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Die Zorki-Kameras

Lesen Sie hier etwas über die Kameras mit dem Markennamen "Zorki", den Hersteller KMZ und seine Geschichte sowie die Technik der Messsucherkameras vom Typ "Zorki". Der Name "Zorki" bedeutet übrigens etwas wie "scharfsichtig" oder, wie Princelle es übersetzt, "adleräugig" bzw. "stechender Blick".

Folgende Kapitel sind auf dieser Seite zu finden: Modellübersicht, Modelle im Detail, Zorki-Produktion, Sondermodelle und Fälschungen, Technik, sinnvolles Zubehör, Kauf einer Zorki und weiterführende Informationen.



Jäger und Sammler

Angefangen hat alles Mitte November 2005 mit meiner ersten Zorki 4, einwandfrei in der Funktion aber nicht mehr so ganz schön anzusehen. Eine ansprechende, schwere Messsucherkamera, überzeugend in ihrer Einfachheit und Klarheit, robust und offenbar langlebig, denn viele Zorkis sind inzwischen über 50 Jahre "jung" und haben sich meist recht gut gehalten.

Ich bin ja eigentlich kein Sammler, besser gesagt wehre ich mich ständig dagegen, irgendwelche Sammlungen anzulegen. Es gibt viele, viel zu viele interessante Dinge, die man sammeln könnte, trotzdem habe ich weder den Platz noch das Bedürfnis, irgendwelche Sammelstücke anzuhäufen. Gut, ganz konsequent war ich nicht immer, aber ausufern lassen habe ich bisher keine meiner bescheidenen Sammlungsansätze.

Meine ersten Zorkis

Es begab sich also, dass sich zu meiner ersten Zorki 4 von 1962 noch ein zweites, deutlich älteres Exemplar gesellen wollte, eine Zorki 1 von 1953 (Bild oben). Nungut, dann hat es mich halt doch noch erwischt, denn bekanntlich sind zwei Zorkis eine zuviel und deren drei wären bereits eine Sammlung. So entschied ich mich, mir die Dritte zuzulegen ...

In modernen Zeiten liegt das Gute bekanntlich nicht mehr gar so fern wie früher, denn dank dem Internet im Allgemeinen und eBay im Speziellen kann man sich auch so ausgefallene Dinge wie Zorkis weitgehend problemfrei organisieren. Nungut, die Problemfreiheit hat vielleicht ein paar Grenzen, beispielsweise bei den Zahlungsmodalitäten. Anfängliche Versuche, hier in Basel einen Laden oder Trödler zu finden, der mir eine Zorki auch nur hätte beschaffen können, scheiterten kläglich. Leicas (jeden Alters) wären demgegenüber kein Problem gewesen.

Da nun das Stichwort Leica gefallen ist, leitet das wunderbar zum nächsten Abschnitt über:

Die Geschichte der Zorkis

Der Hersteller KMZ (Krasnogorski Mekhanicheskii Zavod), gegründet 1942, war während dem Zweiten Weltkrieg mit der Produktion von Werkzeugmaschinen und optischen Instrumenten für die Rote Armee beschäftigt. Es wurden unter anderem Ferngläser, Binokulare für die Artilleriebeobachtung und später auch "Fotogewehre" (eine Kamera mit langem Teleobjektiv auf einem Gewehrschaft montiert) produziert.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Sowjetunion ihre optische Industrie weiter ausbaute, wurden verschiedene damals populäre Kameratypen nachgebaut, unter anderem von Leitz (Leica) und diverse Modelle von Zeiss-Ikon wie Contax oder Ikonta. Wie auch die frühen FED-Modelle waren die ersten Zorkis von KMZ weitgehend Kopien der legendären Leica II, spätere Versionen wie die Zorki 3 erinnerten stark an die Leica III. Ebenfalls kopiert wurde der von den Leicas verwendete M39-Schraubanschluss für Objektive mit einem Auflagemass von 28.8mm.

Seit 1952 produziert KMZ unter dem Markennamen Zenit auch Spiegelreflexkameras, die grosse Verbreitung fanden. Aber auch Spezialkameras für die Panoramafotografie werden von KMZ hergestellt, seit 1967 unter dem Markennamen Horizon . Daneben produziert KMZ eine Vielzahl mechanischer und optischer Güter, ist ein grosser Lieferant der Armee und arbeitet an den russischen Raumprogrammen mit.

Aber wieder zurück zum Thema: Die Zorkis waren von allem Anfang an hauptsächlich für den Exportmarkt konzipiert und sollen, so andere Autoren, deshalb auch im Ganzen schöner sein, als beispielsweise die späteren FEDs. Von einigen Zorki-Modellen vielleicht mal abgesehen ...

Als äusserst interessante und eigentlich unverzichtbare Lektüre hat sich bezüglich der Geschichte und den diversen Zorki-Modellen von KMZ das Buch Made in USSR - The Authentic Guide to Russian and Soviet Cameras - Second Edition von Jean Loup Princelle erwiesen. Das Buch ist im Buchhandel typischerweise nicht zu bekommen, kann aber direkt beim Verlag Le Reve Edition bestellt werden. Entgegen anderslautenden Gerüchten ist es nicht vergriffen.


Die Zorki-Modelle

Der Hersteller KMZ hat in den 63 Jahren seines Bestehens seit seiner Gründung im Jahr 1942 und in denen Kameras in nennenswerten Stückzahlen produziert wurden, über 20 Millionen Kameras gebaut, darunter gut 5 Millionen unter dem Markennamen Zorki. Ich beschränke mich an dieser Stelle ausschliesslich auf die unter dieser Marke gebauten Kameras, wobei zwei Ausnahmen gelten mögen: Die MIR ("Frieden") entspricht weitgehend der Zorki 4 und wird von mir auch durchgehend als Zorki MIR bezeichnet, dann ist hier auch die Drug aufgeführt, die anfänglich auch unter der Bezeichnung Zorki 7 bekannt gemacht wurde.

Nebenbei: Eine weitere Marke von KMZ, von der im Laufe der Jahre fast 15 Millionen Exemplare hergestellt wurden, dokumentiere ich in meiner Zenit-Dokumentation.

Ich erwähne bei einigen im Folgenden aufgeführten Modellen immer wieder hochgerechnete Produktionszahlen. Da in den mir zur Verfügung stehenden Quellen exakte Angaben zum Teil nur für zwei oder mehr Modelle einer Serie gesammelt ausgewiesen sind, habe ich aus den Jahresproduktionen die wahrscheinlichen Produktionszahlen der einzelnen Modelle extrapoliert. Die hochgerechneten Angaben können von der Wirklichkeit also durchaus abweichen.

Die folgende Aufstellung ist grob nach den Erscheinungsjahren geordnet, was sie zugegeben nicht unbedingt übersichtlicher macht:

Modell Baujahre Anzahl   Bemerkungen
FED-KMZ 1947-1948 max. 100   Vorserie zur FED-Zorki
FED-Zorki 1948-1949 5500   die "Ur-Zorki", entspricht der Zorki 1
Zorki 1 1949-1956 830000   die klassische Zorki, weitgehend exakte Leica II Modell D-Kopie
Zorki 2
 Prototyp
1948/1949 wenige   wohl ein früher Vorgänger der Zorki 3
Zorki 75 ca. 1951 unbekannt   eventl. eine Testserie, 75 Bilder-Magazin, umstritten
Zorki 250 unbekannt unbekannt   Leica Reporter-Kopien, 250 Bilder-Magazin, umstritten
Zorki 3 1951-1955 50000   verbesserte Leica III-Kopie, separates Rad für langsame Zeiten
Zorki 3M 1954-1956 40000   vereinfachte Variante der Zorki 3 mit nur einem Zeitenrad
Zorki 2 1954-1956 10000   der Zorki 2-Prototyp von 1950 ähnelte mehr der Zorki 3 von 1951
Zorki C 1955-1958 470000   dieses und folgende "C"-Modelle mit Blitzsynchronisation
Zorki 2C 1955-1960 215000   entspricht der Zorki C mit etwas längere Synchronisationszeit
Zorki 3C 1955-1956 47000   direkter Vorläufer der populären Zorki 4, erste Frontbeschriftung
Zorki 4 1956-1973 1700000   die meistproduzierte Leica-Kopie überhaupt
Zorki 5 1958-1959 240000   weiterentwickelte Version der Zorki 4 mit entfernbarem Boden
Zorki MIR 1959-1960 156000   für den Inlandmarkt produzierte, einfachere Variante der Zorki 4
Zorki 6 1959-1966 385000   verbesserte Version der Zorki 5, mit aufklappbaren Rückseite
Zorki 7 unbekannt -   Projekt ohne weitere Informationen, wahrscheinlich Drug
Drug 1960-1962 23700   Schnellspannmechanik à la Leicavit
Zorki 10 1964-1978 330000   erste automatische Zorki mit fest angebautem Objektiv
Zorki 11 1964-1966 60000   vereinfachte Variante der Zorki 10
Zorki 12 1967-1968 7200   eine Abart der Zorki 10 mit Bildformat 24x18mm
Zorki 35M ca. 1969 wenige   Projekt für eine weiterentwickelte Messsucherkamera
Zorki 4K 1972-1978 500000   spätere Zorki 4-Variante mit Schnellaufzughebel
Zorki
 Sensation
ca. 1975 keine   Projekt für Sucherkamera mit zwei Filmen
Zorki
 100/101
1992-1994 keine   Projekt für Fixfokus-Kompaktkamera

Auf den Seiten des Herstellers tauchen noch drei weitere, völlig undokumentierte Modelle auf, die Zorki 15, Zorki 16 und die Zorki 5S. Da mir wie auch dem Hersteller dazu jegliche Angaben fehlen, habe ich sie nicht in die obige Aufstellung aufgenommen. Ich gehe nicht davon aus, dass diese Kameras je produziert wurden, sondern dass es sich dabei um Projekte handelt, wie beispielsweise die Zorki 100/101.



FED-KMZ

Ein Prototyp bzw. die Vorserie der ersten Zorki war die 1947/1948 gebaute FED-KMZ, von der wohl nur sehr wenige Exemplare existieren dürften. Sie wurde, je nach Darstellung, aus von FED für die FED 1d hergestellten Einzelteilen und mit der Hilfe von Technikern von FED montiert, oder auch nur gestützt auf Unterlagen und Plänen von FED, wie Dmitry Kopp von KMZ im März 2008 in einem Web-Forum darlegte. Üblicherweise wird in der Literatur von Seriennummern im Bereich 1 bis 100 ausgegangen, bekannt sind beispielsweise die Nummern 00063 und 00070.

In den Jahren, als diese Kameras bei KMZ entstanden, stand FED allgemein für die damaligen sowjetischen Leica-Kopien, weniger für den gleichnamigen Hersteller aus der Ukraine, deren Namen auf Felix Edmundovich Dzerjinsk, Gründer der sowjetischen Geheimpolizei Cheka, zurückgeht. Erst mit dem Folgemodell FED-Zorki wurde der Name Zorki eingeführt.

Das Zeitenrad der FED-KMZ umfasst die alten Leica-Zeiten (1/20 Sekunde, 1/30, 1/40, 1/60, 1/100 usw.) und geht bis 1/1000 Sekunde, zudem existiert die "Z"-Position ("Z" steht übrigens für "Zeit"), was "B" ("Bulb", Langzeitbelichtung) bei späteren Modellen entspricht.


FED-Zorki von 1948 mit SK 50mm/1.5 (Sonnar von Zeiss Jena)
Foto: M. Mladek


FED-Zorki

Die erste Leica II-Kopie unter dem Namen Zorki war die FED-Zorki, von der 1948/1949 etwa 5500 Exemplare gebaut wurden, rund 4800 beschriftet mit 1948 und um die 700 mit 1949. Sie zählt zur Gruppe der Zorki 1.

Es fällt auf, dass KMZ in ihren Produktionszahlen für das Jahr 1948 lediglich 1636 Exemplare ausweist, im Folgejahr dann 15000. Ich erkläre mir das so, dass in dieser Aufstellung die Einheiten verzeichnet sind, die die Farbrik verlassen haben bzw. verkauft wurden, während ein Grossteil der mit 1948 beschrifteten Produktion der FED-Zorki erst im folgenden Jahr das Werk verliessen. Im Jahr 1949 müssen gemäss diesen Zahlen also rund 4000 FED-Zorki, 2000 Zorki 1a und 11000 Zorki 1b ausgeliefert worden sein. Diese These wird auch durch die Angaben des Herstellers gestützt, der seine Produktionszahlen ausdrücklich mit ausgelieferten Exemplaren bezeichnet.

Alle FED-Zorki tragen unterhalb der Bezeichnung "FED" den geschwungenen kyrillischen Schriftzug "Zorki", wie er noch bei den meisten Folgemodellen in ähnlicher Form verwendet wurde. Unter diesen Beschriftungen folgte das Jahr der Produktion, also 1948 oder 1949, darunter das alte KMZ-Logo ohne Strahlengang. Die Seriennummer ist, wie bei den frühen Zorki 1-Modellen, oben auf dem Gehäusedeckel vor dem Zubehörschuh zu finden und immer mit einer führenden Null versehen.

