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Alexander Schulz:
Zenit "Square-Logo" - Von der Spiegel-Contax zur Spiegel-Leica

Dass die Zenit "Square-Logo" ein Vorserienmodell zur Standard-Zenit darstellt, galt bisher als unumstößliche Tatsache. (Anm. 1) Entsprechend hoch werden diese Kameras zur Zeit auch gehandelt. Mit zunehmender Kenntnis früher Zenit-Kameras scheint dieses Dictum jedoch ins Wanken zu geraten, wie folgender Beitrag zu zeigen versucht.



"In den Jahren bis 1945 war Winzenburg mit Spezialaufgaben beauftragt und hatte Gelegenheit, auf den verschiedensten Gebieten der Feinwerktechnik seine Kenntnisse anzuwenden und zu erweitern. Auch am Wiederaufbau des Werks nach 1945 nahm er tätigen Anteil. Immer auf der Suche nach Neuerungen, beschäftigte er sich schon bald mit den grundlegenden Gedanken der Spiegelcontax. Trotz der anfangs vorhandenen geringen Mittel und Möglichkeiten hielt er als Leiter des Konstruktionsbüros zäh an der Erfüllung dieser sich selbst gestellten Aufgabe fest, mit dem Erfolg, dass eine Kamera von Weltgeltung entstand, deren grundsätzliche Konstruktionsmerkmale viele Nachahmer fand."

So steht es in einer Würdigung von Wilhelm Winzenburg in der Zeitschrift "Bild und Ton" vom Juni 1953, verfaßt von einem gewissen Dr. Sch. anläßlich des 40jährigen Dienstjubiläums des Leiters des Bereiches Forschung und Entwicklung des VEB Zeiss Ikon Dresden. (Anm. 2)

Natürlich denkt man bei den "Nachahmern der Konstruktionsmerkmale der Contax S" sofort an die Asahi Pentax und andere japanische Prismensucherkameras, vergißt dabei aber, dass damals, 1953, nur eine Spiegelreflexkamera in Japan gebaut wurde, und das war die Asahiflex von Asahi Kogaku mit Lichtschachtsucher, die der Praktiflex der Kamera-Werkstätten Niedersedlitz verpflichtet war und als Asahiflex IIA und Asahiflex IIB bis April 1957 gebaut wurde. (Anm. 3) Einen Monat später, im Mai 1957, erschien dann mit der Asahi Pentax die erste japanische Prismensucherkamera, die mit dem Rückkehrspiegel ein wichtiges Merkmal der Asahireflex übernahm, im übrigen aber ihre Verwandtschaft mit der Contax S nicht verleugnen kann.

Die Asahi Pentax und andere japanische Prismensucherkameras kann also Dr. Sch in seiner Winzenburg-Würdigung von 1953 nicht als "Nachahmer der Konstruktionsmerkmale der Contax S" gemeint haben, denn die gab es damals noch gar nicht. Vielmehr spielt sein Beitrag in "Bild und Ton" auf die Prismensucherkameras an, die in den sozialistischen Bruderländern der DDR entwickelt worden waren.

"Reflex S" und "Zenit"

Zu nennen ist hier die "Reflex S" Kamera, die von den Optischen und Feinmechanischen Werken GAMMA, Budapest, sowie den Ungarischen Optischen Werken MOM, Budapest, gebaut wurde. Ihre Konstrukteure waren Gyözo Kállai (MOM) und Istvan Vésey (GAMMA). Trotz einer weitverbreiteten Legende (Anm. 4) ist diese Kamera kein Vorläufer der Contax S, sondern genau das Gegenteil. Nach Einführung der Spiegelcontax während der Leipziger Frühjahrsmesser 1949 sowie ein wenig später während der Budapester Herbstmesse desselben Jahres entschlossen sich die Ingenieure der Ungarischen Optischen Werke, eine einäugige Dachkant-Pentaprismakamera mit einem lichtstarken Objektiv nach dem Vorbild der Contax S zu bauen. Es entstanden nur drei Prototypen in den Jahren 1949 sowie 1950 unter Benutzung eines von MOM hergestellten Pentaprismas und Teilen des Gehäuses der Duflex von 1948. (Anm. 5)

