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Archiv: Aktuelles 2012

3. März 2012, 14:13 Uhr, wieder mal an meinem Schreibtisch über den Dächern des Kleinbasel mit Sonne vor den Fenstern

Am 29. Dezember 11 musste ich mit Rollstuhl und Taxi notfallmässig ins Spital; ich konnte auf meinen rechten Fuss nicht mehr auftreten. Das Knie tat höllisch weh. Der Notarzt, der sich nach Stunden zu mir bemühte, wollte mich mit Schmerzmitteln abspeisen. Ich sagte, ich würde nicht mehr nach Hause gehen, da ich mich nicht bewegen könne. Schliesslich willigte er ein, mich in die Klinik aufzunehmen. Im Interview mit der Ärztin, welche die Tochter eines Studienkollegen aus Bern ist, mit dem ich in den sechziger Jahren in Basel neben dem Studium allerlei Allotria getrieben hatte - zum Beispiel Sudententheater - stellte sich heraus, dass mein Herz in ziemlich argem Zustand war und meine Augen einem Auslaufmodell glichen. Zudem wollte sie in meinen Dickdarm schauen. Das war dann der Treffer: bösartiger Polyp, d.h. Krebs. Nun, mir ist es ja egal, ob ich lebe oder das ANDERE (mit dem Grossen Manitou, von dem alle eine Meinung haben, aber niemand eine überzeugende - ausser jeder und jede für sich persönlich).
Ich wurde also operiert, und es soll gut gegangen sein. Die haben das Ding aber so verkürzt, dass ich heute täglich zweimal Stuhlgang habe verglichen mit früher bloss einmal ... Der Abfall benötigt eine kürzere Strecke bis zum Anus Dei ...

Mir ist dann in der Langeweile ein kleiner Text eingefallen, den ich meinen Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten will:

Kröten kratzen kritische Kommentare in Kater Karlos Knochenmark Schwedische Schwellen schwimmen schwebend durch Schwaderloch. Und Emil der Eremit erneuert sein Ehrenamt beim Engelmeier Eunuchenchor. Nur Nubja, die nüchterne Nudel, nähert sich näselnd ihrer Nichte. Alles in allem arbeitet Armin Ammann ahnungslos am Altar der Armen.

Geduld, es gibt noch mehr; im Moment bin ich jedoch zu faul, zudem zieht es mich zur Toilette.

19. März 2012, 03:05 Uhr

Ich lese gerade das relativ neue Buch über Schiller und Goethe. Darin steht, dass Goethe auf seiner Italienreise einem gebildeten jungen Mann begegnet sei, mit dem er sich glänzend über die Kunst als Phänomen unterhalten habe. Der junge Mann, Karl Philip Moritz mit Namen, liess sich von den Gesprächen zu dem grossartigen Satz inspirieren: 'Das Kunstschöne ist deshalb keinem fremden Zweck untertan, weil es ein FÜR SICH BESTEHENDES GANZE ist; es bildet ein eigenes Reich, worin alle Elemente zweckmässig aufeinander bezogen sind; sie ist mit Zwecken 'gesättigt' und muss nicht auf einen ausser ihr liegenden Zweck, dem sie zu dienen hätte, bezogen werden. Nur die schlechte Kunst schielt nach Wirkung und verlagert damit ihren Schwerpunkt in ein Ausserhalb, die gute Kunst hat ihn in sich selbst und wirkt deshalb wie ein Magnet. Solche Kunst ist stolz: die Gleichgültigen sind ihr geichgültig. So kann die Kunst das Erbe des alten Gottes antreten, denn was ist Gott anderes als der Inbegriff aller Zwecke und keinem Zwecke untertan.'

GROSSE KUNST WILL NICHTS ALS SICH SELBST, SIE LÄDT UNS EIN, BEI IHR ZU VERWEILEN, SIE IST DER ERFÜLLTE AUGENBLICK.

16. September 2012, 09:03 (drei Tage vor dem 92. Geburtstag meiner Mutter, die sich "syt mängem Johr" im Jenseits suhlt)

Am glücklichsten war ich im Februar 1968 im Flamencoclub "Los Tarantos" an der Plaza Real in Barcelona, als ich dort als Bankbetrüger gelandet war und mich in alle Tänzerinnen verliebte.
Da wurde mir klar, dass ich kein Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft war, sondern ein streunender Halbschuh à la Jack London und Ernscht Hemingway.

