Homepage http://www.guido-studer.ch/
 
           
 
Foto:            
 
 

Erfahrungsbericht Canon EOS 5D Mark II

Drei Jahre nach der Vorstellung der ersten bezahlbaren digitalen Spiegelreflexkamera mit Vollformatsensor stelle Canon den Nachfolger Canon EOS 5D Mark II vor. In einer Einleitung berichte ich über die Vorstellung der Canon EOS 5D Mark II, danach geht es um die Technik, um die Praxis, um den Vergleich mit den Vorgängern und die eigenen Erfahrungen während den ersten Monaten und nach einem Jahr. Zuletzt werden noch Links zu weiteren Informationen dargeboten.



"Destined Evolution"

Am 22. August 2005 stelle Canon offiziell eine neue Generation von digitalen Spiegelreflexkameras mit Vollformatsensor vor, die Canon EOS 5D. Einen entsprechenden Erfahrungsbericht habe ich damals als Vorschau begonnen und über die Jahre weitergeführt, nachdem ich diese Kamera auch selbst im Einsatz hatte.

Als im Herbst 2008 (genauer gesagt am 28. August) anlässlich der bevorstehenden Photokina 2008 ua. die neue Canon EOS 50D vorgestellt wurde und man nichts von einem zuvor bereits vermuteten Nachfolger der Canon EOS 5D vernahm, waren wohl einige aufmerksame Beobachter der Szene leicht irritiert. Ich nebenbei ebenso.

Keine zehn Tage später erschienen jedoch Anzeigen auf den Servern von Canon, die von einer "Destined Evolution" berichteteten und alle paar Tage etwas heller wurden. Am 17. September 2008 lüftete Canon dann den Vorhang und stellte den 5D-Nachfolger unter dem Namen Canon EOS 5D Mark II vor.

Werbung für die kommende Vorstellung der Canon EOS 5D Mark II

Ab Anfang September 2008 kündeten seltsame Bilder von kommenden Ereignissen

Natürlich wurde in Online-Foren im Vorfeld wieder viel über den Nachfolger der Canon EOS 5D spekuliert, wobei auch die Namensgebung lange Zeit recht umstritten war. Die Erweiterungen à la "Mark II", wie sie bei den grösseren EOS-Modellen (1D und 1Ds) seit 2004 gebräuchlich wurden, lag zwar auf der Hand, wurde aber nicht von allen Spekulanten geteilt. Unter anderem wurde auch von einer Canon EOS 3D oder 6D gesprochen, was selbstredend nicht ganz abwegig gewesen wäre, besonders eine 3D hätte immerhin dem aktuellen Spitzenmodell von Nikon, der D3, Paroli geboten.

Das jüngste Mitglied der Familie

Erstaunlicherweise greift die Auflösung des Sensors der Canon EOS 5D Mark II das aktuelle Spitzenmodell von Canon direkt an, die Canon EOS 1Ds Mark III, die ebenfalls über einen Sensor mit 21 Megapixeln verfügt. Zusammen mit den anderen neuen Fähigkeiten übertrifft die 5D Mark II das erst 2007 erschienene Modell III der 1Ds sogar, zumindest in einigen wenigen Bereichen.

Auch mit den fast 4 Bildern/Sekunde (genau 3.9 fps) liegt die Canon EOS 5D Mark II nur knapp hinter der Canon EOS 1Ds Mark III, die 5 Bilder/Sekunde schafft. Die 5D Mark II speichert aber 78 Bilder bei voller Auflösung ohne Unterbruch nacheinander (310 mit einer UDMA-Karte), während es bei der 1Ds Mark III lediglich 56 Bilder sind, jeweils in JPEG/fine-Auflösung. Gut, das will nicht wirklich viel heissen - wer schiesst schon über 50 Bilder in Folge?! -, aber ein deutliches Indiz für die effizienteren inneren Werte ist es allemal.

Eine andere Verbesserung ist bestimmt auch die deutlich höhere Empfindlichkeit des Sensors, die drei Blenden mehr beträgt, als bei allen derzeit aktuellen grösseren Modellen von Canon, mit Ausnahme der Canon EOS 50D, gegenüber der die 5D Mark II lediglich eine Blende mehr herausgeschlagen kann. Konkret deckt die Canon EOS 5D Mark II Empfindlichkeiten zwischen 50 und 25600 ISO/ASA ab, während die Canon EOS 1Ds Mark III nur 50 bis 3200 ISO/ASA unterstützt. Die ersten Testbilder der Canon EOS 5D Mark II lassen dabei vergleichsweise gute Abbildungsleistungen auch bei den höchsten Empfindlichkeiten vermuten.

Canon EOS 5D Mark II mit Hochformatgriff Canon BG-E6 und Canon EF 50mm/1.4 USM

Wie die grösseren 1D-Modelle ist die Canon EOS 5D Mark II nun auch gegen Umwelteinflüsse besser geschützt, sprich gegen Spritzwasser beispielsweise. Besonders hervorzuheben ist neben der in dieser Klasse bereits etablierten Live View-Funktion, dem sich ebenfalls langsam durchsetzenden Sensor-Reiniger und die neue Video-Funktion, die die Aufnahme von Video-Sequenzen im HD-Format erlaubt.

Die obigen Vergleiche sind natürlich etwas unfair, vergleichen wir doch die Canon EOS 5D Mark II mit dem aktuellen Spitzenmodell von Canon. Dieses ist gut dreimal so teuer und besitzt noch weitere Vorteile. Natürlich ist zu erwarten, dass auch die Canon EOS 1Ds Mark III bald durch eine neue Version abgelöst werden wird, um ihre Position erfolgreich zu verteidigen.

Selbstverständlich sind die letzten Ankündigungen von Canon, also die Canon EOS 50D und nun auch die Canon 5D Mark II, durchaus auch im Zusammenhang des grösser werdenden Konkurrenzdrucks zu sehen. Nikon konnte mit seiner D3 und der D700 in den letzten Monaten einigen Boden gut machen und legt nun aktuell auch noch mit der D3X nach, und nun hat Sony eben erst die A900 mit Vollformatsensor und einer Auflösung von 25 Megapixeln angekündigt.

Ein grosser Aufschrei ging durch die "Gemeinde", als neben hellen Lichtern auf einigen Bildern schwarze Punkte entdeckt wurden. Eher zufällig habe ich dies ebenfalls fotografisch festgehalten, während meinen ersten Tests:

Originalbild aus der Kamera   Schwarze Punkte rechts neben hellen Punktlichtquellen, aufgenommen mit der Firmware 1.0.6

Stark vergrösserter Ausschnitt der Weihnachtsbaumbeleuchtung (rechts) aus dem Originalbild (links)

Wie ich festgestellt habe ist diese Erscheinung auf Punktlichtquellen in einer bestimmten Grösse beschränkt, so dass ich es nicht schaffte, solche Bilder absichtlich zu produzieren. Zudem ist dieses Thema seit Mitte Januar 2009 sowieso erledigt, da Canon inzwischen eine neue Firmware-Version 1.0.7 herausgebracht hat, die dieses Problem komplett beseitigt.