Die auffälligsten Unterschiede zwischen der FED-Zorki und den Folgemodellen ist die geschwungene linke Seite des Messsuchergehäuses, der fehlende zentrale Kabelauslöseranschluss im Auslöser - die Schraube an der Auslöserbasis kann abgeschraubt und ein Leica-kompatibler Kabelauslöser verwendet werden - und das etwas feiner gravierte Zeitenrad. Weitere Details dazu finden Sie auch in meiner Dokumentation über FED-Zorki Fälschungen.

Wie beim Vorgänger FED-KMZ lässt die FED-Zorki kürzeste vorwiegend Verschlusszeiten von 1/1000 Sekunde zu, teilweise (vor allem später) auch wie die Zorki 1 nur 1/500 Sekunde. Die Zeitenreihe entspricht dabei durchgehend dem alten Leica-Standard.

Bereits seit den frühen 80er-Jahren sind Fälschungen der FED-Zorki bekannt, die damals zu deutlich überhöhten Preisen besonders in Europa angeboten wurden. Auch heute sind solche Fälschungen nicht gerade selten, sie sind oft bei eBay-Auktionen oder in Online-Shops zu finden. Weiteres zum Thema FED-Zorki-Fälschungen finden Sie in einer separaten Dokumentation.

Weitere Informationen zur FED-Zorki:


Zorki 1e von 1955 mit Industar 22


Zorki 1

Die Zorki 1 wurde zwischen 1949 und 1956 gebaut und von ihr wurden insgesamt um die 830000 Exemplare hergestellt. Die Bezeichnung Zorki 1 ist lediglich zur Unterscheidung zu den weiteren Modellen von Bedeutung, denn die hier als Zorki 1 bezeichneten Kameras trugen alle lediglich die Beschriftung Zorki.

Die Zorki 1-Modelle, auch als Zorki Typ FED bekannt, werden üblicherweise in fünf Versionen (1a bis 1e) eingeteilt, manche Autoren schreiben auch von bis zu sieben (Tom Piel gibt ein paar mögliche Erklärungen dazu auf seiner Seite). Die Zuordnung zu einer Version ist nicht immer ganz einfach, obschon sie sich in einigen Details unterscheiden und die Seriennummern einen Anhaltspunkt liefern können. Folgende Aufstellung gibt über die Baujahre und die hochgerechneten Produktionszahlen der fünf Versionen plus den FED-KMZ- und FED-Zorki-Varianten Auskunft:

Modell Baujahre Anzahl Seriennummern   Bemerkungen
FED-KMZ 1947-1948 ca. 100 1-100   Vorserie, wahrscheinlich weniger als 100 Stück gebaut, Verschlusszeiten 1/20 bis 1/1000 Sekunde, Gravur "FED", altes KMZ-Logo und Jahrgang oben auf dem Gehäuse
FED-Zorki 1948-1949 5500* 100-5700   Verschlusszeiten 1/1000 Sekunde, später zT. auch 1/500 Sekunde, Gravur "FED-Zorki", altes KMZ-Logo und Jahrgang oben auf dem Gehäuse
Zorki 1a 1949 2000*
(max. 2500)
ca. 5700-8000   Gravur mit neuem kyrillischem, schräg verlaufenden "Zorki"-Schriftzug und neues KMZ-Logo, sonst identisch zur FED-Zorki
Zorki 1b 1949-1951 82000 8000-90000   Gewinde für Drahtauslöser im Auslöseknopf
Zorki 1c 1951-1953 240000 90000-330000   Randabschlussleiste zur Belederung oben und unten
Zorki 1d 1953-1954 170000 330000-500000   Randabschlussleiste um den Objektivanschluss erweitert, ab Mitte (?) 1954 sind die Seriennummern hinten am Gehäusedeckel zu finden
Zorki 1e 1954-1956 335000** 500000-667000
#55xxxxx(x)
#56xxxxxx
  vereinfachte Zeitenreihe, Seriennummer durchgehend hinten, später 7- und 8-stellig

Die in der obigen Aufstellung mit * versehenen Angaben zur Anzahl gemäss Princelle, bei ** gibt Princelle 240000 Einheiten an. Die Angaben zu den Seriennummern sind lediglich als Richtwerte zu verstehen und möglicherweise nicht sonderlich zuverlässig.

Die Zorki 1a darf als Übergangsmodell von der FED-Zorki zur späteren Zorki 1-Produktion (Modelle 1b bis 1d) gelten. Sie verfügt über alle Merkmale der FED-Zorki, lediglich die Gravur wurde verändert. Es sind davon lediglich 2000 bis maximal 2500 Exemplare hergestellt worden und damit gilt die Zorki 1a als seltenstes Zorki 1-Modell überhaupt.

JahrSeriennummern
19481-1637
19491638-16638
195016639-54825
195154826-125327
1952125328-254080
1953254081-406231
1954406232-596732
1955596733-667231
55xxxxx
55xxxxxx
195656xxxxxx

Rechts sehen Sie eine Aufstellung nach Jahren mit Seriennummern der Zorki 1-Familie inkl. FED-Zorki, wie sie Wayne Cornell 2003 in einem Forum publiziert hat. Die Angaben habe ich an meine obige Aufstellung angepasst, besonders was den Start der Zählung und die Daten nach dem Jahr 1954 betrifft. Gemäss Dmitry Kopp beginnt die Zählung nicht wie von Wayne Cornell vermutet bei 500 für das Jahr 1948, was auch meinem momentanen Erkenntnissen entspricht. Als allzu genau darf die Sache allerdings auch nicht verstanden werden, es handelt sich nur um ungefähre Richtwerte.

Die Übergänge von einer Version zur nächsten sind zudem fliessend, da offensichtlich nicht alle Neuerungen gleichzeitig eingeführt wurden. Das mag unter anderem mit der Verfügbarkeit von Ersatzteilen zu tun haben, ebenso sind spätere Reparaturen oder Modifikationen nicht ausgeschlossen, wo Einzelteile von verschiedenen Modellen unterschiedlicher Versionen verwendet worden sind.

Logo der Zorki 1d #355500 von 1953




Die Seriennummer war bis 1954 oben auf dem Gehäuse direkt vor dem Zubehörschuh angebracht, gegen Ende 1954 wurde das bei der Zorki 1d geändert und die Seriennummer wanderte auf die Rückseite des Gehäuseoberteils. Seit 1955, also noch während der Produktion der Zorki 1e, ist das Einfügen des Produktionsjahrs in den ersten beiden Stellen der Seriennummer üblich geworden. Letzteres gilt für alle Zorki-Modelle, also nicht nur für die Zorki 1-Varianten.

Zorki 1e von 1954 mit Gravur 'Zorki-Zorki'

Eine interessante Variante der Zorki 1 sind die sogenannten "Zorki-Zorki"-Modelle, die anscheinend für den Export (auch ins "kapitalistische" Ausland) gedacht waren. Die Bezeichnung rührt übrigens daher, dass der Schriftzug "Zorki" auf dem Gehäuse doppelt eingraviert ist, einmal in kyrillischer und einmal in lateinischer Schrift. Zudem ist der Vermerk "Made in USSR" bei diesen Modellen auffällig. Nach verschiedenen Beobachtungen sollen die "Zorki-Zorki" von der Qualität her besonders ausgewählt worden sein, jedenfalls schnurren meine Export-Modelle allesamt wie ein junges Kätzchen.

Bei der Zorki 1 handelt es sich um eine offensichtlich weitgehende Kopie der seit 1932 von Leitz hergestellten Leica II mit identischem M39-Gewinde zum Anschluss des Objektivs. Kleine Änderungen beispielsweise am Verschluss wurden während der Weiterentwicklung vorgenommen, auch die verwendeten Produktionstechniken und Materialen unterscheiden sich leicht.

Technisch ist die Zorki 1 eine Messsucherkamera mit horizontalablaufendem Tuchschlitzverschluss. Der Film wird über einen Drehknopf transportiert, wobei gleichzeitig der Verschluss gespannt wird. Die Zeiteneinstellung darf nur bei gespanntem Verschluss verändert werden. Dazu ist das Zeitenrad leicht anzuheben und in die richtige Position zu bringen. Beim Auslösen dreht sich das Zeitenrad mit. Typisch bei der Zorki 1 wie auch bei der Zorki 2, der Zorki C und der Zorki 2C ist das zweite Fensterchen für den Messsucher.

Manche Zorki 1 wurden nachträglich mit Blitzanschlüssen versehen, welche an den verschiedensten Orten eingebaut wurden. Hier ein paar Beispiele dafür:

Blitzbuchens-Varianten

Pfusch-Variante: Buchse mitten im seltenen Logo








Standard-Variante: Buchse zB. an der Rückseite




Luxus-Variante: Buchse in eigenem Formteil (unter dem Zubehörschuh befestigt),
grosses Bild anzeigen

Es sei hier noch angemerkt, dass parallel zur Produktion der Zorki 1 auch die Entwicklung und ab 1952 die Produktion der Spiegelreflexkamera Zenit 1 begann, welche auf dem Gehäuse der Zorki 1 basierend um einen Spiegelkasten und ein Prismengehäuse erweitert wurde und eine geänderte Deckelplatte aufwies.

Weitere Informationen zur Zorki 1:


Zorki 2 Prototyp

Zorki 2 Prototyp
Foto: M. Mladek

Der Prototyp der Zorki 2 soll gemäss Pincelle und nach Herstellerangaben 1950 entstanden sein, Dr. M. Mladek - Besitzer des Prototyps mit der Nummer 00002 - datiert ihn jedoch auf 1948/1949. Vorgestellt wurde er erstmals in der russischen Publikation Begleiter des Fotoamateurs (Sputnik fotoljubitelja) von 1950, wo der (gezeichnete) Prototyp mit der Nummer 00007 abgebildet ist.

Der Prototyp ähnelt äusserlich mehr der Zorki 3 als den Serienmodellen der Zorki 2. Wie die Zorki 3 ist die schnellste Verschlusszeit des Zorki 2 Prototyps 1/1000 Sekunde.

Weitere Informationen zum Zorki 2 Prototyp:


Zorki 3 von 1955 mit Jupiter 8

Zorki 3

Recht selten mit hochgerechnet maximal 50000 gebauten Exemplaren ist die Zorki 3, welche zwischen 1951 und 1955 produziert wurde (zusammen mit der Zorki 3M wurden rund 87000 Einheiten hergestellt, wie diverse Publikationen belegen). Sie zeichnet sich durch ein zweites Rad für die langsamen Zeiten an der Front der Kamera links oberhalb des Objektivs aus, wie es ua. auch bei den Leica III-Modellen vorhanden ist. Dieses Zeitenrad führte und führt jedoch oft zu Problemen, wodurch sich dieses Konstruktionsdetail bei weiteren Modellen verbot.

Rad für langsame Zeiten bei der Zorki 3






Besonders schön geraten ist das Gehäuseoberteil, welches in seinem Aufbau an die Zorki 1-Modelle erinnert und trotzdem über einen hellen Messsucher verfügt, wie später die Zorki 3C und die verbreiteten Zorki 4-Varianten.


Logo der Zorki 3 von 1955

Die Verschlusszeiten wurden wie erwähnt über zwei Rädchen eingestellt, die längeren Zeiten von 1/25 Sekunde bis 1 Sekunde an der Front und die kürzeren Zeiten von 1/25 bis 1/1000 Sekunde am gewohnten Zeitenrad oben auf dem Gehäuse neben dem Auslöser. Die Zorki 3 war übrigens das erste Modell, welches über einen Dioptinausgleich verfügte.

Bereits im Jahr 1950 (oder früher) wurde ein Zorki 2 Prototyp gefertigt, welcher der Zorki 3 sehr ähnlich sieht und von dem die Zorki 3 wohl abstammt.


Entgegen verschiedenen Publikationen sind die gelegentlich angepriesenen Vorseriemodelle mit Seriennummern mit führenden Nullen reguläre frühe Zorki 3-Modelle, die von 1951 bis 1954 gebaut wurden und wo den Seriennummern noch keine Jahreszahl vorangestellt wurde. Ab 1954 wurden die langen Seriennummern eingeführt. Frühe Zorki 3-Modelle besitzen gegenüber späteren einige Merkmale, die im Verlauf der Produktion verändert wurden. In einer separaten Dokumentation finden Sie mehr Details dazu.

Weitere Informationen zur Zorki 3:


Zorki 3M von 1955 mit Jupiter 8

Zorki 3M

Der vereinfachte Nachfolger der Zorki 3 ist die Zorki 3M, die von 1954 bis 1956 in nennenswerter Stückzahl von hochgerechnet mindestens 40000 Einheiten produziert wurde (zusammen mit der Zorki 3 werden über 87000 Exemplare ausgewiesen). Sie besitzt im Gegensatz zur Zorki 3 nur noch ein einziges, geändertes Zeitenrad mit Verschlusszeiten zwischen 1 Sekunde und 1/1000 Sekunde, jedoch in der Regel keinen Blitzanschluss mehr.

Logo der Zorki 3M von 1955

Das "M" in der Bezeichnung wird auf den Entwickler dieses Modells, Nikolay Mikhaylovich Marenkov (Princelle schreibt Marienkov, man könnte auch Marjenkov gelten lassen), zurückgeführt, der acuh die Zorki 35 (welche deshalb von gewissen Quellen als "Zorki 35M" bezeichnet wird) entscheidend geprägt haben soll und der bis in die 80er-Jahre auch an der Entwicklung verschiedener Zenit-Modelle beteiltigt war. Wahrscheinlicher ist aber, dass "M" schlicht für "modernisiert" steht, wie beispielsweise auch bei der Zenit 3M.

