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Fünfte schamanische Reise vom 15.09.2005

Die Formulierung des Lebenstraums, das Bestimmen der Krafttiere und das Abholen der Symbole

Nach einem längeren Einführungsgespräch über mein Befinden, über die Fortschritte und Rückschläge, sagte Cornelia, ich solle mich jetzt konzentrieren und alles weg schieben, was nicht zu dem Bild gehöre, das ich von mir in der Zukunft sehe. Ich hatte Mühe und sagte, es seien zu viele Dinge. "Die Wesentlichen!" beharrte sie, "damit nur noch das bleibt, was du werden und dann sein möchtest." Ich konzentrierte mich noch mal und sah plötzlich klar: Ich will zwei Dinge. Erstens mich als erfolgreichen Dramatiker etablieren, und zweitens eine Organisation aufbauen, die man Greenpeace des Humors nennen könne. Ich nannte auch das Haus, in dem ich dieses Projekt durchführen möchte. Es ist das letzte rechts von der Rheinbrücke, wenn man vom Kleinbasel ins Grossbasel schaut. Cornelia sagte, dass diese Projekte allein dadurch, dass ich sie gedacht hatte, an einem anderen Ort der Wirklich-keit schon realisiert seien. Wir würden nun zuerst an den Ort reisen, wo meine Seele zu Hause ist. Dort würden mein Chef und ich uns vereinen. Danach kehrten wir zurück und würden die Erlebnisse der Reise besprechen und schliesslich nochmals aufbrechen und die Symbole abholen, welche diese Projekte repräsentierten. Sie fragte, ob ich bereit sei, und ich antwortete, ich verspürte eine unerklärliche Angst in mir. "Angst haben wir alle", sagte sie. "Die Angst ist unser steter Begleiter." Und sie erwähnte einen Ausspruch von Nelson Mandela: "Die grösste Angst des Menschen ist die vor der eigenen Grösse." Das beruhigte mich ein wenig. "Und wenn es nicht gelingt", sagte sie noch, "was spielt es für eine Rolle? Wen kümmert's?" Sie lachte und fügte bei: "Es hat noch nie versagt." Meine Zweifel blieben, aber ich wollte nicht als Memme dastehen und legte mich auf das unterpolsterte Delphintuch, das sie für die Reise bereit gelegt hatte. Sie begann die Klangschale zu rühren und forderte mich auf, an meinen Lieblingsort zu gehen. Sofort sah ich die Wiese bei Hana auf der Hawaii-Insel Maui. Sie leuchtete in ihrem saftigen Grün. "Geh zum Seelentor", sagte Cornelia mit monotonem Tonfall, "betrachte es und versuche festzustellen, ob es sich seit dem letzten Mal verändert hat." Es stand da in seiner Pracht aus Kristall und Marmor. Ich glaubte Ornamente zu sehen, die mir beim ersten Mal nicht aufgefallen waren, Beschläge aus Kupfer, Silber und purem Gold. "Öffne das Tor", sagte sie. Ich war überrascht, denn es war kein Tor da. Aber ich stellte mir rasch eines vor, steckte den eleganten Schlüssel ins ebenso elegante Schloss und schob das völlig durchsichtige Tor auf. "Schliesse es hinter dir." Ich tat das. "Begrüsse den Torwächter." Too Tall stand da und lachte, so als ob wir ein merkwürdiges, abgekartetes Spiel spielten. Wir umarmten uns und klopften uns gegenseitig auf die Schultern. "Geh jetzt zum Dialogplatz und lege alles ab, was du nicht brauchst." Meine Gedanken waren wirr. Was benötigte ich nicht? Ich wusste es nicht, ich konnte nicht unterscheiden. Als die Stimme sagte: "Geh weiter zum Bilderplatz", tat ich das mit dem Gefühl, auf dem Dialogplatz etwas nicht erledigt zu haben. Es ging mir zu schnell. So