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Aktuelles28. Juli 2010, 15:18 Uhr, alles ziemlich normal (ausser dem Kontostand. Aber was Buddha nicht störte, stört mich nimmermehr)Ein Leser meiner Webseite hat das Garn der Geschichte vom Grab des Unbekannten Bäckers weitergesponnen. Er schreibt: Die Weiterentwicklung Deiner Geschichte an Mick Jaggers Geburtstag bin ich spontan diesen Montag Morgen angegangen: Es war dem Friedhofsklischee nach punkt Mitternacht, denn das Friedhofglöckchen schlug 12 Mal, und obwohl niemand der Anwesenden die Fähigkeit hatten mangels Schulbildung 12 Mal zu zählen, wussten sie alle intuitiv, dass es Mitternacht war. Der Mörder hatte in seinen glorreichen Jahren mehr als 12 Menschen und Hunde unter die Erde gebracht und das wurde ihm zum Verhängnis, nämlich, dass er nicht zählen konnte und somit der Justiz auf den Leim kroch. Denn unter 10 Morden würde die Justiz ein Auge zudrücken, so hatte ihm einst sein Grossvater erzählt - zudem konnte er Hunde von Menschen nicht unterscheiden, so dachte er, es wären immer nur Hunde gewesen, die er erschlug, und Hunde zu erschlagen sei doch erst recht kein Grund ins Gefängnis zu kommen. 12 Jahre hatten sie ihm aufgebrummt, aber wieviel Zeit bedeutet das, wenn man nicht die Mengen wusste. Vermutlich kam es auf das Verhältnis an, also wieviel Teile Langeweile zu wieviel Teilen Ablenkung. Je mehr Ablenkung, je kürzer die Dauer, oder? Ablenkung lässt Deine Gedanken aussen vor, lässt nur Irrsinn rein. Die Langeweile hingegen hat Anteile des Nachdenkens, eine Zeit der Selbstfindung in sich. Natürlich, das kann hart und schmerzhaft sein, aber es kann auch unglaublich heilend sein. Zum Beispiel kann die Erkenntnis, dass das Leben ein einziger Dornenweg ist, ein erfrischendes Lachen hervorbringen oder man kann erleichtert losheulen, wenn man realisiert, dass man in der Schule nur für ein Wirtschaftssystem gelernt hat, das einen erniedrigt und ausbeutet und von dem man niemals etwas zurückbekommen hat - das ist zwar keine spassige Erkenntnis, aber das Leben ist leichter zu leben, wenn man erkennt, dass viel Engagement auch einfach Ablenkung sein kann, es sei denn, man hat genug Zeit im Leben gehabt, sich dann und wann der Langeweile zu widmen. Ergo Langeweile, so resümierte der arbeitslose Mörder, sei die sinnvollste Tätigkeit im Leben ... (Bitte weiterentwickeln) Ich habe da den Faden wieder aufgenommen: 'Mittlerweile hatte der alleinerziehende Indianerhäuptling seinen Kaugummi gefunden. Er schob ihn sich in den Mund und legte den rechten Arm um die Schulter des arbeitslosen Mörders: 'Sei nicht traurig, Gefiederter Affe, heutzutage sind sogar Vampire und Bergführer arbeitslos und langweilen sich. Bei uns im Stamm hat selbst der Buchhalter kaum etwas zu tun. Er kaut den ganzen Tag Jerky Beef und denkt über Heisenbergs Unschärferelation und Schroedingers Katze nach.' 26. Juli 2010 (Mick Jaggers Geburtstag!), 03:11 UhrBeginn einer grossen Geschichte: 'Am Grab des Unbekannten Bäckers sassen ein arbeitsloser Mörder und ein alleinerziehender Indianerhäuptling, der seinen Kaugummi suchte ...' (Bitte weiterentwickeln) 16. Juli 2010, im Schosse der Nachthitze, dieser Giftkröte des RuhestandesKurznews: Juli der fünfzehnte, 00:34 Uhr, mit einem leisen Lüftchen und ein bisschen weniger SchwitzschwatzIch muss mal etwas durch denken. 11. Juli 2010, 01:28 Uhr, hitzemässig fast wie im Tal des TodesIch muss bald mal zu einem Notar gehen und dort meinen Grabspruch amtlich festhalten lassen. Auf meinem Grabstein sollen die Worte stehen: "So, das hätten wir. Nedgan Z. Bache Wobei "Nedgan Z. Bache" eigentlich "ned ganz bache" heissen soll; auf deutsch "nicht ganz gebacken" oder einfach "durchgeknallt". 7. Mai 2010, 23:17 UhrSie hat sich gemeldet. Per Mail um 21:56. Ich zitiere: 'danke für die lieben
Worte! Ich bereue nicht eine Sekunde, die ich Dir gewidmet habe! Viel Glück
auf Deiner Reise, und wenn Du an einem Beach angekommen bist, schreib meinen
Namen in den Sand und erinnere Dich meiner! Alles Gute für Dich.
