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Archiv: Aktuelles 2006

02.01.2006, 14:13 Uhr

Jetzt habe ich keine Lust zu schreiben, bin aber neugierig, ob aus dieser Unlust etwas zu entstehen vermag. Das Radio läuft, ein Beitrag über das ausgehende 18. Jhdt. und die pariser Friedhöfe. Vor mir steht eine Dose Denner-Bier, und neben der schreibenden Rechten liegt mein Samsung-Telefon. So, das wär's. Die Neugier weicht dem Überdruss. Es ist mir zu anstrengend, auf diese langsame Weise heraus zu finden, was sich aus Desinteresse als Ansporn zu entwickeln vermag.
That's it Folks!

An einem schönen, sonnigen Wintermorgen, dem 23.01.2006, Tag der Altkleidersammlung bei uns im Kleinbasel

Seit dem 1. Januar befinde ich mich von eigenen Gnaden im Ruhestand. Es gibt nichts Schöneres.
Allerdings bedeutet es für mich nicht, dass ich nun überhaupt nichts mehr tue. Ich will meinem Lebenswerk noch ein paar Glanzpunkte aufsetzen: Das Buch "Die Säuferin" soll so gut werden, dass ich ehrlich sagen kann: zu mehr bin ich nicht fähig.
Das Fritzenkunstprojekt will ich so klar formulieren, dass alle es verstehen und sich einbringen können. Ich will die Fritzenkunst zu einer eigenständigen Kunstgattung machen. Und das Buch über das Jenseits mit den Jakobus-Interviews soll eine unverkrampfte und lockere Sichtweise auf die Ewigen Jagdgründe bringen. Nach der Lektüre sollen der Leser und die Leserin sich fragen: He, vielleicht hat er recht, und wir können uns auf die Rückkehr in die Heimat freuen.
Dann will ich natürlich die Web Seite mit alten Texten anreichern und versuchen, möglichst viel von dem noch auffindbaren Material hinein zu bringen.
Jedenfalls wünsche ich allen Besuchern viel Vergnügen beim Durchforsten der diversen Bereiche.

Samstag, 28.01.2006, ein trüber Tag, ohne Aussicht auf Besserung

Gestern Abend sass ich schon in Hauskleidung vor dem Fernseher und glotzte unverwandt hinein, als das Mobile Phone jodelte und mein Verleger Matthyas Jenny am Apparat war.
Er sagte: "Ich stehe hier vor deiner Stammkneipe. Wo bist du?"
"Zu Hause."
"Zu Hause? Tatsächlich?"
Ich war etwas verwirrt. Dachte er, ich würde jede Stunde des Tages in meiner Stammkneipe verbringen?
"Wo ist der Boxclub?" fragte Matthyas weiter.
"In der Turnhalle gegenüber vom Klingeli."
"Ah, genau. Um 22 Uhr liest dort Mark van Huisseling von der Weltwoche. Kommst du mit? Vielleicht ist es gut für dein Buch, den kennen zu lernen."
Ich ging dann hin, stand über eine Stunde inmitten von vielen jüngeren Menschen und hörte mir die Interviews an, die Mark van Huisseling mit René Heller und einem Mikaschewski oder sowas, einem Ex-Weltmeister, geführt hatte.
Dann ging es noch ins Schiefe Eck, wo mein Verleger sagte: "Wir lassen das alles weg mit dem 'Sie ging zum Spiegel' und solche Dinge. Nur der blanke Text, den sie spricht. Keine Bemerkungen. Das ist viel dichter und spannender."
"Einverstanden", sagte ich, "machen wir das so." Ist mir eh egal, dachte ich, ich bin ja im Ruhestand.
Es handelt sich um den Text "Die Säuferin", der letztes Jahr sechsmal als Monolog von Katja Gaudard aufgeführt worden ist und auf die Buch Basel hin als Lesetext herauskommen wird.
Zu Hause kleidete ich mich wieder um, setzte mich vor den Fernseher und dachte: "Was war das jetzt? Ein vorbei gehuschter Traum?"