Technische Daten

Die technischen Daten der Canon EOS 5D Mark II dürften gemeinhin bekannt sein, weshalb ich sie hier nicht nocheinmal komplett wiederhole. Die folgende Aufstellung vergleicht deshalb nur die wichtigsten technischen Daten der Canon EOS 5D mit denen der Canon EOS 5D Mark II, wobei lediglich die Punkte aufgeführt sind, die sich unterscheiden:

    Canon EOS 5D
  Canon EOS 5D Mark II
     
  Sensor: 35.8 x 23.9 mm (855 mm2)   36 x 24 mm (864 mm2)
  Auflösung: 4368 x 2912 Pixel
12.8 Megapixel
  5616 x 3744 Pixel
21.1 Megapixel
  Pixeldichte: 1.5 Megapixel/cm2   2.4 Megapixel/cm2
  Emfindlichkeit: ISO/ASA 50-3200   ISO/ASA 50-25600
  Datenbreite: 12 Bit/Farbkanal   14 Bit/Farbkanal
  Geschwindigkeit: 3 Bilder/Sekunde   3.9 Bilder/Sekunde
  Bildspeicher: 60 x JPEG, 17 x RAW   78 (bzw. 310) x JPEG, 13 x RAW
  Aufnahmemodi: Vollautomatik
Programmautomatik (P)
Blendenautomatik (Tv)
Zeitautomatik (Av)
Manuell (M)
Langzeit (B)
Benutzer (C)
  Vollautomatik
Kreativautomatik (CA)
Programmautomatik (P)
Blendenautomatik (Tv)
Zeitautomatik (Av)
Manuell (M)
Langzeit (B)
Benutzer 1 (C1)
Benutzer 2 (C2)
Benutzer 3 (C3)
  Bildbearbeitung: Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung   Tonwertpriorität
Belichtungsoptimierung
Hoch-ISO-Rauschunterdrückung

Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung
  AF-Korrektur: nein   ja, generell und für 20 Objektive
  Live View: nein   ja, mit AF
  Videoaufzeichnung: nein   ja, HD-Video im Quicktime-Format
  IR-Fernauslöser: nein   ja
  Sensorreiniger: nein   ja
  LCD-Monitor: 2.5" mit 230000 Pixeln   3" mit 920000 Pixeln,
automatische Helligkeitsregelung
  Computeranbindung: USB 2 mit 2.5 MB/s   USB 2 mit 16 MB/s
  Grösse (BxHxT): 152 x 113 x 75 mm   152 x 114 x 75 mm
  Gewicht (netto): 810 g   810 g
  Listenpreis
bei Erscheinen:
CHF 5100.-   CHF 4100.-
  Akku-Typ: BP-511 und Nachfolger   LP-E6
  Hochformatgriff: BG-E4   BG-E6

Diese Aufstellung stützt sich auf die von Canon veröffentlichen Angaben und das Handbuch natürlich.

In der Praxis

Selbstverständlich fühlt sich die Canon EOS 5D Mark II wie alle DSLR-Modelle der oberen Mittelklasse von Canon erstmal sehr gut an, wie eine "richtige" Kamera halt. In den äusserlichen Merkmalen unterscheidet sie sich kaum von ihrer Vorgängerin, der originalen Canon EOS 5D. Etwas eckiger kommt sie daher, was beim direkten Vergleich erst auffällt, wie auch das etwas griffigere Gehäuse. Im Detail finden sich weitere Unterschiede, manche positiv, manche aber auch durchaus negativ, nach meinem Empfinden jedenfalls.

Im Folgenden ein paar Punkte, die mir besonders erwähnenswert erscheinen:

Knöpfchenspiele

Bedingt durch den deutlich grösseren Bildschirm an der Kamerarückseite wurden auch einige Tasten umplatziert, was wohl unvermeidbar war. Leider rutschte dabei die Wiedergabetaste etwas gar weit hoch, so dass nun die Löschtaste an der Stelle ganz unten links neben dem Bildschirm zu liegen kommt, wo vorher die Wiedergabetaste zu finden war. Sehr unpraktisch, wenn man es gewohnt ist, dort das eben gemachte Bild anzuzeigen (ich halte nichts von der automatischen Rückschau der gemachten Bilder, da ich sie üblicherweise nicht brauche und diese deshalb grundsätzlich abgeschaltet habe). Immerhin kann auch die Set-Taste als Rückschautaste konfiguriert werden, was diesen Missstand etwas abmindert. Leider funktioniert damit dann das Beenden der Wiedergabe nicht wie bei der dedizierten Taste, dh. die Rückschau muss zB. über den Auslöser ausgeschaltet werden.

Eine weitere Taste, die meines Erachtens grundlos verschoben wurde, ist die Taste für die Beleuchtung des Displays an der Kameraoberseite. Es ist mir schlicht unerklärlich, wie man auf die Idee kommen konnte, diese Taste umzuplatzieren, ist sie doch schon seit den frühesten Digitalkameramodellen von Canon genau dort, wo sie meines Erachtens auch sehr gut zu erreichen ist, gerade im Dunkeln, nämlich direkt rechts vom Prisma. Jetzt ist das Knöpfchen ganz weit nach rechts gewandert, auf die Höhe des Auslösers.

Canon EOS 5D Mark II, Ansicht der Oberseite

Ebenso verständnislos muss ich erneut auf die geänderte Tastenbelegung verweisen, die bereits mit der Canon EOS 40D in der "kleineren" Serie eingeführt wurde. Ich habe nebenbei darauf schon in meinem Erfahrungsbericht zur Canon EOS 40D hingewiesen. Es geht für mich dabei besonders um die Empfindlichkeitswahl, an der ich viel und gerne drehe, gerade bei Reportagen und ständig wechselnden Umgebungslichtbedingungen. Da ist die Umstellung im Bedienungskonzept durchaus hinderlich und - wiederum meiner Ansicht nach - völlig unnötig.

Eine wirklich sinnvolle Zweitnutzung hat nun auch die von mir schon öfters bemängelte Drucker-Taste oben links vom Sucher gefunden: Damit lässt sich Live View und damit auch die Video-Funktion schnell aktivieren. Dank der Platzierung dieser Taste ist ein versehentliches Betätigen recht unwahrscheinlich.

Sehr sinnvoll und praktisch ist auch die Vergrösserung der Abblendtaste, die jetzt griffiger und besser zu erreichen ist, als beim Vorgänger. Dieser war diesbezüglich aber schon etwas besser konzipiert, als bei den kleineren Modellen, wo ich die Abblendtaste jeweils immer lange suchen musste, mit den Fingern.

Die weiteren Änderungen in der Bedienung sind eher subtil und stören weniger.

Mehr Durchblick

Besonders auffällig im Vergleich mit der "alten" Canon EOS 5D ist sicher der etwas grössere und mit deutlich besserer Auflösung daherkommende Bildschirm an der Kamerarückseite. Hübsch ist dabei, dass sich die Helligkeit der Anzeige je nach dem Umgebungslicht anpasst. Natürlich ist er dadurch bei Sonnenlicht immer noch nicht wirklich gut ablesbar, aber gerade bei dunkleren Lichtverhältnissen ist es durchaus von Vorteil, wenn der Bildschirm nicht gar so hell leuchtet.

