Homepage http://www.guido-studer.ch/
 
           
 
Foto:            
 
 

Panorama-Workshop

Wenn Sie meine Einführung in die Panorama-Fotografie studiert haben und es Ihnen nun in den Fingern kribbelt, selber ein Panorama anzufertigen, sind Sie hier genau richtig! Lesen Sie hier einen praxisorientierten Bericht über den Weg zum gelungenen Panoramabild:



Voraussetzungen

Bevor wir so richtig loslegen können, sollten wir einen Blick auf die notwendige Ausrüstung werfen. Ich habe mich bereits an anderer Stelle lang und breit darüber ausgelassen, was alles nötig für die erfolgreiche Panorama-Fotografie ist, deshalb beschränke ich mich hier auf eine kurze Aufstellung:

  • eine Digitalkamera mit der Möglichkeit zur manuellen Belichtungskontrolle
  • ein stabiles Stativ
  • eine Wasserwaage oder wahlweise ein gutes Auge
  • wenn möglich ein Nodalpunkt-Adapter, vgl. auch mein Selbstbauprojekt
  • ein Computer mit einem installierten Stitcher-Programm

Sollten Sie über keine Digitalkamera verfügen, sind Sie nicht ganz von diesem Workshop ausgeschlossen. Mit einem Scanner, etwas Geduld und zwei, drei Zwischenschritte haben Sie alle Chancen, auch zu ansprechenden Resultaten zu kommen.

Motivauswahl

Sie sollten sich für Ihre ersten Versuche keine allzu anspruchsvollen Motive bezüglich der Lichtverhältnisse, der Bildinhalte und der Tiefenstaffelung aussuchen. Auch Tests mit sich bewegenden Bildinhalten - Personen, Tiere, Fahrzeuge - würde ich für den Anfang vermeiden. Wählen Sie ein Motiv in Ihrer nahen Umgebung, damit sie die Bilder zwischendurch gleich am Computer bearbeiten gehen und allfällige Fehler bei einem neuen Versuch korrigieren können.

Vermeiden Sie unbedingt, ohne vorherige Tests gleich auf einen Berg zu krachseln und die tolle Aussicht unvorbereitet als Panorama abzulichten. Sie werden den Ausflug schlimmstenfalls wiederholen müssen, falls Sie erst zuhause feststellen, was Sie alles hätten besser machen können.

Wenn Sie die Chance haben, Ihre Panorama-Aufnahmen im Vorfeld zu planen, nützen Sie dies und berücksichtigen Sie neben der geschickten Wahl eines geeigneten Standorts auch die Tageszeit und damit die zu erwartenden Lichtverhältnisse. Die Sonne direkt innerhalb dem Blickwinkel des Panoramas kann zwar reizvoll aussehen, ist technisch und optisch allerdings nicht trivial und oft auch für den Bildinhalt nicht unbedingt förderlich.

Fotosession

Sind die Vorbereitungen getroffen, das Material gepackt und ein geeigneter Ort für die Entstehung des Panoramas gewählt, können Sie mit der Aufnahme beginnen. Folgende Punkte dünken mich wichtig, an dieser Stelle beachtet zu werden:

  • Aufstellen des Stativs

    Suchen Sie für das Stativ, welches Sie hoffentlich verwenden, einen stabilen Stand. Schwingende Böden, Brücken, Türme usw. eignen sich nur bedingt, besonders bei längeren Belichtungszeiten können die Ergebnisse unvorhersehbar sein. Achten Sie besonders auf einen waagrechten Stand und korrigieren Sie allfällige Unebenheiten durch die Längenverstellung der einzelnen Stativbeine. Wenn Sie eine Wasserwage verwenden, setzen Sie dieses beispielsweise an der Stativmittelsäule an und keinesfalls am Stativkopf.

  • Ausrichten des Stativkopfs

    Nachdem das Stativ soweit gerade steht, muss der Kopf korrekt ausgerichtet werden. Verwenden Sie dafür wiederum die Wasserwaage und kontrollieren Sie die Ausrichtung auch nach der Drehung um 90 und 180°. Soweit vorbereitet, bietet das Stativ die Gewähr für ein weitgehend horizontales Bild, was Verluste beim Beschnitt des fertigen Panoramas vermeiden hilft.

