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Archiv: Aktuelles 2011

Dienstag, den 4. Januar 2011, 18:43 Uhr

Cordon bleu ist auch nicht alles. Da ist schon eher nichts alles, denn nichts ist gar nichts, und darin hat wenigstens alles Platz. Mal rein theoretisch gesehen. Wissen Sie eigentlich, dass es weise Leute gibt, welche sagen, alles habe in der Leere angefangen? Irgendwann und unverhofft hätte es zack! oder puff! oder päng! gemacht, und aus der Leere sei ein Gedanke entwischt - wie weiland der Graf von Monte Christo aus seinem Kerker. Schwupp, und weg war er. Und wie der Graf von Monte Christo war dieser entfleuchte Gedanke so reich wie Krösos. Während der Graf aber konkretes Hab und Gut hatte, besass der Gedanke nichts als eine einzige Idee - oder vielmehr ein Wissen, eine Information. Er wusste um die Gesetzmässigkeiten der Frequenzen, das heisst der Schwingungen. In der Leere schwang nichts, das heisst alles war bewegungslos. Da aber alles nichts ist, war nicht nur alles bewegungslos, sondern auch nichts. Und dies ist das Urmysterium der Vorschöpfung, jenes Grosse Rätsel, welches die Menschen, die es gewohnt sind, sich auf den Verstand zu verlassen, in ihre ureigenes, persönliches Labyrinth treibt und dort dem langsamen wahnsinnig-Werden überlässt.
Die Ideen sind nämlich völlig herzlos, und jene vom grossen Mysterium haben noch nicht mal eine Erinnerung an so etwas wie eine gefühlsmässige Regung. Während der Gedanke, kaum der Leere entwischt, seine Schwingungsfrequenz reduziert und dadurch zu Licht wird, bleibt die Leere unbeeindruckt und still an ihrem geheimen Nicht-Ort in einer unfassbaren mathematischenn Dimension, für die es kein Fassungs- oder Vorstellungsvermögen gibt, sondern bloss eine oder mehrere Zahlen, vielleicht Zeichen.
Mit dem Licht allein ist es aber noch nicht getan. Jetzt hat der Gedanke wohl Licht in seiner Schöpfung, aber niemanden, der oder die den Rambazamba darin auslösen würde. Und nach diesem sehnt sich der Gedanke, nachdem er seine gesamte schlafende Existenz in der Ruhewanne der Leere zugebracht hat. Er reduziert die Schwingsungsfrequenz des Lichtes weiter; und zwar so weit, bis das Licht scheidet wie die Milch und sich in seine Bestandteile, die sogenannten Lichtquanten oder Particums (Teilchen) auflöst. Das Raffinierte an diesem Vorgang ist wiederum eine ganz spezielle Eigenart, nämlich die Geburt des Individualbewusstseins: jedes Quantum besitzt seinen eigenen, unverwechselbaren Charakter - ähnlich den Wassertropfen im Ozean. Und als die Quanten erwachten, sich ihrer selbst gewahr wurden und als das erkannten, was sie waren, schauten sie einander zuerst einmal lange und neugierig an und brachen dann in jenes legendäre Gelächter aus, das man heute allgemein im Universum den 'Urknall' nennt. Es hat sich also alles, was ist, war und sein wird, mit dem grössten Lachen der kosmischen Geschichte in Bewegung gesetzt. Man kann sagen: Das Leben bekam seinen Anstups durch das Urlachen.
Damit Ihnen nicht alles vorgekaut wird wie in der Schule, dürfen sie jetzt den Faden der Geschichte weiterspinnen; von mir aus bis in die Gegenwart oder gar in die Zukunft. Und vergessen Sie nicht: Cordon bleu ist nicht alles.

7. Januar 2011, 10:22 Uhr

Zurück zum Cordon bleu.
Die Lichtquanten schwebten in riesiger unendlicher Zahl in der undefinierbaren zeit- und raumlosen Dimension der Ortlosigkeit. Es war eine einzige gigantische Lightshow von flackernden, flirrenden und in allen Farben des Regenbogens schillernden und leuchtenden Teilchen, die sich allesamt noch nicht klar darüber waren, dass sie nicht wussten, was sie tun sollten, wozu sie aus der Leere in den Kosmos gesprengt worden waren. Erstmals und nach und nach erkannten sie, dass durch ihre innere Bewegtheit, das oszillierende Denken, Bilder entstanden, die sich miteinander vermischten und vermengten. Das waren keine zweidimensionalen Bilder, keine Flächen, sondern Bilder mit den Dimensionen Länge, Breite, Höhe und Tiefe, das heisst Perspektive, also Raum. Sie sahen eine neue Welt sich vor ihnen auftun und verstanden ziemlich schnell, dass ihre Schwingungsfrequenz dafür zuständig war, dass sie selbst - noch kaum bewusst - die Erschaffer dieser Entwürfe, dieser Vor-Bilder waren. "He, wir sind dabei, eine Welt zu kreieren", ertönte es aus der Menge. Und: "Wir sind die Herren über Raum und Zeit."
"Lasst uns Spass haben", riefen einige. "Erfinden wir Geschichten." "Machen wir, was noch nie gemacht worden ist. Bauen wir Bühnen und Bühnenbilder. Erfinden wir Geschichten, Dramen zum Lachen und zum Weinen. Loten wir unsere Potenziale und Talente aus. Machen wir uns mit Glück und Unglück vertraut, lernen wir Krieg und Frieden kennen, Liebe und Hass, Gut und Böse. Vergessen wir, dass wir unfehlbar sind und alles können. Probieren wir die Beschränktheit aus, inszenieren wir einen Jahrmarkt, schlüpfen wir in Rollen, kreieren wir unbedarfte Träume in beschränkten Szenarien."
Wie auf ein Signal hin wurden alle Lichtpartikel praktisch unisono unendlich kreativ. Was ihnen einfiel wurde übergangslos zu handfester Wirklichkeit. Sie stellten sich die Welt vor, und schwupp! war sie da. Aus der Distanz schauten sie sich das Erschaffene an und freuten sich darüber.
Das ging eine Zeitlang gut. Bis aus dem Unbekannten der Zweifel auftauchte. Dieser brachte sie auf die Frage, ob es nicht noch viel besser und sinnlicher wäre, wenn sie persönlich in ihre Schöpfungen einsteigen und diese "hautnah" am "eigenen Leib" erleben könnten.
Damit begann der ganze Schlamassel, der heute allgemein unter dem Namen Menschheitsgeschichte bekannt ist. Das Lachen zog sich zurück, und vom Cordon bleu war noch weit und breit nichts zu sehen ...

Donnerstag, 3. Februar 2011, 14:20 Uhr, metrosophisch indigen - mit leichtem Schwartenpudern im peripheren Bereich

Um nicht in einer ihrer Gruselgeschichten verloren zu gehen, dachten sich die Lichtquanten die Zeit aus. Sie konzipierten ihre individuellen Geschichten mit Anfang und Ende, Geburt und Tod, und stiegen in die Handlung in Form von zeitlich begrenzten Träumen ein. Es war, wie wenn man sich in die Handlung eines Filmes hinein mogelt und mitzuspielen beginnt. Mit dem Finale endet der Traum, und das individuelle Lichtbewusstsein geht zurück ins Jenseits-Atelier und entwirft eine neue Rolle für sich - eventuell im Rahmen einer Geschichte mit andern zusammen. Und dies spielt sich so ab seit dem Beginn der Schöpfung, das heisst seit sich das Denken von der Leere gelöst hat und aktiv geworden ist. Und es wird dauern und dauern und dauern, bis theoretisch sämtliches Unbekannte erforscht und alles als das erkannt worden ist, was es seinem Wesen nach tatsächlich ist. Aber wie bei der Erde, wo lange bevor sie erschöpfend erforscht war, schon die Gedanken neugierig in den Weltraum zu schweifen begannen, gingen die Gedanken schon früh über die Entdeckung der Oberflächlichkeiten hinaus und tauchten in die Tiefe der Mysterien hinab.
Wenn wir also dereinst die Schwalbe machen oder die Schraube, dann ist das kein echtes Ende, sondern ein Übergang, eine Rast, um die Batterien der Kreativität neu aufzutanken und uns neue Abenteuer im Strome der Zeit auszudenken und in Angriff zu nehmen, zum Beispiel auch im Höllen- oder Hadesbereich. Capish?
Und ewig lauert das Cordon bleu ...