Ebenfalls vergrössert wurde der LCD-Display rechts neben dem Prisma auf der Kameraoberseite. Es werden nun mehr Informationen angezeigt, ua. zB. die Empfindlichkeitseinstellung bis ISO/ASA 6400, höhere Empfindlichkeiten werden als H1 (für ISO/ASA 12800) bzw. H2 (für ISO/ASA 25600) ausgewiesen. Etwas gar dunkel ist aber die Beleuchtung des LCD, wie ich spontan fand. Allerdings ist sie im direkten Vergleich zu dem der "alten" Canon EOS 5D nicht so extrem viel dunkler.

Canon EOS 5D Mark II, Ansicht der Rückseite

Ein anderer Durchblickfaktor ist der bereits traditionell gute Sucher der 5D, der bei der Mark II-Version noch ein kleinwenig verbessert wurde. Nicht dass der Unterschied wirklich sichtbar wäre, im praktischen Einsatz.

Noch eine Anmerkung zu den im Sucher angezeigten Informationen: Endlich wird hier auch die eingestellte Empfindlichkeit ausgewiesen. Andererseits ist die Anzeige recht klein und damit nicht sonderlich gut abzulesen. Aber ich komme damit gut klar, im Gegensatz zu Anderen vielleicht.

Eine weitere Neuerung hat die "Info"-Taste im Aufnahmemodus erfahren. Während früher nur die Anzeige von einer Seite mit vitalen Systemeinstellungen verfügbar war, ist jetzt über einen zweiten Druck dieser Taste eine weitere Seite erreichbar, die alle Informationen vom LCD-Display an der Kameraoberseite wiederholt. Das ist besonders bei Nacht- oder Stativ-Aufnahmen sehr praktisch.

Auflösungsfragen

Die Canon EOS 5D Mark II besitzt knapp 40% mehr Auflösung als ihre Vorgängerin. Das bedeutet einerseits, dass Details noch besser aufgelöst werden können, entsprechende Objektive vorausgesetzt, andererseits werden die resultierenden Bilddateien auch deutlich grösser.

Mit 21.0 Megapixeln spielt die Canon EOS 5D Mark II in der Liga der höchstauflösenden Spiegelreflexkameras beim derzeitigen Stand der Technik (im aktuellen Vergleich: Canon EOS 1Ds Mark III = 21.1 MP, Nikon D3x = 24.5 MP, Sony A900 = 24.6 MP). Dass lange nicht alle Objektive diese Auflösung auch wirklich ausnützen können, halte ich für auf der Hand liegend, da diesbezügliche Probleme bereits bei Kameras mit deutlich kleinerer Auflösung deutlich sichtbar wurden, bei näherer Betrachtung in 100%-Ansicht. Selbst beste Objektive sind durch solche Sensorauflösungen in den Randbereichen hart gefordert oder gelegentlich auch überfordert.

Die anfallenden Datenmengen sind ebenfalls beachtlich, besonders bei Bildern mit hohen ISO/ASA-Werten und/oder im RAW-Format. Während Ersteres noch der höheren Auflösung und - deaktivierter Rauschunterdrückung vorausgesetzt - der höheren Empfindlichkeit geschuldet ist, schlägt bei Zweiterem auch noch die erhöhte Datenbreite (14 vs. 12 Bit/Farbkanal) zu Buche, trotz der verlustfreien Komprimierung der rohen Bilddaten (RAW, bzw. CR2 bei aktuellen Canon-Kameras).

Bezogen auf die kleineren Pixel und einem vorausgesetzten "idealen" Objektiv ist die Canon EOS 5D Mark II auch anfälliger auf das Verwackeln von Bildern, als beispielsweise ihre Vorgängerin Canon EOS 5D. Dies hat mit der Definition von Schärfe und Dingen wie dem Zerstreuungskreis usw. zu tun. Nicht dass dieser Faktor überzubewerten wäre, aber manche Faustformel könnte dadurch doch leicht ins Wanken geraten. Statt 1 geteilt durch Brennweite sei die maximale Belichtungszeit für Aufnahmen aus der Hand würde ich neu 1 geteilt durch die Brennweite multipliziert mit 2 als maximale Belichtungszeit vorschlagen.

Empfindlichkeiten

Für mich das wohl wichtigste Argument für die Canon EOS 5D Mark II ist die extrem gesteigerte Empfindlichkeit von bis zu ISO/ASA 25600, was gegenüber den ISO/ASA 3200 der Vorgängerin immerhin drei Blendenstufen Gewinn ausmacht.

Nach meinem derzeitigen Erkenntnisstand - ohne detailierte Tests diesbezüglich - dürfte das Rauschen bei ISO/ASA 6400 mit der Canon EOS 5D Mark II etwa dem entsprechen, was die Canon EOS 5D bei ISO/ASA 3200 zu leisten vermag (jeweils bei Standardeinstellungen). Durch die entsprechend konfigurierte Rauschunterdrückung lassen sich die Resultate aber noch verbessern, auch wenn dadurch etwas Detailzeichnung vorloren geht. Wunder dürfen selbst mit heutiger Technik also nicht erwartet werden.

Autofokus

Bei aller Freude über die deutlich erhöhte Empfindlichkeit gegenüber den Vorgängern darf nicht vergessen werden, dass auch der Autofokus (AF) mit diesen Empfindlichkeiten mithalten sollte. In der Praxis tut er dies - leider! - nicht, wie die Erfahrung zeigt. Unabhängig vom verwendeten Objektiv - also auch mit dem lichtstarken Canon EF 50mm/1.4 USM - ist eine schnelle Autofokus-Erkennung gelegentlich erst nach mehreren Sekunden und Versuchen möglich.

Die Autofokus-Einheit ist offensichtlich bei beiden 5D-Modellen weitgehend identisch, gehört aber auch nicht zum Besten, was Canon je produziert hat. Ich war/bin damit aber einigermassen zufrieden, auch wenn ich fast ausschliesslich den zentralen Fokussensor verwende, oder gerade deshalb.

Live View

In den aktuellen DSLR-Versionen von Canon, also bei der Canon EOS 450D, der 40D/50D, der 1D(s) Mark III und nun auch bei der Canon EOS 5D Mark II, wurde die Möglichkeit implementiert, ein Live-Bild auf dem Bildschirm der Kamera oder auf einem angeschlossenen Computer anzuzeigen. Ich habe dazu auch schon einiges in meinem Erfahrungsbericht zur Canon EOS 40D geschrieben, möchte an dieser Stelle nur nocheinmal wiederholen, dass es besonders im Makrobetrieb eine hervorragende Methode zur Bildkomposition und -kontrolle ist. Ich habe dabei gute Erfahrungen mit dem Canon EF 100mm/2.8 USM Makro-Objektiv gemacht, welches an der 40D allerdings eine etwas gar lange Brennweite besitzt, für den Studiobetrieb (das Studio ist gelegentlich fast zu klein, wenn etwas grössere Gegenstände abgebildet werden sollen). Mit der 5D sind die 100mm Brennweite geradezu ideal, zudem leuchtet besagtes Objektiv ja auch Vollformat problemlos aus.