10.02.2006, ein trüber Tag mit trüben Tassen auf den Strassen

Ich bin dabei, die Fritzenkunstidee zu einer Gruppentherapie auszuformulieren.
Michael Titze, mein Partner aus der Kongresszeit, kommt nächstens nach Basel. Dann wollen wir uns in gediegenem Rahmen bei Speis und Trank über den konkreten Ablauf einer Fritzenkunst-Sitzung unterhalten und ein wenig Brainstorming betreiben.
Ich bin der Meinung, dass wir beide genug gedacht haben. Es ist an der Zeit, dass wir ans grosse Umsetzen denken, was bedeutet, dass wir eine Bewegung auf die Beine stellen, welche zuerst sowohl in Europa als auch in den USA eingesetzt wird. Wir wollen den Schleier heben und zeigen, dass das Leben nichts ist und nichts alles und deshalb: alles Leben, und: Leben alles. Das Einfachste ist das Schwierigste, weil unsere moderne Sprache ein Instrument für Komplexität, nicht für Simplizität ist.
Okay?

15.2.2006

Habe Band 4 von EIN SCHWEIZERBUCH aufgeschlagen, und da springt es mir ins Auge, dieses schöne Zitat von Sophokles: 'Nur im Unverstand ist das Leben angenehm.'
Ist es nicht grossartig, dass man nicht modern sein muss, um so zu denken?

Samstag, den 18.02.2006, ein ziemlich sonniger und schon fast frühlingshaft warmer Tag

Der Mosimann aus Binningen, ein Schneider, hat mich um sechshundert Franken Anzahlung für einen blauen Blazer mit Goldknöpfen und grauer Hose betrogen. Jetzt will das Betreibungsamt auch noch Geld! Ich muss wohl den Mosimann aus Binningen mit der Methode des taktischen Wahnsinns bekannt machen.
Vielleicht flippt er aus und erleidet einen Badeunfall.
Fazit: Traue nie einem Mosimann, es könnte in die Hosen und ebenso in die Jacke (den Veston) gehen.
Wenn Sie nichts Gescheites zu tun haben, lesen Sie meine Predigt.

26.02.2006, kurz vor dem Eingang des monatlichen Geldes

Der Urknall ist dadurch entstanden, das eine Singularität mit unvorstellbarer Wucht zerplatzte.
Die Explosion ist zur Zeit noch im Gange, wie man weiss. Wir leben mitten in ihr.
Sehr deutlich kommt dies im Bilde einer Katze zum Ausdruck, die sich wohlig in der Sonne auf einem Gesimse räkelt und ihre Relativität auslebt.

03.03.2006 14:52h

Vor ein paar Tagen habe ich seit langem wieder einmal in dem Buch "Das holographische Unversum" geblättert.
Dabei bin ich auf einen Satz gestossen, der ausgezeichnet zu unserer Fasnachtszeit passt, welche am Montag um 04:00 Uhr mit der Wucht eines Vulkanausbruchs beginnt. Er lautet: "Will man wissen, wo man sich befindet, darf man nicht die Einheimischen fragen."

15.03.2006

"Was deinem Gegner nicht gelingt, werden deine Schulterklopfer schaffen."
Goethe oder so

21.03.2006

"Ich weiss ich hätte nicht und sollte doch. Ich müsste endlich. Überhaupt ich würde schon noch. Und ich werde auch."
Sabine Techel

26.04.2006

Wer anderm seine Gruppe trägt.

28.04.2006

"Es genüg nicht, keine Gedanken zu haben. Man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken."
Karl Kraus

"Kunst ist, was man nicht begreift."
Markus Lüpertz, Rektor der Kunstakademie Düsseldorf

04.05.2006

Am 22. Mai fliege ich für zirka zwei Wochen nach Hamburg. Im November soll mein Theatermonolog "Die Säuferin" an einem neu eröffneten Theater gespielt werden, das sich ausschliesslich auf Monologe konzentrieren will. Ich arbeite zur Zeit an einem weiteren Monolog, den ich "Der Dramatiker" nenne. Da geht es um den Autoren der Säuferin, also mich, meine Konsterniertheit, als die Protagonistin der Säuferin,den Kontakt zu mir abgebrochen hat, und Reflexionen über mein Leben, meinen Weg und die zahllosen Merwürdigkeiten, die ich im Verlaufe der Jahrzehnte erlebt habe.
Die beiden Monologe "Die Säuferin" und "Der Dramatiker" sollen im November am selben Abend präsentiert werden. Ich werde vermutlich auch während eines Teils der Proben anwesend sein.
Bald mehr.

08.06.2006

Heute bekomme ich von meinem Verleger Matthyas Jenny Umschlag und endgültigen Text der "Säuferin" gemailt. Ich muss es nochmals durchsehen und zurück schicken. Dann dauert es noch etwa zwei Wochen bis zum Erscheinen.
Wer will, soll mir die Daumen drücken, Draumen dücken, Schlücke zücken, Buckel rutschen ...