Dienstag, den 8. Februar 2011 nach Feierabend (was immer das bei mir, einem Pensionär, zu bedeuten hat)




Gestern war Miriam hier, die Schauspielerin Miriam Fiordeponti, welche am 24. und 25. Februar in der 8Bar an der Rheingasse 8 die Säuferin spielen wird. Das Wetter war frühlingshaft. Ich holte sie am Bahnhof ab, und wir fuhren mit der 8 bis zur Rheingasse und spazierten dann zum Rhein hinunter. Es war wunderbar, mal wieder mit einer intelligenten, begabten und schönen Frau zusammen zu sein. Ich hatte schon gar nicht mehr gewusst, wie das ist, bei all den geistig und gefühlsgestörten Schrägbommeln, die sich in letzter Zeit auf meine Lebensbahn gedrängt hatten. Wir riefen uns unsere Zeit in Salzburg in Erinnerung, als wir 2001 unter der Ägide eines völlig unbegabten Amerikaners in seiner Tanzperformance mitwirken mussten. Aber wir trafen uns im Lachen - es war wunderbar. Miriam holte sich jeden Morgen vom Wagen der Hotel-Putzfrau ein paar Mozartkugeln und verteilte sie an die Mitglieder des Ensembles, d.h. jene spärlichen Exemplare, die übrig geblieben waren, nachdem sie selbst ihre Lust gestillt hatte. Wir sprachen über die Säuferin und wie sie jahrelang immer wieder daran gedacht hatte, den Text endlich auf die Bühne zu bringen. Leider hat sie nie Geldgeber gefunden, und so blieb es beim Traum. Dann begegnete sie in Zürich ihrer heutigen Agentin und erzählte ihr von dem Text. Diese wollte ihn unbedingt lesen, tat es auch und war so davon angetan, dass sie sagte: "Miriam Mädchen, das machen wir zusammen." Und sie organisierte Aufführungsorte in Basel, Bern, Zürich und Luzern.
Heute war ein Journalist vom Berner Bund hier und interviewte mich im Schmalen Wurf. Er lud mich auch zur Vorstellung am 28. Februar im Kairo ein und anerbot sich, die Reisekosten und das Nachtessen zu übernehmen. Das kommt wie gerufen, denn seit meinem Reinfall mit dem fürchterlichen Lampedusa hatte ich mich nicht mehr aus Basel rausgetraut.
Ich bin sehr gespannt, wie Miriam sich den Text aneignet. Bestimmt ganz anders als Katja Gaudard anlässlich der Erstaufführung vor ein paar Jahren. Sie entspricht von ihrer körperlichen Erscheinung auch viel mehr dem Vorbild aus der Alkoholklinik, die mich zu dem Monolog inspiriert hat. Vielleicht sind diesmal ein paar echte Fachleute unter den Zuschauern, die zu erkennen vermögen, worum es sich bei diesem Werk, dem einzig ernsten meines Schaffens, handelt.
Na ja, vorläufig träumen wir noch. Ich halte Sie und Euch aber auf dem Laufenden.

14. Februar 2011, 20:56

Ich wollte endlich mal eine ganz miese Geschichte schreiben, eine Story für Arschlöcher wie Du und Er und Sie und überhaupt. Mal sehen, ob mir das gelungen ist.

"Ja ja, ich denke schon", sagte der Förster.
"Aber leicht wird's nicht sein", gab die Waldschlampe zur Antwort.
"Leicht ist nichts im Leben."
"Wie man's nimmt ..." sinnierte das Weib.
"Caesar hat den Rubicon überschritten, obwohl es nicht leicht war."
"Er war CAESAR!"
"Eben."
"Es gibt Caesaren und Memmen."
"Hier gibt es nur Wilderer und Hasenfüsse."
"Nicht jeder, der kein Wilderer ist, muss ein Hasenfuss sein", protestierte der Förster.
"Jedenfalls gibt es mehr Hasenfüsse als Wilderer", meinte das attraktive Schlampenweib.
"Mehr Gesetzestreue als Gesetzesbrecher", sagte der Förster mit Nachdruck. "Haben Sie noch was in Ihrer Flasche?" fragte sie und deutete auf die Feldflasche am Gurt des Försters.
"Klar, die ist noch fast voll!"
"Kann ich einen Schluck haben?" bat die Waldschlampe mit einem verführerischen Lächeln.
"Was krieg ich dafür?" fragte der Förster mit listigen Äuglein.
"Ich zeig Dir meine Titten." Sie griff sich mit beiden Händen an den Busen und drückte ihn.
"Zeigen ist nicht genug."
"Was willst du denn, du billiger Jakob?" meinte die Schöne verächtlich.
"Ich will sie lecken."
"Meine Titten?"
"Beide", insistierte der Förster.
"Und deine Frau?"
"Siehst du sie irgendwo?"
"Du würdest sie einfach so hintergehen?"
"Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss."
"Schlawiner."
"Schlampe."
"Her mit der Flasche."
"Her mit den Möpsen."
Er nahm die Flasche vom Gurt, öffnete den Bügelverschluss und reichte sie ihr rüber.
Sie musterte ihn misstrauisch: "Wehe, es ist Tee!"
Der Förster lachte: "Nö, ein klarer Korn aus dem hohen Norden."
"Bommerlunder?"
"Zackenraffer!"
"Oh ..." Sie führte die Flasche an ihre vollen Lippen, setzte an und nahm einen vorsichtigen Schluck.
"Und?" fragte der Förster neugierig ...
Sie nickte anerkennend. "Ohne Fehl und Tadel." Sie setzte nochmals an und liess einen schönen Strom die zarte Kehle hinunter rutschen.
"Das reicht", sagte der Förster und nahm ihr die Flasche weg. "Jetzt die Möpse."
Sie hob das Shirt hoch und entblösste ihr Weltklasse-Arsenal.
Der Förster, ein Geniesser, umfasste die beiden Dinger zuerst mit seinen Pranken und begann sie dann mit der Zunge zu bearbeiten.
Ihr bereitete es Vergnügen, doch sie entzog sich ihm nach kurzer Zeit und befahl: "Die Flasche!", während sie ihm die geöffnete Hand entgegenstreckte. Er reichte ihr den edlen Saft, sie führte ihn an die Lippen und überliess ihm erneut ihre Prachtsäpfel.
Er vergass die Flasche und liess seine Hände von den Möpsen nach hinten und runter zu den Arschbacken wandern. Sie nutzte die Gelegenheit und genehmigte sich den nächsten Schluck.
Kurz und gut: So begann sowohl für den Förster als auch die Waldschlampe eine geheime Beziehung, welche sich über Jahre hinzog, bis eines Tages der Schwartenheini aus Oberzopfingen des Weges kam und die beiden stöhnen hörte. Er schlich sich an, nahm eine Auge voll, legte seine Flinte auf den Förster an und zog den Abzug. Der Förster schrie und fiel auf den Waldboden. Die Waldschlampe stürzte sich auf den Schwartenheini. "Danke, danke, vielen herzlichen Dank, du hast mich von dem Untier befreit!" "Nimm zuerst mal einen Schluck." Er holte seine eigene Feldflasche hervor und hielt sie ihr hin. Gierig griff sie danach und liess den leckeren Saft in ihre Kehle fliessen.
"Gehen wir", sagte der Schwartenheini und legte seinen Arm um die Schulter der jungen Waldhure. Sie schritten davon, aus dem Wald hinaus, über ein paar Felder bis nach Freibier an der Wuffe. Dort knallte der Schartenheini einen Gatswirt über den Haufen, behauptete, es sein Zufall gewesen und übernahm den Besitz.
Wer mehr wissen will, soll sich an die Heilsarmee wenden, mir wirds langsam zu bunt und blöd. Ich bin doch kein Zapfenbrater.




Webmaster-Info vom 28.02.2011

Heute Abend um 20:30 Uhr findet mit «Der Bund» im Kairo: Die Säuferin am Dammweg 43 in Bern eine weitere Aufführung des Monologs von René Schweizer mit Miriam Fiordeponti statt.

Weiter geht es am 11.03.2011 in der Cult Media Lounge an der Rebgasse 1 in Basel (1. UG, Eingang Videothek), danach Texte und Skurriles von und mit René Schweizer.

Die nächste Aufführung ist am 17.03.2011 im Théâtre La Fourmi an der Tribschenstrasse 61 in Luzern angesetzt.

Im April schliesslich folgt noch eine Aufführung in der Labor Bar an der Schiffbaustrasse 3 in Zürich.

Bitte beachten Sie dazu auch den Artikel Ein Schweizer namens Schweizer von Alexander Sury im Bund vom 26.02.2011.

