert. Einfach spazieren gehen kann man nicht, die innere Uhr ist noch auf die Arbeitszeit eingestellt. Was macht man mit soviel Zeit!
Ein aktuelles Thema also, und der Versuch, dieses in einem Monolog auf die Bühne zu bringen. Es möchte Denkanstösse bringen für die Betroffenen, für die «Täter» und für die am Nächstenstehenden. Der Text ist in der Grundfassung vorhanden und soll Freiheit bieten für tiefere Einsichten und Gefühle, um die Lebendigkeit und Lebensnähe nicht zu verlieren.

Autorin: Claudia Federspiel, Uraufführung: 27. Mai 2005

Der Dramatiker

Der Autor des Monologs «Die Säuferin» sitzt auf einer Steinstufe vor der Eingangstür zu einer Not-alphütte auf zirka zweieinhalbtausend Metern Höhe und lässt sein Leben Revue passieren. Er denkt an den Tag vor über fünfzig Jahren, da ihm sein Vater eröffnet hat, dass die Mutter für immer weg ist. Er erkennt, dass dies der KO-Schlag seines Lebens war und er seit jenem Tag ohne zu leben durch seine Existenz vegetiert und nicht weiss, wonach er suchen soll und was er will. Er denkt an die Frau, die sein Leben verändert hat, indem sie ihn Einblick in ihres hat nehmen lassen: die spätere Säuferin.
Er hintersinnt sich und fragt sich, wieso er sie beleidigt und beschimpft hat, sie, die seine grosse Liebe hätte werden können.
Wieso mache ich immer alles falsch, wenn es um die Liebe geht, fragt er sich, bin ich ein emotionaler Krüppel, der den grossen Narren spielt, um nicht als das erkannt zu werden, was ich bin, ein hilfloser, leerer, unmoralischer armer Hund, der sich nach echter Zuneigung sehnt und Angst bekommt, wenn sie da ist?
Am Ende macht er sich auf die Suche nach der Erleuchtung, seine einzige Hoffnung, irgendwie «mit dem Leben davon zu kommen».

Autor: René Schweizer, Textauszug

Die Lettin

Baiba, eine junge Lettin, liegt in einem Liegestuhl am Strand irgendwo in Zypern und denkt über ihr schon sehr abenteuerreiches Leben nach. Zuerst landete sie unverhofft und für sie völlig überraschend in einem Bordell, als sie glaubte, einen Job als Barmaid in Larnaca anzutreten. Obwohl sie fast kein Geld hatte, verliess sie den Ort der Sünde, fand durch Herumfragen einen Job an der Bar eines kleinen Karaoke-Schuppens nahe am Meer. Baiba sehnt sich nach ihren Freundinnen aus dem Heimat und der vertrauten Sprache ihrer Kindheit. Sie schreibt nach Hause, und einige kommen sie besuchen. Schnell finden auch sie Arbeit und gehen auf in dieser neu sich bildenden Gruppe von jungen Leuten aus den Staaten der alten Sowjetunion, wo das Reisen verboten war. So liefert Baiba stellvertretend für alle Betroffenen das Bild ihrer Generation, die noch in den Kinderschuhen steckte, als der Kommunismus zusammengebrochen ist.