  • Montage der Kamera

    Da ich immer empfehle, die Einzelbilder zugunsten eines möglichst grossen vertikalen Blickwinkels hochformatig aufzunehmen, ist der Einsatz eines entsprechend konstruierten Nodalpunkt-Adapters natürlich die erste Wahl. Verwenden Sie einen Kugelkopf oder eine anderen kippbaren Stativkopf, müssen Sie durch den gemessen am Drehpunkt verschobenen Montagepunkt mit Parallaxenfehlern rechnen. Richten Sie ggf. auch den gekippten Stativkopf mit der Wasserwaage aus.

  • Lichtmessung und Einstellung

    Bestimmen Sie nun bei vorgegebener Blende die minimalen und maximalen Belichtungszeiten auf der Kreisbahn Ihres geplanten Panoramas. Ein Mittelwert davon ist ein guter Ausgangswert für die Bestimmung der Belichtungszeit. Korrigieren Sie ggf. diesen Wert nach unten (kürzere Belichtungszeit), um bildwichtige Inhalte herauszustellen, welche stärker beleuchtet sind oder nach oben (längere Belichtungszeit), wenn diese Bildinhalte eher in dünkleren Partien des Bildes zu finden sind. Stellen Sie den so ermittelten Wert manuell fest ein. Sind Sie sich unsicher, können Sie das Panorama auch mit verschiedenen Belichtungszeiten wiederholen.

  • Weissabgleich

    Ebenso sollten Sie den Weissabgleich manuell fest vorgeben. Das Verfahren für die Lichtmessung kann in diesem Fall in den seltensten Fällen übernommen werden, da mir keine Kamera bekannt ist, welche nach einem manuellen Weissabgleich den ermittelten Wert auch ausweist. Üblicherweise sollte aber eine feste Grobeinstellung ausreichen oder Sie ziehen eine Tabelle mit Farbtemperaturen zu Rate, falls Ihre Kamera die direkte Einstellung erlaubt.

  • Fokussierung

    Wenn Sie die Blende klein genug gewählt haben - Blende 8 scheint mir für Aufnahmen ab dem Stativ eine gute Vorgabe -, wird es mit der Schärfentiefe kaum Probleme geben, so dass Sie den Fokus fest auf unendlich - besser auf die Hyperfokaldistanz - einstellen können. Vom Einsatz des Autofokus rate ich dringend ab, da im Extremfall die Bilder nicht mehr korrekt zusammengefügt werden können.

So, nun sind alle Einstellungen soweit vorgenommen und die einzelnen Aufnahmen können gemacht werden. Dabei gilt es natürlich auch wieder einige Dinge zu beachten, die da wären:

  • Aufnahmerichtung

    Nehmen Sie Panoramen immer von links nach rechts auf, da alle Programme, die mir bisher begegnet sind, diese Aufnahmerichtung standardmässig vorgeben und Sie sich dadurch das spätere umsortieren sparen. Bei vertikalen Panoramen beginnen Sie mit dem untersten Bild.

  • Aufnahmewinkel

    Wählen Sie den Aufnahmewinkel so, dass sich die Einzelbilder um 30 bis 50% überlappen. Mehr ist schlecht, weniger noch schlechter.

  • Aufnahmewiederholung

    Besonders bei Motiven mit bewegten Objekten im Vordergrund - Personen, die durch die Gegend spazieren oder Fahr- und Flugzeuge - kann es sehr sinnvoll sein, jedes Bild zweimal aufzunehmen. Sie haben dadurch die Möglichkeit, während der Nachbearbeitung das Bild zu wählen, das keine oder weniger fehlerhafte Übergänge zwischen den Bildern ergibt.

  • Lichtverhältnisse

    Sollten sich die Lichtverhältnisse während der Aufnahme ändern, beispielsweise durch Wolken, die sich frecherweise vor die Sonne schieben, ist eine sinnvolle Fortsetzung nur möglich, nachdem sich die Wolken wieder verdrückt haben. Generell eignen sich schnell ändernde Lichtverhältnisse natürlich wenig für gelungene Panorama-Aufnahmen.

Das allerwichtigste habe ich nun natürlich unterschlagen, verrate es aber an dieser Stelle gerne: Nehmen Sie sich die Zeit für die sorgfältige Planung und selbstverständlich auch für die ebensolche Ausführung!

Zwischenschritte bei Verwendung von chemischem Film

Wie anfänglich bereits angekündigt sind Sie als Benutzer einer Kamera mit chemischem Film - ich spreche ungern von der "analogen Fotografie", da dieser Begriff verwirrend sein kann - keineswegs von der Teilnahme an der digitalen Panorama-Fotografie ausgeschlossen. Lediglich der Zwischenschritt vom chemischen zum digitalen Bild fällt zusätzlich an.