2. März 2001, 01:00 Uhr

Es ist schon merkwürdig. Da gibt man sich dem "wohlverdienten Müssiggang" des Ruhestandes hin, geht ab und zu auf ein paar Kommissionen (baseldeutsch für Einkäufe) aus dem Haus, setzt sich danach auf ein paar Flaschen Bier in die Stammkneipe und redet mit zufällig Anwesenden über irgend welchen Quark, der sich gerade im Kleinbasel, in Bern oder gar in der grossen weiten Welt ereignet hat, erhebt sich danach wieder und macht sich auf den Weg nach Hause, wo man sich hinlegt und vielleicht in einer Tageszeitung, einem Wochenmagazin oder gar einem höchst intelligenten Buch wie jenem über Kurt Gödel, dem grössten Mathematiker des 20. Jahrhunderts und Freund Einsteins, liest und sagt dann plötzlich aufgerichtet und mit geschwellter Brust: "Mein Wille geschehe! Und: "Es ist alles scheissegal!"
Dann lässt man sich wieder in die Kissen fallen und denkt: "Im tiefsten Grunde interessiert mich meine Vergangenheit eigentlich einen feuchten Dreck. Auch wenn die Leute zum Teil noch so drauf beharren, dass man sie mit einem grossartig gelebten Schicksal beeinflusst habe und für immer ein grosses Vorbild sei, kommt das bei einem selbst nicht an. Ich bin einfach etwas, weiss aber noch lange nicht, was - vielleicht ein wohlgenährtes Arschloch, das vor langer Zeit "seinen Verstand verloren" und "in die Hosen geschissen" hat. Na und - wenigstens hatte ich die "Gnade der späten Geburt" wie der Kohl-Kopf aus dem Grossen Kanton.
Aber was das insgesamt sollte, dieses Leben von mittlerweile bald 68 Jahren, das entzieht sich meinem Beurteilungsvermögen. Alle Frauen sind entschwunden, alles Geld den Bach runter, das Werk vergriffen und verschollen ...
Und da taucht aus dem Nebel plötzlich eine Schauspielerin auf, eine Frau mit der man mal zusammen gespielt und die den Monolog "Die Säuferin" gelesen hat und plötzlich die unbändige Lust darauf verspürt, diesen zu spielen. Und zwar in Bars - "weil er einfach dort hingehört".
Da dieser Text draussen ist, gehört er nicht mehr mir, sondern allen, die ihn wahrnehmen, lesen und etwas damit anstellen wollen.

Am vergangenen Donnerstag, den 24.2. war Premiere in der 8-Bar, am 25. ebenda die Wiederholung. Das Verblüffendste: Das Konzept funktionierte nicht nur, sondern entpuppte sich geradezu als geniale Lösung. Der Erfolg war nicht einfach riesig, Miriam führte mein Werklein zum Triumph. Und wenn ein Mensch an jenen beiden Abenden überrascht und geradezu verblüfft war, dann ich. Ich suhlte mich in den Ovationen und dachte an ein Interview, in welchem mein Spezi Wolfram Berger, der grazer Schauspieler, in einem Interview auf die Frage, was er denn jetzt als Rentner so tue, antwortete: "Ich ernte, was ich im Verlaufe der Jahrzehnte gesät habe."
Dem habe ich nichts hinzu zu fügen.
Rein   g a r   nichts.
Habe die Beere.

Webmaster-Info vom 05.04.2011

Zur Tournee von Miriam Fiordeponti mit dem Monolog Die Säuferin von René Schweizer gibt es jetzt eine eigene Seite mit Texten und Bildern der Aufführungen.




Webmaster-Info vom 25.03.2011

Am 13. und 14. April 2011 spielt Miriam Fiordeponti den Monolog Die Säuferin von René Schweizer in der Labor Bar an der Schiffbaustrasse 3 in Zürich.

Tickets können hier vorgekauft werden. Vorstellungsbeginn jeweils um 21 Uhr.

















05.05.2011, 04:00 Uhr

Eigentlich ist mir das Leben und das ganze Geschwätz darum mittlerweile völlig egal. Es langweilt mich, ich möchte ihm entrinnen und in die Einsamkeit zurück - aber total, nicht einfach allein mittendrin wie im Herzen des Taifuns und mit Blick auf den wirbelnden und schleudernden Wahnsinn.
Eher so wie Schopenhauer: ins Nichts zurück, das "verlorene Paradies des Nichtseins"- die Leere. Nichts mehr zu tun haben mit dem Inkarniertsein und dem ganzen Plunder des Wissens.
Ich möchte eingehen in die Ungetrenntheit - und den Humbug der Vielfalt hinter mir lassen.
So wie das die Wassertropfen im Meer tun und die Taifune über den Ozeanen. Der Lärm hört auf, und das Wasser des Taifuns schaukelt im ruhigen Rhythmus seiner Heimat, dem Ozean.
Und dazu ein feines Châteaubriand für mich ganz allein. (plus eine Flasche Château Pétrus nach Angebot)

13. Mai 2011, 00:30, in der anno 1356 durch ein schweres Erdbeben flach gelegten Stadt Basilea Sfortunata carbonare

Übrigens: Nachdem der hübsche Mann von Santo Domingo seinen Kehrichtsack über der Wüste ausgeleert hatte, holte er einen ungedeckten Inhaber-Scheck über fünftausend Dollar aus seiner Badehosentasche und warf ihn dem Kehrichtsack hinterher.
Als er den Scheck so mir nichts dir nichts langsam in die Tiefe flattern sah, überkam ihn das absurdeste Lachen seiner Laufbahn. Nur ein totales Arschloch konnte den Kehrichtsack mit dem Check in Verbindung bringen, dachte der Hübsche und jagte sich mit dem Revolver seines Schwiegervaters die letzte verbliebene Kugel in den Kopf.
Das Flugzeug war auf Autopilot eingestellt und stiess erst nach etwa vierzig Meilen in die Flanke eines Wüstenberges, der von den dort ansässigen Indianern "Der Rücken des Gelangweilten" genannt wurde.
(Wenn ich nicht diese merkwürdige Phantasie in meinem Schädel wirken hätte, wäre diese Geschichte nie aufgezeichnet worden. Und das wäre doch wirklich ...scheissegal, nicht wahr, lieber Leser? Herzlich ihr kleines Nashorn aus Tennessee)

20. Mai 2011, 13:53 Uhr, anderthalb Stunden vor dem Arztbesuch

Plötzlich spürte der hübsche Mann von Santo Domingo eine leichte Berührung an seinem linken Fuss. Bin ich im Jenseits oder habe ich den Absturz überlebt? Er öffnete die Augen und blickte in ein Gesicht, das ihm gleichzeitig bekannt und fremd vorkam.
"Das war knapp, Fremder", sagte das Gesicht.
"Was war knapp?" fragte der hübsche Mann von Santo Domingo.
"Sie hätten draufgehen können."
"Ich gehe nie drauf. Ich bin gut versichert. Der Grosse Manitou ist mein Patenonkel."
"Klingt gut", sagte das zugleich fremde und vertraute Gesicht.
"Wie lange liege ich schon hier?"
"Ein paar Stunden. Übrigens, ich bin der Grinsende Menuhin."
"Klingt gut, Mann. Mich nennt man den Hübschen von Santo Domingo."
"He, von dir hab ich schon gehört."
"Es gibt auch eine Abkürzung, eine Art Übername: Hüma Sado. Du kannst mich Hüma Sado nennen", sagte der hübsche Mann von Santo Domingo.
"Hüma Sado", sagte der Grinsende Menuhin, "handelst du immer noch mit Sandalen?"
"Sandalen? Ich habe nie mit Sandalen gehandelt. Ich habe mit Vandalen gesandelt."
"Warst du nicht auch mit Schakalen verbandelt?"
"Ja, und da mussten selbst die Hyänen gähnen."
"Und die Tanten den Elefanten!"
"Die Pfaffen auf den Giraffen."
Der Grinsende Menuhin lachte. "Ich muss das meinem Onkel erzählen. Der liegt auf dem Totenbett und braucht dringend eine gute Story."
"Eine gute Story?" fragte Hüna Sado, "ich bin der beste Lieferant von guten Storys. Es war im Staat Jalisco in Mexico ..."
Der Grinsende Menuhin sprang vom Flugzeugwrack. "Entschuldige, aber es eilt. Wenn mein Onkel überlebt, komme ich zurück. Wenn nicht, jage ich Dir einen Pfeil zwischen die Arschbacken." Hüma Sado schüttelte den Kopf, zog die Brauen hoch und grinste. Welch ein Leben, dachte er, welch ein seltsames Leben ...