Weitere Informationen zur Zorki 3M:


Zorki 2 mit Industar 22

Zorki 2

Eine der selteren Zorkis ist das Modell 2, von dem zwischen 1954 und 1956 lediglich 10000 Stück hergestellt wurden. Sie unterscheidet sich von der Zorki 1 hauptsächlich durch den zusätzlichen Selbstauslöser.

Logo der Zorki 2 von 1955

Der wuchtige Selbstauslöser, welcher damals bereits für Kiew- und FED-Modelle verwendet wurde, funktioniert im Gegensatz zu den später verbauten Lösungen etwas anders, da kein kleiner Knopf oberhalb des Selbstauslösers zu finden ist, den es zu drücken gilt, sondern ein versteckter Schieber, den man zum Starten nach links schieben kann.

Wegen des Platzbedarfs für den Selbstauslösers musste die Rückspulsperre zwischen Auslöser und Zeitenrad weichen. Sie wurde unter dem Auslöser angebracht, ein Prinzip, das in der Folge noch bei vielen weiteren Zorki- und Zenit-Modellen Verwendung fand. Die Verschlusszeiten entsprachen denen, wie sie auch bei der Zorki 1e bereits zum Einsatz gekommen sind. Dank einem geänderten Verschlussmechanismus ist es bei diesem Modell auch möglich, die Zeiten bereits vor dem Spannen desselben zu verändern. Die kürzeste Verschlusszeit liegt bei 1/500 Sekunde.

Der Prototyp der Zorki 2 ist offenbar nur dem Namen nach mit der Zorki 2 verwandt. Vom Aussehen und der Funktion her ist er der direkte Vorfahre der Zorki 3, was auch besser in die Chronologie passt.

Weitere Informationen zur Zorki 2:


Zorki C von 1957 mit Industar 22

Zorki C (Zorki S)

Eine Bemerkung vorab zur Bezeichnung, die für alle C-Modelle (Zorki C, 2C und 3C) gilt. Der kyrillische Buchstabe "C" entspricht dem lateinischen "S" und steht für "Synchronisiert", dh. diesen Modellen wurden ab Werk mit einem synchronisierten Verschluss und einer Blitzbuchse versehen. Frühe Versionen verfügten noch über Seriennummern, die oben vor dem Zubehörschuh angebracht waren; im ersten Produktionsjahr 1955 wurde das wie bei allen anderen Modellen geändert und die Seriennummer auf die Rückseite verbracht.

Logo der Zorki C von 1957

Von der Zorki C wurden zwischen 1955 und 1958 über 470000 Stück produziert. Sie ist weitgehend identisch mit der Zorki 1e, lediglich das Gehäuseoberteil ist für die Aufnahme eines Synchronisationsreglers abgeändert worden. Letzterer trägt leider nicht wirklich zur Verschönerung dieses Modells bei. Die Synchronisationszeit lässt sich über den Regler, welcher unter dem Zeitenrad angebracht ist, zwischen 0 und 25 Millisekunden verstellen, was die Kamera sowohl für Blitzgeräte mit Birnchen wie auch für moderne Elektronenblitze tauglich macht.

Da der Verschluss der Zorki C mit dem der Zorki 2 identisch ist, erlaubt auch diese Variante Verschlusszeiten zwischen 1/25 und 1/500 Sekunde.

Parallel zur Zorki C (und der Zorki 2C sowie 3C) wurde bei KMZ auch die Spiegelreflexkamera Zenit C entwickelt, die ebenfalls über einen synchronisierten Verschluss und einen Blitzanschluss verfügte.

Weitere Informationen zur Zorki C:


Zorki 2C von 1958 mit Industar 50
Wie Franz Borgerding in der Newsgroup de.rec.fotografie mal erwähnte, besteht seine Zorki 2C aus exakt 438 Teilen, inkl. Unterlegscheibchen und vier Gummiringchen.

Zorki 2C (Zorki 2S)

In den Jahren 1955 bis 1960 wurden insgeamt fast 215000 Einheiten der Zorki 2C hergestellt. Die Zorki 2C entspricht weitgehend der Zorki C, verfügt jedoch üblicherweise über einen Selbstauslöser. Üblicherweise deshalb, weil Princelle auch eine Serie Zorki 2C ohne Selbstauslöser beschreibt. Zudem ist es bei diesem Modell möglich, die Blitzsynchronisationszeit auf bis zu 30 Millisekunden zu verlängern.

Logo der Zorki 2C von 1958

Weitere Informationen zur Zorki 2C:


Zorki 3C von 1956 mit Jupiter 8

Zorki 3C (Zorki 3S)

Die Zorki 3C ist der direkte Vorgänger der Zorki 4 und auch weitgehend gleich ausgestattet, bis auf das Fehlen des Selbstauslösers. In den Jahren 1955 und 1956 wurden von diesem Modell gerade mal 45000 Stück hergestellt.

Der Verschluss der Zorki 3C basiert auf dem der Zorki 3M und unterstützt deshalb Verschlusszeiten zwischen 1 und 1/1000 Sekunde. Die Blitzsynchronisation lässt die Einstellung von 0 bis 25 Millisekunden zu.

Logo der Zorki 3C von 1956

Weitere Informationen zur Zorki 3C:


Zorki 4a von 1958 mit Jupiter 8 Zorki 4b von 1973 mit schwarzem Jupiter 8

Zorki 4

Das meistgebaute und am längsten produzierte Modell aller Zorkis und ebenso aller Leica-Kopien ist die Zorki 4. Innerhalb von 18 Jahren (1956-1973) wurden davon über 1.7 Millionen Stück hergestellt. Dazu kommen etwa 150000 Einheiten, die zwischen 1959 und 1961 unter dem Namen MIR ausschliesslich für den Inlandmarkt gebaut wurden.

Ähnlich wie bei den Zorki 1-Modellen gibt es bei der Zorki 4 zwei Versionen (4a und 4b), welche allerdings weniger "offiziell" unterschieden werden. Der Schritt von der Zorki 4a zur 4b dürfte in den Jahren 1967/1968 fliessend stattgefunden haben. Gemäss meiner Hochrechnung wurden etwa 1 Million Zorki 4a innerhalb über zwölf Jahren und 0.7 Millionen Zorki 4b innert fünf, sechs Jahren produziert. Die beiden Versionen unterscheiden sich offenbar auch in der Herstellungsqualität. Zudem fehlen den B-Modellen typischerweise die seitlichen Ösen zur Befestigung eines Kameratragegurtes. Nur bei den frühen A-Modellen war um den Sucher ein "Fensterrahmen" zu finden, wie er auch schon bei der Zorki 3 ua. verwendet worden ist. Zudem verfügen die frühen Modelle der Zorki 4a über ein Zeitenrad, welches bereits von der Zorki 3M und Zorki 3C her bekannt ist. Ein weiteres Detail ist die Stoppschraube vorne am Zubehörschuh, welche bei den frühen Zorki 4a-Modellen genauso fehlt, wie an den Zorki 3, Zorki 3M und Zorki 3C. Auffällig ist auch die Belederung, die ab der Zorki 4b und den folgenden Modellen (Zorki 5 und Zorki 6) quergerippt daherkommen. Zwischen den frühen Zorki 4a- und den späteren 4b-Varianten hat dieses Modell übrigens 25 Gramm an Gewicht verloren, nach meinen Messungen.

Logo der Zorki 4 von 1958

Ebenfalls ein Zeichen von Einsparungen in der Produktion sind die Schriftzüge, von denen es jeweils kyrillische und lateinische Varianten und etliche Stile gibt: Während die frühen Modelle durchgehend über gravierte Schriftzüge verfügten (vgl. Bild links), wurden die späteren Varianten nur noch bedruckt, was nicht nur unschöner, sondern sich auch als weniger langlebig erweist. Während der Entwicklung der Zorki 4 gab es eine Vielzahl von Varianten der Beschriftung, in lateinischer und kyrillischer Schrift, zusammenhängende Kursivschrift und in gerader Blockschrift.

Die Verschlusszeiten der Zorki 4 reichen von 1 bis 1/1000 Sekunde. Zusätzlich existiert auf dem Zeitenrad eine Einstellung von 1/30 Sekunde (bei frühen Zorki 4a-Modellen 1/25 Sekunde) für die Blitzsynchronisation. Die Synchronisationszeit ist zwischen 0 und 25 Millisekunden einstellbar.

Von der Zorki 4 soll es auch eine "modifizierte" Version mit der Bezeichnung Zorki 4M gegeben haben, so jedenfalls gemäss Steimers Fotoliste 2009-2010. Bei diesem Modell handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aber um eine Fälschung.

Weitere Informationen zur Zorki 4:


Zorki 5a von 1958 mit Industar 50
Zorki 5b von 1959 mit Industar 22

Zorki 5

In den Jahren 1958 und 1959 wurden von der Zorki 5 fast 240000 Einheiten hergestellt. Sie besitzt, zusammen mit ihrem Nachfolger Zorki 6, ein völlig überarbeitetes, etwas höheres Gehäuse mit ausserordentlich breitem Messsuchersystem (Abstand Sucher/Messsucher: 67mm), wie es auch bei der FED 2 (Prototypen ab 1950, in Produktion ab 1955) zu finden ist.

Wie auch bei der Zorki 4 gibt es von der Zorki 5 zwei Varianten, die sich neben dem unterschiedlich ausgestalteten Messfenster (5a: quadratisch, 5b: rund wie bei der Zorki 6) auch durch die Beschriftung an der Frontseite unterscheiden. Die Zorki 5a besitzt ein graviertes Logo an der Front, welches üblicherweise rot eingefärbt ist (selten auch schwarz), während die Zorki 5b (oder auch 2. Version genannt, grossteils 1959 produziert) über ein ähnliches dunkles Plättchen mit silberner Schrift verfügt, wie es auch bei der Zorki 6 verwendet wurde. Ein Teil der Produktion der Zorki 5b ist kyrillisch, ein anderer mit lateinischen Buchstaben beschriftet.

Logo der Zorki 5a

Logo der Zorki 5b

Von der Zorki 5a dürften 1958 etwa 60000 Exemplare hergestellt worden sein, von der Zorki 5b in den Jahren 1958 und 1959 folglich rund 180000, wie die Untersuchung der Seriennummern vermuten lässt. Diese Angaben werden aber von der Häufigkeit der angebotenen 5a- und 5b-Modellen nicht gänzlich gestützt, obschon auch da die 5b-Varianten etwas häufiger vorkommen. Es sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass die Zahl von 11500 produzierten Zorki 5b, die Princelle in seinem Buch erwähnt, gestützt auf die mir vorliegenden Informationen nicht haltbar und wohl durch einen Druck- bzw. Kommafehler zustande gekommen ist.

Der Verschluss der Zorki 5a lässt Einstellungen zwischen 1/25 und 1/500 Sekunde zu, neben der "B"-Einstellung selbstverständlich, bei der Zorki 5b zwischen 1/30 und 1/500 Sekunde, jedenfalls bei späteren Exemplaren (die Umstellung erfolgte nicht exakt gleichzeitig mit der des Logos). Neu bei der Zorki 5 wie später auch bei der Zorki 6 war das Anbringen von zwei getrennten Blitzanschlüssen mit jeweils unterschiedlicher Synchronisation.

Es mag von der Zorki 5b auch vereinzelt Export-Modelle mit lateinischer Beschriftung gegeben haben, ich habe bisher nach meinen Aufzeichnungen allerdings erst ein einziges gesehen.

Eine Besonderheit der Zorki 5 ist, dass sie sich nicht ordentlich auslösen lässt, wenn kein Objektiv montiert ist. Es gibt Berichte, ua. aus der Reparaturanleitung von I. Maizenberg, dass das Auslösen der Zorki 5 ohne angesetztes Objektiv die Verschlussmechanik beschädigen könne. Ob das in dieser Form zutrifft oder nicht sei dahingestellt, jedenfalls bleibt es angeraten, die Zorki 5 nicht ohne Objektiv auszulösen.

Die Zorki 5 war auch die erste Zorki, die über einen Schnellspannhebel verfügte. Im gleichen Jahr baute KMZ auch die Spiegelreflexkamera Start, die ebenfalls über diese bequeme Möglichkeit des Filmtransports verfügte. Erst zwei Jahre später, 1960, wurde diese Technik mit der Zenit 3 auch bei den Zenit-Kameras eingeführt.

Ein kleiner Rückschritt in der Entwicklung ist sicher die Tatsache, dass die Zorki 5 nicht mehr über eine entfernbare Rückwand wie die Zorki 4 und noch nicht über einen aufklappbaren Rückdeckel wie die Zorki 6 verfügte, sondern über einen abnehmbaren Boden à la Zorki 1. Das Laden von Filmen machte dies nicht sonderlich einfach.

Weitere Informationen zur Zorki 5:


Zorki MIR von 1959 mit Jupiter 8

MIR (Zorki Mir)

In der Zeit, als KMZ die Zorki 4 hauptsächlich für den Export produzierte, wurde für den Inlandmarkt eine leicht eingeschränkte Version unter dem Namen Mir - zu deutsch "Frieden" - hergestellt. Die Produktion brachte in den Jahren 1959 und 1960 (ein paar wenige noch im Folgejahr 1961) über 156000 Einheiten hervor.

