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Objektivtest lichtstarke Normalbereichzooms
für das Canon EF-Bajonett

Objektivtests gibt es ja wie Sand am Meer, aber irgendwie ist es wie mit Statistiken: Traue keinen, die Du nicht selber gefälscht hast ... Und weil ich gerade ein lichtstarkes Zoom-Objektiv für den Normalbereich suchte und mir drei solche freundlicherweise zum Test zur Verfügung gestellt wurden, drängte es sich förmlich auf, daraus einen kleinen, eher subjektiven Objektivtest zu machen.



Wie es dazu kam

Nachdem meine Objektivpalette zur Canon EOS 20D von 12 bis 40mm und von 70 bis 200mm (19-64mm und 112-320mm kleinbildäquivalent) bereits gut abgedeckt war, bestand nur noch Bedarf an einem geeigneten Normalobjektiv. Wie bei meinen anderen Optiken sollte der Zoombereich weniger als dreifach bleiben und neben einer brauchbaren optischen Leistung auch eine gute Lichtstärke aufweisen. Der Bereich von 24 bis 70mm (38-112mm kleinbildäquivalent) bei einer Lichtstärke von 2.8 war als Zielvorgabe angedacht.

Von Canon gibt es ein L-Objektiv mit - abgesehen vielleicht vom Preis - genau den gewünschten Eckdaten. Freundlicherweise wurde mir dieses und zwei andere Optiken mit ähnlichen technischen Daten für einen Test zur Verfügung gestellt.


Die drei Kandidaten ohne ...


... und mit Streulicht- bzw. Sonnenblenden

Folgende Objektive sind oben abgebildet, von links nach rechts:

  • Canon EF 24-70mm/2.8 L USM
  • Sigma 24-70mm/2.8 EX DG Asp. Makro
  • Tamron SP AF 28-75mm/2.8 XR Di LD Aspherical (IF) Makro

Die Kandidaten

Lassen wir zuerst die Hersteller selber zu Wort kommen (die folgenden Werbetexte stammen ab den deutschsprachigen Internet-Seiten der Hersteller bzw. deren lokalen Niederlassungen):

Canon EF 24-70mm/2.8 L USM


"Das EF 24-70mm 1:2,8L USM ist ein Hochleistungsobjektiv, das als Nachfolger des EF 28-70mm 1:2,8L USM mit erweitertem Brennweitenbereich entwickelt wurde, um den Wünschen der Benutzer von digitalen Spiegelreflexkameras entgegen zu kommen. (...) Das EF 28-70mm 1:2,8L USM ist seit seiner Einführung 1995 sehr beliebt bei Profis und anspruchsvollen Amateuren. Die zunehmende Verbreitung von Digitalkameras, deren Sensor kleiner ist als das Kleinbildformat, hat jedoch zur steigenden Nachfrage nach einem Hochleistungs-Standard-Zoom mit noch kürzerer Anfangsbrennweite geführt. Das neue EF 24-70mm 1:2,8L USM kommt diesen Wünschen nach. Sein optisches System basiert auf dem seines Vorgängers, enthält jedoch einige konstruktive Änderungen zur Erweiterung des Brennweitenbereichs bei Erhaltung der hohen Abbildungsleistung. Gleichzeitig konnte die Naheinstellgrenze von 0,5m auf 0,38m verkürzt werden. Noch wirksamere Abdichtung gegen das Eindringen von Feuchtigkeit und Staub werden dieses Objektiv zum führenden Standard-Zoom im EOS-System machen."

Quelle: www.canon.de

Unabhängige Tests attestieren diesem Objektiv durchweg Bestnoten und es darf deshalb auch in meinem Objektivtest als Referenz gelten, an dem sich die anderen Optiken messen müssen.