27. Mai 2011, 21:13, Freitagabend

Teil 3 von Hüma Sados Abenteuer

"Ich bin die Klapperschlange. Ich bringe dir den Tod." Es klang wie aus einem uralten Radio - scheppernd aber anheimelnd.
"Schlapperklange!" jauchzte Hüma Sado, "dich habe ich ja ganz vergessen ..."
"Deshalb werde ich dich beissen, und du wirst elendiglich krepieren."
"Es tut mir leid, Schlappi. Ich war nicht ganz bei mir. Ich habe mich über den Streich mit dem Kehrichtsack halb kaputt gelacht."
"Ich werde dir den Rest geben, du falscher Freund, du", schepperte es schon um einiges näher.
"Komm her, liebes Mädchen. Lass dich umarmen, ich liebe dich."
"Wieso hast du das Flugzeug kaputt gemacht?"
"Es ist ja bloss alles eine Illusion, wie du siehst, ein Zaubertrick."
"Ich bin eine Klapperschlange, ich sollte in der Wüste sein und Wanderer um den Verstand bringen."
"Hör auf damit, du bist in Las Vegas aus dem Ei geschlüpft. Ich habe dich grossgezogen und dir das Pokern beigebracht. Du bist keine gewöhnliche Wüstenklapperschlange, du bist eine Sensation."
"Schmeichler", hauchte die Schlange und wand sich näher an Hüma Sado heran. Dieser sah sie zärtlich an und sagte: "Schau mir in die Augen, Kleines."
Der Kopf der Schlange schnellte vor, und ihr Mund verschloss Hüma Sados Lippen. Mit seiner Zunge drang er zwischen ihre Lippen.
"Ich will dich küssen. Du bist mein Liebling, und wenn du willst: Ich bin zu sterben bereit."
"Ach, du Blödmann. Soll ich meinen Ernährer killen und dann damit beginnen , Jagd auf Mäuse und anderes Getier zu machen? Nein, wir bleiben hübsch zusammen, wir beide. Zudem ist das Schlangenkostüm nicht mein einziges Outfit."
"Da bin ich aber sehr erstaunt und gespannt, Graziella."
"Ah, meinen Namen weißt du auch noch?"
"Was denkst du denn? Ich liebe dich wirklich, jede Schuppe deiner Haut und spezielle deine Rassel."
"Das ist keine Rassel, das sind Klappern, die zusammen rasseln."

Samstag, 4. Juni 2011, 19:58 Uhr

Hüma Sado, Teil 4

"Schau bitte mal nach, ob die Kugel noch in meinem Hirn steckt."
Graziella ging mit dem rechten Auge ganz nah an das Loch in Hüma Sados Schädel heran und sagte trocken: "Ein Tunnel, kurz und durchsichtig."
"Also keine Kugel", dachte Hüma Sado, "da muss ich mir wohl etwas reinstopfen."
"Sieht gut aus", sagte Graziella, "das kann sich niemand ausser dir leisten."
"Ich bin ja auch kein Sterblicher."
"Trotzdem könnte ich dich vergiften."
"Weil wir das so abgemacht haben, bevor wir auf diese Bühne gegangen sind."
"Du würdest sterben", beharrte Graziella.
"Im Spiel schon, in der Wirklichkeit aber nicht."
"Aber deine Rolle wäre zu Ende."
"Oh Gott, bist du pingelig", ärgerte sich Hüma Sado.
"Weil es so ist!" insistierte Graziella.
"Wenn ich will, kann ich meine Figur ändern. Ich kann sie immun machen gegen dein Gift."
"Blödsinn!"
"Wenn ich wollte, könnte ich es ... Ich bestehe schliesslich vollkommen aus Licht, und aus Licht lässt sich alles erschaffen."
"Spiele haben Regeln, mein Freund. Natürlich kann man sie ignorieren. Oder man kann schummeln und betrügen. Aber das ist nicht der Reiz der Sache." Graziella kam ganz nahe an Hüma Sado heran und züngelte vor seiner Nase herum.
"Lass uns aufhören mit dem Blödsinn", meinte Hüma Sado, "ein Spiel ist ja dazu da, dass man sich amüsiert - und nicht, um sich zu ärgern."
"Sei also vorsichtig", stichelte Graziella, "sonst beiss ich dich!"
"Tu, was du willst, du verdorbenes Weib, du."
"Hüte deine Zunge, mein Lieber, hüte besser deine Zunge."

Sonntag, 5. Juni 2011, 05:00 Uhr mit Vogelgezwitscher im Morgengrauen

Teil 5 der Hüma Sado-Saga

Hüma Sado musste seinen Atem kontrollieren. Dreimal holte er tief Luft und blies sie mit spitzen Lippen pfeifend wieder raus, bis die Lunge leer war. Dieses verdammte Leben, dachte er, mit seinen geistig völlig vernachlässigten Kreaturen. Wenn man weiss, dass es ein Spiel ist, kann man genau so wenig gegen die vorgegebene Rolle tun wie ein Schauspieler auf der Bühne. Man brächte das ganze Stück durcheinander, und die Zuschauer würden einen ausbuhen. Ob das Leben auch Zuschauer hat? Vielleicht im Jenseits. Vielleicht ist das Jenseits ein gigantischer Zuschauerraum mit Blick auf das Schauspiel des Lebens, auf die irdische Bühne oder auf welchen Ort auch immer im Universum, wo das Spiel des Lebens stattfindet. Ach, es ist so mühsam, wissentlich unwissend zu sein.
"Denkst du wieder Unsinn?" fragte die Schlange lustvoll grinsend und züngelnd.
"Wenn du wüsstest", sagte Hüma Sado mit einer wegwerfenden Handbewegung.
"Wenn ich was wüsste?" Graziella rollte in wilder Neugier ihre Augen.
"Das Ganze", sagte Hüma energielos und zuckte mit den Schultern.
"Das Ganze?" meinte Graziella süffisant. "Welch ein Trottel will schon sowas wissen?"
"Du hast recht. Lassen wir's. Hat eh keinen Sinn." Hüma Sado seufzte.
"Nicht den geringsten." Graziella wandte sich ab und bewegte sich elegant zwischen den Absturztrümmern hindurch in die Richtung, wo beim unversehrten Flugzeug mal der Notausgang gewesen war.

Webmaster-Info vom 10.06.2011

René Schweizer hat sich einer alten, immer noch unbeantworteten Frage erinnert und ein Gedicht dazu geschrieben: Wo bleibt eigentlich Godot?

29.06.2011, schon wieder hat Dirty Harry zugeschlagen:

Hei Zung

Haben Sie schon?
Haben Sie schon?
Haben Sie schon mal
eine Heizung
eine Heizung
eine richtige Heizung gesehen -
eine Heizung aus Hei und Zung
aus Hei Zung?

Nicht aus Hei Di, Hei Noon
Hei There oder Hei Jump
Sondern aus Hei Zung?
Hei Zung mit dem Zünglein an der Waage?

Haben Sie schon mal eine richtige Heizung
aus Hei Zung gesehen
Hei Zung mit dem Zünglein an der Waage?
Und dem Jüngling an der Säge?

Wenn nicht ...
Wenn Sie noch nie eine richtige Heizung
aus Hei Zung
mit dem Zünglein an der Waage
und dem Jüngling an der Säge
gesehen haben ...

Dann aber dalli
richtig dalli
Dann aber dalli-dalli

Oder wollen Sie die Konsequenzen tragen
die Konfitüren lagern?
an den Konzepten nagen?

So, hopp und dalli
Hoppedidalli und dalledihopp!

Heute: Kopfsalat günstiger als sonst!
Packen Sie zu
Sonst packen wir Sie
Und dann ist fertig lustig.

Hoppedidalli und dalledihopp!