Logo der Zorki MIR von 1959

Im Gegensatz zur Zorki 4 besitzt die Zorki Mir keine langsamen Zeiten, sondern nur einen Einstellbereich von 1/30 bis 1/500 Sekunde. Einige Modelle verfügen jedoch über Zeiten von 1/1000 Sekunde, wobei die nicht immer beschriftet sind.

Man sagt, die Chancen heute noch gut erhaltene Mir zu finden, wären nicht sonderlich gross. Offenbar hatte ich aber ein wenig Glück, denn mir ist ein vergleichsweise gut erhaltenes Exemplar untergekommen.

Weitere Informationen zur Mir:


Zorki 6 von 1960 mit Industar 50

Zorki 6

Als Nachfolger der Zorki 5 wurde 1959 die Zorki 6 angekündigt, von der bis 1966 über 385000 Stück produziert wurden. Gegenüber seinem Vorgänger verfügt die Zorki 6 nun über einen Selbstauslöser und eine aufklappbare Rückwand, ist ansonsten mit diesem aber weitgehend baugleich. Wie auch bei der Zorki 5b gab es kyrillisch und lateinisch beschriftete Varianten der Zorki 6.

Logo der Zorki 6

Eine äusserst seltene Variante der Zorki 6 besitzt eine kyrillische Gravur direkt an der Front, also nicht auf dem bei der bereits bei der Zorki 5b eingeführten angeschraubten Plastikschild. Das einzig mir bekannte Exemplar dieser Ausführung soll aus dem Jahr 1961 stammen und wurde bei einem Online-Shop (www.dvd-technik.com) trotz nicht mehr so schönem Zustand für knapp CHF 1000.- verkauft.

Weiter leicht eingeschränkt wurden die Verschlusszeiten der Zorki 6 gegenüber der Zorki 5a; es sind Einstellungen zwischen 1/30 und 1/500 Sekunde möglich. Wie die Zorki 5 verfügt auch die Zorki 6 über zwei Blitzanschlüsse mit unterschiedlicher Synchronisation.

Eine Variante der Zorki 6 war als Spionagekamera unter der Bezeichnung Zorki 6 "Reflex" im Einsatz. An das Zorki 6-Gehäuse war ein langes Stabobjektiv mit eingebautem Spiegelkasten mittels Gewinde montiert. Dieses Objektiv zeichnet sich dadurch aus, dass dank der mehrere Millimeter vor der konkaven Frontlinse liegende Eintrittspupille ohne Vignettierung durch ein 1mm kleines Loch (zB. in einer Tapete) fotografiert werden konnte. Grosse Verbreitung hatte diese Variante allerdings nicht, berichtet Princelle.

Weitere Informationen zur Zorki 6:


Drug von 1960 mit Jupiter 8

Drug (Zorki 7)

Ein von Princelle und vom Hersteller auf seinen Seiten erwähnter Prototyp, zu dem jegliche Informationen zu fehlen scheinen. Ein geplanter Nachfolger der Zorki 6 vielleicht? Oder doch eher ein Prototyp, aus dem 1960 die Drug-Linie (übersetzt: "Freund", Princelle schreibt Droog, der Hersteller jedoch durchgängig Droug) von KMZ entstand? Die Einteilung auf der Herstellerseite lässt letzteres vermuten.

Dmitry Kopp von KMZ wies mich auf zwei Artikel hin, welche die Vermutung nahelegen, dass das "Drug"-Projekt auch als Zorki 7 bezeichnet wurde. Eine entsprechend beschriftete Kamera ist aber nicht bekannt. Von der Drug, einer Messsucherkamera mit Schnellspannmechanismus à la Leicavit, wurden zwischen 1960 und 1962 etwa 23700 Einheiten gebaut. Möglicherweise war Zorki 7 auch einfach die interne Bezeichnung der Drug.

Die Drug ist eine sehr schlichte, in der Form auf das Nötigste reduzierte Messsucherkamera. Der Sucher ist beinahe zentral über dem Objektiv angehordnet, ebenso der Zubehörschuh. Der Auslöser ist an der Front, gleich oberhalb dem Selbstauslöser zu finden. Die Rückspulsperre ist ungewöhnlicherweise ebenfalls an der Front, rechts vom Objektiv angebracht. Ebenso ungewöhnlich ist der Rückspulknopf, der im Boden der Kamera eingelassen ist. Ebenfalls im Boden ist auch das zu finden, was diese Kamera so einzigartig in der Welt der russischen Kameras macht und auf eine Entwicklung von Leica zurück geht: Der ausklappbare, etwa fünf Zentimeter lange Schnellspannhebel, der mit der linken Hand bedient wird und nach dem Vorbild des Leicavit funktioniert.

Eine Drug in gutem Zustand ist recht schwer zu finden und es werden vergleichsweise hohe Preise dafür verlangt.

Weitere Informationen zur Drug/Zorki 7:


Zorki 10 von 1974 mit Industar 63
Logo der Revue 10 von 1973

Zorki 10

Ein völlig neues Konzept verfolgte die im Jahr 1964 eingeführte Zorki 10, von welcher bis 1978 immerhin über 330000 Exemplare hergestellt wurden. Es handelt sich dabei um die erste automatische russische Messsucherkamera. Sie wurde zwischen 1971 und 1976 in Deutschland von Foto-Quelle als REVUE 10 angeboten. Daneben wurden von der Zorki 10 Versionen mit kyrillischer und lateinischer Beschriftung gebaut.

Logo der Zorki 10 von 1974


Während die Beschriftung bei frühen Modellen noch graviert war, wurden spätere Modelle nur noch bedruckt (vgl. Bild oben). Von der REVUE 10 gibt es zwei Versionen, beide bedruckt, die eine mit einem Aufruck oben und bei der anderen an der Frontseite (vgl. Bild rechts).

Die Zorki 10 verfügt über ein fest eingebautes Objektiv Industar 63 (45mm/2.8) mit Zentralverschluss. Rund um das Objektiv sind Selenzellen angebracht, die mit Hilfe eines "trapped needle"-Belichtungsmessers beim Niederdrücken des Auslösers für eine korrekte Einstellung des Programmverschlusses sorgen. Dieses Konzept wurde in der Folge noch von anderen Herstellern aufgegriffen. Auch die Zorki 10 hat ihre Vorbilder, konkret die Ricoh Matic 35 und die Ricoh Auto 35, eine ebenso futuristisch aussehende Kompaktkamera mit sehr ähnlichen Funktionen.

Die Belichtungsautomatik kann die Verschlusszeit zwischen 1/30 und 1/250 Sekunde variieren, die Blendenöffnung von 1:2.8 bis 1:22. Bei abgeschalteter Automatik ist lediglich die Verschlusszeit 1/30 Sekunde und für Langzeitbelichtungen "B" verfügbar.

Parallel zur Entwicklung der Zenit 10 wurde bei KMZ auch eine Linie mit Spiegelreflexkameras entwickelt, welche über einen Zentralverschluss verfügten, die Zenit 4/5/6-Familie. Im Gegensatz zur Zorki 10 besitzen diese Kameras aber nur einen ungekuppelten Belichtungsmesser, also keine Belichtungsautomatik.

Weitere Informationen zur Zorki 10:


Zorki 11 von 1968 mit Industar 63

Zorki 11

Vom vereinfachten Nachfolger der Zorki 10, der Zorki 11, wurden zwischen 1964 und 1966 nur gerade mal etwas über 60000 Einheiten produziert. Dieses Modell wurde auch unter dem Namen Zenit Junior angeboten. Wie auch bei der Zorki 10 gab es von der Zorki 11 kyrillisch und lateinisch beschriftete Ausführungen. Der Schriftzug ist bei dem mir vorliegenden Modell von 1966 graviert, was vermuten lässt, dass es von der Zorki 11 im Gegensatz zur Zorki 10, welche deutlich länger gebaut wurde, keine bedruckten Varianten der Beschriftung gab.

Logo der Zorki 11 von 1968

Die Zorki 11 verfügt nicht über den üblichen Messsucher, sondern es werden je nach eingestellter Fokussierung Symbole im Sucher eingeblendet, welche die Distanz versinnbildlichen. Ansonsten ist die Zorki 11 mit der Zorki 10 weitgehend baugleich. Es wird auch dasselbe Objektiv verwendet, ein Industar 63 (45mm/2.8). Die Zorki 11 gilt als Kopie der Ricoh Auto 35, dem kleineren Modell der Ricoh Matic 35.


Zorki 12 mit Helios 98

Zorki 12

Von der seltenen Zorki 12 wurde 1967 und 1968 lediglich 7200 Exemplare gefertigt. Speziell an diesem Modell ist das Bildformat von 18x24mm, was einem halben Bild des üblichen Kleinbildformats entspricht. Man spricht deshalb auch vom Kleinbild-Halbformat. Es kommt jedoch das sogenannte "Rapid"-System zum Einsatz, bei welchem der Film von einer kernlosen Patrone in die andere geschoben wird.

Logo der Zorki 12 von 1968

Die Zorki 12 verwendet wie die Modelle Zorki 10 und Zorki 11 ein fest eingebautes Objektiv, ein HELIOS 98 28mm/2.8. Die Brennweite entspricht vom Bildwinkel her auf Kleinbild umgerechneten 43mm. Der Filmtransport erfolgt über ein Daumenrad links oben an der Kamerarückseite.

Im Automatikbetrieb belichtet die Kamera mit 1/125 Sekunde bei Blende 2.8 bis 16, im manuellen Betrieb mit 1/30 Sekunde. Bei unzureichenden Beleuchtungsverhältnissen wird der Auslöser im Automatikbetrieb blockiert.

Weitere Informationen zur Zorki 12:


Zorki 35M

Zorki 35M mit Industar 50
Foto: Bill Parkinson

Nur als Prototypen wurden Ende der sechziger Jahre (diverse Quellen sprechen von 1969) offenbar nur drei Exemplare dieser Kamera gefertigt, die als Zorki 35M bekannt ist. Das "M" im Namen deutet wiederum auf den Entwickler Nikolay Mikhaylovich Marenkov hin, wie auch bei der Zorki 3M.

Auf der Basis der Spiegelreflexkamera Zenit E aufgebaut, aber als Messsucherkamera konzipiert, verfügte die Zorki 35M über einen Sucher mit einem Blickwinkel von 35mm, welcher Leuchtrahmen für 50mm und 85mm besitzt. Besonders fortschrittlich war auch der Parallaxenausgleich, der mit der Entfernungseinstellung gekoppelt funktionierte.

Princelle erwähnt diesen Prototyp in seinem Buch übrigens nicht, der Hersteller verzeichnet ihn aber immerhin in einem Verzeichnis auf seiner Internet-Seite.

Weitere Informationen zur Zorki 35M:


Zorki 4K von 1976 mit schwarzem Jupiter 8

Zorki 4K

Die Zorki 4K entspricht weitgehend der Zorki 4, einzig das Drehrad zum Filmtransport und Spannen des Verschlusses wurde durch einen Schnelltransporthebel ersetzt. In den Jahren 1972 bis 1978 wurden über eine halbe Million Zorki 4K gebaut, 1980 wurden noch einmal 36 Stück nachgeschoben.

Gegenüber der Zorki 4 wurde die Zeitenreihe der Zorki 4K leicht verändert, so dass nun auch 1/30 Sekunde Verschlusszeit eingestellt werden kann.

Es wird berichtet, dass die Zorki 4K nicht mehr ganz von der gleichen Produktionsqualität wäre, wie sie bei der Zorki 4 (zumindest der Version 4a) üblich war. Ich kann das aus eigener Anschauung nicht bestätigen, muss aber einräumen, dass mir noch nicht allzu viele Zorki 4K begegnet sind. Da die Zorki 4K jünger als die anderen Zorki 4-Modelle ist, würde ich im Gegenteil annehmen, dass die insgesamt noch in besserem Zustand erhältlich sein dürften.

Von der Zorki 4K gab es, wie auch von der Zorki 3 und Zorki 4, besondere militärische Versionen, welche für den Einsatz an Binokularen und anderen optischen Gerätschaften konzipiert waren und über keinen Sucher verfügten. Zudem kam statt dem Schraubanschluss ein Bajonett zum schnellen Wechsel zum Einsatz. Claudio Asquini beschreibt auf auf seiner Seite so ein Exemplar, wobei die Erklärung, dass es sich um eine Reprokamera handeln würde, zwar einleuchtend aber trotzdem mit einem Fragezeichen versehen werden darf.

Weitere Informationen zur Zorki 4K:


Zorki Sensation

Zeichnung der Zorki Sensation
Bild: KMZ

Ein weiterer Prototyp, der nur auf der Internet-Seite des Herstellers beschrieben ist, heisst Zorki "Sensation" und wurde Mitte der Siebzigerjahre entworfen. Es handelt sich dabei um eine äusserst ungewöhnliche Konstruktion aus einem drehbaren Gehäuse, das zwei Kleinbildfilme enthält, und das über der Einheit mit Sucher und Objektiv geschwenkt werden kann. Dadurch kann der schnelle Wechsel zwischen den beiden eingelegten Filmen realisiert werden. Für beide Filme sind separate Einstellungen der Empfindlichkeit möglich, ebenso sind das Zählwerk, die Rückspulvorrichtung usw. doppelt vorhanden.