(Unterschrift)!!!' 5. Mai 2010, 13:25 Uhr, an einem trüben Tage, wie niemand ihn mag - weder in Bangkok noch in Hawaii, Los Angeles, Paris, Dagmarsellen oder Ascona; und hier in Basel sowieso nicht.Das mit der Jungen, Blonden, Dummen ist vorbei. Leider endgültig. Wir haben keinen Kontakt mehr, und ich empfinde es als Befreiung, denn für den Weg, den ich momentan zu gehen versuche, ist zu grosse menschliche Nähe Gift. Der Meister wandelt allein, heisst es in den Büchern und Aufzeichnungen der Weisen, welche ihr Ziel erreicht haben. Ich versuche mehr und mehr ins Klare mit mir und der Welt zu kommen, das heisst den Ruhestand dafür zu nutzen, um wirklich endgültig zur Stille zu kommen, den Zustand des Gleichmutes zu erreichen. Liebe Junge/Blonde/Dumme, ich wünsche Dir das Beste der Welt, Du hast grosse Veranlagungen und Talente. Nutze sie und werde glücklich. Freue Dich zwischendurch ein bisschen an dem 'Zufall', der uns wie zwei Sterne, deren Bahnen sich kreuzen, und die dann wieder voneinander wegdriften, zusammengeführt hat. Es war nicht sinnlos, aber dennoch nicht für die Ewigkeit gedacht. Darin habe ich mich grausam getäuscht: Ich dachte, ich wünschte mir nichts mehr wie eine grosse Nähe zu einem seelenverwandten Menschen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Ich will und muss allein sein, um meinen Weg gehen zu können. Vielleicht ende ich noch in einem Wald oder an einer langen einsamen Beach. So long, young Lady. 3. Mai 2010, 01:49 Uhr, im Jahre der HiobsbirneEin Indianer hat mal gesagt: 'Der Grosse Manitou kann uns jederzeit
unverhofft einen Besuch abstatten. Sei bereit, wenn er von dir wissen will,
ob dir etwas unklar ist, ob du eine Frage an ihn hast.' Gibt es Würgemale mit Hochschulabschluss? 27. April 2010, 03:03 Uhr, die Furien und Megären scheinen ausgebremstJetzt habe ich einen Leckerbissen. Heute, das heisst nach Mitternacht,
schrillt mein Handy. Ich bin so überrascht, dass ich es fast nicht finde,
obwohl es in meiner Hosentasche steckt. Ich schaffe es, das Ding
hervorzuklauben und die Verbindung herzustellen: 'Ja?' sage ich verhalten.
'Hallooo', tönt es frisch aus der Leitung, 'ich dachte, ich ruf mal bei Dir
an.' 'Das ist wunderbar', entfuhr es mir, als ich den Namen sah, 'wie geht
es dir?' 'Gut', antwortet eine der klangreinsten, wohlklingendsten,
frischsten, kurz: schönsten Mädchenstimmen, die je ihren Weg an mein Ohr
gefunden haben. Wie ein sanfter, quirliger Bergquell räuschelt dieses Wunder
in meinen Kopf hinein und bringt meine sämtlichen Sinne zum verzauberten
Stillestehen und Lauschen. Ich weiss nicht, wie mir geschieht. Unser
Gespräch plättschert friedvoll dahin, und alle Wogen und Wellen in meiner
Brust glätten sich. Welch ein Genuss - diese Stimme! Ich mache ihr ein
Kompliment, sie sagt neckisch: 'Du kleiner Schleimer.' Ich bin gespielt
entsetzt und aufgewühlt. 'Nein!' protestiere ich. 'Es ist so, deine Stimme
hat etwas von einem Engel.' Sie lacht ihr glockenhelles Lachen. 'Auch deine
überrascht mich sehr', sagt sie, 'sie klingt so jung.' 'Was?' 'Sooooooooo
jung.' Ich schlucke leer vor Begeisterung. 26. April 2010, 18:11, im Jahre der blühenden GorgonzolasDann herrschte erste einmal Funkstille - nichts mehr aus dem Lande der Jungen, Blonden und Dummen. Ich war völlig irritiert und fragte mich, ob ich wohl etwas Falsches gesagt hatte. Doch dann endlich mit Datum vom 31. März, also sechs Tage später, kam wieder was aus heiterem Himmel. Am Schluss der Nachricht stand ein PS-Vermerk: 'Einen Tag nach Erhalt Deiner Email passsierte mir ein Unfall, und ich durfte das hiesige Krankenhaus mit all seinen Vorzügen und weichen Betten kennenlernen.' Kein Wort, was da tatsächlich geschehen war. Nun ich kannte das Mädchen auch noch kaum und sah mir mal ihre Nachricht durch. Da stand zum Beispiel: 'Ich habe mich wie irre ... bekloppt über die Antwort, Hilfe und das Du gefreut. Und weil ich nicht nur jung, blond und dumm, sondern zudem auch anhänglich wie ein Bandwurm bin, nehme ich es, schnalzend vor Danksagungen, an!' Und weiter: '... ich regiere voller Gnade im Chaos ...' - ein Satz der mich