Neu hinzu gekommen ist bei der Canon EOS 5D Mark II der kontrastbasierende Autofokus, der nun nicht mehr das Umklappen des Spiegels für den AF-Einsatz erfordert, wie noch bei der Canon EOS 40D beispielsweise. Auch wenn diese AF-Methode vergleichsweise langsam funktioniert, ist sie doch eine deutliche Erleichterung und hilft bei dem zügigen Einrichten, welche nachträglich noch durch manuelle Übersteuerung korrigiert werden kann, beispielsweise vom angeschlossenen Computer aus.

Selbstverständlich ist die Live View-Funktion ein nur bedingt taugliches Mittel der Fotografie mit einer Spiegelreflexkamera, zumal bei Canon die Bildschirme fest eingebaut und damit nicht ausklapp- oder schwenkbar sind. Ein Winkelsucher oder ein externer Bildschirm à la ZigView dürften also weiterhin ein sinnvolles Zubehör bleiben, Live View hin oder her.

Video-Funktion

Ganz neu bietet die Canon EOS 5D Mark II auch die Möglichkeit, Videos aufzuzeichnen. Diese werden im Quicktime-Format (MOV) abgespeichert und können bis zu einer Dateigrösse von 4 Gigabytes gross werden, was je nach Auflösung etwa 12 Minuten bei bester Auflösung entspricht. Es werden dabei 30 Bilder/Sekunde aufgezeichnet. Als Auflösung für die Video-Funktion werden 1920 x 1080 Pixel (16:9) in der besten Auflösung angegeben, und 640 x 480 Pixel (4:3) in der Standardauflösung. Bei ersterer sind 12 Minuten, bei letzterer 24 Minuten Aufnahmekapazität möglich (38.6 Mbits/Sekunde bzw. 17.3 Mbits/Sekunde).

Inzwischen sind äusserst euphorische Berichte über diese Video-Funktion publiziert worden, es wurde gar über eine Revolution in der Videosparte berichtet. Ganz so überzeugt bin ich von dieser Entwicklung nicht, sondern halte das immer noch für ein nicht wirklich nötiges Feature für eine digitale Spiegelreflexkamera. Auf der anderen Seite ist die Möglichkeit natürlich verlockend, all die guten EF-Objektive nicht nur für Bilder, sondern auch für Filme zu nutzen, mit allen Vorteilen (und natürlich auch Nachteilen, wie unschwer vermutet werden darf).

Mit dem Video wird auch eine Tonspur aufgezeichnet, die PCM-kodiert ist. Die Kamera besitzt dazu ein eingebautes Mikrofon, das gleich unterhalb dem Logo "EOS 5D" zu finden ist. Es existiert aber auch ein Mikrofoneingang, über den ein externes Stereo-Mikrofon angeschlossen werden kann.

Mehr als ärgerlich ist in der Praxis aber, dass es auf dem Programmwahlrad keine Einstellung für Videoaufnahmen gibt und diese Funktionalität über den Live View-Modus gestartet werden muss. Die Aufnahme wird dabei über die Set-Taste im Zentrum des Daumenrades auf der Kamerarückseite gestartet und beendet, nicht etwa über den Auslöser. Dafür kann der Auslöser für zwischenzeitliche Fotos auch während Videoaufnahmen verwendet werden, wobei dies ein Unterbruch im Video von mehr als einer Sekunde zur Folge hat. Alternativ kann die Video-Aufnahme übrigens auch über einen IR-Auslöser gestartet und beendet werden, was in gewissen Situationen durchaus sinnvoll sein kann.

Zusammengefasst muss die Video-Funktion der Canon EOS 5D Mark II als lauwarmer Kompromiss bezeichnet werden, weder Fisch noch Fleisch. Immerhin ist die 5D Mark II die erste digitale Spiegelreflexkamera mit Vollformatsensor, die eine Videoaufzeichnung überhaupt zulässt. Die Konkurrenz hat dies derzeit mit der Nikon D90 zwar ebenfalls im Angebot, aber nur mit dem kleineren APS-C-Sensor. Es ist aber zu vermuten, dass demnächst weitere Kameras auf den Markt kommen, die ähnliche Features unterstützen werden.

Sinnvoll verwendet kann die Video-Funktion wohl nur mit einem Stativ, ausgenommen vielleicht bei extremen Weitwinkelaufnahmen (17mm sind da wohl keine sinnvolle Untergrenze, aber damit klappt es punkto Gewackel schon recht gut). Ein riesiges Problem dabei ist die Fokussierung, die kaum automatisch erfolgen kann. Pro Video-Sequenz muss also sinnvollerweise eine Fokussierung vorgegeben werden, vorzugsweise manuell. Als unabdingbares Zubehör sei an dieser Stelle ein externer Monitor empfohlen, da der Bildschirm der Canon EOS 5D Mark II ja nicht sehr beweglich ist. Als Auslöser dürfte in diesem Zusammenhang nur die IR-Steuerung in Frage kommen, auch wenn damit nur eine einigermassen zeitnahe Auslösung möglich ist.

Sensorreiniger

Wie bei allen aktuellen digitalen Spiegelreflexkameras von Canon wurde auch die Canon EOS 5D Mark II um eine Einheit zur Entfernung von Schmutz vom Sensor erweitert. Da ich von diesen Einrichtungen nur wenig halte und den Sensor bei Bedarf lieber mit Reinigungsflüssigkeit sauber halte, will ich dazu keine Stellung nehmen. Diese Sensorreinigungsmechanismen werden von mir jedenfalls immer ausgeschaltet und kommen nur bei manueller Anwahl zum Einsatz, wenn überhaupt.

Persönliche Einstellungen

Während die Canon EOS 5D nur über eine Custom-Einstellung verfügte, besitzt die 5D Mark II nun deren drei, anwählbar über das Programmwahlrad. Auch wenn ich dieses Feature eher selten bis nie verwende ... gut sowas zu haben!

Ganz nett ist auch das neue "My Menu", das eine individuelle Konfiguration eines Menüs für den Schnellzugriff erlaubt. Ich habe hier "Qualität", "Formatieren" und "Info Akkuladung" eingestellt, weil das die von mir meistgebrauchten Funktionen sind.

Auch wenn ich das in anderem Zusammenhang schon einmal erwähnt habe, ist auch dieser Erfahrungsbericht eine gute Gelegenheit, es zu wiederholen: Ich halte das System der Custom-Functions von Canon für veraltet. Es ist schlicht unhandlich und unnötig kompliziert und bedürfte schon länger einer Revision. Letztlich handelt es sich um eine überaus künstliche Unterscheidung zwischen im Menü direkt anwählbaren Einstellungen und solchen, die sich in den Custom-Functions verstecken. Eine einheitliche Lösung täte schon länger Not!

Und wenn ich schon am Bemängeln bin: Das neu gestaltete Menü ist durchaus hübsch geraten und auch weitgehend sinnvoll aufgebaut, aber wieso die Live-Bild/Movie-Einstellungen (Menü Tools 2) derart verschachtelt und damit völlig undurchsichtig konzipiert sind, erschliesst sich mir nicht. Ein eigenes Menü wäre dafür die einfachere und übersichtlichere Lösung gewesen.

