Homepage http://www.guido-studer.ch/
 
           
 
Foto:            
 
 

Rolleiflex "T"

Hier finden Sie eine kurze Beschreibung der Kamera, Informationen zur Technik und meine eigenen Erfahrungen damit.

Beschreibung

Die von Franke & Heidecke von 1958 bis 1974 (oder 1976, je nach Quelle) mit rund 137000 Stück gebaute Rolleiflex "T" ist wohl eine der verbreitetsten Rolleiflexen überhaupt. Sie wurde in schwarz und in grau produziert, wobei die graue Ausführung etwas seltener ist.

Von der Rolleiflex sind Modell mit und solche ohne Selen-Belichtungsmesser bekannt. Das hier vorgestellte "T"-Modell besitzt keinen Belichtungsmesser, was einen zusätzlichen Handbelichtungsmesser erforderlich macht. Diese Lösung mag für manchen Anwender kompliziert erscheinen, ist es in Wirklichkeit aber gar nicht so sehr, lässt aber auf der anderen Seite einen deutlich höheren Grad an Flexibilität zu, als eine Kamera mit eingebauten Belichtungsmesser je bieten kann. Oder ist Ihnen - falls Sie wissen, was ich meine - schon je eine Kamera begegnet, die statt der Objekt- eine Lichtmessung durchführen kann? Eben ... Für alle anderen: Es macht durchaus einen Unterschied, ob sie den Belichtungsmesser (einer Kamera beispielsweise) auf eine Braut mit weissem Brautkleid richten oder auf einen Bräutigam im schwarzen Frack; die Messwerte werden sich gewaltig unterscheiden. Eine - oder die Beste? - Lösung aus diesem Dilemma ist eben die Lichtmessung, dh. es wird die Lichtmenge gemessen, die aufs Objekt trifft und nicht die, die vom Objekt reflektiert wird. Aber das soll(te) hier ja eigentlich nicht das Thema sein ...

Auch wenn das Fotografieren mit einem Schachtsucher, wie die Rolleiflex ihn seit ihren Anfängen besitzt, etwas gewöhnungsbedürftig ist, ist die Übersicht in demselben bei der Bildgestaltung ein grosser Vorteil. Die ausklappbare Sucherlupe hilft dabei ungemein, den Fokus richtig zu setzen und das Bild bis in alle Details zu komponieren. Gerade durch den Lichtschachtsucher und der entsprechend tiefen Kameraposition gelingen immer wieder Bilder aus (heute) ungewohnter Perspektive, die alleine dadurch einen besonderen Charme besitzen und sie mitunter auch unverwechselbar machen.

Dass die Kamera wegen ihrem rein mechanischen Aufbau auch unter den widrigsten Bedingungen eingesetzt werden kann, sei am Rande ebenso erwähnt, wie die exzellenten Abbildungseigenschaften des verwendeten einfachen Objektivs.

Technik

Die folgenden technischen Angaben sollen nur einen groben Eindruck von der Kamera vermitteln und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

Kameratyp: zweiäugige Spiegelreflexkamera (TLR)
 
Sucher: Schachtsucher
 
Objektive: fest eingebaut
 
Brennweite: 75mm
 
Lichtstärke: Aufnahmeobjektiv: 3.5, Sucherobjektiv: 2.8
 
Autofokus: nein
 
Verschluss: Synchro-Compur Zentralverschluss
 
Filmformat: Rollfilm, 6x6cm
 
Filmtransport: Schnellspannkurbel und Rückspulknopf
 
Verschlusszeiten: 1 bis 1/500 Sekunde
 
Empfindlichkeit: ISO/ASA 8 bis 800
 
Automatik: nein
 
Selbstauslöser: nein
 
Serienbilder: nein
 
Wertanzeige: keine
 
Blitzsynchronisation: ja, X, V und M, Blitzbuchse
 
Eingebauter Blitz: nein
 
Grösse, Gewicht: 100x148x96mm, 995g

Eigene Erfahrungen

Meine erste Rolleiflex "T" kaufte ich mir etwa im Jahr 1988 für einen vergleichsweise hohen Preis, verglichen mit den heutigen Angeboten. Es entstanden damit viele interessante Bilder, ausschliesslich in schwarzweiss, die zum Teil auch noch selber entwickelt wurden. Mangels eigenem 6x6-Vergrösserer (naja, der alte Durst von damals hätte zwar 6x6 gekonnt, aber das entsprechende Objektiv und die Bühne fehlte ...) entstanden daraus aber nur sehr wenige Abzüge. Wegen nachlassendem Interesse verkaufte ich diese Rolleiflex "T" aber wieder an einen Kameramann von TeleBasel, der heute beim Schweizer Fernsehen tätig ist.

Rund zehn Jahre später leistete ich mir exakt dieselbe Kamera wieder, eine Rolleiflex "T" (gemäss Seriennummer) aus dem Jahr 1962. Ich habe damit dann wieder einige Schwarzweissfilme belichtet und mich sehr ob der guten Qualität der Bilder gefreut, die im teuren Fachlabor abgezogen wurden.

Auch wenn es mich heute immer mal wieder reizen würde, mit dieser Kamera los zu ziehen, ist mir der Spass einfach zu teuer geworden; CHF 5.- für einen 13x13cm-Abzug war schon vor Jahren extrem grenzwertig, was es heute kosten würde, will ich ehrlich geschrieben gar nicht wissen ... Geblieben ist mir aus dieser Zeit die Vorliebe für das quadratische Bildformat, welches ich nun oft und gerne auch bei meinen digitalen Bildern verwende, 13x13cm für CHF -.65 oder so.

Heute ist eine Rolleiflex wieder zu erträgliche Preisen zu erstehen, weshalb sie für den ambitionierten Amateur mit eigenem Labor unbedingt eine Überlegung wert sein sollte, nicht nur als Sammlerstück. Sie funktioniert - im Gegensatz zu so manchem Anwender gleichen Alters ... - in aller Regel immer noch wunderbar und die optische Qualität der verbauten Objektive ist geradezu sprichwörtlich. Auch wenn ich heute nicht mehr damit fotografiere freue ich mich jedes Mal, wenn ich diese Kamera wieder in die Hand nehme.



Zurück zur Kamera-Seite



 :
 
 
 
Alle Rechte © Guido Studer, Basel - Letzte Änderung: 12.03.2008