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Dritte schamanische Reise vom 04.08.2005

Seelenrückholung

Als erstes erklärt mir Cornelia im Gespräch, worum es bei dieser Reise geht: Bei traumatischen Erlebnissen mit grossen Schmerzen spalten sich bisweilen Teile der Seele ab und ziehen sich in ihre Heimat, das "Jenseits", zurück; ein anderer oder andere Teile können erstarrt an dem Ort zurück bleiben, an dem die Katastrophe passiert ist. Der betroffene Mensch muss mit der Restseele, einem Rudiment, weiterle-ben, was er zwar als solches nicht realisiert, unter dessen Folgen er aber leidet. Das kann sich in Form von Depressionen und dem Gefühl, nur "ein halber Mensch" zu sein, äussern. Um wieder ein voller Mensch zu werden, nimmt der Schamane Kontakt zum Geistführer des Betroffenen auf und bittet ihn, ihm bei der Rückholung der "verlorenen Seelenteile" behilflich zu sein. Zudem fordert sie den Betroffenen auf, zusammen mit seinem Geistführer dorthin zurück zu kehren, wo das traumatische Erlebnis stattgefunden hat und den dort zurück gebliebenen Seelenteil abzuholen. Gleichzeitig soll er sich den beteiligten, den schuldigen, das Trauma auslösenden Teilen stellen und ihnen all das sagen, was nie ausgesprochen worden ist und deshalb den Betroffenen seit jener Zeit belastet hat, weil es wie ein Knoten in seiner Kehle feststeckte.

Ich lege mich auf die Matte auf dem Boden, über die Cornelia mein Delphintuch ausgebreitet hat. Unter dem Kopf habe ich ein Kissen, unter den Knien eine Schaumgummirolle. Ich schliesse die Augen. Cornelia beginnt sachte die Klangschüssel zu schlagen und schamanische Formeln zu murmeln. Ich fühle mich zwar in Sicherheit, aber dennoch ungemütlich angesichts der mich zu erwartenden emotionalen Schmerzen. Zusammen mit meinem Geistführer, dem Boss, beginne ich die Reise zurück bis zu jenem Zeitort, als ich zehn Jahre alt war und die Mutter aus meinem Leben fortgerissen worden ist. Ich wende mich zuerst an sie mit der Frage: "Wieso hast du das getan? Wieso hast du mich allein gelassen? Wieso hast du nie Kontakt zu mir aufgenommen, mich zum Beispiel heimlich von der Schule abgeholt oder dir sonst etwas einfallen lassen? Wieso hast du nie rebelliert, nie angerufen? Ich war doch noch ein Kind, verängstigt und hilflos. Ich habe immer darauf gehofft, dass du eines Tages zu mir zurück kommst - täglich." Ich weinte und schluchzte, es schüttelte mich, ich hätte schreien mögen, und empfand den Schmerz wieder genau so stark wie damals, als es passiert ist. Dann nahm ich mir den Vater vor: "Du bist ein Egoist, hast nur an dich und dein Ego gedacht. Ich war für dich bloss eine Last, ein Mittel, um der Mutter Schmerzen zuzufügen. Ich weiss nicht, was damals genau geschehen ist, aber ich weiss, dass du keine Ahnung davon hattest, mit wem du es in mir zu tun hattest. Sonst hättest du den Mut zu deinen Untaten und Quälereien nicht gehabt. Du bist ein Charakterlump, nichts als ein minderwertiger Wicht mit Grössenwahn. Du nahmst dich zu wichtig und warst emotional völlig inkompetent, eine reine Verbrecherseele ohne Mitgefühl für sein eigenes Fleisch und Blut. Ich verzeihe euch beiden nicht in diesem Leben. Erst wenn ich zurück im Jenseits bin, wird es wohl so-weit kommen."

Dann ging ich in Begleitung meines Geistführers auf die Reise zurück in die Gegenwart. Ich sah viele Stationen auf meinem Weg, erkannte, dass ich während des grössten Teils meines Lebens emotional unsicher gewesen war und unter chronischen Verlustängsten gelitten hatte. Sobald ich ein Mädchen gern hatte, begann mich schon die Angst zu quälen, sie könnte mich wieder verlassen. Ich erkannte deutlicher als je zuvor, dass ich nie wirklich glücklich gewesen war, höchstens für Augenblicke, zum Beispiel in der Natur, auf der Bühne oder wenn ich bewundern



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Alle Rechte © René Schweizer - Letzte Änderung: 04.10.2005