Weitere technische Eckdaten

Verschiedene Komponenten der neuen Canon EOS 5D Mark II scheinen vom Vorgänger übernommen worden zu sein. Dazu gehört beispielsweise der Autofokus und auch der Verschluss, obschon letzterer offenbar von den publizierten Spezifikationen von dem der Canon EOS 5D etwas abweicht. Für die Canon EOS 5D wurden noch 100000 Auslösungen als Mittelwert vorgegeben, bei der Canon EOS 5D Mark II sind es nun 150000 Auslösungen. Trotzdem deuten alle verfügbaren Informationen darauf hin, dass es sich um ein und denselben Verschluss handelt, der bei beiden Modellen zum Einsatz kommt.

Ebenfalls keine Erneuerung erfahren hat die Belichtungsmessung, die nach wie vor auf 35 Messfeldern basiert und je nach gewähltem Modus fokusgesteuert auf die 35 Messfelder reagiert, eine zentrale Messung innerhalb 8% des Bildausschnittes oder eine Spotmessung innerhalb 3.5% des Bildausschnittes bzw. eine zentralbasierende Integralmessung ausführt. Mit letzterer bin ich bisher recht gut gefahren und habe mich auch mit deren prinzipbedingten Schwächen arrangiert. Gefühlt hat sich die Belichtungstreffsicherheit allerdings ein wenig verbessert, was mutmasslich auf die verwendete Software zurückgeführt werden kann.

Wirklich nett ist, dass mit der Canon EOS 5D Mark II nun auch ein Infrarot-Fernauslöser verwendet werden kann, noch netter, dass auch altgediente Modelle wie der RC-5 noch unterstützt werden. Ich hatte mir einen solchen im Jahr 2003 zu meiner ersten digitalen Ixus zugelegt. Für Makro- oder Studioaufnahmen wirklich sehr brauchbar!

Während bei den APS-C-formatigen Modellen von Canon ein Standard von 1/250 Sekunde für die Blitzsynchronisation übich ist, synchronisiert die 5D auch in der neusten Version nur auf 1/200 Sekunde, was wohl mit dem Verschluss und dem längeren Weg zu tun hat, den der vertikal ablaufende, elektronisch gesteuerte Schlitzverschluss benötigt. Selbstverändlich kann diese Zeit mit der Hochgeschwindigkeitssynchronisation (Highspeed-Sync) verkürzt werden, auch wenn dadurch die Blitzleistung deutlich sinkt, weil dabei mehrere Blitze direkt nacheinander gefeuert werden.

Andere unnötige Dinge

Es gibt Vertreter der reinen Lehre, die jede Belichtungsautomatik verteufeln. Ich für meinen Teil habe einige Vorbehalte gegen die Programmautomatik, welche ich nur unter extremen Bedingungen - bei sehr wenig Licht beispielsweise -, ansonsten ist die Zeitautomatik (Blendenpriorität, Av-Modus) meine bevorzugte Betriebsart. Neu besitzt die Canon EOS 5D Mark II neben der aus meiner Sicht völlig unnötigen Vollautomatik (grünes Rechteck) auch eine sogenannte Kreativautomatik (CA-Modus), bei der die Helligkeit (Belichtungskorrektur) und die Schärfentiefe (Blendenvorwahl) vereinfacht beeinflusst werden kann. Keine Sensation und für mich nur eine weitere unnütze Funktion.

Eine dedizierte Taste für die Stilauswahl ist ebenfalls nichts, was ich wirklich bräuchte. Stattdessen eine frei programmierbare Taste wäre mir viel lieber, passt aber wohl leider nicht ganz ins Konzept.

Stromversorgung

Neu wird die Canon EOS 5D Mark II von Akkus des Typs LP-E6 gespeist, die über eine Kapazität von 1800 mA verfügen. Es wäre mir persönlich auch lieber gewesen, wenn weiterhin Akkus vom Typ BP-511 und deren Nachfolger zum Einsatz gekommen wären, zumal auch dafür bereits Kopien mit ähnlichen Kapazitäten verfügbar sind.

Ein Hauptgrund für die Verwendung neuer Akkus dürfte wohl ein neu eingeführtes Akku-Überwachungssystem gewesen sein, das die verbleibende Restkapazität nun in Prozenten ausgeben und einzelne Akkus identifizieren kann. Das bedeutet, dass zukünftig gleich mehrere Akkus überwacht werden können, die zusammen mit einer Kamera eingesetzt werden.

In diesem Zusammenhang wurden Bemerkungen laut, die solche Akkus als "Dongles" bezeichnen und Befürchtungen geäussert, dass dieses System sich über kurz oder lang gegen den Benutzer wenden würde, wie die Druckerpatronen von manchen Herstellern. Ich teile diese Vorbehalte nicht und bin im Gegenteil davon überzeugt, dass diese Technik zum Vorteil der Benutzer eingesetzt werden wird. Eine detailierte Auskunft über die Restkapazitäten der verwendeten Akkus ist gerade im hektischen Fotografenalltag von unschätzbaren Wert.

Bereits beim ersten Einsatz eines LP-E6 (der zweite lässt derzeit noch auf sich warten ... die Versorgung mit diesem Ersatzteil scheint noch nicht gewährleistet zu sein!) konnte ich mehr als 1000 Bilder und mehr als ein Dutzend Videos machen und eine Restkapazität von rund 20% war noch übrig. Eine gute Leistung, denn sowohl die Filme als auch viele Bilder wurden in dieser Zeit am Bildschirm betrachtet.

Spritzwasserabdichtung

Bisher bot Canon lediglich bei den Spitzenmodellen eine Abdichtung gegen Spritzwasser und andere Umwelteinflüsse an. Erst mit der Canon EOS 40D und dem Hochformatgriff BG-E2N wurde ein gewisser Schutz gegen derlei Unbill für kleinere Modelle eingeführt. Mit der Canon EOS 5D Mark II ist diese Technologie nun auch bei der Canon 5D-Linie implementiert worden.

Natürlich hatte ich die 5D und die 20D auch schon bei mittelstarkem Regen im Einsatz, wobei nur einmal bei längerem Regeneinsatz letztere Probleme mit einigen Knöpfen auf der Oberseite (Empfindlichkeitswahl usw.) bekommen hat, nach fast zwei Stunden. Ergiebiger Schneefall hat aber beiden Kameras bisher nichts anhaben können.

Vergleiche

Um eine neue Kamera einzuordnen, drängt sich natürlich auch der Vergleich mit den Vorgängermodellen auf. Die folgenden Vergleiche decken natürlich nur einige wenige Aspekte ab, aber es kann auch nicht Sinn und Zweck eines privaten Erfahrungsberichts sein, hier einen kompetten Systemvergleich abzuliefern. Es ging mir eher darum, Aspekte zu beleuchten, die mich persönlich besonders interessieren.