umgehauen hat: Gnade im Chaos - welch wunderschönes Bild. Alles blüht und duftet wie auf einer fetten Alpwiese, und über allem waltet die Gnade der Schöpfung, einmalig. Dann wurde es ernst: 'Wie sieht es aus und was passiert, wenn man den eingeschlagenen (Lebens-)Weg als (scheinbar) falsch entlarvt, sich um sein Leben betrogen fühlt und Sühne sucht für die vielen Gelegenheiten, die man verpasst hat, die vielen Wegegabelungen, an denen man sich in eine Richtung hat drängen lassen ... Kann es auch vorkommen, dass man dem Lichblitz nachtrauert, der einen vor vielen Jahren durchzuckte, um auf höchst dramatische Art darauf hinzuweisen, dass der eingeschlagene Weg nicht der richtige ist, man jedoch aus Trägheit und/oder Mutlosigkeit nicht den Willen aufbrachte, die Richtung zu ändern, als der Spargel noch grün war? Wie oft bereut man, nicht öfter unvernünftig gehandelt zu haben? Und wie steht es mit dem Humor? Verwandelt er sich in einen zynischen alten Köter? Und was für ein Text mit dem Papili! Ich habe ihn ... ach, könnte ich zählen ... so und so oft gelesen ... beim 1. Mal habe ich gegrunzt (auf damenhafte Weise versteht sich), beim 2. Mal offenbarte sich die 'Tragik' und beim 3. Mal war ich von der Moral tief beeindruckt und geschüttelt.' Was für ein Mädel, dachte ich mir: klug, aufsässig, vor Wissensdurst vibrierend und energiegeladen wie eine Supernova vor dem Platzen. Mir kam meine eigene Sturm und Drang-Zeit in den Sinn, und ich verfiel für kurze Zeit einer tiefen Melancholie. 26. April 2010, 17:34 UhrWas ich noch vergessen habe: Meiner ersten Mail an die Junge, Blonde und Blöde, legte ich noch einen kurzen Text, den ich über ein kleines Abenteuer mit meinem Vater, verfasst hatte, bei: Mein Vater Emil genannt Mille logierte zu jener Zeit mit seiner zweiten Frau in der Leimenklinik und langweilte sich durch die Tage. Ich hatte drei Zimmer mit Bad und riesigem Balkon in der schmucken uralt-Villa Frisia in Innerarosa. Aber ich hielt mich sehr oft in Basel auf, um Mille vor der endgültigen Verödung zu bewahren. Er hatte zwei Hirnschläge überlebt, brachte mich aber bei jedem Besuch noch zum Lachen. Einmal fragte er mich mit einem vagen Schulterzucken und einer sparsamen Armbewegung zum Park vor dem Fenster: "Was ist das? Wo bin ich hier? Wie geht's weiter?" 24. April 2010, 18:07 Uhr, aus dem Tal der Wunder- und WandersockenStellt Euch mal vor, Ihr erhaltet an einem schönen Märztag aus heiterem
Himmel eine Mail, die sich mit folgenden Worten an Euch wendet: 'Sehr
geehrter Kaiser von China, Ich cyberstolperte bei meiner täglichen
Internetrecherche über Ihre Seite. Seit gestern bin ich Stammkunde und lese
... und lese ... dass es mir wie Fische von der Schuppen fällt ... ich mich
ehrerbietig verneige und respektvoll um Hilfe brülle.' Und einen Abschnitt
weiter: '... ich bin jung, blond und dumm und muss noch lernen, mich präzise
und zeitsparend auszudrücken.' Und: 'Ich schreibe meine Bachelorthesis, die
sich mit der gesundheitsfördernden Wirkung des Humors und Lachens befasst,
teils mit dem Thema 'Humor im Alter'. 22. April 2010, 17:18, 20 Jahre Grinsatorium-PräsentationSeit einundzwanzig Jahren kenne ich nun Dr. Michael Titze, den deutschsprachigen Meister der therapeutischen Lachforschung oder Gelotologie. 2011 jährt sich zum zwanzigsten Mal die öffentliche Präsentation des ersten Projektes, das aus dieser fruchtbaren Begegnung entstanden ist. Ich war damals von einem Unternehmer der Ingenieur-Branche, den ich anlässlich einer heiteren Fastenkur auf Schloss Steinegg im Thurgau kennengelernt hatte, angefragt worden, ihm bei der Entwicklung eines geeigneten Konzeptes für einen Messestand, den er an der neu gegründeten Fachmesse Infrastructa präsentieren wollte, zu helfen. Das Spezialgebiet seines Unternehmens waren unter anderem der Bau von Kläranlagen und die A bis Z-Installation für 'intelligente' Gebäude, wo alle Funktionen von Klimaanlage bis Gefahrenmanagement an einem Pult zentriert sind. Sein Anruf erreichte mich in Arosa. Ich sass auf meinem uralten Balkon, umgeben von Tannen, welche ihr Aroma in die Bergwelt