Weitere Informationen zur Zorki Sensation:


Zorki 100 / Zorki 101

Zeichnung der Zorki 100
Skizze: KMZ

Offenbar plante KMZ zwischen 1992 und 1994, einfache Kompaktkameras unter den Namen Zorki 100 und Zorki 101 zu vermarkten. Die Entwicklung lief anfänglich unter der Bezeichnung Zenit Mini.

Bei der Zorki 100 bzw. 101 sollte es sich um eine sehr einfache Kamera für Kleinbildfilm handeln. Die mit einem Fixfokus-Objektiv (33mm/4.5) ausgestattete Kamera zeichnet sich durch einen Schiebedeckel zum Schutz des Objektivs aus. Es handelt sich um ein weit fortgeschrittenes Projekt, das aus verschiedenen Gründen nicht realisiert wurde.

Weitere Informationen zur Zorki 100:


Sondermodelle und Fälschungen

Im Laufe der Jahre sind einige Sondermodelle der Zorkis aufgelegt worden. Einige "Sondermodelle" entstanden auch nachträglich, trugen so klingende Namen wie "Leica" und waren gelegentlich mit allerlei mehr oder weniger geschmacklosen Runen verziehrt.

"Festival" (1957)

Anlässlich des internationalen Jugendfestivals in Moskau im Jahr 1957 wurden verschiedene Zorki-Modelle mit entsprechenden Gravuren herausgegeben. Bekannt sind mir entsprechende Exemplare der Modelle Zorki C, Zorki 2C, Zorki 3C und Zorki 4a.

Nebenstehend ist die "Festival"-Gravur an einer Zorki C aus dem Jahr 1957 zu sehen. Sie ist an der Rückseite am Gehäuseoberteil eingraviert, oberhalb der Seriennummer, welche am oberen Rand des Filmgehäuses zu finden ist.

"Aurora" (1967)

Eine Variante der Zorki 4 ist eine in rot mit "Aurora 1917-1967" in kyrillischen Buchstaben beschrifte Serie, die 1967 erschienen sein soll. Ich habe bisher noch kein solches Modell gesehen, auch liegen mir keine weiteren Informationen darüber vor.

"50 Jahre Sowjetunion" und "50 Jahre Oktober" (1967)

Am 7. November 1917 übernahmen die Bolschewiki während der Oktoberrevolution die Macht in Russland, was fünfzig Jahre später in der inzwischen wieder ehemaligen Sowjetunion gefeiert wurde. Bekannt sind mir solche Sondermodelle nur von der Zorki 4. Leider wurden die Logos ab dieser Serie nur noch aufgedruckt und nicht mehr, wie früher, graviert oder eingestanzt, so dass sie im Gebrauch sehr schnell abgerieben werden. Nebenstehend ein typisches Beispiel eines solchen abgegriffenen Drucks.

"30 Jahre Siege" (1974)

Diese Sondermodelle würdigen den Sieg im "Grossen Patriotischen Krieg" (dem Zweiten Weltkrieg), der im Jahr 1975 gefeiert wurde. Es soll entsprechend beschriftete Sondermodelle als Zorki 4K gegeben haben, welche in den Jahren 1974 und 1975 gefertigt worden sind.

"MMV. Kongress der kommunistischen Partei der Sowjetunion" (1976)

Auf der Seite www.sovietcams.com wird beschrieben, dass Sondermodelle der Zorki 10 zum 25. Kongress der KP der UdSSR im Jahr 1976 heraus gekommen sein sollen. Bilder eines solchen Modells sind mir bisher nicht begegnet.

"Olympische Spiele in Moskau" (1980)

Auch zu diesem Ereigniss soll es entsprechend beschriftete Zorki 4K gegeben haben. Anbetracht der Tatsache, dass die Produktion 1978 ausgelaufen ist, müssten es Modelle der letzten Produktionsjahre gewesen sein. Mehr kann ich dazu leider auch nicht sagen.

Farbige Zorkis

Das Angebot an Zorkis mit farbiger Belederung ist nicht klein und teilweise richtig bunt. Rot, blau und grün sind relativ gängig, aber auch silbrige oder vergoldete Exemplare sind gelegentlich schon aufgetaucht. Herstellerseitig verbaute farbige Belederungen gab es wohl einige, viele (oder die Mehrheit?) wurden aber nachträglich entsprechend modifiziert. Gut sichtbar ist das beispielsweise, wenn auch die Zierleisten die selbe Farbe wie die Belederung haben. Bekannt sind mir (mit Hilfe von Princelle) folgende Modelle, von denen farbige Versionen hergestellt worden sein sollen: Zorki 1e (blau), Zorki 3 (oliv), Zorki C und Zorki 2C (grau, grün) und Zorki 6 (grau, grün). Vielleicht sind es auch noch ein paar mehr.

Grosse Zweifel an der Authentizität sind bezüglich der komplett schwarzen Zorki 1d (Baujahr 1954), die ich Anfang 2006 ersteigerte, durchaus angebracht. Es handelt sich um ein nachträglich modifiziertes "Sammlerstück", ähnlich den "Leica-Kopien", von denen weiter unten noch die Rede sein wird. Bemerkenswert ist vielleicht, dass sämtliche Bedienelemente ebenfalls schwarz ausgeführt sind, ganz im Gegensatz zu vielen anderen schwarzen Zorkis, die ich bisher im Netz gesehen habe. Hübsch ist sie, besonders zusammen mit einem farblich passenden Objektiv:

Schwarze Zorki 1d von 1954 mit schwarzem Industar 50

Der Sammler Donnie Alfonso zeigt auf seiner Seite eine Vielzahl von schwarzen Zorki-Modellen (direkt zur Zorki-Sammlung geht es hier). Donnie hat mir auf meine Anfrage hin freundlicherweise erklärt, wie das mit den schwarzen Zorkis zustande kam: Nach der Öffnung des Ostblocks wurden viele Zorkis vor Ort schwarz eingefärbt, um dadurch bei eBay höhere Verkaufserlöse zu erzielen. Vor ein paar Jahren noch war die Verfügbarkeit solcher Modelle recht gut und dadurch sind wohl auch die erzielten Preise gesunken, inzwischen werden schwarze Zorkis nur noch eher selten gehandelt.

Schliesslich beschreibt Jim Blazik in seinem wirklich aufschlussreichen Text noch, wie er Zorkis selber schwarz einfärbt.

Allerlei Fälschungen auf der Basis von Zorkis

Es existieren viele Leicas, bei denen es sich ursprünglich um Zorkis oder FEDs handelte. Es braucht nicht wirklich den Kennerblick, um diese Fälschungen zu erkennen, lediglich eine echte Leica und vielleicht noch eine Zorki zum Vergleich sollte genügen. Eine echte Leica unterscheidet sich im Detail sehrwohl von den russischen Leica-Kopien, die seit 1934 unter dem Namen FED und ab 1948 als Zorkis gebaut worden sind.

Viele Zorkis und FEDs der frühen Serien wurden auch zu gefälschten "Kriegsleicas" und dergleichen umgebaut, teilweise mit vergoldetem Gehäuse und bunter Belederung. Besonders widerwärtig sind die dabei oft verwendeten nationalsozialistischen Symbole, deren Verwendung in der BRD verboten sind. Typischerweise werden diese als "Leica-Kopien" deklarieren Falsifikate von Händlern aus dem ehemaligen Ostblock und den USA angeboten.

Falsche FED-Zorkis

Als ich mich Ende 2007 intensiver mit dem Thema von gefälschten FED-Zorki zu beschäftige begann, war ich nicht schlecht erstaunt darüber, wie viele offensichtlich falsche FED-Zorki gerade bei eBay angeboten werden; rund die Hälfte aller als FED-Zorki angebotene Kameras waren offensichtlich falsch oder zumindest stark zweifelhaft, oft hergestellt auf der Basis einer Zorki 1b oder einer FED 1c. Dass sich so ein Umbau lohnt, ist allein durch den Preisunterschied von bis zu 1:5 zu begründen. Weitere Details finden Sie in meinem Artikel zu diesem Thema.


Zorki 75

Zorki 75
Bild: KMZ

Die Zorki 75 hat ihr Vorbild in der Versuchskamera Leica 75, von der 1934 nur wenige Exemplare entstanden. Bei der Zorki 75 handelt es sich um eine Zorki 1 mit leicht vergrösserten Magazinen, die 3m Filme für bis zu 75 Bildern aufnehmen kann. Der Seriennummer nach soll sie etwa 1951 entstanden sein. Princelle führt dieses Modell unter der Rubrik "Fakes" auf und auch der Hersteller bestreitet dessen Authenzität. Ich habe mir von einem Besitzer einer Zorki 75 bestätigen lassen, dass es sich um einen späteren Nachbau handelt, allerdings qualitativ sehr gut gemacht. Wann sie entstanden ist, bleibt aber im Dunkeln.

Weitere Informationen zur Zorki 75:


Zorki 250

Zeichnung einer Zorki 250

Princelle erwähnt eine Reporter-Kamera auf der Basis der Zorki 1, welche über übergrosse Magazine für Kleinbildfilm mit 250 Aufnahmen verfügt. Es soll sich um eine Kleinserie für Testzwecke gehandelt haben, welche der Leica Reporter (ca. 1934-1942, +/- 100 Stück pro Jahr produziert) nachgebaut worden sei. Es ist nicht bekannt, wann die Zorki 250 gebaut worden sind, genauso wenig ist klar, ob sie tatsächlich in diesen Jahren entstanden sind oder ob es sich um spätere Nachahmungen handelt.


Zorki "Yura"

Logo der Zorki Yura

Princelle beschreibt eine Variante der Zorki 1, die 1961 nur in wenigen Exemplaren produziert worden sei. Zur Erinnerung: Die Zorki 1-Produktion ist 1956 ausgelaufen, es müsste sich also um nachproduzierte (eher unwahrscheinlich) oder um modifizierte Zorki 1-Modelle handeln. Die Bezeichnung "Yura" wird mit dem Übernamen von Juri Alexejewitsch Gagarin (1934-1968) - sowjetischer Kosmonaut und erster Mensch im Weltall - erklärt und die Kameras verfügen über einer Gravur mit einer Erdkugel und einem Stern, dem kyrillisch geschriebenen "Yura" sowie dem Datum "12.04.61". Der Hersteller verzeichnet dieses Modell zwar auf seiner Internet-Seite, setzt aber bezüglich der Authentizität ein grosses Fragezeigen.

Ich persönlich halte die Zorki "Yura" nicht für eine vom Hersteller KMZ offiziell produzierte Sonderversion, selbst wenn Princelle von einem glaubhauften Zeugen spricht, der die Existenz von mindestens einer Kamera dieser Version bereits 1975 bestätigen können soll. Ich zweifle nicht daran, dass dieser Zeuge existiert und glaubhaft ist, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass fünf Jahre nach Produktionsende kaum eine Kameraserie für wenige Sondermodelle wieder aufgelegt worden ist. Eine "Yura" auf der Basis einer Zorki 4, das wäre noch irgendwie schlüssig, aber nicht eine Zorki 1 mit dreistelliger Seriennummer.

Die "Yura" wird gelegentlich noch in verschiedenen Version angeboten, leicht champagnerfarbig oder im edlen Plantinlook. Oft dient eine frühe FED oder Zorki als Basis für den Umbau, bei dem der Gehäusedeckel abgeschliffen und mit neuem Logo versehen wird. In der Regel ist ein Industar 22-Normalobjektiv im gleichen Farbton und an der Front graviertem Schriftzug "Yura" sowie derselben Seriennummer wie auf dem Gehäuse vorhanden. Auch der Objektivdeckel ist in üblicherweise mit einer Gravur des oben abgebildeten Logos versehen.


Die Zorki-Produktion

Zwischen 1948 und 1980 wurden insgesamt etwas über fünf Millionen Zorki-Kameras produziert. Der Hersteller Krasnogorski Mekhanicheskii Zavod (KMZ, auch Krasnogorskiy Mechanicheskiy Zavod, also Maschinenfabrik Krasnogorsk, später auch Krasnogorsky Zavod JSC) produzierte neben den Zorkis auch Kameras der Marken Astra, Drug, Foton, Kiew, Kometa, Horizon, Iskra, Moskva, Narciss, Rodina, Start und Zenit. KMZ war der grösste Kamerahersteller der früheren Sowjetunion.

  Die KMZ-Logos, welche im Laufe der Zeit bei Kameras, Objektiven und Zubehör verwendet wurden; auf der Seite von Alfred Klomp sind viele Logos russischer Kamerahersteller zu finden (englisch), aber auch beim Hersteller existiert so eine Liste (russisch).

Die folgende Aufstellung enthält die Produktionsdaten der diversen Zorki-Modell, aufgegliedert nach Jahren, wobei es sich richtigerweise um Angaben zu den ausgelieferten Kameras im genannten Jahr handelt:

Modell
Zorki 1
Zorki 3, 3M
Zorki 2
Zorki C
Zorki 2C
Zorki 3C
Zorki 4
Zorki 5
Zorki MIR
Zorki 6
Zorki 10
Zorki 11
Zorki 12
Zorki 4K
Jahrestotal

Jahreswahl ->
Total
835502
87569
10310
472702
214903
45572
1715677
236501
156229
385207
332144
60745
7200
524646
5084907

Die oben aufgeführten Produktionszahlen stammen direkt vom Hersteller. Die Originaldaten in russischer Sprache finden Sie hier.