Die Canon 5D Mark II im Vergleich zur Canon EOS 5D

Die Canon 5D Mark II (links) im Vergleich zur "alten" Canon EOS 5D

Bilddateigrössen

Nicht dass es meinem üblichen Vorgehen entspräche, aber natürlich war ich schon etwas gespannt darauf, welche Dateigrössen mich in Zukunft erwarten, mit der neuen Canon EOS 5D Mark II.

Es verwundert nicht wirklich, dass die Grössen der Bilddateien zwischen der Canon EOS 5D und der Canon EOS 5D Mark II deutlich zugelegt haben, schliesslich löst der neue Sensor auch 65% mehr Pixel auf. Folgende Dateigrössen habe ich im direkten Vergleich ermittelt, jeweils von demselben Standort aus und mit dem gleichen Objektive, dem Canon EF 24-70mm/2.8 L USM, bei 70mm Brennweite:

    Canon EOS 5D
  Canon EOS 5D Mark II
    JPEG/Fine RAW (CR2)   JPEG/Fine RAW (CR2)
  ISO/ASA 50 6071 15656   8002 30731
  ISO/ASA 100 6004 13314   8784 28517
  ISO/ASA 200 6019 14414   8723 28472
  ISO/ASA 400 6152 14446   9085 28768
  ISO/ASA 800 6511 14758   8907 29033
  ISO/ASA 1600 6600 15029   8732 29426
  ISO/ASA 3200 7656 16023   8609 30256
  ISO/ASA 6400 - -   10031 32058
  ISO/ASA 12800 - -   11952 34937
  ISO/ASA 25600 - -   14672 38693

Alle Grössenangaben sind in Kilobytes notiert. Die Rauschunterdrückung ist unverändert der vorgegebenen Standardeinstellung entsprechend, die Blende war fest auf 8 eingestellt. Das Motiv, ein vollgestelltes CD-Regal aus rund zwei Metern aufgenommen, dürfte eine mittlere Detailierung aufweisen, dh. die anfallenden Datenmengen sind durchschnittlich. Ein blauer Himmel liefert demgegenüber deutlich weniger Daten, ein Wald mit dichtem Geäst und Blättern entsprechend mehr.

Da es sich um Innenaufnahmen handelt, waren die längsten Belichtungszeiten bei 4 Sekunden bei ISO/ASA 50, also deutlich im Bereich der Langzeitrauschkorrektur. Die verschiedenen Abstufungen sind trotzdem interessant und können zu verschiedenen Schlüssen führen. Jedenfalls wird auch deutlich gezeigt, dass verrauschte Bilder bei hoher Empfindlichkeit aufgenommen auch entsprechend grössere Dateien zur Folge haben. Aber das war ja bereits im Vorfeld klar.

Es ist aber durchaus bemerkenswert, dass die JPEG-Dateien der Canon EOS 5D Mark II bei kleinerer Empfindlichkeit ungleich kleiner sind als sie sein dürften, verglichen mit denen der Vorgängerin. Man könnte fast an eine stärkere Komprimierung glauben, oder aber an die erreichte Leistungsgrenze beim verwendeten Objektiv. Ich möchte mich hier nicht auf die sprichwörtlich dünnen Äste hinaus wagen und bleibe eine definitive Beurteilung schuldig.

Auflösung

Primär ist die effektive Auflösung einer Kamera abhängig vom verwendeten Objektiv, sekundären Einfluss hat zudem die eingestellte Blende und - erstaunlicherweise erst ganz am Schluss! - die Auflösung des Sensors selber (jedenfalls bei den Sensoren mit derart vielen Pixeln, wie die Canon EOS 5D Mark II sie hat). Zudem ist die realisierbare Auflösung auch noch vom Messpunkt abhängig, also ob man im Zentrum des Bildes misst, oder am Rand bzw. in den Bildecken.

Es gibt nur wenige Objektive, die die 21 Megapixel der Canon EOS 5D Mark II wirklich bis an den Rand auflösen können. Es dürften beispielsweise das Canon EF 24-70mm/2.8 L USM, das Canon EF 70-200mm/4 L IS USM und das Canon EF 100mm/2.8 USM Makro sein, um einige Objektive aus meinem Bestand aufzuzählen. Vielleicht noch ein halbes Dutzend weitere Objektive aus dem Canon-Sortiment dürften in diese Kategorie gehören, hauptsächlich Festbrennweiten. Und das jeweils immer bei einer idealen Blendeneinstellung, selbstverständlich! Dies mag dem Leser eine Vorstellung davon vermitteln, welche Anforderungen die Canon EOS 5D Mark II von der Auflösung her an die Objektivgüte stellt.

Im Gegensatz zur "alten" Canon EOS 5D, an welcher auch weniger exzellente Objektive noch eine gute Figur machten, hat die Canon EOS 5D Mark II deutlich höhere Ansprüche an das verwendete "Glas". Ähnliches gilt übrigens auch für die Canon EOS 50D, die mit 15 Megapixeln im APS-C-Format sehr hohe Ansprüche an die Optik stellt; umgerechnet auf Vollformat ergäben das rund 38 Megapixel, was heute kaum ein Objektiv unter optimalen Bedingungen erreichen dürfte. Als Kompaktkameras die 6-Megapixel-Schwelle übertrafen, stellte sich genau dasselbe Problem, dass nämlich keine Objektive verbaut werden konnten, die diese Anforderungen wirklich erfüllten. Nun ist auch bei digitalen Spiegelreflexkameras diese Grenze erreicht, auch wenn ich mir sicher bin, dass in den nächsten Jahren noch höher auflösende Modelle auf den Markt kommen werden.

Ich bitte dringend darum zu beachten, dass es an dieser Stelle lediglich um das reine Auflösungsvermögen von Objektiven geht, und nicht um andere Objektivfehler, die die Leistung ebenfalls beschränken können.

Geschwindigkeit

Mit ihren fast vier Bildern pro Sekunde (exakt: 3.9) ist die Canon EOS 5D Mark II im Mittelfeld der Mitbewerber anzusiedeln. Gegenüber der Vorgängerin 5D ist das ein Zuwachs von knapp 25%, wobei die grösseren Modelle wie die Canon EOS 1D Mark III mit zehn Bildern pro Sekunde weit jenseits jeder Konkurrenz liegt. Aber auch die kleineren Canon EOS 40D bzw. 50D sind mit 6.5 (bzw. realistischerweise 6.3) Bildern pro Sekunde deutlich schneller als die Canon EOS 5D Mark II.

Selbstverständlich ist die Canon EOS 5D Mark II keine typische Reportagekamera, die eine so hohe Bildkadenz wirklich benötigt. Trotzdem sind die knapp vier Bilder pro Sekunde durchaus beachtlich und in der Praxis dürfte mehr wohl selten gebraucht werden.

Belichtungskorrektur

Kein Vergleich zu anderen digitalen Kameras von Canon, in diesem Fall, aber ein durchaus zulässiger Vergleich mit Kameras von anderen Herstellern sei mir an dieser Stelle auch noch erlaubt: In der Praxis hat es sich gelegentlich ergeben, dass sich die Belichtungskorrektur von nur +/- 2 Blenden als etwas gar eng erwies. Mindestens drei, besser noch fünf Blenden (wie bei Nikon) wären manchmal durchaus wünschenswert, ob nun in 1/3- oder 1/2-Blendenschritten. Über die Konsequenzen bin ich mir schon im Klaren, aber eine längere Lichtwaage wäre wohl das kleinste der zu lösenden Probleme.