ausströmen liessen und das berühmte Arosa-Aroma (das AroAro) mit erzeugten. Also nicht gerade der Ort, wo man von einer Sehnsucht nach Arbeit, Hektik, Abgasen und Produktionsstress erfüllt ist. Mit anderen Worten: Ich war zutiefst zufrieden, ausgeglichen, heiter und - wohlig faul. Der Unternehmer konnte mir mit seinen Plänen gestohlen bleiben. Aber wie es so geht: Wenn der Virus erst einmal gesetzt ist, hat ein superneugieriges Hirn wie das meine keine Chance. Das konkrete Problem des Unternehmers bestand darin, dass er an dieser Messe gegen die Grössten der Branche antreten musste, gegen Brocken wie Siemens, Asea Brown Boveri, Thyssen Krupp, Oerlikon Bührle und so weiter. Die klassische David-Goliath-Situation. Als Mensch mit einem ausgeprägten Robin Hood-Komplex hatte ich keine Chance mich dieser Herausforderung zu entziehen. Ich tat also, was ich immer bei solchen Gelegenheiten tue: Ich schnürte die Bergschuhe und machte mich auf den Weg in die Inspirationswelt der Berge, jenem vor-magischen Bereich, wo Mensch und Kosmos sich näher kommen. Der sucht eine Lösung mit Humor, dachte ich, sonst hätte er sich nicht an mich gewandt, einen Laien par exellence auf seinem Fachgebiet. Wo lauerte das versteckte Lustige bei einem solchen Projekt, überlegte ich weiter und setzte Schritt vor Schritt vor Schritt und Gedanke auf Gedanke auf Gedanke? Plötzlich hatte ich eine Idee: ein Grinsatorium! Ein Gebäudekomplex, dessen Sinn darin bestand, ein globales Zentrum für sämtliche Aspekte des Humors zu sein. Die Firma sollte dies auf der Basis meiner Ideen konzipieren und entwickeln und das fertige Rohkonzept an der Messe vorstellen. "Präsentieren Sie doch das Projekt eines Grinsatoriums, eines Zentrums für Humor und Lachtherapien", sagte ich, als er am anderen Mittag erneut anrief. Er lachte. "Das muss ich mir überlegen", sagte er und versprach, sich am Abend wieder zu melden. Er war mit seiner Frau in seiner Wohnung in Montreux über dem Genfersee und genoss vermutlich gerade den Café Cognac nach einem luxuriösen Mittagessen. Als das Telefon schon bald wieder klingelte, war es der Unternehmer. "Ich
bin einverstanden", sagte er nach der Begrüssung. Jetzt hatte ich ein Problem. Was war ein Grinsatorium, und wie funktionierte
therapeutischer Humor? Ich nahm einen Block zur Hand und setzte mich damit
auf den Balkon. Es war noch hell. Nach und nach bildeten sich Ideen in
meinem Kopf. Leider war die Google-Zeit noch in weiter Ferne. Aber ich hatte
irgendwo eine Zeitschrift liegen, in welcher ein gewisser Michael Titze,
Psychotherapeut, über sein Fachgebiet interviewt wurde. Zudem war ein Buch
von ihm angeben, welches der Herder-Verlag zu dem Thema heraus gebracht
hatte. Ich schickte über den Verlag einen Brief an Dr. Titze und
bestellte sein Buch. Als mir klar wurde, dass ich das Problem in den Griff
bekommen würde, köpfte ich einen churer Mönchstropfen und leerte ihn als
angenehme Begleitung zu einem bündner Hirschsalsiz mit Zwiebeln, Tomaten und einem harten einheimischen Bergschwarzbrot. Das Essen im Schützenhaus brachte uns beide in eine Ausnahmelaune. Wir waren vom Erfolg unseres Planes überzeugt, und der Unternehmer schlug vor, dass ich mich mit Dr. Titze in Verbindung setzen und ihn anfragen sollte, ob wir uns treffen könnten, um das Projekt zu besprechen. Etwa zwei Wochen später setzten sich der Unternehmer, seine Frau, ein leitender Mitarbeiter und ich in seinen luxuriösen schwarzen Jeep und nahmen den Weg durch den Schwarzwald nach Tuttlingen unter die Räder. Wir benötigten etwa zwei Stunden. Am Bahnhof begrüsste uns Dr. Titze und fuhr voraus zu seiner Psychotherapeutenpraxis im Villenquartier von Tuttlingen. Dort öffnete uns seine Frau Brigitte, eine hübsche Psychologin, die Haustür und führte uns in die Praxis. Zunächst tasteten uns die Profi-Psychologen ein bisschen ab. Sie hegten den leisen Verdacht, es mit Verrückten oder zumindest schrägen Vögeln zu tun zu haben. Doch nach und nach merkten sie, dass ich der einzig wirklich schräge Vogel in dem Besucherquartett war. Sie wurden sachlich, und plötzlich warf Frau Titze die Frage in