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"Die Säuferin" Tournee 2011

Um es vielleicht mal in Erinnerung zu rufen: 2002 hatte ich zwei Lungenentzündungen, die erste überfiel mich an der Fasnacht im Februar, die zweite im November im Halbwahnsinn.
Die Ärztin im Kantonsspital (schön, atemeindämmend) sagte, durch den Alkoholgenuss werde das Immunsystem geschwächt. So komme es zur Entzündung der Lungen. Viele würden daran sterben. Das musste ich dann jeden Tag von verschiedenen Schwestern, Schwesterinnen und Sozialarbeiterinnen hören.
"Was soll ich denn machen?" fragte ich.
"Abstinenz!" antworteten alle mit jenem Blick des Gutmenschen, der es zwar gut meint, aber schlecht kann!
Schliesslich schickten sie den Meister vorbei, einen Virtuosen der Suchtbekämpfung von der Dingsstrasse, gleich beim Spital um die Ecke. Der sagte mir, ich sei dem Teufel nochmals vom Karren gefallen (em Tüüfel vom Charre gheit), und ich hätte jetzt die Chance, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen, es gebe da einige Kliniken, die dafür in Frage kämen ... Zuerst besuchte ich während vier Monaten eine in der Nähe von Bern, eine Gehirnwaschmaschine. Zwei Monate nach meiner Entlassung wurde ich von Ostbanditen überfallen, zusammen geschlagen und ausgeraubt. Das Resultat: Nach dem Aufstehen ohne Dusche direkt in die Beiz. Nach einiger Zeit wusste ich, dass ich meinem Ende zusteuerte und bat das Irrenhaus um Hilfe. Sie wurde gewährt: Zuerst Entzug, dann Entwöhnung - ebenfalls zirka vier Monate. Nach der Entlassung ging es ziemlich lange ziemlich gut. Dann wurde mir klar, dass ich noch eine Kur brauchte. Ich meldete mich bei einem neuen Kompetenzzentrum und blieb dort wiederum zirka vier Monate. Ein paar Wochen vor der Entlassung begann ich, inspiriert von einem Mitopfer, den Text zu einem Monolog über das Schicksal einer Alkoholikerin zu Papier zu bringen. Alles klappte. Kurz nach meiner Entlassung schickte ich den unfertigen Text an meine Freundin und Bühnenpartnerin Claudia Federspiel. Diese war so begeistert, dass sie ihre Tochter Katja, auch Schauspielerin, bat, den Part zu übernehmen und zur Uraufführungsreife zu bringen. Claire Guerrier führte Regie. Die Premiere war ein durchschlagender Erfolg. Viele sagten: "Das hätte ich Dir nicht zugetraut." "Kunststück!" dachte ich, "du bist schliesslich auch ein beschränktes Arschloch, das nur das sieht, was auf der Hand liegt" - nämlich meine komödiantischen Sachen und den Schabernack.
Es wurden fünf Aufführungen gespielt. Dann versandete das Projekt.
Ich mailte den Text an meine Bühnenpartnerin Miriam Fiordeponti, mit der ich in Salzburg an einer Tanzproduktion des Amerikaners Davis Freeman beteiligt gewesen war und mit der ich mich im gemeinsamen Gelächter gefunden hatte. Sie war begeistert und versuchte in Hamburg, wo sie wohnte, eine Produktion auf die Beine zu bringen. Die Geldgeber streikten ... Jahre später erwähnte sie das Stück anlässlich eines Abendessens mit befreundeten Frauen, darunter eine Literaturagentin. Diese sagte: "Miriam, das machen wir." Und mittlerweile ist diese Inszenierung fünfmal mit überwältigendem Erfolg über die Bühne gegangen, z.B. in der 8-Bar an der Rheingasse in Basel.
Am 13. und 14. April folgen zwei weitere Aufführungen in der Labor Bar an der Schiffbaustrasse 1 in Zürich (wo ich übrigens in der ersten Aera Marthaler unter der Regie von Stefan Pucher in Shakespeares Sommernachtstraum einen speziell berabeiteten "Zettel" - Bottom - gespielt habe).
Und jetzt wollen wir mal sehen, was ein vereinigtes Daumendrücken zu bewirken vermag. Ich denke nämlich, dass der Monolog eine (sehr) weite Verbreitung finden sollte. Gehet hin, Ihr Mühseligen und Beknackten und tragt Euere Scherflein dazu bei!
Es lebe Sitting Bull.

8-Bar Basel (24.02.2011)

Am Donnerstag, den 24.2. war Premiere in der 8-Bar, am 25. ebenda die Wiederholung. Das Verblüffendste: Das Konzept funktionierte nicht nur, sondern entpuppte sich geradezu als geniale Lösung.
Der Erfolg war nicht einfach riesig, Miriam führte mein Werklein zum Triumph. Und wenn ein Mensch an jenen beiden Abenden überrascht und geradezu verblüfft war, dann ich.

Fotos: Urs Röthlisberger

Cult Media Lounge Basel (11.03.2011)

Die Organisatoren des Abends in der Cult Media Lounge und Miriam hatten zusammen die Idee, mich nach dem Säuferin-Monolog auch noch auftreten zu lassen: Ich war einverstanden. Nachdem Miriam ihren Applaus genossen und der Hut für sie rumgereicht worden war, setzte ich mich an ein kleines Tischchen und legte los. Der Veranstalter hatte darauf aufmerksam gemacht, dass "Die Säuferin" mein einziger längerer ernster Text ist, den ich in meinem Leben produziert habe. Viele im Publikum wussten das. Aber es gab auch Greenhorns in Sachen taktischem Wahnsinn und Gagasophie. Denen bereitete ich mit Schabernackgeschichten, Anekdoten und -dötchen und natürlich den Briefen aus dem Best of-Band der Schweizerbuch-Reihe eine Überraschung, die sich gewaschen hatte. Sie wieherten, brüllten und kreischten und klopften sich auf die Schenkel.
Mein Lebenstraum, nach einem Auftritt nur noch lauter Zuschauerleichen vorzufinden, die sich tot gelacht hatten, ging einmal mehr nicht in Erfüllung. Aber wir haben Weiteres in petto. Sobald Termine feststehen, werden Sie auf diverse Arten informiert.
Freuet Euch, Ihr Heerscharen.

"Die Säuferin" mit Miriam Fiordeponti





René Schweizer liest aus seinen Werken



Fotos: Guido Studer

Tourneeplan

  24.02.2011 8-Bar Basel Premiere, Flyer
25.02.2011 8-Bar Basel  
28.02.2011 Kairo Bern Flyer
11.03.2011 Cult Media Lounge Basel Flyer
17.03.2011 Théâtre La Fourmi Lurzern
13.04.2011 Labor Bar Zürich Flyer
14.04.2011 Labor Bar Zürich  

Weitere Informationen

Mehr zum Buch "Die Säuferin"
"Die Säuferin" entstand im Rahmen des Projekts Theater XXXL
Textauszug aus "Die Säuferin"
Kritiken zu den Aufführungen in Dornach und Basel (2005)

Externe Links

www.die-saeuferin.com der Schauspielerin Miriam Fiordeponti




Alle Rechte © René Schweizer - Letzte Änderung: 01.07.2013