Die Sache mit den Seriennummern

Seit 1954 bzw. 1955 ist anhand der Seriennummern das Baujahr der Kameras der Marke Zorki und einer Vielzahl zugehöriger Objektive in aller Regel gut ermittelbar, wird das Baujahr doch durchgängig in den ersten beiden Stellen der Seriennummer abgebildet. Danach folgen fünf bis sieben Stellen, die die eigentliche Seriennummer zeigen.

Dieses Seriennummern-System ist recht zuverlässig und liefert in der Regel gute Anhaltspunkte zum Baujahr. Zu beachten ist allerdings, dass kein genauer Rückschluss von der Seriennummer und dem Baujahr zu den ausgelieferten Exemplaren einer Serie möglich ist, da offenbar Teile der Produktion nicht mehr im Baujahr ausgeliefert wurden, sondern erst im Folgejahr. Deshalb gibt es durchaus eklatante Differenzen zwischen den obigen Produktionszahlen und den in den Seriennummern kodierten Jahresangaben. Diese zeigen sich beispielsweise gut in den Anfangsjahren 1948 bis 1950, wo deutlich weniger Kameras ausgeliefert wurden, als es gemäss Seriennummern hätten sein müssen.


Die Technik der Zorkis

Hier versuche ich einen Überblick über die Technik zu geben, von der ich allerdings nicht ganz so viel verstehe, wie die Spezialisten; ich habe selber noch keine Zorki zerlegt und überlasse das auch lieber denen, die davon etwas mehr Ahnung haben.

Vorab zu den technischen Grundlagen, danach folgt eine Zusammenfassung über die Ausstattung der verschiedenen Zorki-Modelle:

Das Messsucherprinzip

Ihren Gattungsnamen Messsucherkamera haben sich die Zorkis genauso wie andere Kameras dieser Art durch das Prinzip der Entfernungsmessung durch den Sucher verdient. Ein mit dem Objektiv gekuppelter Mechanismus überträgt dabei die am Objektiv eingestellte Entfernung in den Sucher. Im Zentrum des Suchers findet sich eine leicht gelbliche Fläche, die bei der Entfernungsverstellung verschoben und der Messung der Distanz dient. Sobald das eingeblendete gelbliche Teilbild mit dem Sucherbild übereinstimmt, ist das anvisierte Objekt scharfgestellt.

Sucher

Frühe Zorki-Modelle, konkret die Zorki 1, Zorki 2, Zorki C und Zorki 2C, verwenden zwei Sucher; im einen, weiter aussen zu findenden, lässt sich die Schärfe kontrollieren und die Distanz einstellen, während der zweite das Sucherbild deutlich kleiner mit viereckigem Rahmen abbildet. Neuere Zorki-Modelle, ab der Zorki 3C von 1955, haben den Messsucher wie oben beschrieben im einzigen Sucher integriert. Eine Ausnahme bildet die Zorki 11, welche über keinen Messsucher verfügt, sondern die Fokuseinstellung über ein Symbolbild in den Sucher einblendet.

Die Schärfe des Suchers kann bei den Modellen Zorki 3, Zorki 3M, Zorki 4, Zorki 4K, Zorki 5 und Zorki 6 über einen sogenannten Dioptrienausgleich verändert und an eine allfällige Fehlsichtigkeit des Benutzers angepasst werden.

Verschluss

Gemeinsam haben alle Modelle Zorki 1 bis und mit 6 einen horizontal ablaufenden Tuchverschluss, der im Laufe der Entwicklung mehrfach leicht verändert und verbessert wurde. Die Zorki-Modelle 10 bis 12 verfügen dagegen über einen Zentralverschluss.

Die kürzeste Verschlusszeit liegt bei 1/500 Sekunde (Zorki 1, Zorki 2, Zorki C, Zorki 2C, Zorki MIR, Zorki 5 und Zorki 6) bzw. 1/1000 Sekunde (Zorki 3, Zorki 3M, Zorki 3C, Zorki 4 und Zorki 4K). Ausnahmen sind die Zorki 10 und Zorki 11 (1/250 Sekunde) sowie die Zorki 12 (1/125 Sekunde). Die längsten Verschlusszeiten liegen je nach Modell zwischen 1/30 und 1 Sekunde. Zusätzlich besitzen alle Kameras die Möglichkeit zur Langzeitbelichtung, die über die Position "B" (bei den frühen Zorki 1-Modellen "Z") auf dem Zeiteinstellrad verändert werden kann.

Da der Verschluss der Zorkis rein mechanisch abläuft, kommt es altersbedingt nicht selten vor, dass die Mechanik durch Staub und eingetrocknetes Fett gehemmt wird und die Zeiten sich bis hin zum völligen Stillstand verlängern. Die gute Nachricht: Das kann durch eine Reinigung repariert werden.

Für die Mehrzahl der Zorkis gilt, dass die Verschlusszeit nur bei gespanntem Verschluss verändert werden darf, da sonst ein (in der Regel reparabler) Defekt droht. Vorsorglich sollten die Zorkis nur ausgelöst - also mit nicht gespanntem Verschluss - und eingestellt auf eine schnelle Zeit über 1/60 Sekunde gelagert werden.

Einlegen des Films

Bezüglich dem Einlegen eines Films unterscheiden sich die älteren Modelle (Zorki 1, Zorki C, Zorki 2C, Zorki 2 und Zorki 5) von den neueren. Die Regel lautet, dass alle Modelle mit einem entfernbaren Boden spezielle Anforderungen an den Zuschnitt des Films haben, während die restlichen Modelle wie jede übliche Kleinbildkamera geladen werden können.

Der Zuschnitt des Films für die älteren Zorkis - das gilt übrigens auch für ältere Leicas und andere Kopien - sollte wie folgt erfolgen:

Nach dem Einlegen des Films und Schliessen des Bodens oder des Rückteils sind mindestens drei leere Auslösungen vorzunehmen, um den Film zum ersten Bild vorzuspulen.

Bei einigen Modellen wie zB. der Zorki 10 und Zorki 11 wird beim Schliessen der Rückseite nach dem Filmwechsel automatisch der Bildzähler zurückgestellt. Bei den anderen Modellen muss der Bildzähler - er befindet sich üblicherweise unter bzw. auf dem Spannknopf - manuell eingestellt werden.

Filmtransport und Spannen des Verschlusses

Die meisten vorab älteren Zorki-Modelle verfügen über einen Drehknopf (von hinten gesehen rechts), mit dem der Film transportiert und gleichzeitig der Verschluss neu gespannt wird. Drehen Sie daran bis zum Anschlag, verzichten Sie aber auf die Anwendung gröberer Gewalt. Sollte die Kamera sich danach nicht auslösen lassen, kann der Film am Ende sein.

Rückspulen des Films

Ist ein Film vollständig belichtet und soll aus der Kamera entfernt werden, betätigen Sie zuerst den Rückspulsperrhebel. Diesen finden Sie entweder vor oder unter dem Auslöser. Nun können Sie den Film mit dem dafür vorgesehenen Drehknopf (von hinten gesehen links) zurückdrehen, bis der leichte Wiederstand nicht mehr spürbar und der Film vollständig in seine Patrone zurückgezogen ist. Der Rückspuldrehknopf kann bei vielen Zorki-Modellen zur einfacheren Bedienung herausgezogen werden.

Es wird berichtet, dass bei einigen Zorki-Modellen die Gefahr besteht, dass beim Rückspulen der Verschluss nach unvollständigem Spannen eventl. nicht richtig geschlossen ist bzw. ausgelöst wird und es zu einem Lichteinfall auf den Film kommen kann. Es ist deshalb empfehlenswert, während dem Rückspulen den Deckel auf das Objektiv zu setzen oder das Objektiv mit der Hand lichtdicht abzudecken.

Fokussierung

Die Fokussierung erfolgt am Objektiv und beeinflusst den Messsucher in der Kamera. Bringen Sie im Messsucher die eingefärbte Fläche mit dem Sucherbild in Übereinstimmung, um die korrekte Entfernung einzustellen. Sie können die Einstellung auch an der Skala am Objektiv überprüfen.

Belichtungsmessung

Abgesehen von den neueren Modelle (Zorki 10, Zorki 11 und Zorki 12) verfügen die Zorkis über keinerlei Belichtungsmessung. Sie benötigen also einen externen Belichtungsmesser oder behelfen sich mit Belichtungstabellen, wobei Letzteres ein schönes Mass Erfahrung voraussetzen. Übertragen Sie die gemessenen oder geschätzten Werte für Blende und Zeit auf die Kamera.

Blendenwahl

Die Blendenwahl erfolgt ganz vorne am Objektiv und ist, je nach Objektivmodell, an der Frontseite des Objektivs oder am vordersten Ring zu bedienen.

Belichtungszeit

Vor dem Ändern der Belichtungszeit ist immer der Verschluss zu spannen, da es sonst zu einem Defekt in der Mechanik der Kamera kommen kann. Dies gilt für fast alle Zorki-Modelle.

Heben Sie den Knopf zur Einstellung der Belichtungszeit leicht an und drehen Sie ihn in die gewünschte Position. Im Bereich der langsamen Zeiten ist dabei ein etwas grösserer Widerstand zu spüren, was völlig normal ist. Der Einstellknopf für die Belichtungszeit kann nicht vollständig im Kreis gedreht werden, sondern ist typischerweise (je nach Modell) zwischen 1/30 (rot, Blitzsynchronisation) und 1 Sekunde gesperrt. Versuchen Sie nicht, mit Gewalt diese Sperre zu überwinden.

Auslöser

Den Auslöser finden Sie bei den Zorkis wie üblich oben auf der rechten Seite der Kamera. Sollte es beim Drücken desselben nicht "Klick" machen, ist der Verschluss möglicherweise nicht aufgezogen oder das Filmende erreicht.

Mit wenigen Ausnahmen verfügen die meisten Zorkis über die Möglichkeit, am Auslöser einen Drahtauslöser anzuschrauben. Diese Kabelfernauslöser sind im Prinzip standardisiert, wobei Sie darauf achten sollten, dass sie vor dem Anschrauben komplett zurückgezogen und nicht arretiert sind.

Blitzanschluss und -synchronisation

Abgesehen von den ganz frühen Modellen verfügen fast alle Zorkis über einen Anschluss für Blitzgeräte. Im Gegensatz zu aktuellen Kameras, welche einen entsprechenden Kontakt im Zubehörschuh eingebaut haben, kommen aber ausschliesslich Stecker zum Einsatz. Die Synchronisationszeit, welche die Verzögerung zwischen Blitzauslösung und Verschlussöffnung bestimmt, kann bei vielen Modellen zwischen 0 und bis zu 30 Millisekunden eingestellt werden. Für übliche Elektronenblitze sind dabei 0 Millisekunden einzustellen, bei Blitzbirnchen ist die Angabe betreffend der Synchronisationszeit auf der Verpackung zu finden.


Zusammenstellung der technischen Merkmale der verschiedenen Zorki-Modelle

Die folgende Aufstellung ist der Versuch einer Zusammenfassung einiger technischer Merkmale der verschiedenen Zorki-Modelle. Für die Bedeutung der einzelnen Zelleninhalte verweise ich auf die anschliessende Aufstellung.

  1a 1b 1c 1d 1e 3 3M 2 C 2C 3C 4 5 MIR 6 10 11 12 4K
Gehäuseform 3 3 3 3 3 3 3 3 2 2 1 1 H 1 H E E E 1
Sucher 2 2 2 2 2 1 1 2 2 2 1 1 1 1 1 1 1 1 1
Dioptr.ausgl. nein nein nein nein nein ja ja nein nein nein ja ja ja ja ja nein nein nein ja
Zeitskala 1 1 1 1 2 3 4 2 2 2 4 4/5 6 6 6 A1 A1 A2 5
Bildformat KB KB KB KB KB KB KB KB KB KB KB KB KB KB KB KB KB HF KB
Filmtransport K K K K K K K K K K K K So K So Su Su Su D
Filmwechsel B B B B B R R B B B R R B R R K K K R
Selbstauslöser nein nein nein nein nein nein nein ja nein ja nein ja nein ja ja nein nein nein ja
Blitzanschluss nein nein nein nein nein nein nein nein 1 1 1 1 2 1 2 1 1 1 1
Automatik nein nein nein nein nein nein nein nein nein nein nein nein nein nein nein ja ja ja nein
Breite (mm) 134 134 134 134 134 143 143 134 134 134 143 143 135 143 137 128 128 110 143
Höhe (mm) 70 70 70 70 70 84 84 70 80 80 90 90 81 90 84 76 76 54 90
Tiefe (mm) 34 34 34 34 34 43 34 36 33 36 35 38 36 38 39 73 73 48 42
Gewicht (g) 420 420 420 420 420 540 540 425 450 465 585 610 500 600 550 660 665 400 585

Gehäuseform: Unterscheidet grob die Form des Gehäuses, besonders der Oberseite; "3" = dreistufig, "2" = zweistufig, "1" = einstufig, "H" = hohes Gehäuse (Zorki 5 und Zorki 6) und "E" = eckiges Gehäuse (ab Zorki 10).