Sigma 24-70mm/2.8 EX DG Asp. Makro


"Unser lichtstarkes Standardzoom für den ambitionierten Fotografen. Hervorragende Korrekturwerte, hohe Lichtstärke und exzellente Bedienungsfreundlichkeit zeichnen dieses Objektiv aus und unterstreichen den professionellen Anspruch. (...) Der Brennweitenbereich umfasst vom starken Weitwinkel über das Normalobjektiv bis zum leichten Tele alles, was man standardmäßig dabei haben sollte. Sollte Ihre digitale SLR einen Brennweitenverlängerungsfaktor aufweisen, erhalten Sie mit diesem Objektiv ein ordentliches, ausgedehntes Standardzoom mit noch gutem Weitwinkelbereich. Um Ihre Möglichkeiten weiter auszudehnen, haben wir in der aktuellen Version das Objektiv mit einer Makrofunktion versehen, die Ihnen Nahaufnahmen bis zum Maßstab 1:2 ermöglicht. Ein Werkzeug, mit dem Sie das Potential Ihrer SLR einmal so richtig ausschöpfen können."

Quelle: www.sigma-foto.de

Dieses Objektiv hat einen etwas umstrittenen Ruf und erreicht in unabhängigen Tests Wertungen zwischen "gut" und "mässig", während Foto-Zeitschriften auch gelegentlich schon ein "sehr gut" verteilten.

Es sei an dieser Stelle noch angemerkt, dass es möglicherweise mehrere Versionen dieses Objektivs gibt. Sie unterscheiden sich zum Beispiel durch ein zusätzliches "DF" in der Bezeichnung. Diese Information kann ich allerdings nicht als gesichert weitergeben, zumal sich die offiziellen Seiten von Sigma darüber ausschweigen und Sigma Deutschland auf Mails aus der Schweiz offenbar nicht antworten möchte.

Tamron SP AF 28-75mm/2.8 XR Di LD Aspherical (IF) Makro


"Kleinstes und leichtestes Standardobjektiv seiner Klasse. Die große Lichtstärke macht "Available Light" Fotografie zum Vergnügen und sorgt zudem für hervorragende Abbildungsqualität. Scharfe und brillante Bilder sind das Ergebnis. Das Objektiv wurde speziell für den Einsatz an digitalen Spiegelreflexkameras optimiert (Di-Objektive). Sehr gutes Auflösungsvermögen, stark verminderter Lichtabfall zum Rand hin, minimierte chromatische Aberration und verbessertes Streulichtverhalten machen dieses Zoom zur ersten Wahl für digitale, aber auch analoge Spiegelreflexkameras."

Quelle: www.tamron.de

Fast übereinstimmend bewerten unabhängige Test dieses Objektiv als "gut" bis "sehr gut", in einem Fall punktmässig sogar besser als das Canon EF 24-70/2.8.

Vom Brennweitenbereich passt das Tamron-Objektiv vor allem im Weitwinkelbereich nicht ganz zu den beiden anderen hier getesteten Optiken, aber wegen seinen vielgelobten Leistungen habe ich es trotzdem aufgenommen.

Technische Daten im direkten Vergleich

Die folgende Tabelle gibt Auskunft über die wesentlichsten technischen Eckdaten der hier verwendeten Objektive. Die Angaben wurden den Dokumentationen und Veröffentlichungen der Hersteller entnommen und teilweise durch eigene Messungen verifiziert bzw. ergänzt:

    Canon EF
24-70/2.8
Sigma
24-70/2.8
Tamron
28-75/2.8
  Linsen/Gruppen: 16/13 14/13 16/14
  Naheinstellgrenze: 38cm 40cm 33cm
  Kleinste Blende: 22 32 32
  Blendenlamellen: 8 9 7
  Filterdurchmesser: 77mm 82mm 67mm
  Durchmesser: 83mm 89mm 73mm
  Minimale Länge: 124mm 115mm 92mm
  Maximale Länge: 156mm 145mm 125mm
  Gewicht: 950g 715g 510g
  FTM: ja nein nein
  UVP (CHF): 2330.- 945.- 875.-

Die Abkürzung "FTM" steht für "Full Time Manual", also die Möglichkeit, den Autofokus manuell zu übersteuern. Diese Funktion steht leider nur bei teureren USM-Objektiven zur Verfügung.

Die unverbindlichen Verkaufspreise (UVP) in Schweizer Franken sind per Ende Dezember 2004 erhoben worden und können, abhängig von der Kursentwicklung oder Angeboten der Händler oder Hersteller, in Grenzen variieren. Bitte informieren Sie sich bei Ihrem bevorzugten Fachhändler.