Abb. 1: Duflex und Reflex S (Foto: Fejér Zoltán, Budapest)

Auch die Russen nahmen den mit der Contax S vorgestellten Gedanken auf und bauten ebenfalls auf der Grundlage einer bereits bestehenden Kamera eine Prismensucherkamera. Unter Verwendung der Zorki, die wiederum durch ihre Beziehung zur FED ein Vetter der Leica II (D) war, wurde im Krasnogorski Mekhanicheskii Zavod bei Moskau die Zenit als "Spiegel-Leica" entwickelt. (Anm. 6)

"Square Logo" und Standard-Zenit

Die Konstruktionsarbeiten zur Zenit können sich nicht allzu lange hingezogen haben, denn bereits 1952 erschien die erste serienmäßig hergestellte Prismensucherkamera aus Krasnogorsk. Der Name auf der Vorderseite ist in kyrillischen Blockbuchstaben wiedergegeben, die von einem Rechteck eingerahmt sind, deshalb der Name "Zenit Square Logo", unter dem diese Kamera bekannt ist.

Die älteste bisher bekannte Kamera dieser Serie trägt auf der Rückseite die Gehäuse-Nr. 520019, stammt also aus dem Jahre 1952, eine weitere Kamera von 1952 besitzt die Gehäuse-Nr. 520121.

Abb. 2: Zenit "Square Logo", Gehäuse-Nr. 520019

Abb. 3: Zenit "Square Logo", Gehäuse-Nr. 520019, Rückseite

Es existiert jedoch auch eine frühe Zenit-Makro-Ausrüstung von 1952, die als Kamera eine Zenit mit der Gehäuse-Nummer 520298 umfasst. Diese besitzt kein Square-Logo, sondern die kursive Schreibschrift-Gravur (Frdl. Mitt. Dr. Milos Mladek).

Aus dem folgenden Jahr 1953 sind bisher ebenfalls zwei "Square Logo"-Kameras bekannt geworden, und zwar mit den Gehäuse-Nummern 530386 sowie 532353. Die Gehäuse-Nummern der "Square Logo"-Kameras von 1952 und 1953 bewegen sich (abgesehen von der Zusatzzahl 52 für 1952 und so fort) ausschließlich im vierstelligen Bereich.

Das gleiche gilt auch für die Kameras mit dem Schriftzug in kyrillischer Schreibschrift der Standard-Zenit aus dem Jahre 1953. Hier sind aus dem Jahre 1953 vier Kameras mit den Gehäuse-Nummern 530005, 530074 531388 sowie 530487 (Anm. 7) bekannt.

Abb. 4: Standard-Zenit, Gehäuse-Nr. 531388, erhabenes KMZ-Signet

Abb. 5: Standard-Zenit, Gehäuse-Nr. 531388, Rückseite

Und nun wurde in jüngster Zeit im ebay eine Zenit "Square Logo" von 1954 mit der Gehäuse-Nr. 543128 angeboten. (Anm. 8)

Abb. 6: Zenit "Square-Logo", Gehäuse-Nr. 543128

Abb. 7: Zenit "Square-Logo", Gehäuse-Nr. 543128, Aufsicht

Abb. 8: Zenit "Square Logo", Gehäuse-Nr. 543128, Rückseite

Weit verbreitet sind schließlich die Standard-Zenit-Kameras von 1954 und dem folgenden Jahr, die fünfstellige Gehäuse-Nummern tragen, beispielsweise 5412296, 5418002 oder 5500083.