Sucher: Gibt an, wieviele Sucher/Messsucher die Kamera besitzt. Ist hier "2" eingetragen, ist ein getrennter Einstellsucher für die Entfernungseinstellung vorhanden, die "1" meint hingegen einen Messsucher mit zentral eingespiegelter Distanzkontrolle.

Dioptrienausgleich: Einstellung für die Scharfstellung des Suchers, Sehfehlerkorrektur.

Zeitenskala: Die angegebene Zahl weist auf eine der folgenden Skalen hin:

  • "1" = 1/500, 1/200, 1/100, 1/60, 1/40, 1/30, 1/20, Z
  • "2" = 1/500, 1/250, 1/100, 1/50, 1/25, Z oder B
  • "3" = 1/1000, 1/500, 1/250, 1/100, 1/50, 1/25, B + 1/10, 1/5, 1/2, 1
  • "4" = 1/1000, 1/500, 1/250, 1/100, 1/50, 1/25, 1/10, 1/5, 1/2, 1, B
  • "5" = 1/1000, 1/500, 1/250, 1/125, 1/60, 1/30, 1/15, 1/8, 1/4, 1/2, 1, B
  • "6" = 1/500, 1/250, 1/125, 1/60, 1/30, B
  • "A1" = Automatik: 1/250 - 1/30, manuell: 1/30, B
  • "A2" = Automatik: 1/125, manuell: 1/30
Von der Zorki 4 wurden nur die frühen A-Varianten mit der Zeitskala "4" ausgerüstet, der weitaus grösste Teil verfügt über die Skala "5".

Bildformat: Alle Zorki-Kameras verwenden durchgehend 135-Kleinbildfilm und mit einer Ausnahme belichten sie in Kleinbildgrösse von 36x24mm, was in obiger Tabelle als "KB" ausgewiesen wird. Die Ausnahme bildet die Zorki 12, welche das Halbbildformat auf Kleinbildfilm abbildet, was 18x24mm entspricht, und in obiger Tabelle als "HF" ausgewiesen ist.

Filmtransport: Bezeichnet die Art, wie der Film transportiert und der Verschluss gespannt wird; "K" = Knopf, "So" = Schnellspannhebel oben, "Su" = Schnellspannhebel unten und "D" = Daumenrad.

Filmwechsel: Gibt an, wie der Film gewechselt werden kann; "B" = Bodenplatte kann entfernt werden, "R" = Rückteil kann entfernt werden und "K" = die Rückwand kann ausgeklappt werden.

Selbstauslöser: Zeigt an, ob ein Selbstauslöser vorhanden ist oder nicht.

Blitzanschluss: Hier wird angegeben, wieviele Blitzanschlüsse die betreffende Kamera besitzt. Sind zwei Anschlüsse vorhanden, ist einer für Elektroblitzgeräte und der zweite für Blitzbirnchen und dergleichen.

Automatik: Gibt an, ob die Kamera über einen Belichtungsmesser und eine automatische Verschlusszeitsteuerung verfügt, was nur bei den Modellen Zorki 10, Zorki 11 und Zorki 12 der Fall ist.

Breite, Höhe und Tiefe: Diese Angaben berücksichtigen alle überstehenden Teile, ausgenommen allfälliger Ösen für den Kameragurt. Selbstverständlich ist die Tiefe ohne Objektiv gemessen, ausgenommen bei den Zorki 10, Zorki 11 und Zorki 12, wo das Objektiv fest angebaut ist.

Gewicht: Diese Angabe meint die Kamera ohne Objektiv und Film, aber mit der leeren Filmspule. Ausnahmen: Bei den Zorki 10, Zorki 11 und Zorki 12 wurde die Messung mit Objektiv vorgenommen, da dieses fest angebaut ist. Hinweis zur Zorki 4: Die verschiedenen Varianten der Zorki 4 haben auch verschiedene Gewichte; eine frühe Zorki 4a wiegt 610g, eine späte Zorki 4b dagegen nur 585g. Ähnliches kann auch für andere Modelle gelten, die sich im Verlaufe der Produktion leicht verändert haben.


Sinnvolles Zubehör

Zu jeder Kamera gibt es eine Vielzahl von Zubehörteilen. Neben den bereits oben besprochenen Objektiven sind sie zwischen nützlich und unverzichtbar. Hier ein paar Beispiele:

Universalsucher

Da der Bildwinkel der Sucher aller Zorkis etwa dem eines Normalobjektivs mit 50mm entspricht, ist beim Einsatz eines Objektivs mit abweichender Brennweite ein alternativer Sucher notwendig. Einerseits gibt es verschiedene aufsteckbare Sucher mit festen Brennweiten, andererseits ist auch ein Universalsucher einsetzbar, welcher typischerweise folgende Brennweiten abdeckt: 28mm, 35mm, 50mm, 85mm und 135mm.

Der Univeralsucher kann durch Drehen am Revolver auf die gewünschte Brennweite eingestellt werden. Die Fokussierung lässt sich dabei in engen Grenzen ebenfalls regeln, ersetzt aber keinesfalls den Messsucher. Sehr schön am Universalsucher ist auch das vergrösserte Blickfeld, das auch Einblick in die Szene rund um das eigentliche, gut abgetrennten Bildfeld bei entsprechender Brennweite gewährt.

Oben ist der Universalsucher von KMZ im Einsatz auf einer Zorki 1c von 1953 mit Jupiter 9 (85mm/2) zu sehen, eingestellt auf die Brennweite 85mm. Rechts der Universalsucher alleine, eingestellt auf die Brennweite 50mm.

Externe Sucher

Für gewisse Brennweiten, namentlich 35mm und 85mm, sind von verschiedenen Herstellern externe Sucher erhältlich, welche auf dem Zubehörschuh montiert werden können. Solche Sucher sind auch neu erhältlich, allerdings zu kaum bezahlbaren Preisen (wie beispielsweise 150 Euro für einen 35mm-Sucher).

Die Bilder zeigen zwei typische Sucher mit 35mm (von KMZ) und 85mm (von ROMZ). Daneben ist ein Anwendungsbeispiel mit einer Zorki 3, dem Jupiter 12 (35mm/2.8) und dem entsprechenden 35mm-Sucher zu sehen.

Selbstauslöser

Für besondere Einsatzzwecke in Verbindung mit Kameras, welche diese Option nicht schon von Hause aus bieten, mag ein externer Selbstauslöser eine sinnvolle Investition sein. Es handelt sich dabei um ein mechanisches Teil, welches auf den Auslöser der Kamera geschraubt wird und die Auslösung mit einer Zeitverzögerung erlaubt. Dieses Zubehör ist allenfalls für die Zorki 1, Zorki 3, Zorki 3M, Zorki C, Zorki 3C und die Zorki 5 brauchbar, oder aber für die anderen Modelle, sollte der eingebaute Selbstauslöser defekt sein.

Stereovorsätze

Eine besondere Form der Fotografie ist die Stereofotografie, für die verschiedene spezielle Kameras - von KMZ beispielsweise die seltene Stereokamera Astra von 1958 - gibt. Zu den Zorkis gab es von KMZ auch zwei Stereovorsätze, die im Gegensatz zu Stereokameras prinzipbedingt ein einziges Kleinbildnegativ mit zwei Bildern im Format 24x18mm belichten.

Ein früher Stereovorsatz von KMZ, der in der mir zugänglichen Literatur bisher nicht dokumentiert ist, stammt wahrscheinlich von Anfang der Fünfzigerjahre. Es dürften davon wohl nicht viel mehr als einhundert Einheiten existieren. Er besteht aus zwei Teilen, einer Halterung, die am Zubehörschuh mit einer Schraube fixiert wird, und dem eigentlichen Stereovorsatz, der das Bild in zwei Einzelbilder auf einem Negativ aufteilt. Interessant ist vielleicht noch, dass die Halterung den Sucher so abdeckt, dass nur der korrekte Bildausschnitt sichtbar ist und so auf einen zusätzlichen Aufstecksucher verzichtet werden kann. Dieser Stereovorsatz war nur für den Einsatz an der Zorki 1 und der Zorki 2, jeweils mit einem verstenkbaren Industar 22 oder Industar 50 geeignet.

Erster Stereovorsatz von KMZ Erster Stereovorsatz von KMZ monitert an einer Zorki 1 mit Industar 22
Fotos: M. Mladek

Der zweite, von 1955 bis 1960 produzierte Stereovorsatz von KMZ wurde gemäss Princelle nur "wenige tausend Mal" hergestellt. Er besteht aus einem Teil, das unter der Kamera an der Stativschraube befestigt wird. Als Zubehör wurde ein Aufstecksucher mitgeliefert, der den Bildausschnitt korrigiert. Ebenfalls zum Lieferumfang gehörte ein fokussierbarer Stereobetrachter und ein Rahmungsgerät. Dieser Stereovorsatz dürfte nur an die Zorki 1, die Zorki 2, die Zorki C und die Zorki 2C jeweils mit einem versenkbaren Industar 22 oder Industar 50 passen.

Zweiter Stereovorsatz von KMZ mit speziellem Sucher Zweiter Stereovorsatz von KMZ monitert an einer Zorki 1 mit Industar 22
Fotos: D. Schulte www.stereoskopie.com

Auch vom Hersteller Arsenal existieren Stereovorsätze, die sich über einen Adapter an Zorkis mit M39-Gewinde adaptieren liessen. Normalerweise werden diese Stereovorsätze aber an Kiev-Kameras verwendet.


Kauf einer Zorki

Sie sind jetzt auf den Geschmack gekommen und möchten selber eine Zorki ausprobieren? Oder wurden Sie etwa vom Virus befallen, eine Zorki besitzen zu müssen? Vorsicht: Das Suchtpotential von russischen Kameras ist noch nicht hinreichend erforscht, aber nach Berichten vieler Betroffener gilt diese Krankheit als praktisch unheilbar!

Spass beiseite, ich möchte hier nur ein paar Worte zum Kauf einer Zorki verlieren, sowie Hinweise zum Wert solcher Kameras geben. Ich bitte dabei zu bedenken, dass meine diesbezüglichen Erfahrungen und Eindrücke während einem vergleichsweise kurzen Zeitraum von wenigen Monaten entstanden sind.

Vorab werfen wir einen Blick auf die Wertangaben zu den verbreitetsten Zorki-Kameras in den entsprechenden Standardwerken und bei Online-Anbietern:

Modell Baujahre Anzahl Kadlubek
(CHF)
McKeown
(CHF)
Shops
(CHF)
eBay
(CHF)
  Bemerkungen zur
Angebotshäufigkeit 
FED-Zorki 1948-1949 5500 - 715 550 -   sehr selten
Zorki 1a 1949-1950 2000 - 110 300 -   sehr selten
Zorki 1b 1950-1951 82000 150 110 170 80   selten
Zorki 1c 1951-1953 240000 90 110 130 60   häufig
Zorki 1d 1953-1954 170000 90 110 100 60   häufig
Zorki 1e 1954-1955 335000 90 95 100 60   häufig
Zorki 3 1951-1955 30000 180 110 200 100   gelegentlich
Zorki 3M 1954-1956 60000 120 110 170 100   gelegentlich
Zorki 2 1954-1956 10000 150 130 280 200   selten
Zorki C 1955-1958 470000 90 90 130 40   häufig
Zorki 2C 1955-1960 215000 105 105 120 50   häufig
Zorki 3C 1955-1956 47000 120 110 130 50   gelegentlich
Zorki 4 1956-1973 1700000 75 80 90 40   sehr häufig
Zorki 5 1958-1959 240000 90 110 120 50   häufig
Zorki MIR 1959-1960 156000 120 160 150 40   gelegentlich
Zorki 6 1959-1966 385000 90 90 100 50   häufig
Zorki 10 1964-1978 330000 90 65 65 15   gelegentlich
Zorki 11 1964-1966 60000 120 65 70 25   gelegentlich
Zorki 12 1967-1968 7200 195 90 - -   selten
Zorki 4K 1972-1978 500000 120 80 150 50   häufig

Kadlubek: Kadlubeks Kamera-Katalog, 5. erweiterte und aktualisierte Auflage, Günter Kadlubek/Rudolf Hillebrand, Edition PhotoDeal 2004, die Preise werden für den Zustand "B" ausgewiesen, eher am europäischen Markt orientiert

McKeown: McKeown's Price Guido to Anitque & Classic Cameras, 12th Edition 2006/2006, James M. McKeown/Joan C. McKeown, 2004, ISBN 0-931838-41-X, die Preise werden für den Zustand "B" ausgewiesen, gemittelte Werte aus Bereichsangabe, eher auf den amerikanischen Markt ausgerichtet

Shops: Preisangaben aus verschiedenen einschlägigen Online-Shops hauptsächlich aus der Ukraine, Angebote mit verschiedenen Qualitäten (oft sehr gut), üblicherweise mindestens Zustand "B"

eBay: Bei den angegebenen Preisen handelt es sich um Durchschnittspreise erfolgreich beendeter Auktionen, wobei die Spanne zum Teil extrem ist. Offensichtlich als defekt bezeichnete Kameras wurden nicht berücksichtigt, ansonsten sind alle Qualitäten enthalten. Besonders bei den Zorki 1-Modellen ist eine Zuordnung nicht immer einwandfrei möglich.