Abbildungsleistungen

Ich möchte hier gleich vorweg unterstreichen, dass ich mich keinesfalls als Fachmann in Sachen Optik bezeichnen will. Als engagierter Amateur mit langjähriger Erfahrung traue ich mir allenfalls zu, einige Aussagen zu machen, wobei ich es aber dem geneigten Leser überlassen möchte, die Testbilder selber kritisch zu begutachten.

Für die Testaufnahmen habe ich die Canon EOS 20D verwendet und die Bilder im RAW-Format abgespeichert. Die Belichtung erfolgte bei einer Empfindlichkeit von 100 ISO/ASA mit Zeitautomatik (Av). Es wurde der Autofokus mit dem manuell gewählten zentralen AF-Punkt verwendet. Der Weissabgleich sollte bei der Speicherung als JPEG-Datei manuell gesteuert werden, um farbliche Unterschiede erkennen zu können. Die sich laufend ändernden Beleuchtungsgegebenheiten haben allerdings einen dicken Strich durch meine Rechnung gemacht und ich habe deshalb auf diesen Vergleich - nicht nur wegen der Kälte - zähneknirschend verzichten müssen. Die interne Schärfung, Farbsättigung usw. wurde neutral eingestellt (entsprechend Parameter 2 in der Kamera). Die in den Testreihen dargestellten Bildausschnitte sind 100%-Ausschnitte der Originalbilder.

Bildqualität in der Bildmitte

In dieser Testreihe untersuche ich die Abbildungsqualität bei unterschiedlichen Brennweiten und Blendeneinstellungen.

    Canon EF
24-70/2.8
Sigma
24-70/2.8
Tamron
28-75/2.8
  Minimale Brennweite,
Blende 2.8
  Minimale Brennweite,
Blende 8
  Maximale Brennweite,
Blende 2.8
  Maximale Brennweite,
Blende 8

Bildqualität am Bildrand

Wie in der oberen Testreihe betrachte ich hier die Abbildungsqualität bei unterschiedlichen Brennweiten und Blendeneinstellungen. Diesmal stammen die Ausschnitte jedoch vom Bildrand, um Unregelmässigkeiten in diesem Bereich aufdecken zu könnnen:

    Canon EF
24-70/2.8
Sigma
24-70/2.8
Tamron
28-75/2.8
  Minimale Brennweite,
Blende 2.8
  Minimale Brennweite,
Blende 8
  Maximale Brennweite,
Blende 2.8
  Maximale Brennweite,
Blende 8

Im Vergleich mit Festbrennweiten

Beim Test standen mir zusätzlich zwei Festbrennweiten mit vergleichbarer Brennweite zur Verfügung:

  • Canon EF 24mm/2.8
  • Canon EF 50mm/1.4 USM

Die beiden Festbrennweiten habe ich mit dem Canon EF 24-70mm/2.8 L USM bei den entsprechenden Brennweiten verglichen:

    Canon EF
24-70/2.8
Canon EF
24/2.8
Canon EF
50/1.4
  24mm,
Blende 2.8
N/A
  50mm,
Blende 2.8
N/A
  24mm,
Blende 8
N/A
  50mm,
Blende 8
N/A

Nachtrag (28.02.2008): Selbstverständlich sind die Resultate des hier verwendeten Canon EF 50mm/1.4 USM keinesfalls akzeptabel. Nach weiteren Tests habe ich dieses Objektiv noch während der Garantiefrist zum Service gesendet, um es justieren zu lassen. Die Abbildungsleistung hat sich dadurch extrem verbessert ...