fühlte ich mich auf dem Bilderplatz genau so gestresst wie vorher auf dem Dialogplatz. Ich stand da, bewegte mich linkisch und wusste nicht, was ich da sollte. Endlich liess die Stimme sich wieder vernehmen: "Geh weiter zum Tanzplatz." Ich ging hin und begann sofort zu tanzen. Ich drehte mich, stampfte und riss an meinem Bauch herum. Ich wollte Fett loswerden. Speckfetzen lösten sich von meinem Körper und wirbelten davon. Ich wurde schlanker, und meine Laune besserte sich, aber plötzlich war wieder die Stimme da und unterbrach meinen Tanz. "Geh jetzt weiter, weiter und weiter bis an den Rand des Universums, wo das Reich des Lichtes beginnt. Du siehst deinen Chef, dich als Zehnjährigen. Geh auf dich zu, begrüsse dich und werde eins mit dir." Mein junges Ich lächelte mir zu, wir umarmten uns und verschmolzen. "Geh an den Ort, wo du zu Hause bist, wo du hingehörst in der Schöpfung, wo deine Heimat ist, deinen persönlichen Platz." Die Verschmelzung zwischen meinem Chef und mir entwickelte sich, bis aus uns beiden ein Kristallblock geworden war. Aber er stand noch nicht am richtigen Ort. Ich fühlte mich nicht glücklich, sondern irgendwie manipuliert. Die Klangschüssel wurde leiser. Cornelia sagte, ich solle mich auf den Weg zurück machen. Ich "flog" quasi zurück, vorbei an den drei Plätzen, wo ich nicht an-hielt. Am Seelentor stand Too Tall. Er begrüsste mich wieder mit einem Lächeln. Ich schloss das Tor auf, gehe hindurch, schloss es wieder zu und war fast augenblicklich zurück am Boden auf dem Delphintuch. Cornelia sagte, ich könne die Augen öffnen, und fragte, ob ich mich aufrichten wolle. Ich nickte und setzte mich auf. Jetzt musste ich das Erlebte erzählen. Als ich sagte, ich hätte mich zwar mit meinem Chef vereint, sei aber noch nicht an meinem Ort angekommen, sagte Cornelia: "Das machen wir jetzt gleich. Bist du bereit? Wir holen jetzt Deine Symbole." Angeregt durch die Formen eines an der Decke des Behandlungsraumes schwebenden Mobiles wusste ich, dass eines der Symbole der Flügel sein würde. Ich legte mich wieder nieder. Cornelia begann ihre Klangschüssel zu rühren, und ich legte den Weg bis zu dem Ort, wo der Kristallblock war, in Windeseile zurück. Der Kristall bewegte sich in Richtung auf das Licht zu. Als ich näher kam, erkannte ich, dass das Licht aus unendlich vielen Kristallblöcken bestand, die eine Landschaft bildeten. Aus jedem Kristallblock heraus leuchtete farbig pulsierend sein individueller Geist; jeder in seiner eigenen Farbe. Ich erkannte, dass das Gesamte das reine Denken oder Gott war. Ich war daheim, zurück im Wunderbaren, dem Ursprung allen Lebens. Cornelia forderte mich auf, meine Symbole im Empfang zu nehmen, zuerst jene für meine Seele, dann jene für meinen Geist. Ein Flügel schwebte zu mir hin, dann folgte eine Feder. "Nimm jetzt das Symbol für deinen Geist im Empfang", sagte Cornelia. Ich schaute ins Licht. Es bewegte sich etwas auf mich zu. Mir schien, als sei es ein Teil des Lichtes selbst. Als ich er-kannte, dass es so war, wurde ich von Emotionen durchgeschüttelt. Tränen füllten meine Augen. Als das Licht näher kam, erkannte ich die Form einer Kugel. Plötzlich wusste ich: es ist der Gral. Da konnte ich nicht mehr. Ich bekam es mit der Angst zu tun, mit der Angst, dem Grössenwahn zu verfallen und überzuschnappen. Ich