den Raum: "Weshalb nicht Humoratorium? Grinsatorium klingt ein wenig unseriös, und es wäre gut, das zu vermeiden." Der Unternehmer, seine Frau, der leitende Angestellte und ich schauten einander nach und nach an. Schliesslich liess sich der Unternehmer vernehmen: "Das ist wohl eine gute Idee", meinte er und blickte mich an. "Für diesen besonderen Zweck vielleicht schon" gestand ich zu. Als wir dann durch die Nacht zurück nach Basel fuhren, waren alle zufrieden mit dem Ergebnis. Auch ich, denn ich dachte an meine saftige Gage, die ich schon ausgehandelt hatte, und freute mich auf die Zusammenarbeit mit der Unternehmenscrew. Es war wieder mal an der Zeit, in der Gruppe zu arbeiten und Ideen sich aneinander reiben zu lassen. Wir entwickelten das Projekt, eine Messestandbaufirma wurde kontaktiert und schliesslich inmitten der klobigen und protzigen Präsentationsungetüme der Konzerne ein einladendes Bijou aufgestellt, welches die Vorbeigehenden zum Stutzen und Stirnerunzeln brachte. Ausgezeichnet vorbereitete Mitarbeiter unserer Firma sprachen die potentiellen Kunden an und erklärten ihnen nüchtern und sachlich unsere Spezialisiertheit. Kurz und gut: Die "Grinsatorium"-Idee wurde als Humoratorium-Projekt zu einem guten Abschluss gebracht, und alle waren zufrieden mit dem Ergebnis. Michael Titze und ich schrieben uns von nun an regelmässig und trafen uns wechselweise einmal in Basel, einmal in Zürich und einmal in Tuttlingen bei ihm zu Hause, wo er und seine Frau Grillparties organisierten und sich so nach und nach die Idee für einen Kongress zum Thema Humor in der Therapie entwickelte. Ich nahme Kontakt zur Messe Basel auf. Diese interessierte sich für das Projekt, und im Oktober 1996 fand der weltweit erste Kongress über die Heilkraft des Humors statt. Mit Hilfe meiner guten Beziehungen in Basel stellten wir ein Patronat von aussergewöhnlichen Persönlichkeiten zusammen und landeten, wie übrigens schon beim Messeprojekt fünf Jahre früher, einen sagenhaften Erfolg bei Publikum und Medien. Dieses Jahr kann die Grinsatorium-Idee und nächstes Jahr die Präsentation des Humoratorium-Projektes das zwanzigste Jubiläum feiern. Ach, es gäbe noch soviel zu erzählen. Vielleicht werden mein Freund Michael und ich, unterstützt von seiner Frau Brigitte, uns in absehbarer Zeit an die schriftliche Schilderung dieser Gesamtentwicklung machen, um der Nachwelt beispielsweise die Anekdote zu hinterlassen, wie ich in Los Angeles von einem Freund auf einen Zeitungsartikel über die Lachclubs in Indien aufmerksam gemacht worden bin, und wie ich Kontakt zu Dr. Kataria, dem Erfinder und Begründer dieser Clubs, aufgenommen und diese am Kongress zusammen mit Heinrich von Löwenspur, der Dr. Kataria in Bombay traf, präsentiert hatte, was eine Sturmflut der Begeisterung im gesamten deutschsprachigen Raume auslöste und zu unzähligen Lachclubgründungen führte. Oder dann das verrückte Ereignis wie Michaels amerikanischer Freund W.S., ein Psychiater und Lachpionier, vor versammeltem Pubklikum eine Zehnernote anzündete, um zu beweisen, dass nur das Lachen bestand hat und über allem anderen steht ... 22. April 2010, 06:03, ein weiterer Abschluss in der unendlichen Reihe der ZeitDas mit der Jungen, Blonden und Dummen (Notiz vom 7.4.) hat leider nicht geklappt. Sie hat sich unverhofft auf ihren Besen gesetzt und ist davon geritten - auf dem Wind hinein in die Welt der ungeträumten Träume. Es ist bedauerlich, denn mit ihr hätte sich eine Wirklichkeit erschaffen lassen, wie es sie schöner vielleicht noch nie gegeben hat. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wer weiss, was mich erwartet, wenn der Kosmos der Mystik mir in seiner grenzenlosen Gnade vielleicht sein nächstes Geheimnis auf den Bildschirm legt. Was ich gelernt habe: Sei vorsichtig, der Ozean der Illusionen kann tödlich sein wie das Gift einer Kobra. Soviel zu diesem Thema. 15. April 2010, 12:56 Uhr, Neues aus dem Land der Jungen, Blonden und DummenHeute liege ich wieder mal im Koma. Das ist ziemlich in der Nähe vom
Strichpunkt. Der Erlöser wohnt auch in der Gegend und Marcel der Garagist.