Eigene Erfahrungen

Eigentlich hatte ich vor, meine Canon EOS 40D durch die im Herbst 2008 angekündigte 50D zu ersetzen, allein wegen der deutlich höheren Empfindlichkeit (+2 Blenden). Nachträglich, nachdem ich die Vergleiche punkto Bildqualität und Dynamikumfang studiert hatte, habe ich allerdings eingesehen, dass dies wohl ein grober Fehler gewesen wäre. Zum Glück wurde dann aber die Canon EOS 5D Mark II angekündigt und bereits einen Tag danach war sie auch schon bestellt und der Verkauf meiner Canon EOS 40D beschlossen; der konsequente Umstieg auf Vollformat war damit quasi vollzogen.

Das lange Warten auf die Lieferung

Der angekündigte Liefertermin verschob sich dabei leider nach und nach weiter nach hinten, von "im November" (September 2008) über "Mitte November" (Oktober 2008), "Ende November" (Anfang November 2008) zu "20. Dezember" (Anfang Dezember 2008). Schliesslich konnte ich meine neue Canon EOS 5D Mark II noch vor Silvester in Empfang nehmen, rund 111 Tage nach der Bestellung. In nennenswerten Stückzahlen wird die Canon EOS 5D Mark II wohl erst im Frühjahr 2009 verfügbar sein.

Obschon mich meine Canon EOS 5D Mark II noch knapp im 2008 erreichte, ging das Warten weiter. Neben Kamera und Hochformatgriff BG-E6 hatte ich einen zweiten Akku mitbestellt. Dieser war - zumindest hier in der Schweiz - lange Zeit nicht lieferbar, wie auch Canon (Schweiz) auf Anfrage bestätigte. Erst am 18. März 2009, also 6 Monate nach der Bestellung bzw. fast drei Monate nach der Lieferung der Kamera, traf die zweite Energiequelle für die Kamera ein. Zum Glück ist die Canon EOS 5D Mark II nicht sehr energiehungrig und selbst mit nur einem Akku liessen sich deutlich mehr als 1000 Aufnahmen an einem Tag machen (Restkapazität um die 37%), so dass mich das lange Fehlen dieses Ersatzteils nicht so arg störte.

Erste Eindrücke

Wie immer galt mein erstes Augenmerk dem Handbuch und darin hauptsächlich den verschiedenen Einstellungen, die ich nach meinen individuellen Bedürfnissen anpasste. Über das Programm EOS Utility trug ich wie gewohnt meinen Namen in der Kamera ein, damit dieser fortan in jede Bilddatei geschrieben würde.

Auch wenn der Grössenzuwachs des rückseitigen Bildschirms nur gerade 20% (in der Diagonale) beträgt, ist der Bildschirm der Canon EOS 5D Mark II doch deutlich klarer und, wohl durch die rund 4x höhere Auflösung, auch besser abzulesen, zumindest im Innenraum.

Der erste Inneneinsatz

Unter vergleichsweise schwierigen Verhältnissen, wo die höchsten Empfindlichkeiten absolut angesagt waren (stark gedimmtes Licht in einem Lokal), versagte der Autofokus (AF) geradezu jämmerlich und brauchte manchmal zwei Sekunden und mehr, um sein Ziel zu finden, wenn überhaupt. Dieses Verhalten erinnert mich doch stark an meine Versuche, mit der "alten" Canon EOS 5D und dem Canon EF 50mm/1.4 USM bei ISO/ASA 3200 in düsterer Nacht Fasnachtsfiguren aufzunehmen; es grenzt faktisch an eine Unmöglichkeit ...

Trotzdem bin ich mit den Ergebnissen mehr als zufrieden. Die Bilder wurden kontrastreicher und neutraler, als die aus der "alten" Canon EOS 5D. Ich fotografierte fast ausschliesslich mit ISO/ASA 6400, seltener mit ISO/ASA 12800, und war von den Ergebnissen begeistert. Selbst einige Bilder mit höchster Empfindlichkeit haben sich durch eine durchaus brauchbare Qualität ausgezeichnet.

Ein erster Reportageeinsatz

Mit ebenfalls hoher Empfindlichkeit (ISO/ASA 3200 oder mehr) entstanden Innenaufnahmen während einer Medienkonferenz. Auch während hektischen Momenten liess mich die Canon EOS 5D Mark II nicht im Stich. In Zusammenarbeit mit dem Canon Speedlite 580 EX II zeigte die Kamera fast ausschliesslich beste Resultate; ich musste keines der Bilder wegen technischen Mängeln entsorgen.

Auch die in diesem Zusammenhang entstandenen Aussenaufnahmen (bei trübem Wetter allerdings) haben mich durchaus überzeugt. Hier hat mich der automatische Weissabgleich besonders überzeugt und mir subjektiv deutlich besser gefallen, als bei mit der "alten" Canon EOS 5D unter ähnlichen Bedingungen.

Zusammengefasst kann ich nur sagen, dass ich mich ausserordentlich schnell an die neue Kamera gewöhnt habe und mir kaum Bedienungsfehler unterlaufen sind. Das Konzept der Canon-Spiegelreflexkameras hat sich jedenfalls bewährt und die wenigen oben als negativ herausgearbeiteten Punkte sind nur am Rande praxisrelevant oder übermässig störend.

Ein paar Video-Spielereien

Natürlich habe ich auch die Video-Funktion während einigen Einsätzen erprobt und war, nach anfänglichen Schwierigkeiten, durchaus angetan von den Ergebnissen. Im Av-Modus auf Blende 8 gestellt konnte ich selbst bei ungünstigsten Lichtverhältnissen einige ganz nette Video-Schnipsel produzieren. Naja, über die Qualität darf gestrost gestritten werden, aber ich bin auch Fotograf und kein Video-Filmer.

Individuelle Einstellungen

Wie bei meiner "alten" Canon EOS 5D verwende ich bei der 5D Mark II üblicherweise einen abgeänderten Standard-Bildstil (3, 1, 1, 0 statt 3, 0, 0, 0). Diese Einstellung hat sich bewährt und ist für mich recht universal einsetzbar, besonders bei Reportagen.

Allerlei Automatiken habe ich ausgeschaltet, zB. das automatische Drehen der Bilder in der Kamera. Dies hat insofert eine gewisse Tradition, weil nicht alle frühen, aktuellen und zukünftigen Bildbearbeitungs- und Betrachtungsprogramme mit den in der Kamera als gedreht markierten Bilder so problemlos klar kommen und ich mich deshalb lieber auf das komplett manuelle Drehen verlasse.

Eine neue Automatik habe ich allerdings gerne eingeschaltet, nämlich die Vignettierungskorrektur gleich bei der Aufnahme. Allerdings gehöre ich nicht zu denen, für die die Vignettierung bei weit offener Blende ein grosses Problem darstellen würde, aber wenn sich das gleich automatisch rausrechnen lassen kann ... warum nicht?!