21. September 2012, 16:01 Uhr

Guets Mörgeli Uni Züri

René Schweizer

22. September 2012, 17:01 Uhr - wenige Monate vor dem 'Weltuntergang'

"Wenn man Verrücktheit als Abweichen von einer psychologischen Norm definiert, dann ist der göttliche Narr tatsächlich verrückt. Setzt man aber ein geistiges Ideal als Massstab, ist es zweifellos die grosse Mehrheit der 'Normalen', die verrückt ist."

(aus "Der Heilige Narr, das liederliche Leben und die lästerlichen Gesänge des tantrischen Meisters Drugpa Künleg")

23. September 2012, 04:36, kurz vor dem ersten Hirnschlag

Nächstes Jahr werde ich siebzig. Mit vierzehn dachte ich, das sei etwas für Alte und könne mir nicht passieren, mit fünfundzwanzig hielt ich es für eine Utopie von Abartigen, später wurde ich von einem Grauen gepackt, wenn ich daran dachte, dann begann ich es als unanständig und anstössig zu empfinden, und nächstes Jahr wird es wahr: siebzig Jahre auf dem Planeten Terra! Das heisst: Falls ich es erlebe. Vielleicht hat der Grosse Geist Erbarmen und holt mich vorher in die Ewigen Jagdgründe. Halleluia.
In jedem Fall erscheint aber in Deutschland 2013 ein Buch über mich, welches den schmeichelhaften Titel trägt: "Die Geschichte des therapeutischen Humors in Basel. Hommage an René Schweizer." Ich freue mich natürlich darauf, denn eine ganze Schar von internationalen fachlichen Koryphäen wird Beiträge zum Thema und zu meiner Person liefern, und Dr. Michael Titze, der weltbekannte Psychotherapeut und Gelotologe (von griech. Gelos: das Lachen), der die Idee für das Buch hatte, wird mein Werk und Schaffen darstellen, analysieren, einordnen und in einem Gesamtrahmen an den richtigen Ort stellen. Darüber bin ich froh, denn so etwas kann man nicht selbst machen. Es würde als wichtigtuerisch rüberkommen und als Eitelkeit ausgelegt.
Das Problem ist nun aber, dass ich mir gedacht habe: Wenn so viele Experten sich zu meiner Person äussern, sollte ich das vielleicht auch in Form eines autobiographischen Textes tun. Ich habe also mal ein paar Seiten über die Hintergründe der Nonsensbriefe und anderer Projekte zu Papier gebracht und diese an den Verleger des Best of-Bandes meiner Schweizerbücher gemailt. Nun hatte ich das Pech, dass der Verleger krank ist und sich mit seinen Projekten selbst überfordert hat. Er kann im Moment nichts für mich tun, und das schöne Projekt, das bestimmt viele interessiert und zum Lachen gebracht hätte, schimmelt und fault bildlich gesprochen vor sich hin.
Immerhin wird mein Monolog Die Säuferin in Hamburg aufgeführt. Das ist ein ziemlicher Trost.

Wenn jemand diese Zeilen gelesen hat und sich zutraut, eine kurze Autobiographie von mir herauszubringen, bitte ich um Kontaktaufnahme. Das wäre natürlich grossartig. Es liegt soviel spannender Stoff brach, dass es schade wäre, wenn er nicht bearbeitet und angeboten würde.

Komm, Herr Jesus, sei Du unser Gascht
und segne, was Du uns bescheret hascht.

26. September 2012, 17:56 Uhr, das Rotlicht-Personal in tiefem Gram versunken

Was machen jetzt die Salzburger Festspiele, wenn sie ihren "Neckermann" nicht mehr aufführen können?
Neeeeekeeeermaaaan ...

Webmaster-Info vom 12.10.2012

Das Aargauer Regionalradio Kanal K hat im Rahmen der Sendung FreiTalk ein Interview (MP3, 14 MB) mit René Schweizer geführt. Untertitel: Kunst, die ins Schwarze trifft.



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