Makro

Zwei der hier getesteten Objektive werben mit ihren Makro-Fähigkeiten. Ich habe diese nicht besonders getestet, sondern nur jeweils eine Makroaufnahme bei Minimaldistanz und maximaler Brennweite gemacht. Die Ergebnisse waren relativ ernüchternd, wobei ich keine detailierte Auswertung vorweisen kann. Einzig das Canon EF 24-70/2.8 L USM, welches ausgerechnet kein "Makro" in der Bezeichnung auf der Verpackung führt (auf dem Objektiv selber jedoch schon), zeigte eine sehr gute Leistung in dieser Kategorie. Die Unterschiede in der Abbildungsgrösse der drei Testkandidaten sind minimal, können sich aber mit einem "echten" Makro-Objektiv in keinem Fall messen, so dass dieses Attribut wohl eher aus Marketinggründen verwendet wird.

Sonstige Probleme

Ich habe die Objektive während der vergleichsweise kurzen Testzeit auch einem kleinen Praxistest unterzogen und damit jeweils ein paar Bilder gemacht. Dabei sind mir keine besonderen Abbildungsprobleme aufgefallen, was aber nicht heisst, dass es sie nicht gibt.

Die Testbilder habe ich auf eine nennenswerte Vignettierung kontrolliert, konnte aber keine diesbezüglichen Auffälligkeiten erkennen. Das verwundert auch deshalb nicht, weil alle Testobjektive auch für Kleinbildkameras der Canon EOS-Serie geeigent sind, deren Bildkreis deutlich grösser als bei Kameras mit Formatfaktor 1.6 ist.

Auswertung

Gestützt auf obige Testbilder und den zugrundeliegenden Originalbildern komme ich bezüglich der drei getesteten Objektive zu folgendem Fazit:

Canon EF 24-70mm/2.8 L USM

Die Abbildungsleistungen dieses Objektivs bewerte ich als durchweg gut. Bei Offenblende empfinde ich die Schärfe etwas weicher, abgeblendet wird es punkto Schärfe nur noch vom Tamron 28-75/2.8 leicht geschlagen.

Im Vergleich mit den Festbrennweiten erscheint mir das Canon EF 24mm/2.8 etwa gleichwertig, das Canon EF 50mm/1.4 USM zeigt hingegen eine leicht bessere Leistung.

Sigma 24-70mm/2.8 EX DG Asp. Makro

Bei Offenblende ist dieses Objektiv wohl das schlechteste im Test, wobei natürlich keine wirklich billigen Optiken mitgetestet wurden, was diese Aussage bestimmt hätte relativieren können. Abgeblendet scheint die Leistung durchaus ausreichend zu sein, zumindest in der Bildmitte.

Tamron SP AF 28-75mm/2.8 XR Di LD Aspherical (IF) Makro

Dieses Objektiv zeigt abgeblendet eine erstaunlich gute Schärfe, welche sogar das Canon 24-70/2.8 übertrifft. Enttäuschend ist die Leistung bei Offenblende und besonders bei minimaler Brennweite.

Bedienung

Nachdem die optische Leistungen keine wirklichen Überraschungen ergaben, lasse ich hier nun meine subjektiven Eindrücke zu den drei getesteten Objektiven einfliessen:

Canon EF 24-70mm/2.8 L USM

Das Canon-Objektiv ist sehr schwer und vermittelt einen sehr wertigen Eindruck, wie man das von L-Objektiven aus diesem Haus nicht anders gewohnt ist. Die breiten Zoom- und Fokus-Ringe sind griffig und vorbildlich angeordnet.

Wie alle kompatiblen Autofokus-Objektive verfügt auch diese Optik über einen Schalter, welcher zwischen automatischer und manueller Fokussierung umschaltet. Zudem kann im Autofokus-Modus der Fokus jederzeit manuell übersteuert werden, mit einer Funktion, welche sich FTM (Full Time Manual) nennt.

Der Autofokus ist sehr leise und angemessen schnell. Die Handmessung (unendlich nach 50cm) ergab eine Fokuszeit von etwas mehr als einer halben Sekunde bei allen Brennweiten.

Sehr klever gelöst ist bei diesem Objektiv die Fixierung der vergleichsweise gross geratene Streulicht- bzw. Sonnenblende: Im Gegensatz zu den anderen hier getesteten Objektiven ist sie nicht ganz vorne direkt hinter dem Filtergewinde angebracht, sondern am nicht beweglichen Tubus, der bei der Brennweitenänderung nicht ausfährt. Dadurch wird jederzeit eine optimale Abschattung der Frontlinse gewährleistet und das Objektiv verändert seine Gesamtlänge mit aufgesetzter Blende nicht.