12.06.2006

Heute habe ich meine Biografie für das neue Buch ergänzt. Der letzte Satz hat gelautet:
"Zwischen 2007 und 2013 (Siebzigster Geburtstag): Vermutete Rückkehr in die Herkunftsdimension = Schirm zu!"
Der Verleger hat den Satz gestrichen und mir nicht einmal gesagt, weshalb. Es gibt immer noch Leute, die den Tod für etwas Unanständiges oder überflüssig zu Erwähnendes halten. Wie schade und wie blöd ...

Freitag, 7. Juli 2006, 03:11 Uhr, zwei Tage vor dem Fussballweltmeisterschaftsfinal ITALIEN gegen FRANKREICH

Jülle liegt im Spital. Er war eine Zeitlang mein bester Freund, und hat jetzt etwa zehn Jahre lang in Irland gelebt. Als er sich vor ein paar Tagen freiwillig per Taxi in die Notfallstation fahren liess, wog er mehr als zweihundert Kilos, jetzt noch einhundertfünfundneunzig. Er muss monatelang in Behandlung bleiben und abspecken. Sein Spezialbett ist gleichzeitig eine Waage.
Ich habe beschlossen, mit ein paar Kollegen zusammen, die Alkoholmarktlücke zu schliessen; das heisst, wir entwickeln Produkte, die etwas mit dem Alkoholgenuss zu tun haben, und bringen sie auf den Markt. Ich mag jetzt noch nicht viel darüber erzählen. Nur soviel: Es hat mit der Fritzenkunst zu tun und mit der Umgekehrten Null, und es geht einfach darum, dass Alkohol und Kunst endlich ihre längst fällige Ehe schliessen, die Kunst dann abstreifen und zur Lunst mutieren.
Aber das sind nichts als Worte.
Wenn mein Web Master wieder mal ein bisschen Energie für diese Site frei zu machen vermag, werden auch wieder mehr Informationen zu fliessen beginnen. [Selbstverständlich, René, er wird das bisschen Energie aufbringen können! - Dein Webmaster]
Seid einfach wachsam und lest DIE SÄUFERIN; das wird euch vielleich inspirieren. Sie kommt in den nächsten Tagen auf den Markt.

21.08.2006

Sie ist da, die Säuferin - als Buch in jeder Buchhandlung. Bin froh, dass es endlich soweit ist und gespannt darauf, wie der Text sich bei den Lesern macht. Ich habe mich stark bemüht, das Bild dieser Frau korrekt zu zeichnen.

30.08.2006 03:22 Uhr

Um zu wissen, was ich von meinem neuen Buch erwarten soll, habe ich ein Buch von Osho blind aufgeschlagen und den Finger auf eine Stelle gehalten. La voici: "Das Wagnis ist die einzige Garantie für wahre Lebendigkeit."

04.09.2006

Der Hansjörg aus Aarau, der Schneider Hansjörg, Vater des Hunkeler und Schöpfer des Sennentuntschi, Liebhaber der Annebäbi Jowäger und von Glausers Wachtmeister Studer, hat eine Rezension über die Säuferin verfasst... auf Peter Knechtlis www.onlinereports.ch.
Ich fühle mich genau so, wie es sich bei so etwas gehört: richtig Bauch gepinselt.
Merci Hansjörg.
Hoffentlich findest Du viele Nachfolger innen - NachfolgerInnen, denen mein Werk und meine rätselhafte Persönlichkeit genau so nahe gehen.

Direkt zum Artikel

13. September 2006, 14:12 Uhr

Wilde Sachen
möcht' ich machen.
Diesen Körper loswerden.
Die Jugend zurück haben -
durch die Universen preschen,
mit Meteoren kegeln,
Sternensysteme aus dem Gleichgewicht werfen.
Super Novae auspusten.
Kosmische Elefanten durch die Galaxis jagen,
Schwarze Löcher schlürfen,
den Urknall einholen
und ihm eine knallen.
Aber -
nicht länger als dreiundsechzig Jahre altes Fossil
vorsichtig den Gehsteig entlang
bis zur nächsten Kneipe humpeln,
um mit Hilfe von ein paar Bieren
meine Seele zu besänftigen.

Oh, wären doch Tarzan hier
und Superman,
die hätten bestimmt eine Lösung.

Wie lange noch?