Neuere Modelle der Canon EOS-Linie können einen aufgesteckten aktuellen Speedlite EX-Blitz über das Menü der Kamera steuern. Das widerspricht irgendwie meinem Verständnis und ich sehe den Vorteil nicht, dies zu tun. Deshalb verzichte ich auf diese Möglichkeiten und nehme die nötigen Einstellungen direkt am Blitzgerät vor.

Passendes Zubehör

Wie bei fast jeder neuen Kamera war auch ein neuer Hochformatgriff mit der Bezeichnung BG-E6 zur Canon EOS 5D Mark II zu beschaffen. Dieser nimmt zwei Akkus vom Typ LP-E6 auf, wie sie ebenfalls neu mit der 5D Mark II eingeführt wurden. Alles andere Zubehör ist weitgehend kompatibel zum Vorgänger Canon EOS 5D und/oder anderen Canon EOS-Kameras. Das gilt ganz besonders für die Objektive für das Canon EF-Bajonett, wobei wegen dem grossen Bildkreis natürlich keine EF-S-Objektive verwendet werden können. Keine Änderungen erfuhr auch die ganze Blitztechnik, die mit den EX-Systemblitzen verschiedener Grössen eine durchdachte Palette bietet.

Abschliessende Hinweise

Wie immer habe ich in diesem Erfahrungsbericht nur die Aspekte berücksichtigt, die mir einerseits wichtig erscheinen oder die ich andererseits für praxisrelevant halte. Ich habe meine eigene Arbeitsweise und benötige dabei lange nicht alle Möglichkeiten einer Kamera, deshalb muss dieser Bericht auch entsprechend einseitig bleiben.

Die Canon EOS 5D Mark II verfügt über eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten, die hier nicht aufgeführt sind. Entweder werde ich bei einem weiteren Update darauf eingehen oder Sie an das Handbuch verweisen, je nach dem, ob ich eine Funktion irgendwann noch für mich entdecke oder nicht.

Ein erstes Fazit

In den wenigen Wochen, in denen ich die Canon EOS 5D Mark II nun mitführe, ist sie mir ans Herz gewachsen. Sie ist genauso zuverlässig und robust wie deren Vorgängerin, die mich mehr als zwei Jahre treu begleitet und mich immer wieder mit (technisch) guten Bildern belohnt hat. Ich möchte sie nicht mehr missen!

Meine diversen Kritikpunkte lassen sich durch diese äusserst positive Beurteilung natürlich nicht einfach wegwischen. Aber ich denke, mit einigen Einschränkungen muss man immer leben, solange man selber nichts daran ändern kann. Und letztlich ist gegen die Qualitäten der Canon EOS 5D Mark II überhaupt nichts zu sagen und meine Einwände betreffen lediglich den Komfort.

Durch die erweiterten Möglichkeiten ist die Canon EOS 5D Mark II ein würdiger Nachfolger der Canon EOS 5D, keine Frage, ob man diese Erweiterungen aber wirklich braucht, ist eine ganz andere Frage. Da derzeit die Preise für gebrauchte Canon EOS 5D fallen, ist die Frage durchaus berechtig, ob es eine solche zu deutlich weniger als dem halben Preis nicht genauso täte.

Nach einem Jahr

Vor über einem Jahr habe ich die Canon EOS 5D Mark II nun geliefert bekommen und seither war sie fast ausschliesslich im Einsatz, mit deutlich über 10000 Auslösungen. Sie hat mir treu gedient und immer in etwa das abgeliefert, was ich von ihr erwartet habe.

Die hohen Empfindlichkeiten habe ich immer mal wieder gebraucht, manchmal bis ISO/ASA 25600. Dabei machte sich jeweils der nicht ausreichende Autofokus deutlich bemerkbar, sprich das Scharfstellen dauerte teilweise mehrere Sekunden und hat mir manche spontane Aufnahme versaut, um es mal umgangssprachlich auszudrücken. Bis ISO/ASA 3200 und teilweise 6400 ist dies kein relevantes Problem, aber darüber ist das Verhalten äusserst lästig.

Die Auflösung der Bilder - es waren wieder deutlich über 10000 - ist eine Offenbarung gegenüber der früher eingesetzten Kameras, keine Frage. Ich konnte mehrere Bilder durch starken Beschnitt noch sinnvoll verwenden, was bei einer Kamera mit geringerer Auflösung wohl nicht mehr möglich gewesen wäre.

Als kleines Problem haben sich einige Knöpfe erwiesen, die gegenüber den Vorgängerkameras etwas mehr herausstehen. So ergab es sich beispielsweise, dass mir schoneinmal die Videofunktion angesprungen ist, unabsichtlich in der Tasche, und einen Film aufzeichnete. Lustigerweise passierte das genau in dem Moment, als ein schräger Typ versuchte, mir die Kamera zu klauen. Ich habe es nur wenige Sekunden später bemerkt - die Kameratasche war plötzlich viel zu leicht! - und ich konnte der Kamera nach einem beherzten Griff an die Gurgel des Diebes wieder habhaft werden.

Die Video-Funktion habe ich weiter getestet, mit einigen Filmchen während dieser Zeit. Es dürften wohl gut zwei Dutzend gewesen sein, die ich während diesem Jahr "gedreht" habe. Die Qualität war jeweils sehr gut, zumindest was die Technik angeht. Inzwischen habe ich allerdings die Auflösung von HD auf das kleinere Format zurückgestellt, da die HD-Filme auf meinem Rechner kaum ansehbar waren (grösser als die Bildschirmauflösung, Ruckeln während der Wiedergabe). Aber selbst mit der verringerten Auflösung sind die Videos von sehr guter Qualität, wenn man vom fehlenden funktionierenden AF in diesem Modus absieht.

Das Canon EF 24-70/2.8 L USM ist weiterhin mein Lieblingsobjektiv an dieser Kamera, wie bereits an dem Vorgänger Canon EOS 5D (Mark I, sozusagen). Es hat sich auch bezüglich der Auflösung bestens bewährt und immer beste Bilder geliefert, auch unter besonders üblen Umständen.

Links

Weiterführende Informationen zur Canon EOS 5D Mark II sind auf folgenden Seiten zu finden:

Selbstverständlich sind über jede Suchmaschine Ihrer Wahl noch eine Vielzahl anderer Meinungen und Testberichte zur Canon EOS 5D Mark II erhältlich zu machen. Bitte informieren Sie sich selber!

Zum Schluss

Die Canon EOS 5D Mark II hat mich auf Anhieb überzeugt, zuerst als ich die technischen Daten bei deren Ankündigung las, später, als ich die Kamera selber in Händen halten konnte. Für mich ist es keine Frage, dass die Canon EOS 5D Mark II eine der fortschrittlichsten Kameras auf dem Markt ist und dass sie bestimmt viele Freunde finden wird, auch noch in den nächsten Jahren.


Für Fragen zur Kamera oder Anregungen zu dieser Seite stehe ich gerne zur Verfügung, nehmen Sie bitte ungeniert Kontakt mit mir auf.


29.01.2009, letzter Update: 04.01.2010



 :
 
 
 
Alle Rechte © Guido Studer, Basel - Letzte Änderung: 04.01.2010