Freitag, 8. Juli, 2011, noch knapp drei Wochen bis zu meinem Geburtstag (ohne Anspruch auf Relevanz)

Habe ich Ihnen schon mal von dem italienischen Sockenonkel erzählt? Das ist auch schon einige Zeit her, so anfangs, Mitte der siebziger Jahre, denn 1977 hatte ich meinen grossen Durchbruch mit dem ersten SCHWEIZERBUCH, und von da an war es nicht mehr möglich, mich dem Vertrieb von italienischen Socken zu widmen.
Der Onkel meines Kumpel Angelo hiess Sergio und hatte in der Kleinstadt Cossato im Piemont eine aus zirka sechs bis acht kleinen Maschinen bestehende Sockenfabrik, die irgendwelche dubiosen Frauen aus der Gegend schlecht und recht bedienten. Natürlich wollte Sergio sie zuerst jede einzelne auf ihre Vertrauenswürdigkeit testen, indem er sie allesamt (allerdings einzeln) testfickte. Wenn sie sich gut hielten, wurden sie eingestellt - aber seine Frau durfte nichts davon wissen.
Angelo, sein Neffe, wollte mich unbedingt als "Agent für Nordeuropa" in die Firma einbringen - eine Fabrik mit sechs bis acht Kleinstmaschinen, welche pink-und lilafarbene Herrensocken aus Frotteestoff vom Schwarzmarkt zu einem Schleuderpreis dem deutschen Michel unterjubeln wollte.
Da ich Deutsch, Italienisch, Englisch und Spanisch reden konnte, wollten die mich wie erwähnt im grossen Stil als Chefverkäufer für den nordeuropäischen Raum einsetzen. Ich liess mich hineinziehen, da die Kohlen lockten und Angelo mit seinem Satz "Niemerem sage / Schwartemage" mein Vertrauen gewonnen hatte.
Der langen Rede kurzer Sinn: Sergio und ich trafen uns in Basel, wo wir uns in Angelos Wohnung zu einer Spaghettata trafen, die ich damals zur Zufriedenheit aller Amwesenden kochte. Nach einer angemessenen Siesta machten wir uns mit der inneren Haltung von Polarforschern in Sergios Wagen auf den Weg nach Frankfurt. Dort angekommen, mussten wir zuerst den Treffpunkt finden, wo die Transaktion Geld gegen Socken stattfinden sollte. Ich erwies mich als passabler Unterhändler für skurrile Ware, und Sergio war mit dem Abschluss zufrieden.
Dann bekam er die typisch leuchtenden Augen des völlig moralfreien, geilen mittelständischen Italieners (Berlusconi-Effekt!) und sagte: "Trovaci qualcosa per chiavare - finde uns was zu ficken!" Ich hielt ein Taxi an, grüsste und zeigte auf Sergio: "Mein italienischer Freund braucht eine Frau. Haben Sie uns einen Rat?" "Steigt ein." Wir taten wie befohlen, und der Kerl chauffierte uns ins Zentrum der Sünde. Sergio war in Eile. Er klaubte aus seinem Geldbeutel einen Hundertmarkschein und gab ihn mir mit der Bemerkung: "Aber nur die Hälfte, nur cinquanta Marqui." Ich nickte, obwohl mir auch schon alles egal war.
Sergio hatte seine Tusnelda rasch gefunden, und mich lächelte vom Hauseingang etwas an, das mich völlig verzauberte: eine Östereicherin in ihrer vollen schräg-merkwürdigen Blüte. Gegen die habe ich schon von Natur aus keine Chance, weil sie exakt meinem Bedürfnis an Skurrilität entsprechen - aber diese war ein speziell begabtes Exemplar. Allein ihr Name löste bei mir einen Lachanfall aus. Ich konnte einfach nicht glauben, dass man wirklich so heissen konnte. Leider habe ich den Namen längst vergessen. Aber als sie sich dann an meinem Schrumpfzipfel zu schaffen und steyrische Bemerkungen zu dessen Zustand machte, hielt ich es vollends nicht mehr aus und prustete wie ein vom Virus Gepackter drauflos, ohne das geringste Interesse an einem sexuellen Abenteuer zu verspüren.
Das Lachen war für mich Erlebnis genug.
Und als sie beim Gehen fragte, ob sie die zweiten fünfzig Mark nicht auch noch haben könne, überreichte ich sie ihr mit einer Nonchalance und prustend, dass sie nur den Kopf zu schütteln vermochte, ob des Verhaltens dieses Exemplars der schweizer Spezis.
Sergio wartete schon ungeduldig. Ich stieg ein, und er fragte sofort nach dem Fünfzigmarkschein. Ich lachte und sagte: "Dovevo darglielo. Insistava." Er schüttelte den Kopf, murmelte etwas von "Stronzo" und "Manca di coglioni." Und gab Gas.
Wir sprachen nicht mehr, bis wir wieder in Basel waren, und ich Angelo die Geschichte in meiner Version auf Baseldeutsch erzählen konnte. Er lachte sich kaputt, was Sergios Ärger noch steigerte ... Damit war eine weitere vielversprechende Karriere zu Ende, ehe sie richtig begonnen hatte.
Es gäbe noch viel zu erzählen über diese irre Zeit. Aber auch sonst ist die Agenda randvoll. Man muss wie beim Glücksrad das Schicksal rotieren lassen und dann "HALT!" schreien. Es ergibt sich immer etwas Brauchbares.

4. August 2011 nach Erwin Müllers Geburtstag (oder wie hiess der schon wieder mit dem Kreuz-ASS im Ärmel?), 20.57 Uhr im Tal der kalten Socken

Der Tod ist so armselig; er hat nicht einmal Arschbacken, die sich tätscheln lassen.

18. August 2011, 14:59, düppig und schwül wie bei den Amazonas-Indianern

Als ich noch eine Bratkartoffel war, bestieg ich zum ersten Mal den Olymp. Auf dem Gipfel angekommen, erwartete mich Zeus mit ein paar pinkfarbenen Wurstwecken.
"Wo ist die Ständerlampe?" fragte er.
"Ständerlampe?" wunderte ich mich. "Ich dachte, ich solle Kaugummi mitbringen."
"Seh ich aus wie ein Kauboy?" brüllte Zeus.
"Was weiss denn ich?" gab ich ungehalten zurück, "ich bin eine Bratkartoffel und verstehe mich nicht auf Ständerlampen. Überhaupt - wozu braucht der Vater der Götter eine Ständerlampe?"
"Ich bin nicht der Vater der Götter, sondern der Kater der Spötter."
"Ist das nicht dasselbe?" fragte ich ohne Arg.
"Menschen!!!" rief der erste Choleriker der Schöpfung aus, "wie bin ich bloss auf diese hirnverbrannte Idee gekommen?"
"Aus Langeweile", meinte ich.
"Man sollte dich ins Irrenhaus sperren", rief die auf ihren irdischen Einsatz wartende Klytämnestra, die gerade mit dem Herrichten eines Bohnensalates beschäftigt war.
"Pass auf, du Hure", erzürnte sich Zeus, "pass bloss auf, sonst verwandle ich dich in eine Bergzofe."
"Bergzofe?" wunderte sich Klytämnestra, "was soll den das, du alter Sack?"
Zeus genoss diese Beleidigungen, denn er kannte die Zukunft und hatte eine Schwäche für Klytämnestras Schicksal im Schlamassel der Sterblichen; sie gefiel ihm in jeder Hinsicht. Deshalb entfuhr seiner Brust ein rollendes Gelächter, welches einen Habicht über dem Bodensee bei Romanshorn so sehr aus dem Konzept brachte, dass er plups wie ein Stein ins Wasser fiel und die grösste Mühe hatte, sich irgendwie ans Ufer zu retten. Sein Onkel wartete mit zwei Bäckern auf ihn. Zusammen führten sie ihn an den ausgebreiteten Flügeln in die Backstube der Bäckerei Ratzinger, um ihn aufzuwärmen. Bald war in dem wohligen Warm sein Gefieder wieder trocken. Er trank noch eine heisse Schokolade mit einem Schuss Amaretto di Saronno und verabschiedete sich. Schliesslich musste er als rassereiner Habicht seine artigen Kreise über dem Wasser ziehen und sich dabei Gedanken über neue Bergschuhe für das Terrain des Olymps ausdenken.
Dort war inzwischen ein Riesengaudi im Gange. Ich als Bratkartoffel hielt mich in der Nähe des Holzherdes auf, um nicht auszukühlen. Mir blieb nichts anderes übrig, als zuzusehen, denn niemand nahm mich als Wesen wahr. Ich war bloss eine unbedeutende Speise.
Zeus fluchte in einer Sprache, die ich nicht kannte, die mich aber stark an Helmut Zacharias, den Zaubergeiger aus Ascona erinnerte, der im privaten Kreise dauernd fluchte, ohne dass jemand der Leute in der Sergio-Bar irgend etwas verstand.
Plötzlich schwang sich Tarzan in den Raum. Nach der Landung wandte er sich Zeus zu, stellte sich in Positur und schmetterte seinen Schrei in den Raum. Zeus strahlte: "Oh du mein liebster unter den Sterblichen, was führt dich zu uns in die Kemenate der grenzenlosen Langeweile."
"Mich gelüstet nach einem Steak vom Minotaurus, oh Zeus, ein Filet mit kretischen Kräutern und Ketchup aus dem Wilden Westen.
Hoffentlich sieht er mich nicht, dachte ich, sonst bekommt er noch Lust auf eine Bratkartoffel. Und das wäre wohl mein Ende.