16.09.2006

Am 11. Oktober lese ich auf Einladung der Briefpost in Bern, im Museum für Kommunikation an der Helvetiastrasse, wahrscheinlich um 20:00 Uhr, aus meinem Best of Ein SCHWEIZERBUCH.
Und am 20. Oktober findet die Vernissage der "Säuferin" im Quartierzentrum QUBA, Bachlettenstrasse 12, in Basel statt. 19:30 Uhr. Nach der Lesung QuBa-Bar und tapferes Buch unterschreiben.
Danach schleppt sich der alte Sack nach Hause und wirft sich in die Heia.

28.09.2006

Gestern hatte ich Glück. Mein Natel klingelte kurz nach elf Uhr. "Komm", sagte Marino, "ich stehe im Parkverbot vor dem Hotel Krafft an der Rheingasse."
Eiligst warf ich mich in meine Klamotten, richtete den Schlauch zurecht, und war fünf Minuten später dort. Wir begrüssten uns freudig - er mit seinen 185 und ich mit meinen 139 Kilos.
Dann fuhren wir nach Allschwil ins Restaurant Mühle und liessen uns einen Fünfgänger à la Carte auffahren.
Dazu drei Flaschen Wein vom bestern, zwei weisse und eine rote. Es war wie im Schlaraffenland.
Als ich zwei Stunden später meinen Briefkasten öffnete, war da ein Brief vom Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt. Unter dem Betreff "Autorenförderung" stand, dass die Mitglieder des Fachausschusses beschlossen hatten, mein Projekt 'Am Abgrund' mit einem angnehmen Betrag aus dem Literaturkredit BS/BL zu unterstützen.
Das hob meine Stimmung noch mehr an, und ich konnte schon das Meer riechen, an das ich mich in den kommenden Wochen auf irgend eine Weise begeben würde.
Halleluia und Biii baba lulaa.

29. September 2006, 03:22 Uhr, am Laptop über der Hurengasse

Denkbarer Anfang für einen zirka zweihundertzehnseitigen Roman:
"Alternder Schriftsteller legt seinen Heimatschein neben die Pelati-Dosen im lokalen Supermarkt, holt im hinteren Teil des Raumes eine Tube bordeaurote Schuhcrème mit Auftrageschwämmchen und schmiert sich damit die Nase ein.
Beim Rausgehen lächelt er der jungen Verkäuferin zu, zwinkert ihr mit dem rechten Auge zu und sagt mit schnarrender Stimme: 'Es ist zu spät, baby - für alles zu spät.'
Sie runzelt die Stirn und sagt: 'Macht dreizehn Dollar siebenundneunzig, bitte.'"

Wäre auch ein denkbarer Schluss.

29. September 2006, 14:28 Uhr

Weisst du, es ist sehr leicht, ein Genie zu sein. Alles, was du tun musst, ist: Denke für dich selbst. (aus 'Ramtha' 1986)

30. September 2006, 15:48 Uhr

Ich wäre gerne Brigitte Bardots Bruder gewesen und hätte die Typen bestraft, die sie ausgenützt haben.
Gilbert Bécaud hätte ich ein Stück Eisen in die Stirn flitzen lassen. Auf einem Zettel neben seinem Leichnahm wäre gestanden: "Der Lausbub hatte den Grössenwahn."

30. September 2006, 15:53 Uhr

Ich würde mich gerne mit Mohammed treffen und ihn fragen: "Kannst Du nicht vorbei kommen und für Ordnung sorgen?"

6. Oktober 2006, 00:16 Uhr

Grossmut: Sind in Grossbritannien die Grossmütter grossmütiger als in Kleinasien?

6. Oktober 2006, 13:29 Uhr

Verkehrsmitteilung: Zwischen Schaffhausen und der Autobahnrasttätte Hurenschanze liegt ein Einzahlungsschein auf der Strasse. Die Polizei bittet um Nachsicht.

6. Oktober 2006, 13:30 Uhr

Lasst euch das mal durch den Kopf gehen: LIGA zur Neutralisierung der Weltidiotie durch dadaistischen Schwachsinn.

10. Oktober 2006,15:45

Es war einmal ein Mann,
der hatte einen hohlen Zann.

Es war einmal ein Mahn,
der hatte einen hohlen Zahn.

Es war einmal ein Barsch,
der hatte einen hohlen Arsch.