An einem Morgengrauen - das Grauen morgte genüsslich und würdelos vor sich
hin - läutete plötzlich die Glocke zum Jüngsten Gewicht. Als alle sich vor
den Goldenen Schafotten versammelt hatten und auf den Ersten Waagemutigen
warteten, sagte plötzlich einer mit einer Hasenscharte: "Wieso steht Ihr
eigentlich alle so blöd da?" "Das Jüngste Gewicht, du Ignorant", raunte die
Meute der Dicken, "die Glocke hat geläutet." 15. April 2010, 04:10 Uhr, am Tag der Jungen, Blonden und DummenManchmal frage ich mich, was eigentlich los ist. Aber ich habe keine Ahnung,
weshalb ich mich das frage. Eigentlich frage ich mich, weshalb ich mich
frage, dass ich mich manchmal frage, was eigentlich los ist. Schön wäre es,
wenn man auf Kosten der Krakenkasse im Irrenhaus leben und solche Dinge mit
seiner anheimelnden Psychotherapeutin besprechen könnte. Auf einsamen
Spaziergängen im Anstaltspark könnte man tief in diese Problematik
eindringen und eine Möglichkeit entwickeln, die Psychiaterin in den Wahnsinn
zu treiben. Vorher müsste sie noch einen Riesenscheck ausstellen und ein
Zeugnis für die Krakenkasse, dass man geheilt sei. Dann würde ich vielleicht
nach Managua reisen und mir eine neue Garderobe schneidern und einige Paar
Schuhe schustern lassen. Ein Tequila wäre das Nächste. 14. April 2010, 13:31 Uhr, im stiefen SeckelDas Leben ist dazu da, um drauflos zu plappern. Für nichts sonst ist es
geeigneter. So wie der Tod sich vielleicht für das Schweigen eignet, so
eignet sich das Leben für das Geplapper. Es ist das Masswerkzeug und die
Nährlösung für Geplapper. So wie sich die Spaghettigabel zum Schöpfen von
Spaghettis eignet oder der Barsch zum Verdeutlichen des Barschheitsgrades
eines Gewässers, so ist das Leben das Element des Geplappers. Mehr ist da
nicht zu finden. Auch bei den Philosophen nicht oder den Religionsheinos,
nicht mal bei den Asketen, Azteken oder Ali Babas. Ja, noch nicht einmal bei
den Clowns und Narren. Sogar die Nashörner plappern, die Kolibris und
antiken Registrierkassen. Das Allereinzigste, was davon ausgenommen ist,
sind Gummiunterhosen und Bananenwärmer. Mittwoch, 7. April 2010, 05:45, im Jahre des StartschussesAm 24. März kurz vor Mitternacht habe ich eine leicht ins Skurrile neigende
Nachricht auf meinem Outlook-Programm gefunden. Die Ansprache lautete:
"Lieber Kaiser von China". So hatte man mich schon lange nicht mehr genannt.