Fortsetzung folgt.

2.9.2011, 17:50

Das Leben besteht zur Hauptsache aus Lärm.
Und da ich Lärm nicht mag, kann man sich
vorstellen, wie ich zum Leben stehe.

3.9.2011, 02:35 Uhr

Man solle Zwiesprache mit seiner Seele halten, heisst es.
Ich habe es versucht: Keine Antwort!
Gibt es keine? Oder ist meine verloren gegangen?

19.9.2011, 18:03 Uhr

Mein Leben fühlt sich an wie eine erloschene Liebe und eine zu lange getragene Unterhose gleichzeitig. Obwohl ich die Liebe nur durchschnittlich intensiv kennengelernt habe und zu lange getragene Unterhosen kaum, stelle ich es mir so vor.
Es ist vorbei.
Kein Interesse mehr.
ES IST ALLES SCHEISSEGAL.
Nicht mal die Theaterkantine lockt mich noch.

Es ist wie wenn ich immer in Bümpliz gelebt hätte.
Die Erde ist das Bümpliz des Kosmos.
Ich möcht mehr - den Urknall einholen und neue Dimensionen, Sterne und Daseinsformen kennenlernen ...

Wo bleibst Du, guter Sensemann?

1. Oktober 2011 (genau ein Jahr vor dem 1. Oktober 2012), 04:33 Uhr, an meiner Compi-Glotze

Und was ist mit dem Humor, dem Lachen? Weiss denn kaum noch jemand, dass Lachen Raum schafft, soviel Raum, dass für ein Gedankengedränge kein Platz ist? Lacht mal bewusst und schaut euch dabei zu. Schaut an, was Ihr seht. Ihr seht die Leere - die wunderschöne Leere des Lachens. Nirgendwo Probleme, keine schlechten Gefühle. Nur Wohlbefinden und das Empfinden von Freude. Heiterkeit ist die Befindlichkeit dessen, was viele ungenau das "Göttliche" nennen. Es gibt kein von dir getrenntes Göttliche. Das Göttliche bist du, und der Mensch ist deine Rolle. Du hast sie gewählt, ehe du die Bühne betreten hast. Und so wie ein Schauspieler Freude daran haben kann, einen Schweinehund und Charakterlump zu spielen, so hast du Freude an der Rolle, die du für deinen irdischen Aufenthalt gewählt hast. Aber das geht vorbei, ob schön oder hässlich - denn es warten noch viele Rollen auf dich; und du wirst noch viele spielen wollen. Das geht so bis in alle Ewigkeit. Ohne Begrenzung, ohne Limit. Das wirkliche Leben kennt kein Ende. Die Zeit ist ein genialer Einfall, um die Dauer einteilen zu können, so dass Traum auf Traum geträumt werden kann - ewig wechselnd und ewig neu.
Soviel mal für heute.

Adios muchachos y muchachas

4. Oktober 2011, Die Schöpfung: Rotkäppchen denkt nach

Wenn man davon ausgeht, dachte sich Rotkäppchen, dass das, was der Onkel "Schöpfung" nennt, seinen Ur-Sprung in einer riesigen Badewanne hat, in welcher einst die Leere dahin gefläzt lag und sich ihrer gedanklichen Untätigkeit hingab, dann muss man sich fragen, woher plötzlich der unverhoffte Blitz herkam, der die Idee des Lebens entzündete und damit den Flächenbrand der unaufhaltsamen Kreativität auslöste.
Am besten passt auf dieses Licht-Phänomen der Begriff "Mysterium" (nicht mit Ministerium verwechseln!) Die Katastrophe des Lebens wurde durch das Mysterium der Erleuchtung ausgelöst, das heisst einen Rätselblitz, ein explodierendes Fragezeichen, etwas Undefinierbares, Undenkbares.

Wohin führt uns diese Erkenntnis?, überlegte Rotkäppchen weiter. Es bemerkte, dass die beiden Begriffe Undefinier-Bares und Undenk-Bares zusammengesetzte Wörter sind, welche beide auf die Doppelsilbe "Bares" enden. Was Bares ist, wissen wir alle, dachte es. In den Kreisen jener, welche die Schöpfung für ein bezahl-bares Phänomen halten - den Gangstern und Spekulationsprofis - gilt das Bare als das wahre Wirkliche, das konkrete Zaubermittel zur Manipulation und Ausbeutung der Weltidiotie. Und die Orte, wo das Bare die Illusion der Wirklichkeit kreiert, sind die Bars der Welt, die schummrigen Theken rund um den Globus, wo allerdings das Bare nur scheinbar das Wahre ist.
Doch ehe es sich mit der Gattung der Ausbeuter beschäftigte, wollte das Rotkäppchen untersuchen, wie die materielle Welt überhaupt entstehen konnte und wie sie sich entwickelt hatte.

Zuerst war also die Leere, sagte sich Rotkäppchen, und in der Leere döste der Ozean des untätigen Denkens und träumte gut gelaunt und ungestört seinen unergründlichen Traum. Das Phänomen des Mysteriums, welches grundlos und absichtslos aus dem Nirgendwo in das Idyll der vollendeten Ruhe hinein platzte, brachte die Dinge ins Rollen. Zuerst entstand durch die explosive Kraft des Mysteriums die Reduktion der Eigenschwingungsfrequenz des Denkens. Diese Denk-Frequenz war so unendlich hoch, dass ihr Vorhandensein nicht erkannt werden konnte. Ein unbeteiligter Beobachter hätte meinen müssen, das Denken habe keine Schwingung und sei völlig ruhig. Es war wie wenn ein kleines Kind ein schlafendes Krokodil für einen Baum hält.

Das verlangsamte Denken wurde zu Licht, und die Lichtteilchen oder -quanten oder -partikel waren ihrer Grundnatur nach vergleichbar mit den Wassertropfen, welche die Ozeane bilden. Und so wie die Wassertropfen grob gesagt der Schwerkraft oder der Anziehungskraft der Sonnenhitze folgen, so folgen die Lichtteilchen dem Gesetz der Ideen und dem Lockruf der Kreativität. Da jedes Lichtteilchen so wie jeder Wassertropfen seine eigene Individualität und somit Persönlichkeit und Identität besitzt, zieht jedes dieser Teilchen die zu seinem Charakter passenden Ideen aus dem Wirbelsturm der Ideenwelt. Dies geschieht mehr oder weniger automatisch, so wie Eisennägel automatisch von einem Magneten angezogen werden, Holznägel, Karotten oder ein Tiramisù aber nicht.
Damit sind wir wieder beim Mysterium, das heisst dem Unergründbaren.
Wenn wir jetzt nochmals den gesamten Verlauf der Geschichte schildern und erzählen wollten, bräuchten wir dafür exakt genauso viel Zeit, wie die Geschichte selbst dazu benötigt hat, um das zu werden, was sie heute ist. Deshalb machen wir jetzt hier eine Pause und fahren weiter, wenn die Zeit reif dazu ist.

30. Oktober 2011

Vor ein paar Tagen sass ich früh - d.h. um die Mittagszeit - im Schiefen Eck. Sabine, die Serviertochter, hatte mir soeben eine Flasche Bier hingestellt. Noch ehe ich diese angefasst hatte, kam sie wieder zurück und streckte mir ein Foto unter die Nase. 'Das ist für Dich abgegeben worden.'