Zugegeben, ganz so simpel wie es nun tönt, ist es natürlich auch wieder nicht, denn es gilt einiges zu beachten und nicht zu unterschätzen ist die dafür nötige Geduld, die "uns Digitalfotografen" inzwischen möglicherweise etwas abhanden gekommen ist.

Folgende Zwischenschritte sind notwendig:

  • Filmentwicklung

    Bei der Entwicklung ist soweit nichts Ausserordentliches zu beachten, was nicht ohnehin beachtet werden sollte. Und die Tatsache, dass dieser Vorgang im besten Fall Stunden, üblicherweise aber eher Tage beansprucht, darf ich wohl als bekannt voraussetzen.

  • Variante 1: Scannen der Negative

    Die sauberste und verlustärmste Methode ist sicher der Scan der Negative. Alle nötigen Parameter können individuell festgelegt und kontrolliert werden, die Ergebnisse dürften von der Qualität her ideal sein. Nur sind taugliche Negativscanner leider alles andere als günstig und der Scan durch das Fotolabor stellt die Vorteile dieser Methode wieder in Frage.

  • Variante 2: Scannen der Abzüge

    Von den Kosten abgesehen sind Scans von Papierabzügen ungleich problematischer, da "moderne" Labors den Verarbeitungsprozess derart automatisiert und "optimiert" haben, dass ungefragte Kontrast und Farbkorrekturen üblich und eine gleichmässige Vergrösserung über mehrere Bilder hinweg kaum erhältlich sind. Vielleicht finden Sie aber auch ein Labor, wo diese Automatiken auf Wunsch ausgeschaltet werden können; am besten fragen Sie Ihren Fotofachhändler.

  • Nachbearbeitung

    Ihre eigenen Scans sollten Sie nach dem exakten Beschnitt und der Korrektur allfälliger Schräglagen unbedingt auf eine einheitliche Grösse bringen, da ansonsten einige (alle?) Stitcher-Programme die Bilddateien nicht verarbeiten können.

Zusammenfassend kann ich zu den hier besprochenen Methoden der Digitalisierung und Nachbearbeitung von Einzelbildern für Panorama-Aufnahmen von chemischem Film nicht wirklich raten, auch wenn es mir durchaus möglich erscheint, damit annehmbare Resultate zu erzielen. Selber ausprobiert habe ich es mangels Notwendigkeit nicht.

Die Einzelbilder zum Panorama zusammenfügen: Stitching

Zuerst stehen Sie natürlich vor der Qual der Wahl eines geeigneten Stitcher-Programms. Ich möchte an dieser Stelle keine konkrete Empfehlung für ein spezielles Programm aussprechen, sondern verweise lieber auf die Link-Liste in meiner Einführung in die Panorama-Fotografie.

Meine hier vorgestellten Beispiele stammen von folgenden Programmen:

Canon PhotoStitch 3.1.7, welches vielen Digitalkameras dieses Herstellers beigelegt ist - bei mir der Canon Digital Ixus v2:

Smoky City Design Panorama Factory 3 (englische Version), welches mit eingeschränkter Speicherfunktion als Testversion von der Homepage des Herstellers heruntergeladen werden kann oder in der Version 1.4 als Freeware verfügbar ist:

Die folgende Kurzanleitung beschreibt die notwendigen Schritte zum Panorama (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Dateien importieren

    Zuerst müssen Sie die zu verarbeitenden Einzelbilder importieren. Dabei können die Bilder korrekt gedreht und anschliessend ggf. in die richtige Folge gebracht werden. Sie können im entsprechenden Dialog übrigens mehrere Dateien auswählen, in dem Sie die Control- bzw. Strg-Taste gedrückt halten.

    PhotoStitch: Wählen Sie im Menü "Datei" die Eigenschaft "Öffnen ..." oder klicken Sie auf die mit "Öffnen" beschriftete Schaltfläche, um die gewünschten Dateien auszusuchen.

    Panorama Factory: Wählen Sie im Menü "File" die Eigenschaft "Import images ..." oder klicken Sie auf die entsprchende Schaltfläche (sieht wie eine Fotokamera aus) und suchen Sie nach den gewünschten Dateien. Bestimmen Sie gleichzeitig, ob und wie die Bilder gedreht werden sollen; diese Einstellung wird für den nächsten Import gespeichert.