Autor: René Schweizer

Gestürzt

Madame Schlusseini, eine Ex-Diktatorin, versteckt sich in einem Erdloch vor ihren Häschern. Sie lässt ihre Geschichte vor ihrem geistigen Auge Revue passieren und erkennt die Fatalität der ersten Kugel, mit der sie einen Mann aus ihrem Clan niedergestreckt hat, der sie vergewaltigen wollte. Sie erzählt von ihren romantischen Mädchenträumen als Nomadenkind und der Unausweichlichkeit der Moralvorstellungen ihres Volkes, wo jeder Tod seine Sühne finden muss - und sei er noch so sehr zu recht erfolgt.
Da sie schlau war, verbündete sie sich mit den richtigen Leuten und zog an den richtigen Fäden. Das ging so lange gut, bis sie erkannte, dass sie an ihrer wahren Natur vorbei lebte und zu einer Kunstfigur, zu einem Automaten verkommen war. Sie setzte alles daran, ein mildes und gerechtes Regime einzurichten, um die Zügel nicht mehr so straff in den Händen halten zu müssen. Sie begann Vertrauen zu schenken und leitete damit ihren Untergang ein. Ehe sie gestürzt wurde, floh sie in ein Versteck, das nur sie kannte und das mit allem Notwendigsten eingerichtet war.
Nun hat sie den ganzen Tag Zeit darüber nachzudenken, wofür sie sich entscheiden soll: Die Rückeroberung der Macht oder den endgültigen Abgang und ihr Verschwinden in die Abgeschiedenheit der perfekten Wildnis, um ihr Leben der Suche nach der Wahrheit zu widmen.
«Gestürzt» arbeitet die gedanklichen und emotionalen Probleme heraus, welche einer starken Persönlichkeit zu schaffen machen, die nicht weiss, welche Lebenskriterien letztendlich für sie die wichtigeren und fundamentaleren sind.

Autor: René Schweizer

Die Regisseurin

Die Regisseurin der «Säuferin» macht sich Gedanken über dieses Projekt, dessen Premiere ein paar Tage zurück liegt und ein beachtlicher Erfolg bei Publikum und Medien war.
Sie denkt an ihre gescheiterte Ehe, an ihre Heimat, die in Frankreich liegt, an die Problematik der verschiedenen Sprachen und an die Beteiligten am dem Projekt der «Säuferin». Sie weiss, dass der Autor leidet, weil sich die Frau, die ihn zu dem Stück inspiriert hat, von ihm zurückgezogen hat. Obwohl die Regisseurin die Figur durch ihre Auseinandersetzung mit ihr während der Arbeit zu kennen glaubt, ist sie irritiert.
Es gibt keine Lösungen stellt sie fest, insbesondere für aussergewöhnliche Menschen nicht. Was zum Schluss bleibt, sind die Hoffnungen ... und das auch nur, wenn man Glück hat.
«Die Regisseurin» zeigt auf, wie sehr kreative Menschen in alternative Beurteilungsweisen hinein gezogen werden können und wie sehr es darauf ankommt, Entscheidungen zu fällen, weil das Element der Unausweichlichkeit sich plötzlich als Wahnidee oder Papiertiger entpuppt.
Ihr Fazit: Ich arbeite, weil mir nichts anderes übrig bleibt, nicht weil ich daran glaube, je eine Lösung zu finden. Wer in Bewegung bleibt, lebt. Wer stockt, versackt in der Immobilität, der Vorstufe zum Tod.

Autor: René Schweizer

Der Weibling

Toni ist vermutlich mein bester Freund. Er hat immer Zeit, wenn es gilt, mir bei irgend etwas besonders Unangenehmem zu helfen, zum Beispiel der Reise in die Alkoholklinik. Da steht er auch schon mal um sechs Uhr auf und findet sich um sieben im Bahnhof ein.
Beim Weibling geht es um Tonis besondere Veranlagung. Seit Kindesbeinen liebt er das schwache Geschlecht, und dies so sehr, dass er in eine Frau, die ihn fasziniert, hineinschlüpfen möchte, um genau das zu fühlen, was sie fühlt.
Er hat vieles versucht, hat sich zum Beispiel als Transvestit prostituiert und sich von Männern betatschen und beglücken lassen.
Seine Erfüllung hat er nicht gefunden. Er ist ein Polytoxikomane, schluckt die gefährlichsten Tabletten, wirft die schlimmsten Drogen ein und säuft jeden Tag Whisky Cola und Bier wie ein Loch.
Was mich besonders an ihm fasziniert: Er verfügt über eine natürliche Intelligenz, die man eigentlich Weisheit nennen sollte. Sobald es um die grundlegendsten Dinge wie Tod, Zeit, Liebe und dergleichen geht, lächelt er zumeist weise und gibt seine unvergleichlichen Sätze von sich.

Autor: René Schweizer, Textauszug

Der Präsident

In Vorbereitung

Die Polin

In Vorbereitung




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