Pjotr Immanuel Goethe

Donnerstag, 12.10.2006

Gestern war ich in Bern. Ich bin von der Briefpost zu einer Lesung aus meinem Buch 'Best of EIN SCHWEIZERBUCH' eingeladen worden. Sie fand im Museum für Kommunikation statt und wurde von der Buchhandlung Thalia mit organisiert. (Plakat)
Es war zwar eine relativ kleine Menge von Zuschauern (Herbstferien!) anwesend, aber die Reaktionen haben mir sehr gut getan: lauter intelligente Leute, die ihrem Gelächter freien Lauf gelassen haben.

Morgen fahre ich nach Freiburg und treffe mich dort mit Miriam Fiordeponti, Schauspielerin, welche die Säuferin in Hamburg auf die Bühne bringen will. Ich freue mich sehr darauf, denn am Abend gehen wir zusammen in die Premiere von Kleists 'Familie Schroffenstein'. Miriams Ehemann spielt mit. Es ist immer wieder gut, sich mit Leuten vom Theater zu treffen; es gibt immer einen Haufen Neuigkeiten und meistens kann man auch einige Male herzhaft lachen.

Freitag, 13. Oktober 2006

"Die grösste Strafe für diejenigen, die sich nicht für Politik interessieren, ist die, dass sie sich eines Tages regieren lassen müssen von jenen, die sich für Politik interessieren."
Arnold Toynbee

Sonntag, 15. Oktober 2006

"Der einzige Unterschied zwischen einem Verrückten und mir ist der, dass ich nicht verrückt bin."
Salvador Dalí

21.10.2006

Gestern hatten wir Vernissage des Buches Die Säuferin. Ich las zuerst ein paar Briefe aus dem Best of-Band von EIN SCHWEIZERBUCH vor, um die Leute auf meine Person einzustimmen, dann einige Tagebuchnotizen aus den diversen Alkoholentwöhnungskliniken, die ich besucht hatte, und schliesslich vier verschiedene Stellen aus der Säuferin.

Foto: Guido Studer

Nach der Lesung wurde ich mit Komplimenten überhäuft; am beeindruckendsten waren aber die Worte einer Schwester aus dem U3, der Entzugsabteilung der Psychiatrischen Klinik Friedmatt. Sie sagte nur ein Wort: "Grossartig!" Und nickte mir mit einem bedeutungsvollen Blick zu. Da wusste ich, dass ich es mit meinem Text geschafft hatte, die Realität darzustellen. Damit ist mein Ziel erreicht, und ich kann mit dem Daumendrehen weiterfahren.

23.10.2006

"Die Öffentlichkeit nimmt sich von einem Schriftsteller, was sie braucht, und den Rest lässt sie unter den Tisch fallen.
Und was sie unter den Tisch fallen lässt, ist meistens das, was sie am nötigsten hätte."
Charles Bukowski

26.10.2006, über dem Bodensee

Als ich noch im Himmel war, beschäftigten sich alle damit, was sie beschliessen sollten. Der eine wollte in seinem nächsten Leben auf der Erde mal ganz arm sein, wirklich ein ganz armer Hund mit Hunger und so. Ein anderer wollte Cowboy werden, kein besonderer, auffälliger, sondern einfach einer, der sein Handwerk beherrscht, eine gute Anstellung hat und mit seinem Vieh arbeiten konnte.
Ich sass da an einem Tisch in der Theaterkantinen und überlegte: 'Wie wär's, wenn ich mich mal ohne jeglichen Beschluss inkarnieren liesse? Ohne Pläne, Träume, Absichten, Hoffnungen, Vorlieben und dergleichen - bloss inkarnieren und abwarten.'
Vielleicht habe ich das tatsächlich getan, denn jetzt halte ich mich in diesem Kurhaus im Appenzellischen auf, habe achthundert Gramm abgenommen, trinke keinen Alkohol, und im Prinzip ist mir alles so lang wie breit. Übertrieben kurzweilig oder gar erfüllend ist das nicht. Bin gespannt, was die Zukunft bringt.
Wenn jemand einen Vorschlag hat, bitte ...
Viel mehr als lachen und Dummheiten erzählen kann ich aber nicht.