Abb. 9: Standard-Zenit, Gehäuse-Nr. 5418002, vertieftes KMZ-Signet

Für die Jahrgänge 1953 und 1954 sind also Kameras mit beiden Logo-Varianten - "Square Logo" mit Namen in kyrillischer Blockschrift im Rahmen sowie "Standard" mit Namen in kyrillischer Schreibschrift ohne Rahmung - bekannt.

Weitere Unterschiede

Ein weiterer Unterschied ist bei dem KMZ-Signet in der Lünette des Prismensuchergehäuses zu erkennen: Bei allen Kameras mit "Square Logo" ist unabhängig vom Herstellungsjahr das Signet, das von dem Pfeil durchbrochene Dove-Prisma, erhaben in den Vulcanitbezug geprägt, während es bei den Kameras mit Standard-Logo bis 1953 ebenfalls erhaben, anschließend jedoch vertieft erscheint. So erscheint auch bei der "Square Logo"-Variante von 1954 (Gehäuse-Nr. 543128) das KMZ-Signet erhaben geprägt.

Auch bei der Schrifttype der Gehäuse-Nummer auf der Rückseite läßt sich eine gewisse Gesetzmäßigkeit herleiten. So sind die vierstelligen Gehäuse-Nummern der Kameras von 1952 bis 1954, gleichgültig ob mit "Square Logo" oder Standard-Logo ausgestattet, in aufrechter Schrift wiedergegeben. So existiert eine Standard-Zenit von 1954, deren Gehäuse-Nr. 546284 auch in aufrechter Schrift graviert ist. Dagegen sind bei den Kameras mit fünfstelligen Gehäuse-Nummern die Zahlen kursiv dargestellt. Eine Ausnahme bildet die "Square-Logo"-Kamera von 1954 insofern, dass deren vierstellige Gehäuse-Nr. 543128 ebenfalls kursiv wiedergegeben ist.

Und noch eine kleine Variante kosmetischer Art ist zu beobachten: Bei den Kameras mit vierstelligen Gehäuse-Nummern der Jahre 1952/53 sind die Schmalseiten des Spiegelvorbaus unabhängig von der Logo-Form mit Vulcanit bezogen. Dagegen sind bei den Kameras ab 1954 die Schmalseiten schwarz lackiert, und zwar unabhängig von der Größe der Gehäuse-Nr. und von der Logo-Gestaltung.

Doch gibt es auch Ausnahmen: So ist die vierstellige Gehäuse-Nr. 531388 der Kamera mit dem Standard-Logo bereits kursiv wiedergegeben, und die Schmalseiten des Prismenvorbaus sind schwarz lackiert anstatt mit Vulcanit bezogen. Auch weist diese Kamera an der Rückseite bereits zwei Schrauben anstatt der bisherigen einen auf. Das Dove-Prisma jedoch ist noch erhaben geprägt. Das Gleiche gilt für die Zenit "Square-Logo" von 1954, Gehäuse-Nr. 543128.

Alle diese Beobachtungen lassen nur einen Schluß zu: Der Gedanke einer Zenit-Vorserie der Jahre 1952/53 läßt sich nicht weiter aufrechterhalten. Vielmehr wurden in den Jahren 1953 und 1954 Serien-Kameras sowohl mit "Square Logo", also Schriftzug in kyrillischer Blockschrift und Rahmen, als auch mit Standard-Logo, also in kyrillischer Schreibschrift ohne Rahmung, parallel angeboten. Diese Beobachtung deckt sich gut mit der Feststellung, dass A. A. Syrov in seinem "Weg der Kamera" von 1954 eine Zenit "Square Logo" abbildet, da sie eine damals gängige Zenit-Kamera darstellt, die überdies mit einem BTK (BioTar Krasnogorsk) 2/5,8 cm, dem Vorläufer des später weit verbreiteten Helios-44 Objektivs, bestückt ist. (Anm. 9)


Abb. 10: Zenit "Square Logo", aus A.A. Syrov, Weg der Kamera, 1954, S. 121

Anmerkungen

1) Vgl.: Jean Loup Princelle: The authentic guide to Russian and Soviet cameras. Made in USSR. 200 Soviet cameras, St. Helier, Jersey, S. 104. Ihm folgend: Alexander Schulz, Zenit. Die Geschichte der russischen Spiegelreflex-Prismensucherkamera mit M39-Objektivanschluß, Stuttgart 2003, S. 38 ff.