Im Praxistest schnitt das Canon-Objektiv wie nicht anders zu erwarten sehr gut ab. Nur das grosse Gewicht ist zumindest gewöhnungsbedürftig, wiegt die Canon EOS 20D mit Batteriegriff, zwei Akkus und diesem Objektiv deutlich über zwei Kilogramm.

Sigma 24-70mm/2.8 EX DG Asp. Makro

Das Sigma-Objektiv ist recht wuchtig und mit seinen 715g auch nicht gerade leicht. Der wertige Eindruck wird durch die typische Sigma-Oberfläche und breiten, griffigen Gummiringen für Fokus und Zoom unterstrichen. Das Objektiv weist bei einer Brennweite von etwa 60mm seine minimale Länge auf, der Auszug beträgt bei der Brennweite von 24mm knapp 3cm, womit das Objektiv seine maximale Länge von 14.5cm erreicht.

Neben dem gewohnten Schalter zur Umschaltung zwischen manuellem und automatischem Fokus verfügt das Sigma-Objektiv noch über die Möglichkeit, den Fokus-Ring durch Verschieben ein- bzw. auszurasten.

Ich weiss nicht, ob es am mir vorliegenden Exemplar lag oder ob es sich um eine allgemeine Krankheit dieser Objektive handelt, aber der Zoom-Ring war äusserst schwergängig, besonders im Bereich der Brennweiten zwischen 24 und etwa 40mm. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass trotz dieser Schwergängigkeit das ausgefahrene Objektiv getrieben durch die Schwerkraft in sich zusammenfährt, wird es senkrecht aufgestellt. Die Zoom-Richtung ist im Gegensatz zu Canon-Objektiven umgedreht, dh. die kleinste Brennweite ist rechts auf der Skala.

Der Autofokus ist vergleichsweise laut und nicht sonderlich schnell, erwies sich an der Canon EOS 20D aber als recht zuverlässig. Da ich das Objektiv nicht allzulange testen konnte, weiss ich nicht, ob es Zufall war, dass die Fokussierung einige wenige Male nicht auf Anhieb klappte. Die handgestoppten Fokussierzeiten (unendlich nach 50cm) betrugen unabhängig von der gewählten Brennweite etwa eine Sekunde.

Die Streulicht- bzw. Sonnenblende ist nach meinem Empfinden etwas gar klein und breit geraten, was besonders im Bereich der maximalen Brennweite zu unnötigen Streulichtstörungen führen kann.

Sehr positiv hervorzuheben ist die von Sigma bei allen EX-Objektiven mitgelieferte stabile und spritzwasserschützende Tasche, in die das Objektiv bestens hineinpasst und die dieses vor allen möglichen Umwelteinflüssen schützt.

Im Praxistest zeigte das Sigma-Objektiv bis auf die bereits angetönte und eher nervende Schwergängigkeit beim Zoomen kaum Auffälligkeiten.

Tamron SP AF 28-75mm/2.8 XR Di LD Aspherical (IF) Makro

Das Tamron-Objektiv ist das kleinste und leichteste unter den drei getesteten Optiken. Der erste Eindruck ist nicht ganz so wertig, wie bei den anderen Kandidaten. Etwas billig dünkt mich auch der goldig bedruckte Textschreifen zwischen Fokus- und Zoom-Ring. Vom Auszug her sind die 3.3cm etwas mehr als bei der Konkurrenz, wobei die maximale Länge von nur 12.5cm immer noch kürzer als bei den anderen Objektiven ist.

Das Tamron verfügt über den üblichen Schalter zur Umschalten zwischen manuellem und automatischen Fokus. Eine Funktion zur Übersteuerung des Autofokus (FTM) ist nicht implementiert. Die Fokus-Richtung ist im Gegensatz zu Canon-Objektiven umgedreht, dh. die kleinste Distanz findet sich ganz rechts auf der Skala. Zudem verfügt dieses Objektiv nicht über eine in dieser Klasse übliche abgedeckte Fokus-Skala, sondern verwendet eine konventionelle Einteilung direkt am Gehäuse. Dies möchte ich allerdings nicht unbedingt als Nachteil verstanden wissen.