  • Einstellungen

    Verwenden Sie bei Ihren ersten Versuchen die verfügbaren Automatiken, um zügig zu einem ersten Ergebnis zu kommen. Später kann es jedoch sinnvoll sein, die Vorgaben anzupassen und die Kontrolle nach und nach selber zu übernehmen.

    PhotoStitch: Es sind keine Einstellungen vorhanden, welche verändert werden könnten. Das Programm funktioniert weitgehend automatisch.

    Panorama Factory: Im Menü "Tools", Eigenschaft "Fine tuning properties" können Sie "Automatically fine tune" aktivieren, um die Ausgaberesultate zu verbessern. Alle anderen Einstellungen sind in der Vorgabe schon sinnvoll auf den Automatikbetrieb eingestellt.

  • Stitch-Vorgang starten

    Mit einem Klick wird hier ein komplexer Prozess angestossen, welcher aus den zuvor geladenen Bildern ein mehr oder weniger perfektes Panorama zaubert.

    PhotoStitch: Eigenartigerweise möchte dieses Programm - jedenfalls in der mir vorliegenden Version - vor jedem Stitching die Brennweite (im mm KB-äquivalent, 35mm in der Vorgabe) bestätigt wissen und speichert diese auch nicht für die nächste Benutzung. Tun Sie PhotoStitch also den Gefallen und wählen Sie die mit "Verknüpfungseinstellungen" bezeichnete Schaltfläche und bestätigen Sie die Angaben bzw. korrigieren Sie die Brennweite, falls erforderlich. Wählen Sie danach im Menü "Verknüpfen" die Eigenschaft "Start" oder klicken Sie auf die mit "Start" beschrifteten Schaltfläche. Die Verarbeitung erfolgt nun sehr zügig, es wird dabei aber nur ein Vorschaubild erzeugt.

    Panorama Factory: Wählen Sie im Menü "New image" die Eigenschaft "Stitch" oder klicken Sie auf die entsprechende Schaltfläche. Die Brennweite kann vom Programm automatisch bestimmt oder manuell vorgegeben werden. Die nun folgende Verarbeitung dauert je nach gewähltem Grad der Automation unterschiedlich lange, bei einer grösseren Anzahl Bildern mit hoher Auflösung sind durchaus mehrere Minuten üblich.

  • Nähte anpassen

    Tragendes Element eines Panoramas sind natürlich die Überlappungen zwischen den Einzelbildern, die sogenannten Nähte. Ihre Eigenschaften und Passgenauigkeit bestimmen weitgehend, wie gelungen das Panorama schliesslich aussieht, ob bewegliche Objekte ein- oder ausgeblendet werden, beispielsweise, oder wie sich die Farbverläufe besonders in einfarbigen Bildteilen - der Himmel ist hier ein stetes Sorgenkind - verhalten.

    PhotoStitch: Wählen Sie über die Schaltfläche "Nähte anzeigen" oder das Menü "Ansicht" Funktion "Nähte anzeigen" die Ansicht der Nähte zwischen den Einzelbildern. Nun können sie eine der grün markierten Nähte anklicken, um den Modus der Verknüpfung zu ändern. Neben dem automatischen Überlappung und der manuellen Variante davon - Sie schieben mit der Maus die beiden Bilder soweit übereinander, bis sie übereinstimmen - steht Ihnen die Möglichkeit offen, zwei oder mehr Punkte in beiden Bildern miteinander zu verknüpfen. Eine weitergehende Steuerung ist leider nicht möglich.

    Panorama Factory: Sie können die rot markierten Nähte links oder rechts anklicken und bei gedrückter Maustaste verkleinern. Weiter ist es möglich, die Eigenschaften der Überlappung manuell zu verändern, in dem Sie oberhalb der Naht klicken, wobei sich der Mauszeiger in eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger verwandelt. Es wird ein Fenster mit dem Titel "Overlap region" anzeigt, wo Sie diverse Einstellungen vornehmen und zwischen den verschiedenen Nähten wechseln können. Mit der zu einer flachen Hand geformten Mauszeiger lassen sich die beiden aktuellen Einzelbilder nun so gegeneinander verschieben, dass ihre Lage verändert wird. Bedenken Sie, dass jede Änderung eine Neuberechnung des Bildbereichs nach sich zieht und ein Momentchen dauern wird.