rief: "Genug!" und setzte mich auf. Cornelia berührte mich. "Es ist in Ordnung", sagte sie, "hab keine Angst." Ich schluchzte. "Das ist ja Wahnsinn", stotterte ich. Cornelia lächelte mir beruhigend zu. "Es war der Gral ... mein Symbol ist der Gral. Ich habe den Grössenwahn." Cornelia lachte. "Nein, nimm es an. Es ist dein Symbol." Dann fragte sie, ob wir uns erheben und in die Sessel setzen sollten. Ich nickte. "Ja." Als wir uns gegenüber sassen, sagte Cornelia: "Der Gral ist das Symbol für die Wahrhaftigkeit, die Wahrheit. Du kannst stolz sein." Nach und nach fand ich zu mir zurück, und als ich mich beruhigt hatte, fragte Cornelia, welches Tier ich als mein Krafttier ansehe. Sofort erschien der Hund vor meinem geistigen Auge, aber ich zögerte, es zu sagen. Dann wurde aus dem Hund ein Wolf, und noch ehe ich es aussprechen konnte, sagte Cornelia: "Es ist der Wolf, nicht wahr?" "Ja, der Wolf." "Es ist eine Liebesbeziehung. Ihr liebt euch. Der Wolf ist treu, stark und voller Liebe." Die Tränen schossen wieder hervor. Ich wusste seit langem irgendwie, dass ich in einem oder mehreren früheren Leben eine wunderbare Beziehung zu Wölfen gehabt haben musste. Oft kommen fremde Hunde zu mir und begrüssen mich. Schliesslich klärte mich Cornelia darüber auf, dass ich noch zwei weitere Krafttiere hätte: die Eule und den Drachen. Der Drache sei zwar ein Fabeltier, aber in der anderen Wirklichkeit sei er real; er stehe für unbändige Kreativität, die wilde Freude am Rauschhaften und am Lachen. Er sei stark und total unabhängig. Die Eule repräsentiere die Klugheit und den Scharf-blick. Ich war völlig geschafft. Das alles sollte mir zur Verfügung stehen? Plötzlich wurde ich von innen heraus sehr schnell ruhig. Ich erkannte, dass ich mich lange Zeit selbst erniedrigt hatte, um nicht für eingebildet zu gelten. Ich hatte mein Licht unter den Scheffel gestellt, weil ich Angst davor hatte, eine Führungsposition in der Welt einnehmen zu müssen. Das sagte ich Cornelia. Sie lachte. "Du bist eine solche Person - ob du's willst oder nicht. Und es ist ganz natürlich. Es funktioniert automatisch. Deine Begabungen und deine Intelligenz machen dich dazu. Es ist besser, du beginnst es zu akzeptieren. Das erleichtert dir das Leben und nimmt dir eine schwere Last von den Schultern. Es ist Zeit, dass du endlich das wirst, was du bist." Ich verstand. Aus dem tiefsten Grunde meines Herzens begriff ich, dass ich mich lange Jahre selbst beschnitten hatte. Und das war der Grund für mein Saufen. Alles war plötzlich klar. Ich empfand tiefes Vertrauen und war bereit, mein Schicksal und meinen Lebensplan zu akzeptieren.
"Der Flügel und die Feder sind die Symbole für deine Seele, der Kristall und der Gral für deinen Geist", sagte Cornelia. "Wo willst du den Flügel und die Feder in deinem Körper haben?" Ich überlegte. "Im Herzen." Sie lächelte. "Und den Kristall?" "Im Kopf." Sie nickte. "Und den Gral?" Nach kurzem Überlegen sagte ich: "Im Bauch."
Als die Sitzung zu Ende war, ging ich mich umziehen. Ich war mitgenommen, aber glücklich. Dann gingen Cornelia, Margrit und ich ins Restaurant essen. Wir hielten uns die Bäuche vor Lachen: Die Schamanin, das Medium und der Narr.



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Alle Rechte © René Schweizer - Letzte Änderung: 09.11.2005