Das war ein Titel, den ich mir für das Buch EIN SCHWEIZERKÄSE, welches 1978
als Nachfolgeband meines ersten Buches mit dem Titel EIN SCHWEIZERBUCH
erschienen war, ausgedacht hatte. Jetzt nach 32 Jahren war ich also von
einer jungen Frau wieder KAISER VON CHINA genannt worden. Das freute mich,
und ich fühlte mich der Frau verbunden, obwohl ich sie keineswegs kannte, ja
noch nicht einmal ihren Namen auf der Mail gelesen hatte. Aber sie war mir
sympathisch - rein vom Gefühl her. Und als ich dann weiter las, dass sie
sich selbst als jung, blond und dumm bezeichnete, schnellte meine
Begeisterung wie eine zurück gebundene Rute empor, und ich wusste, dass
fürderhin mein Leben nicht mehr dasselbe sein würde, wie vor dieser Mail.
Keine Angst, ich will Sie, meine Leserinnen und Leser, nicht ins Leiden
führen. Aber ich habe immer gerne Spannung erzeugt, und ich verspreche Ihnen
allen hiermit hoch und heilig, dass Sie Teilnehmer und Zeugen der Geschichte
dieses Aufeinandertreffens sein und bleiben werden. Und dies, selbst wenn
die Hunnen nochmals kommen oder der Himmel auf die Erde fallen sollte. Was
am 24. März dieses Jahres kurz vor Mitternacht geschehen ist, wird die Welt
nicht so schnell vergessen, sobald sie es einmal wahrgenommen haben wird. Es
wird die Energien befreien und das Halleluja entfesseln. 4. April 2010, Ostern, 19:52 UhrVor kurzem ist Heinrich von Löwenspur, der sich seit Jahren Dalai Drama
nennt und Erfinder sowie Vorsitzer des Vereins anonymer Erleuchteter ist,
aus einem fünfzehnjährigen Aufenthalt in einem südindischen Asram in die
Schweiz zurück gekehrt. Er sagte zu mir, jetzt sei die Zeit reif für die
fundametale Umgestaltung der Welt, also die Realiserung unserer Pläne für
eine Revision der Erde aus den frühen neunziger Jahren. Das gab mir zu
denken, und da ich nicht viele konkrete Erinnerungen, wohl aber Materialien
aus jener Zeit hatte, begann ich meine diversen Schachteln durchzumisten.
Dabei stiess ich auf die Kassette mit den beiden Songs Sie kam von einem
anderen Stern und Es sagte mal ein grosser Mann der Werbung (Knörk-Song). 31.März 2010 - aus dem Herzen der WeltschweinereiDie alles entscheidende Frage: Gibt es mehr Zahnärzte, Känguruhs,
Gefängniszellen, Gummibärchen oder gebrauchte Radiergummis auf der Welt
(unserem Planeten)? 25. März 2010, 00:15 Uhr (das Jahr des Schulterlöwen)Soeben hat mir Herr Hürzeler aus Zürich mitgeteilt, dass unser Mann vom 18. März auch noch Knieschoner hat. Das hatte ich leider völlig vergessen, und ich entschuldige mich mit einem höfischen vom Thunfisch inspirierten Salto einwärts. Nicht böse sein, hattschiiii! 18.3.2010, 18:05 UhrGestern habe ich einen Mann getroffen, den ich gut mag. Er hat einen Hund, zwei Kinder, eine Frau und eine Schwiegermutter. Und es scheint ihm gar nicht schlecht zu gehen ... 16.3.2010, 07.16 UhrVorgestern sass ich mal wieder im Alte Schluuch, eine halbvolle Flasche Feldschlösschen vor mir auf dem Tisch, und unterhielt mich mit zwei am Nebentisch über die AHV, die ich meiner Haushalthilfe von Rechts wegen zahlen sollte. Mir war alles zuwider, was mein Leben zusätzlich verkomplizierte, denn ich war offiziell im Ruhestand und nahm diese soziale Vorrangstellung als seriöser Bürger, der ich immer gewesen bin, sehr ernst. Also, nichts, was die Ruhe stört! 9.3.2010, 12:40 Uhr, im Jahre der Blutorange und der Operationssäle von Taipeh und OltenWenn Sie mehr wissen wollen - fragen Sie den Schah oder einen Azteken. (Azteken sind cool, man) 7.3.2010, 15:55 UhrNaja, so ist das halt ... 