Sehr positiv ist zu erwähnen, dass dieses Objektiv über einen sehr breiten Zoom-Ring verfügt. Die Zoom-Richtung ist allerdings im Gegensatz zu Canon-Objektiven umgedreht, dh. die kleinste Brennweite ist rechts auf der Skala. Eine Besonderheit des Tamron-Objektivs ist ein Schalter, mit dem sich der Zoom bei der kleinsten Brennweite (28mm) arretieren lässt.

Der Autofokus ist nicht ganz so laut wie beim Sigma-Objektiv, die handgestoppten Fokussierzeiten lagen ebenfalls unabhängig von der gewählten Brennweite 25% unter denen des Sigmas. Sonstige Unregelmässigkeiten bei der Fokussierung habe ich nicht festgestellt.

Die Streulicht- bzw. Sonnenblende, die wie bei allen getesteten Objektiven beigelegt ist, ist vergleichsweise schlank und dank der etwas höheren Anfangsbrennweite auch länger als die des Sigma-Objektivs. Jedoch leidet das Konzept unter demselben Problem mit erhöhter Streulichtstöranfälligkeit im Bereich der maximalen Brennweite, wie auch das Sigma-Objektiv.

Ein nettes Detail ist der Deckel der Frontlinse, welcher dank innenliegenden Rasten problemlos auch bei aufgesteckter Sonnenblende abgenommen werden kann. Denselben Komfort können Besitzer der anderen Objektive nachträglich durch die Anschaffung entsprechender Objektivkappen von Fremdherstellern erkaufen (Hama bietet ua. sog. "Snap"-Deckel an, wobei psychologische Gründe auch gegen den Kauf sprechen könnten).

Den Praxistest bestand das Tamron ohne weiteren Tadel, wobei besonders die Leichtigkeit einen positiven Eindruck hinterliess.

Mein persönliches Fazit

Da es bei diesem Test ja primär darum ging, mich für eines der oben getesteten Objektive zu entscheiden, darf das folgende Resultat nicht als allgemeingültige Empfehlung verstanden werden. Jeder Leser darf und soll sich seine eigene Meinung bilden und dann besonnen entscheiden, was ihm persönlich wichtig ist.

Was ich gleich hier noch anbringen will, ist ein bisher nicht angesprochener Negativpunkt, der mich bei allen drei Objektiven mehr oder weniger stört: Ich mag keine Objektive, die ihre Länge beim Ändern der Brennweite verändern. Gerade bei der risigen Baulänge des Canon EF 24-70/2.8 verstehe ich nicht, wieso das überhaupt nötig sein muss. In meinem Fundus habe ich ein uraltes Drehzoom für Kleinbildkameras mit Yashica/Contax-Anschluss (28-85mm, Filterdurchmesser 72mm, über die Lichtstärke und die Abbildungsleistung möchte ich allerdings lieber schweigen ...), das dieses Verhalten nicht zeigt. Es wäre also möglich!

Die Konkurrenten von Canon - Sigma und Tamron - bieten zum Teil durchaus ausreichende Leistungen fürs Geld. Qualitativ erreichen sie das Original aber nur bedingt, besonders die diversen Einstränkungen bezüglich der Bedienung schlagen sich wohl im Preis nieder, welcher bei den Mitbewerbern deutlich weniger als die Hälfte des Canon-Objektivs ausmacht.

Für mich hat dieser Test ergeben, dass ich mich auf keinen Kompromiss einlassen will und mich deshalb nach ein paar Tagen Bedenkzeit für das Canon EF 24-70/2.8 L USM entschieden habe.

Dank

Für das grosszügige Zurverfügungstellen der drei Testobjektive möchte ich Arthur Bühler aus St. Gallen herzlich danken und empfehle ihn gerne als auf Foto-Technik von Canon spezialisierter Fachhändler.


07.03.2005



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Alle Rechte © Guido Studer, Basel - Letzte Änderung: 06.03.2008