03.11.2006

Die Zeit ist reif, denke ich.Wenn ich jetzt nicht sage, was ich denke, schnappe ich noch über. Vor allem habe ich keine Lust, noch länger auf einen Einsatz zu warten, von dem ich noch nicht einmal weiss, ob er überhaupt geplant ist, oder ob ich ihn mir bloss einbilde, weil ich einen Dachschaden habe.
Als ich fünf oder sechs war, hatte ich eine Vision, die mich darüber zu informieren schien, dass ich mit einem Auftrag geboren worden war. Ich hatte damals das Gefühl, dass ich als Erwachsener etwas Entscheidendes zur positiven Entwicklung der Welt beitragen sollte, dass ich einzig aus diesem Grund geboren und dies mein Auftrag sei. Ich sah mich damals als jemanden mit einem klaren Deal. Jetzt bin ich dreiundsechzig, und es ist noch nichts geschehen, ich habe noch keine weltbewegende Tat vollbracht und hätte Lust, in meine Heimat zurück zu kehren. Ich weiss aber nicht, wie ich das machen soll. Einfach gehen kann ich nicht; dazu müsste ich mich umbringen, und das ist mir unsympathisch. Wenn ich mich an meine Freunde im Himmel, auf den Plejaden und sonstwo in anderen Dimensionen wende, herrscht Stille. Aus mir selbst heraus kommen auch keine Informationen, so sehr ich auch lausche - ausser vielleicht der Satz: 'Die Zeit ist noch nicht reif. Geduld. Bald ist es soweit.'
Manchmal frage ich mich, ob ich nicht in die psychiatrische Klinik zurückkehren und mich auf Wahnideen untersuchen lassen soll. Oder weiss jemand von Euch etwas?

05.11.2006 11:04 Uhr

Ich liege auf meinem Bett, umgeben von einem Tohuwabohu an Büchern, nicht gelesenen Zeitungen, einem CD-Player, einer Eric Satie- und Chopin-CD, dem Englisch-Wörterbuch Cassells, einer Zahnschiene, einem Kompaktlexikon, Papiertaschentüchern, Katalogen, Schuhputzzeug und andere Sachen, die sich seit dem letzten Aufräumen angesammelt haben und dem Staub in ihren Zwischenräumen eine gmütliche Heimstatt geben - und ich denke: Wieso schreibe ich nicht mal einen Text über einen Gartenhag... nur über den Hag an sich, das Material, aus dem er besteht, seinen Erhaltenszustand, den Zweck, den er einst hatte oder vielleicht noch immer hat. Ich könnte zum Gartenhagträumer werden, darüber nachsinnen, wie das Holz oder Metall hierher gekommen und bearbeitet worden ist, die Menschen, die sich mit seiner Errichtung beschäftigt haben, mit seinem Unterhalt. Ich könnte ihnen fiktive Fragen stellen über Geheimnisse, die er kennen sollte, Taten, die er gesehen hat, als keine Augen Zeugen waren. Man kann viel in einen Gartenhag hinein legen. Auch in eine Schuhschachtel oder eine Bonbonniere kann man viel hinein legen. Aber immer wieder stelle ich leider fest, dass Gartenhäge und dergleichen mein Interesse nicht lange am Einschlafen hindern können. Dann stehe ich lieber auf, rolle die Läden hoch und lasse Luft in die Schlafstube, stelle in der Küche Wasser für Tee auf, und im putze im Badezimmer die Zähne, damit das Leben weitergehen und ich die Existenz dieses Gartenhages verdrängen kann, der sich bemüht hat, meine Aufmerksamkeit zu erreichen, um vielleicht durch meine Beschreibung in die Ewigkeit einzugehen.
Aber die Ewigkeit dauert ja bloss ein Lidschlag, heisst es. Soll ich dafür meine Zeit verplempern und die Sonne verpassen, die jetzt draussen scheint und die Menschen aus ihren Löchern lockt?
Es ist Herbstmesse in Basel. Vergesst eure inneren Gartenhäge und taucht ins Geschehen ein, esst eine Wurst oder Magenbrot, Zuckerwatte, Türkenhonig und Messmocken.
Gezeichnet: Der Halbschuh, dem nichts Besseres eingefallen ist.

03.12.2006 16:30 Uhr

"Ich liebe diese Berge mit ihren steil herab hängenden Abfällen." Heinrich von Löwenspur, Fährtenleger, in Arizona auf unserer gemeinsamen Reise durch den Süden der USA anfangs der Neunziger Jahre.
Eigentlich wollte er sagen: "Ich liebe diese Berge mit ihren steil herab fallenden Abhängen." Ich konnte den Wagen fast nicht mehr steuern.

14. Dezember 2006

"Der Mensch misst seine Kraft an seiner Fähigkeit zu zerstören."
George Bernhard Shaw



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