Ich staunte nicht schlecht. Das Foto zeigte auf A4-Format einen sehr jungen Mann vor dem Hintergrund einer mir nicht vertrauten uralten Mauer mit Zinnen. 'Wer hat das abgegeben?' 'Ich kenne den Typ nicht. Er fragte einfach, ob ich Dich kenne und sagte, ich solle Dir das Bild überreichen.' Dann erkannte ich den jungen Mann als mich selbst, wusste aber immer noch nicht, wo die Aufnahme gemacht worden sein könnte. Nachdem der Hirncomputer ein bisschen Gas gegeben hatte, war mir plötzlich klar: Mensch, das ist ja Jerusalem. Mir blieb fast der Verstand stehen. Ich war damals vierundzwanzig Jahre alt, es war 1968, und hatte die Taschen voller Geld. Ein paar Monate vorher hatte ich eine Schweizer Bank, d.h. schliesslich deren Versicherung, um um die Summe von 31'750 Deutsche Mark betrogen und war geflohen. Damals waren das schätzungsweise um die 100'000 Franken im heutigen Geldwert. In Jerusalem, wohin es mich nach Spanien, Tanger und Italien verschlagen hatte, war ich per Zufall an der Feier zum Jahrestag des Sechstagekrieges einem alten Kumpel aus der Seibi Bar-Zeit in Basel begegnet, der bei den UNO-Truppen als Flugzeugmechaniker arbeitete. Natürlich weihte ich ihn nicht ein, und so versuchte er dauernd schamlos, mich zu fotografieren, was ich überhaupt nicht mochte, da so etwas für mich gefährlich werden konnte, weil ich schon auf der Fahndungsliste von Interpol stand.
Aber jetzt - 43 Jahre später - bin ich froh, dass er damals dieses Bild geschossen hat. Es ist eine wahre Rarität, weil das einzige, das von jener Zeit noch übrig geblieben ist. Alle anderen sind verschwunden, von mir oder den Behörden irgendwie verliedert, als ich nach der Auslieferungshaft von zweieinhalb Monaten im Stadtknast von San Vittore an die Schweiz ausgeliefert und für einige Monate im Lohnhof, dem damaligen Basler Untersuchungsgefängnis, eingebuchtet worden war.
Jetzt hocke ich hier als alter Mann von 68 und freue mich über den Mumm, den ich als junger Schnösel gehabt hatte, ins breite Fach der Kriminellen zu wechseln.
Wie viele von Ihnen wissen, habe ich die Gefängniszeit unbeschadet überstanden und mich dann nach und nach auf ein weiteres Aussenseiterfach konzentriert: Jenes des Nonsens- und Schabernackproduzenten. Vielleicht war der Betrug nur die Initialzündung. Vielleicht solltet Ihr das auch mal versuchen, wenn Ihr jung, gesund und von der Gesellschaft angewidert seid ...

Habe die Ehre
Euer René Schweizer alias Joe Francobollo

1. November 2011, mitten in der Nacht auf meinem bequemen Bette liegend

Manchmal sehne ich mich nach einer Frau, nicht nach einer Freundin, sondern irgend einer Frau, nach der Weiblichkeit ihres Körpers. Ich möchte sanft ihre Brüste durch die Kleidung hindurch berühren und drücken, ihre Pobacken, ihre Schenkel anfassen - aber nicht mit sexueller Erregtheit, sondern eher so, wie man eine Katze streichelt und ihr Schnurren geniesst.
Ich brauche keine Gefährtin, mit der ich alles besprechen kann und die sich in meinem Leben breit macht. Der Meister wandelt allein, heisst es in vielen Weisheitsbüchern. Ich brauche den Gegenpol zu meinem virilen Wesen, das Sanfte, Weiche, das meine Nerven beruhigt und die seelischen Wogen glättet - das was die Spanier 'suave' nennen und die Holländer vielleicht 'uck van soft'. (Den Narren wird man halt bei aller Sentimentalität nie los!)

8. November 2011, 03:28 Uhr, im Zustand der Klarsicht

Ich glaube, ich habe Ihnen Jacqueline schon vorgestellt. Sie ist an der Hochschule für Textildesign und studiert dort dieses Fach. Mir ist sie vor einem Jahr und drei Monaten in einer Beiz zum erstenmal in meinem Leben begegnet. Wir haben Gefallen aneinander gefunden; inbesondere am jeweiligen Lachen des/der andern.
An einem Abend etwas später, nachdem sie mit ihrem Gepäck aus Brig, ihrer Heimatstadt, vom Wochenende zurückgekehrt war, wurde sie von schwarzen Trickdieben ausgeraubt. Die Täter waren so raffiniert geschult, dass Jacqueline es nicht merkte, als die Riemen ihrer Tasche, welche sie über die rechte Schulter geworfen hatte, offenbar mit einer Schere oder einem scharfen Messer durchtrennt und die Tasche mit allem darin geraubt wurde. Sie hatte alles drin: Portemonnaie mit einigen hundert Franken Bargeld, die Hausschlüssel ihrer Wohnung, die Identitätstkarte, die Bankkarten für den Bankomat - alles? Sie konnte sich nicht einmal mehr ein Bier leisten, war blitzeblank. Es ergab sich, dass ich sie zu mir einlud, um auf meinem Sofa eine Nacht zu verbringen. Wie es manchmal so geht, wurde mehr draus. Wir freundeten uns an, ich besorgte ihr die Gästewohnung direkt neben meiner und versuchte ihr zu helfen, wo ich konnte.
Es ging nicht lange, da ereignete sich der erste Streit, worauf die obligate Versöhnung folgte. Nach ein paar Monaten erkannte ich ihr malerisches Talent. Sie hatte endlich einige Bilder mitgebracht, die sie in der Schule gemalt hatte. Ich war hingerissen, und als sie in den Schulferien war, suchte ich mir das Bild aus, das mit am besten gefiel, und brachte es zu einer befreundeten Rahmenmacherin zum Einrahmen. Jacqueline war begeistert. Wir handelten einen Preis aus, und ich kaufte Jacqueline das Bild ab. Ich war so angefressen von ihrem Talent, dass ich ausfällig wurde. Ich beschimpfte sie, dass sie sich mit Dingen beschäftigte, welche sich hervorragend für Dilettanten eigneten - aber nicht für eine herausragende Künstlerin wie sie. Ich wollte, dass sie alles aufgeben und sich nur noch der Malerei widmen sollte. Aber ich übertrieb, wurde ausfällig. Ich geriet in Panik über die Vorstellung, ein Riesentalent könnte in einem handwerklichen Beruf enden und die Malerei nach und nach so vernachlässigen, dass sie mit der Zeit wie ein Schemen verschwände, ohne grosse Spuren im Gedächtnis der Leute zu hinterlassen.
In meiner Verzweiflung, sie als Maltalent zu verlieren, beschimpfte ich sie aufs Wüsteste und drohte ihr damit, der Teufel werde sie holen, wenn sie sich nicht auf die Malerei zu konzentrieren beginne und den Blödsinn 'Textildesignerin' vergässe.
Heute habe ich meine Fehler eingesehen. Und auch die Gründe dafür; sie liegen an meinem kaputten Charakter. Ich habe ihr eine SMS geschickt, welche wie folgt lautet:

Entschuldige. Ich bin verrückt, durch und durch krank, geisteskrank. Ich weiss oft nicht, was ich tue. Seit meine Mutter mich verlassen hat, ist das so. Ich sollte für den Rest meines Lebens in die Klinik. Aber ich weiss nicht, wie ich es anstellen soll. Adieu, meine Liebe. Ich wünsche Dir alles Gute. Bitte versuche mir meine Widerwärtigkeiten zu verzeihen. Das würde mir helfen. Dein René

Jetzt kann ich nur hoffen, dass sie mir glaubt. Wenn ich Geld hätte, würde ich es ihr beweisen, indem ich alle ihre Bilder, zu denen ich Zugang habe, zum Einrahmen bringen und sie ihr zu einem anständigen Preis abkaufen würde. Leider habe ich noch keine Fotos von den Bildern. Ich muss die noch machen lassen, um sie dann online stellen zu können. Aber leider ist erst ein einziges davon gerahmt. Was für eine miese kleine Story aus dem Künstlermilieu. Andere werden sauer, weil zu wenig Bier im Hause ist - ich weil zu wenig Kunst geliefert wird.