Alle oben genannten Preise sind in Schweizer Franken (CHF) ausgewiesen (Umrechnung in Euro: x0.66, in US$: x0.77, Stand Frühling 2006). Zu bedenken ist, dass es sich um reine Nettopreise handelt, dh. namentlich ohne Versand-, Zahlungs- oder Importkosten (Zoll, Mehrwertsteuer). Die Angaben zum Zustand variieren uU. erheblich, deshalb können keine gemeingültigen Qualifizierungen vorgenommen werden. Dies trifft nicht nur für kommerzielle Händler zu, sondern ganz besonders für die Angebote in Online-Auktionshäusern.

Kommerzielle Anbieter und Online-Shops

Haben Sie das Glück, in Ihrer Nähe einen Händler zu finden, welcher Ihnen eine Zorki anbieten kann, freuen Sie sich. Auch ein bescheidener Mehrpreis darf Ihnen das wert sein. Sie unterstützen mit dem Kauf auch das Kleingewerbe, welches es in den Zeiten des Internets bekanntlich nicht mehr gar so einfach hat, wie früher. Ein moderater Versuch, einen besseren Preis zu erzielen, ist dabei natürlich durchaus erlaubt und hat in Form von zusätzlichem Zubehör beispielsweise auch gute Chancen.

Bedenken Sie, dass ein Händler vor Ort Ihnen auch bei Fragen zur Verfügung stehen kann und ggf. auch Kleinteile und Zubehör für Sie bereit hält, was die Preisgestaltung möglicherweise relativiert.

Bei kommerziellen Online-Shops sieht die Sache etwas anders aus. Natürlich bewegen wir uns mit dem Wunsch nach Zorkis in einem eher kleinen Segment, wo sich nicht allzu viele seriöse Anbieter tummeln, trotzdem ist etwas Vorsicht bei der Auswahl des Lieferanten geboten. Ein erster Klick sollte immer ins Impressum der Seite führen, wo unbedingt eine plausible Adresse und möglichst auch der Name des Betreibers zu finden sein sollte. Wichtig ist zudem ein Blick in die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), welche vorteilhafterweise ein Rückgaberecht einräumen sollten. In Zweifelsfällen mag eine Google-Suche nach dem Namen des Anbieters gelegentlich auch die eine oder andere Einsicht bringen.

Flohmärkte und Foto-Börsen

Bei derlei Veranstaltungen ist fast alles möglich, von echten Schnäppchen bis zu überteuertem Plunder. Das Hauptmotto und auch grösster Spass ist hier: Handeln, handeln, handeln.

Wie auch beim Handel auf eBay ist es wichtig, sich vorab einen Maximalpreis vorzunehmen und den nicht zu überbieten. Gerade über besonders teure Gerätschaften sollten zudem nicht vor Ort verhandelt werden, sondern ein Termin nach dem Markttag abgemacht werden, wenn die Aussicht besteht, dass der Verkäufer diese im Rahmen der Veranstaltung sowieso nicht los werden wird.

Handeln bei eBay

Entgegen dem ersten Anschein haben Sie es bei Aktionsplattformen wie eBay oftmals mit kommerziellen Anbietern zu tun, welche aber leicht zu erkennen sind. Es gibt aber auch viele Privatpersonen, die ihre Schätze anbieten, wobei mir noch sehr wenige begegnet sind, die wirklich mit Herzblut handeln, sprich eine Beziehung zu den angebotenen Kameras haben. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Einen ersten Eindruck können Sie sich über die Produktbeschreibung und vor allem die Bilder verschaffen. Sollten letztere unscharf oder zu klein geraten sein, ist oft Vorsicht geboten, auch bei nur teilweisen Ansichten. Eine Kamera sollte bestenfalls frontal, von oben und von hinten fotografiert sein, die Logos sollten gut sichtbar und die Seriennummer möglichst noch lesbar sein. Die Beschreibung hängt oft vom Wissen des Anbieters ab, so dass besonders blumige Formulierungen zwar nett, aber meist wenig aussagekräftig sind. Wichtig sind Hinweise auf die ordentliche Funktion und ungetrübte, pilz- und kratzerfreie Objektive. Entgegen der verbreiteten Befürchtung sind irgendwelche Garantie- oder Rückgabeausschlussklauseln bei falschen Angaben sowieso nichtig, wobei man bei der Beurteilung nicht unbedingt allzu kleinlich sein sollte.

Wichtig ist beim Handeln auf eBay, sich über den Verkäufer zu informieren. Der erste Blick geht dabei auf die Anzahl Auktionen und die vorliegenden Bewertungen. Liegen letztere unter 99.5% oder so, sollten die negativen Kommentare genau gelesen werden. Um Anbieter mit privatem Bewertungsprofil ist ein grosser Bogen zu machen, da die offensichtlich etwas zu verbergen haben. Bedenken Sie zudem, dass für Sie nur Bewertungen von anderen Käufern zählen, nicht die von Verkäufern.

Ein weiteres Element der Überprüfung ist der Standort des Verkäufers; bedenken Sie dabei, dass der Postversand aus einer entfernten Ecke der Welt entsprechende Transportkosten nach sich zieht, die uU. den Warenwert übersteigen können. Zudem sind die Überweisungskosten und allfällig fälligen Mehrwertsteuern beim Import zu berücksichtigen. So kann also ein Angebot aus dem eigenen Land trotz leicht höherem Preis letztlich günstiger kommen, als ein Import aus dem Nachbarland.

Für die Schweiz gilt (derzeit), dass Importe von kommerziellen Händlern ab CHF 50.- und bei privatem Handel ab CHF 100.- mehrwertsteuerpflichtig sind, dh. 7.6% des Gesamtbetrages (Warenwert plus Versandkosten!) von der Zollverwaltung in Rechnung gestellt werden. Dazu kommen noch CHF 10.- Vorweisegebühren der Post, die das Paket bringt und die Mehrwertsteuer kassiert. Um zusätzliche Umtriebe zu vermeiden sorgen Sie am besten dafür, dass der Absender entweder eine Proformarechnung oder einen Ausdruck der eBay-Auktion der Sendung beilegt. Dass Zolldeklarationen grundsätzlich wahrheitsgemäss ausgefüllt werden sollten, setze ich als selbstverständlich voraus.

Wenn Sie auf einen Artikel bieten, sollten Sie sich immer über den wahren Wert der Ware im Klaren sein. Die Tabelle weiter oben kann Ihnen dabei helfen, sie erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit und vor allem berücksichtigt sie keine individuellen Vorlieben. Wenn Sie also unbedingt eine Zorki mit Ihrem Geburtsjahr haben möchten, mag ein Mehrpreis gerechtfertigt sein, ebenso wenn Ihnen ein spezielles Modell in der Sammlung noch fehlt. Trotzdem sollten Sie vor dem Bieten bereits einen für Sie verbindlichen Maximalpreis festlegen, um nicht der Versuchung zu erliegen, sich in einen Steigerungskampf verwickeln zu lassen. Dass Sie erst in den letzten Minuten einer Auktion mitbieten sollten, um den Preis nicht schon im Vorfeld in die Höhe zu treiben, ist eine gute Regel, die zugegeben auch so ihre Tücken hat.


Weiterführende Informationen

Im Netz finden sich eine Vielzahl von Seiten, die sich mit der den Zorki-Kameras befassen. Auf ein paar davon möchte ich hier verweisen:

Vorab ein paar eigene Angebote rund um das Thema Zorki auf meinen Seiten:

Weitere Angebote zu russischen Kameras auf meinen Seiten:

Hier eine kleine Auswahl von Seiten auf deutsch:

Folgende Seiten sind auf englisch:

  • www.fotoua.com
    Alexandr Komarov zeigt auf seiner Seite ein sehr komplettes Verzeichnis russischer Kameras mit deren Varianten, alle Zorki-Kameras selektiert
  • www.btinternet.com
    Stephen Rothery hat auf seinen Seiten viele Informationen zu allen Zorki-Kameras gesammelt und gibt wertvolle Tipps (links unter Zorki suchen)
  • www.sovietcams.com
    Auf der Seite von Aidas Pikiotas findet sich eine recht komplette Aufstellung aller möglichen Zorki-Kameras
  • www.rus-camera.com
    Valdis hat auf seiner Seite eine schöne Aufstellung aller möglichen Zorkis und verkauft auch Kameras.
  • www.tomtiger.com
    Tom "Tiger" Piel zeigt auf seinen umfangreichen Seiten viele russische Kameras, gibt Reparaturtipps usw.
  • home.att.net/~wayne.cornell
    Wayne Cornell gibt einen guten Überblick über die zu den Zorkis verfügbaren Objektive und anderem Zubehör
  • jay.fedka.com
    Verschiedene Informationen zu FED und Zorki von Jay Javier (etwas unordentlich)
  • www.nightphoto.com
    Die interessante Sammlung russischer Kameras von Bill Parkinson mit ein paar Zorkis, zB. der Zorki 35M
  • www.pbase.com
    Ein paar Bilder, welche mit Zorkis entstanden sind
  • www.camerapedia.org
    Eine englischsprachige Wiki-Übersicht über die verschiedenen Zorki-Modelle
  • cameras.alfredklomp.com
    Justieren des Messsuchers einer Zorki-Kamera (ohne Zorki 5, 6 und 10/11/12) von Alfred Klomp
  • rick_oleson.tripod.com
    Reich bebilderte Bastelanleitungen von Rick Oleson für Zorki 1 und 4 usw.
  • www.geocities.com/fzorkis/
    Noch eine Zorki-Geschichte von Jim Blazik
  • www.commiecameras.com
    Eine detailierte Aufstellung der frühen Zorkis von Nathan Dayton
  • www.dvdtechcameras.com
    Gute Angebote auch seltener Zorki-Modelle führt Yuriy Davidenko auf seiner Seite

Und schliesslich noch Seiten auf russisch (und teilweise englisch übersetzt):

Hier noch empfehlenswerte Foren zum Thema (englisch):

Besonders empfehlenswert sind zudem folgende Bücher:

  • Made in USSR - The Authentic Guide to Russian and Soviet Cameras - Second Edition, Jean Loup Princelle, Le Reve Edition 2004, ISBN 2-9522521-14 (englische Ausgabe) oder 2-9522521-06 (französische Ausgabe), Preis 55 Euro inkl. Porto, Bestellung
  • 300 Leica Copies, Jean Loup Princelle/Patrice-Herve Pont, Fotosaga 1990, ISBN 2-906840-03-3 (englische Ausgabe), Preis knapp 40 Euro, weitgehend vergriffen
  • All You Need to Know About Design and Repair of Russian Cameras: A Collector's and Repairman's Handbook, Isaak S. Maizenberg, Eigenverlag ca. 1996 (englische Ausgabe), vergriffen und kaum noch zu bekommen
  • From Russia with a click, Albino Pegorari & Claudia Asquini, Buch auf CD-ROM (italienisch/englisch), Eigenverlag 2004, Preis ca. 32 Euro inkl. Porto, Bestellung
Jean Loup Princelle: Made in USSR - The Authentic Guide to Russian and Soviet Cameras - Second Edition Jean Loup Princelle/Patrice-Herve Pont: 300 Leica Copies Isaak S. Maizenberg: A Collectors's and Repairman's Handbook Albino Pegorari & Claudia Asquini: From Russia with a click

Versuchen Sie die Bücher ggf. bei www.lindemanns.de zu bestellen, dort habe ich jedenfalls die 300 Leica Copies her (das Buch gilt als vergriffen, es soll aber noch wenige Exemplare geben); vielen Dank für die tatkräftige Hilfe nach Buxtehude! Der lokale schweizerische Buchhandel weigerte sich übrigens, mir diese Bücher zu beschaffen und grosse internationale Online-Buchhändler (die mit "A" beginnen ...) behandeln uns Schweizer sowieso als Deppen, was einen Link natürlich verbietet.

Zum Schluss

Abschliessend möchte ich mich bei allen Autoren bedanken, die im Internet oder in Buchform Informationen über KMZ und die Zorkis zur Verfügung stellen. Mein ganz besonderen Dank geht an Ulrich Witte (fotos.cconin.de), dem ich nicht nur meine erste Zorki, sondern auch viele Informationen zu diesen Kameras verdanke, sowie ganz speziell an Dmitry Kopp, Webmaster von www.zenitcamera.com und "KMZ-Historiker", der mir mit wertvollen Tipps und Ergänzungen bei der Verbesserung dieses Textes geholfen hat. Auch bei Dr. Milos Mladek möchte ich mich ganz herzlich für das Lektorat, die vielen interessanten Anregungen und die tollen Bilder bedanken. Weiter danke ich einer Vielzahl von Personen, mit denen ich mich in dieser Sache austauschen durfe.

Die hier verwendeten Fotos sind hauptsächlich in meinem Tischstudio entstanden. Bei fremden Bildern sind jeweils die Quellen ausgewiesen. Wenn ich keine Genehmigung zur Reproduktion von Bildern erhalten habe oder die Fotografen nicht erreichbar waren, habe ich mir mit eigenen Zeichnungen beholfen.

Alle hier aufgeführten Informationen habe ich selbstverständlich nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, kann aber deren Richtigkeit auch nicht garantieren. Gerne nehme ich Korrekturvorschläge oder weitergehende Informationen entgegen. Treten Sie einfach mit mir in Kontakt, auch wenn Sie Fragen haben.


28.03.2006, letzter Update: 16.02.2011



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