2) Dr. Sch.: 40jähriges Arbeitsjubiläum. Bild und Ton, 6. Jg. 1953, S. 191.

3) Vgl. Frederick C. Sherfy: Asahiflex and the Pre-1959 Asahi Pentax Cameras. A Guide to Identification and Collection. Harrisburg 1994, S. 16 ff.

4) Die Kolportagen sind zusammengefaßt bei: Alexander Schulz: Spiegel-Contax. Die Geschichte der ersten Spiegelreflex-Prismensucherkamera der Welt. Stuttgart 2000.

5) Vgl. Fejér Zoltán: Hungarian Cameras - Ungarische Kameras. Budapest 2001, S. 6 und S. 169.

6) Vgl. Schulz, a.a.O., S. 24 f.

7) Frdl. Mitt. Claudio Asquini.

8) Vgl. dagegen eine "Square Logo"-Kamera, Gehäuse-Nr. 5417332, ebay-Auktion, Artikel-Nr. 3861773692. Die Auktion endete am 30. 12. 2004. Anbieter war rus_camera aus Moskau. Wie mir der Ersteigerer Claudio Asquini am 21. April 2005 mitteilte, hatte er anschließend durch eine Veränderung der Verchromung des Prismengehäuses verglichen mit den anderen Kamerateilen feststellen müssen, dass es sich um eine Fälschung handelte. Diese Kamera besaß übrigens ein vertieftes Signet.

9) Vgl. A.A. Syrov: Der Weg der Kamera, Moskau 1954, S. 121. Ein Faksimile des russischen Textes ist wiedergegeben bei: Richard Hummel: "Kine Exakta" oder Sport? Welche war die erste Spiegelreflex-Kleinbildkamera? Die Lebenswerke von Karl Nüchterlein und A.O. Gelgar. Stuttgart 1997, S. 33.

Spezifikationen der Zenit, 1952 - 1954

Gehäuse-Nr. Logo Signet Gehäuse-Nr. Schmalseite des
Prisemensuchers
Schrauben an
der Rückseite
520019 Square erhaben aufrecht Vulcanit eine
520121 Square erhaben aufrecht Vulcanit eine
520298 Standard erhaben aufrecht Vulcanit eine
530005 Standard erhaben aufrecht Vulcanit eine
530074 Standard erhaben aufrecht Vulcanit eine
530487 Standard erhaben kursiv Vulcanit eine
530829 Standard erhaben aufrecht Vulcanit eine
531236 Standard erhaben kursiv Vulcanit zwei
531388 Standard erhaben kursiv lackiert zwei
532353 Square erhaben aufrecht Vulcanit eine
543128 Square erhaben kursiv lackert zwei
546284 Standard vertieft aufrecht lackiert zwei
5412296 Standard vertieft kursiv lackiert zwei
5418002 Standard vertieft aufrecht lackiert zwei

Diese Tabelle wird fortlaufend erweitert. Wenn Sie frühe Standard-Zenits oder "Blocklogo"-Varianten besitzen und uns weiterhelfen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt mit dem Seitenbetreiber auf. Vielen Dank.

Rechte

Im März 2008 akualisierte Fassung eines Aufsatzes in Photographica Cabinett 34/2005, alle Rechte liegen bei Alexander Schulz, Eppelsheim.

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08.04.2008, letzter Update: 16.04.2008



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Alle Rechte © Guido Studer, Basel - Letzte Änderung: 24.04.2008