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Der Rückschwingspiegel des Kristall 2 Prototypen

Eine der frühestens Kameras von KMZ mit Rückschwingspiegel (auch Rückkehrspiegel genannt) ist einer der Kristall 2 Prototypen, der 1960 entstanden ist. Die folgende Seite versucht, die Funktion dieser Mechanik zu beschreiben und mit entsprechenden Bildern als Animation zu veranschaulichen. Vorab aber ein Blick auf die Geschichte des Rückschwingspiegels. Alle Bilder und die markierten Textteile stammen von Milos Mladek aus Wien.


Prototyp Kristall 2 von KMZ (1960)
Prototyp Kristall 2 (1960)

Was ist ein Rückschwingspiegel?

Eine umfassende und historisch wohl begründete Antwort auf diese Frage lieferte mir M. Mladek zusammen mit den anschaulichen Bildern, nachdem ich mich selber mit der Formulierung etwas schwer getan habe:


Kine-Exakta (1936)


Praktiflex (1939)


Duflex (1949)

"Bei einer Spiegelreflexkamera muss der Reflexspiegel, der die Bildbetrachtung durchs Aufnahmeobjektiv erlaubt, vor dem Verschlussablauf aus dem Strahlengang geklappt werden, um dem Licht den Weg zum Film (bzw. Sensor) freizugeben. Dabei verdunkelt sich der Sucher und der hochgeklappte Reflexspiegel dichtet das Kamerainnere gegen Lichteinfall über den Sucher ab.

Bei den frühen Konstruktionen (etwa der Ihagee "Kine-Exakta" von 1936, Konstrukteur Karl Nüchterlein) blieb das Sucherbild anschliessend dunkel und wurde erst beim Absenken des Spiegels während des Verschlussspannens/Filmtransports wieder sichtbar. So konnte man zwar stets sofort erkennen, ob die Kamera aufnahmebereit war, andererseits sind aber die Vorteile einer möglichst kurzen Dunkelpause derart einleuchtend, dass bereits die "Praktiflex" der Firma Kamerawerkstätten Dresden (KW, Konstrukteur A. Hoheisel) des Jahres 1939 einen Reflexspiegel bekam, der sich beim Nachlassen des Fingerdrucks auf den Auslöser wieder in den Strahlengang absenkte, was einerseits zwar ein konstruktiver Rückgriff auf die grossen Platten-Spiegelreflexkameras der 1920er Jahre war, andererseits aber einem Rückkehrspiegel im heutigen Sinn bereits sehr nahe kam.

Der erste Rückschwingspiegel im heutigen Sinn, bei dem das Hochklappen des Reflexspiegels durch die Kraft einer vorgespannten Feder erfolgt und der Spiegel nach dem Verschlussablauf augenblicklich wieder durch Federkraft angetrieben in die Ausgangsstellung zurückkehrt, wurde in der "Duflex" der Gamma-Werke Budapest verwirklicht (1949, Konstrukteur Jenö Dulovits). Kurz später verwirklichten die Japaner mit dem Modell Asahiflex IIb (1954) eine ähnliche Spiegelkonstruktion. Allgemein üblich wurde der moderne Rückschwingspiegel aber erst später, etwa bei Zeiss Ikon mit der "Contarex" (1960, Konstrukteur E. Sauer), bei der Exakta mit dem Modell VX 100 (1967) und bei Hasselblad mit dem Modell 2000 FC (1977).

Die sowjetische Kameraindustrie stellt ihre Reflexkameras relativ spät auf Rückschwingspiegel um und die Kristall 2 ist einer der frühesten Prototypen davon. Dem modernen Benutzer einer digitalen Spiegelreflexkamera mag der Rückkehrspiegel eine Selbstverständlichkeit sein - er war das aber lange Zeit durchaus nicht."