Mittwoch 9. November 2011, 19:55, kurz vor dem Kochen und Essen

Beinahe jeden Tag, da ich aus dem Haus gehe, werde ich von irgend jemandem gefragt: 'Was machst du? Schreibst du an was Neuem?'
Dann weise ich zumeist auf meine Texte hin, die ich in der Rubrik AKTUELL auf meiner Homepage zur genussvollen oder vielleicht gar ärgerlichen Lektüre anbiete. Die Homepage ist seit einiger Zeit, vielleicht schon seit Jahren, nicht mehr meine, sondern die meines Webmasters Sitting Maneater, der sie weitergeführt hat, als ich mal eine Anwandlung von Überdruss an aller Tätigkeit hatte und meinem Rentnertum durch Nichtstun gerecht werden und endlich einen Sockenhalter steinigen wollte.
Nachdem Sitting Maneater seine Jogginghose von der Gempenfluh ins Tal geworfen und ein altes Rabattmarkenbüchlein seiner Grossmutter zerrissen hatte, rief er mich an und sagte: 'Also gut, ich machs. Ich übernehme die Webseite.' Ich war zufrieden und nahm den Bus zum Friedhof, wo ich die Gräber von Kurt Fahrner und Alfred Rasser besuchte und beiden 'Das alte Haus von Rocky Docky' vorsang. Sie lachten beide und wünschten, dass ich für das nächste Mal 'Es stand ein Soldat am Wolgastrand' vorbereiten sollte. Nach zehn Flaschen Bier in der Kneipe gegenüber vom Friedhofeingang fuhr ich zurück zum Claraplatz und suchte das Lied vom Wolgastrand in der Music Box vom Schiefen Eck. Ein Erdölbaron aus Kentucky, der auf der Durchreise war, stand plötzlich neben mir und sagte: 'Tschacher Seppalii - häst you das hia drin?' 'Natürlich' antwortete ich und suchte die Hymne unseres Ländlervaters Christoph Blocher. Der Ölbaron schmiss eine Runde. Und dann noch eine und noch eine und noch eine. Insgesamt mussten wir uns den Schacher Seppli 25 mal anhören. Das ergab etwa zehn Lokalrunden, weil niemand sein Bier so rasch leeren konnte wie das Lied vom Schacher Seppli jeweils dauerte.
Als ich mich auf den Heimweg machte, hatte ich Schlagseite. Eine Eule setzte sich auf meinen Scheitel und rumpfte mir einen Teil meiner Haare aus. Um den Vogel loszuwerden, hielt ich ein Taxi an und liess mich zum Bahnhof SBB fahren. Dort nahm ich den Nachtzug nach Paris, wo mein Leben so unerfreulich weitergegangen wäre wie bisher, wenn ich nicht die Bekanntschaft des Coiffeurs meines Lebens gemacht hätte. Er hiess Raguso Eliminati und verwechselte mich mit jemandem, als ich nach dem Verlassen des Zuges durch die Bahnhofshalle schritt. Er dachte, ich sei Monte Ceneri und umarmte mich enthusiastisch. 'Monte!' rief er begeistert und küsste mich ab. 'Monte! Monte! Monte!' schrie er, ohne mich zu Worte kommen zu lassen.
Mehr zu dieser merkwürdigen Geschichte beim nächsten Stelldichein.

21. November 2011

Selbsterkenntnis

Es gibt keine Berge, die ungeduldig auf den Bus warten.
Es gibt keine Ozeane mit Steuerschulden.
Es gibt kein Zebra mit Lesestörungen.

Es gibt nur dich mit deinem persönlichen Scheiss!

13.12.2011, 00:12 Uhr

Vorsicht auf der Autobahn zwischen Bömmen und Bammen: Es liegt ein defektes U-Boot auf der rechten Fahrspur.

13.12.2011, 00:38 Uhr

Das ideale Weihnachtsgeschenk für den erotischen Anfänger: Automatischer BH-Entferner. Nur Fr. 39.95. Bestellen Sie jetzt!

17.12.2011

Vor zwei Wochen ist das Buch Mit Humor arbeiten im Verlag des Vereins Humor Care Deutschland zum 10-jährigen Jubiläum erschienen. Dieser Verein entstand 2001 als eine Folge der Basler Kongresse zum Thema "Humor in der Therapie", den mein Freund und Partner Michael Titze, Humortherapeut, Psychotherapeut und Soziologe und ich zusammen gegründet haben. Es ging dabei um die Idee der Gelotologie (Lachforschung, von griech. Gelos - das Lachen) und deren Entwicklung und Resultate.
Nun, da sich nach einem harten Weg die Situation um die Akzeptanz des Lachens als therapeutisches Mittel in der Öffentlichkeit wesentlich gebessert hat, liegt es nahe, eine kleine Bilanz zu ziehen. Das Buch "Mit Humor arbeiten" ist der zentrale Teil dieser Bilanz. Die Artikel stammen allesamt aus der Feder von langjährigen Anwendern und Experten der gelotologischen Erkenntnisse. Dass auch ich angefragt wurde, einen kleinen Erfahrungsbericht mit dem Titel Vom Knaben zum Gagasophen. Oder: Was Dada mich "leerte" über den Einfluss, den das Lachen seit meiner Kindheit in meinem Leben gespielt hat, zu verfassen, empfinde ich als Ehre, da ich ja kein ausgebildeter Therapeut bin, aber immerhin ein recht erfolgreicher Anwender des Heilmittels Lachen in der Praxis.

20. Dezember 2011, 15:50 Uhr, an einem grauen Nachmittag

Heinz Tobler und ich sind uns 1991 über den Weg gelaufen. Er nannte sich mit Künstlernamen "Heinrich von Löwenspur, Fährtenleger". Das hat mir imponiert. Wir waren sofort die besten Freunde, obwohl uns ein Altersunterschied von 22 Jahren trennte. Insbesondere gefiel mir sein Humor, den er nicht nur mündlich, sondern auch zeichnerisch zum Ausdruck zu bringen fähig war. Nach einigen Jahren der Zusammenarbeit, deren Höhepunkt die Herausgabe des gemeinsam erarbeiteten Bandes 4 von EIN SCHWEIZERBUCH war, bekam er Probleme mit der Welt. Er hielt das Leben in der sogenannten Zivilisation nicht mehr aus und setzte sich nach Indien ab, wo er in einem Ashram nach und nach Ruhe fand.
Unser Kontakt brach ab.
Manchmal, wenn er zu Besuch bei seinem Vater, dem Einstein von Therwil, war, rief er mich an und fragte, ob ich Lust hätte, ihn zu treffen. Ich sagte jedesmal zu, denn die fremde ferne Welt, in der er sich bewegte, machte mich neugierig. Einmal fragte ich ihn auf einem Spaziergang über die Felder zwischen Therwil und Flüh, was er denn in Indien erlebt und herausgefunden habe. Er sagte: "Ich weiss jetzt alles." Darauf fragte ich ihn: "Was kostet heute ein Kopfsalat in der Epa?" Er schwieg zuerst und sagte dann, dass ihn solche Nebensächlichkeiten nicht interessierten. "Wenn Du alles weisst, kennst Du auch den heutigen Kopfsalatpreis in der Epa. Sonst weisst Du vielleicht ALLES minus den Kopfsalatpreis". Er schwieg. Ich ebenfalls. Jahre später, 1998, war er wieder zu Besuch und rief mich an. Ich erzählte ihm, dass ich Kontakt zu einem indischen Arzt in Bombay aufgenommen hatte, Dr. Madan Kataria. Dieser hätte zuerst einen und dann viele weitere Lachclubs auf Yoga-Basis gegründet. (Es waren damals über 150 Stück in ganz Indien). Heinz war begeistert, und ich brachte ihm beim nächsten Treffen einige Unterlagen mit, die mir Dr. Kataria per Mail hatte zukommen lassen. Da Heinz bald wieder zurück nach Indien zu fliegen gedachte, fragte ich ihn, ob er nicht einen Abstecher über Bombay machen und Dr. Kataria treffen wolle. Er sagte zu, und das war der Beginn der Lachclubs im deutschsprachigen Europa. Dr. Kataria nahm ihn während der Tage seines Aufenthaltes mit zu seinen Sessions und erklärte ihm das Prinzip der Bewegung.
Heinz gab mir die Instruktionen weiter, und am Kongress "Humor in der Therapie" von 1998 stellten wir das Lach-Yoga vor. Mehr dazu im Text Vom Knaben zum Gagasophen. Oder: Was Dada mich "leerte".
Michael Berger, der legendäre Boss des Nonsensartikelherstellers Harlekin, den ich 1981 anlässlich meiner UNART-Ausstellung an der ART BASEL kennengelernt hatte, war begeistert von der Idee und sagte, man müsse so etwas in Deutschland bekannt machen.
Heinz und ich waren Feuer und Flamme, und Heinz beschloss, Bergers Einladung zu einem Besuch in dessen Haus in Wiesbaden anzunehmen. Gemeinsam machten sie Dampf und stellten Dr. Katarias Lachclub-Idee live in Bergers 'Kirche des Humors', einer echten ehemaligen und von Berger aufgekauften und profanisierten Kirche, vor.
Weitere Informationen finden sie unter Lachclubs, Lach-Yoga und Gelotologie auf Google.

24. Dezember 2011, 14:45 Uhr

Stille Nacht, heilige Nacht
alles ächzt, alles stöhnt
Nur das geile, errehegte Paar
Und die nahackte Ehengelschar
poppen wihild drauflohos
Uhund der Spahass ist grooooss.



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