10.02.2010, spät am AbendManchmal denke ich, dass mich alle für verrückt, gestört oder manisch irregeleitet halten, wenn sie gewisse Texte von mir lesen. Dann bekomme ich aus der Leserschaft plötzlich eine Stellungnahme wie die folgende und fühle mich wie ausgeknockt, da ich mich überfordert fühle bei dem Gedanken, dass irgend ein Wesen - und sei es selbst von einem anderen Stern - das Einfühlungsvermögen hat, um sich meinem Wahnsinn nahe zu fühlen. Das ist für mich beinahe unheimlich; vielleicht ist es das Mysterium, das sich zwar nicht ergründen, aber erfühlen lässt. Hinter der Fassade scheint sich die echte Wirklichkeit versteckt zun halten; und die geht niemanden etwas an, ausser eben jene Wenigen mit der entsprechenden Veranlagung. Früher hätte ich jetzt die Kraft gehabt, eine geistige Revolution anzuzetteln. Aber da hatte ich auch noch die Kraft und den Grossen Manitou der Zuversicht auf meiner Seite. Hier der Text: "Den Eintrag vom 7. Februar, wo Du dem vulgären Wahnsinn verfallen bist, müsste man umgekehrt sehen - nämlich dass alle anderen dem vulgärlosen faden matten mutlosen Unsinn verfallen sind, und zwar dem System an sich, und dass man sich da als Systemaussenstehender schnell mal vulgär vorkommt. Wobei natürlich zu sehen ist, dass genau der vulgäre Wahnsinn letztenendes in der Schmiede des angeblich vulgärlosen Systems gehämmert wird. Es ist halt eben so verzwickt und verfickt alles, dass man schon garnicht mehr versteht, wie es sich verhält mit dem Wahnsinn. Ergo: Besser wahnsinnig als unsinnig!" 10. Februar anno Tobak 2010 - leise rieselt der Schnee - und ebenso leise schnieselt das RehIch bin noch nie einem Seehund begegnet, der fliessend Französisch parlieren
konnte. Meine Tage sind mit Warten darauf ausgefüllt. Ich hocke vor dem
Fernseher und harre (harr harr), dass die Hautür klingelt. Seehunde haben
eine spezielle Art, eine Hausklingel zu betätigen. Da sie keinen Zeigefinger
haben, benützen sie gerne ihre Schnauze zum Drücken des Klingelknopfes. Und
da diese so derart nass ist, dass man damit den Madison Square Garden
aufwischen könnte, dringt diese Feuchtigkeit durch das Kabel die Hausmauer
hoch bis zur Klingel in meiner Wohnung, wo sie ein leichtes Sprühen auslöst.
Dann weiss ich: 'Jetzt ist der Seehund da und will mir seine
Französischfortschritte unter die Eier reiben.' Ich bin gespannt wie eine
etruskische Zitrone. Nach einer kurzen Begrüssung von Nase zu Nase, sagt er
nur kurz: "Voulez vous Schittli biege derrière le Gartehag?" und starrt mir
unverwandt auf den Bauch. Leider bin ich paff. 8. Februar 2010Rainer Luginbühl, mein langjähriger Kommentator, war besorgt wegen meiner teils etwas arg ernsten AKTUELL-Texte. So wurde er aktiv und machte mir diese Bilder zum Geschenk. 7. Februar 2010, 17:18 UhrGömmru zöck ammer peredema kaluta schipp.Wenn dies zutrifft, sollte Gömmru etwas mit Zürich zu tun haben - sonst ergäbe kaluta schipp keinen Sinn. Amidu sörkensen af milde Sorte à la bama.Darf ich Sie zum nächsten Fick einladen, Madame? Ah, Sie sind bereits vergeben. Oder vielleicht Fisch? Oder Fick mit Fisch, Fisch mit Fick? Oh herrje, wer schützt mich davor, dem vulgären Wahnsinn zu verfallen? 31. Januar 2010, 13:51 UhrFunkstille. Das Wetter hat mir die Sprache verschlagen und meine Lebensgeister in ein künstliches Koma versetzt. Falls sich vor meinem Aufbruch in die Ewigen Jagdgründe etwas ändert, lasse ich von mir hören. Euer Raimund der Zarte 7. Januar 2010, 00:40 Uhr aus der Höhle des alten LöwenSeit einiger Zeit frage ich mich, weshalb ich nichts mehr arbeite. Das ist
ein spannendes Thema, wenn man ihm auf den Grund zu gehen versucht. In
erster Linie liegt es wohl daran, dass ich die Welt und mein Leben als
erledigt betrachte. Es gibt keine Aussichten auf wirklich Neues mehr.
Alles, wozu meine natürliche Neugier mich getrieben hat, habe ich
ansatzweise erlebt. Zwar existieren noch Vorstellungen davon, wie mein Leben
besser, einfacher und erfüllender sein könnte. Dazu aber bräuchte ich die
notwendigen Mittel - nicht bloss materiell, sondern auch von den
Möglichkeiten meiner Körperlichkeit her. Zum Beispiel würde ich gerne mal
eine gewisse Zeit auf einer Insel in der Wärme verbringen, aber schon allein
um dort hinzugelangen und mich dort einzurichten, müsste ich gewisse
Voraussetzungen haben. Archiv der Aktuell-Seiten
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Alle Rechte © René Schweizer - Letzte Änderung: 28.07.2010
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