Die Funktion

Der Rückschwingspiegel der Kristall 2 ist technisch einfach, aber trotzdem sehr effizient gelöst. M. Mladek schreibt dazu im Buch Zenit - Die Geschichte der russischen Spiegelreflex-Prismensucherkamera mit M39-Objektivanschluss von Alexander Schulz (Seite 63ff):

"Herzstück dieser Konstruktion ist ein etwa 250 Grad runder Blechzylinder (Teil 3), der den Spiegel (Teil 1) anhebt. Letzterer ist federbelastet und kehrt von selbst in die abgesenkte Stellung zurück, sobald er nicht mehr durch den sich drehenden Zylinder angehoben wird.
Beim Spannen des Verschlusses
(ab Bild 2) wird der Finger, der über eine Übersetzung später den Spiegel anhebt, zunächst durch eine entsprechende den Finger nach unten weisende Abschrägung unter den Zylinder gedrückt. Dieser dreht sich über ihm um 360 Grad, wobei der Finger auf den letzten etwa 110 Grad minimal nach oben schnappt (weil er nicht mehr an der Unterseite des Zylinders schleift, denn der Zylinder ist ja nur etwa 250 Grad gebogen, er beschreibt also etwa einen Dreiviertelkreis, keinen vollen Kreis). Schliesslich gleicht der Zustand vollkommen dem Ausgangszustand (Bild 10), allerdings mit dem Unterschied, dass der Mechanismus gespannt ist und der Zylinder sich nun durch die Federkraft um 360 Grad zurückdrehen könnte. Beim Auslösen (Bild 11) geschieht dies auch, wobei jetzt der Finger auf eine anders geformte Nase an der anderen Kante des Drehzylinders trifft, die ihn nach oben drückt, wobei über die erwähnte Übersetzung der Spiegel angehoben wird (ab Bild 12). Wenn der Zylinder fast das Ende seiner Drehbewegung von 360 Grad in umgekehrter Richtung zurückgelegt hat, endet der Zylinder und der Finger rutscht nach unten, wodurch der Spiegel abgesenkt wird (Bild 19)."

Die folgende Bildersequenz zeigt die Funktion des Rückschwingspiegels und die damit verbundene Mechanik. Wenn Sie mit der Maus rechts auf eine der Nummern fahren, wird das entsprechende Bild in der Sequenz angezeigt. Positionieren Sie die Maus auf dem Bild, läuft die ganze Sequenz im Sekundentakt automatisch durch. Für das ordentliche Funktionieren muss in Ihrem Browser JavaScript erlaubt sein.



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Ablauf

Startposition, Verschluss abgelaufen (Bild 1)
Verschlussaufzug beginnt, gleichzeitig wird der Spiegelmechanismus gespannt (ab Bild 2)
Verschluss und Spiegelmechanismus gespannt (Bild 10)
Auslöser gedrückt (Bild 11)
Steuerscheibe dreht sich zurück, Spiegel wird angehoben und der Verschluss öffnet sich (ab Bild 12)
Verschluss ist wieder geschlossen und der Spiegel zurück in der Ausgangsposition (Bild 19)

Bestandteile

Die hauptsächlichen Bestandteile, die sich in den obigen Bildern bewegen, sind hier aufgelistet:

  1. Spiegel, bereits halb hochgeklappt
  2. Verschlussvorhang, hier beim Öffnen
  3. sich drehende Steuerscheibe, oben auch als Blechzylinder bezeichnet
  4. Spiegelhebemechanik
Die Abbildung rechts entspricht dem Bild 12 in der obigen Sequenz, wurde also in dem Moment aufgenommen, als der Spiegel nach dem Auslösen gehoben und der Verschluss gerade geöffnet wird.

Weitere Informationen

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Dank

Ganz herzlich möchte ich mich bei Milos Mladek bedanken, der mit seinen Bildern und den kenntnisreichen Texten diese kleine Dokumentation erst möglich gemacht hat.



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13.08.2007, letzter Update: 16.09.2007



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Alle Rechte © Guido Studer, Basel - Letzte Änderung: 08.04.2008