  • Beschneiden

    Vor dem Speichern muss das Panorama noch beschnitten werden. Üblicherweise sind die Ränder etwas ausgefranst, was nicht nur aber auch auf eine unterschiedliche Kameralage zwischen den Einzelbildern zurückzuführen ist. Zudem bietet sich hier die Chance, bildwichtige Elemente hervorzuheben und unwichtige Randbereiche abzuschneiden. Wenn Sie sich an meine Empfehlung halten, die Aufnahmen immer waagrecht zu machen, ergibt sich oft ein eher langweiliger Bodenbereich, der das Bild nicht unbedingt spannender macht. Diesen können Sie hier bequem verkleinern. Experimentieren Sie mit dem Beschnitt, wobei Sie dazu auch ein beliebiges anderes Programm verwenden, weil die Beschneiderei innerhalb der Stitcher-Programme nicht immer ideal gelöst sind.

    PhotoStitch: Das Beschneiden des Bildes erfolgt hier direkt vor dem Abspeichern des Panoramas (siehe nächster Punkt). Es ist offenbar nur möglich, das Bild in Höhe und Breite zu beschneiden, eine Möglichkeit zur Lagekorrektur durch Drehung scheint zu fehlen.

    Panorama Factory: Im Menü "New Image" können Sie über die Eigenschaft "Crop" oder die entsprechende Symbolschaltfläche den Beschnitt starten. Das Programm gibt dabei eine allfällig nötige Drehung des Ausschnitts bereits vor, was mich ob der Treffsicherheit dieser Vorhersage immer wieder erstaunt. Manuell können sie links oder rechts aussen die mittlere rote Führungslinie anheben oder senken, um die Drehung zu verstärken oder zu verringern. Der rote Rahmen lässt wie üblich einen exakten Beschnitt durch Verschieben zu.

  • Zieldatei abspeichern

    Abschliessend ist das Panorama als Bilddatei abzuspeichern. Verwenden Sie hier immer die maximal mögliche Ausgabegrösse und -qualität, verkleinern können Sie es später immer noch mit dafür besser geeigneten Programmen.

    PhotoStitch: Nachdem Sie über die Schaltfläche "Speichern" oder über das Menü "Datei" Einstellung "Speichern" den Speichervorgang gestartet haben, wird das Stitching erst vollständig vorgenommen, was einen guten Moment dauert. Die Ausgabequalität kann in drei Stufen variiert werden. Abschliessend werden Sie noch gefragt, ob das erzeugte Panorama angezeigt werden soll, wozu ein externes Viewer-Programm aufgerufen würde. Bei Panoramen mit vielen grossen Bildern ist bei PhotoStitch übrigens Vorsicht geboten, da die Breite nach meiner Erfahrung auf etwa 20000 Pixel beschränkt ist.

    Panorama Factory: Wählen Sie im Menü "File" die Eigenschaft "Save current image ...", um das erstellte Panoramabild abzuspeichern. Es stehen Ihnen dabei eine Vielzahl Optionen zur Verfügung, so kann beispielsweise ein Titel mit Beschreibung erfasst oder gleiche eine Internetseite miterstellt werden. Zudem wird die Möglichkeit geboten, die voraussichtliche Dateigrösse mit den aktuellen Einstellungen vorauszuberechnen. Das Programm verwaltet Panoramen zudem in Projekt-Dateien, welche alle Angaben über die Einzelbilder, Nähte und weiter Einstellungen enthalten. Ich persönlich speichere diese Projekt-Einstellungen selten ab, behalte jedoch immer die Einzelbilder

  • Weitere Möglichkeiten

    Die Stitcher-Programme können zum Teil noch deutlich mehr, als die oben beispielhaft beschriebenen Abläufe. Hier seien einige der Funktionalitäten kurz aufgeführt:

    PhotoStitch: Neben der Möglichkeit, übliche horizontale Panoramen zu stitchen können auch mehrzeilig und -spaltige Panoramen (Matix) und Dokumenten (parallele Kamerabewegung) verarbeitet werden.

    Panorama Factory: Einzelbilder können mit diesem Programm auch perspektivisch ent- bzw. verzerrt werden, was bei der Anpassung von verunglückten Panoramen manchmal von Vorteil sein kann. Für erwähnenswert halte ich auch die fein justierbare Zoomfunktion für Bilder, die im unteren Bildbereich dargestellt werden.

Die oben beschriebene Bedienung der Programme beschränkt sich auf die notwendigen Grundfunktionen. Auf weitere Möglichkeiten gehe ich hier nicht im Detail ein, sondern empfehle das Studium des jeweiligen Handbuchs.

Problemfälle

Beim Stitchen eines Panoramas treten vielfach Fehler in den Aufnahmen zu Tage, welche den einzelnen Bildern vorher nicht oder nur schwer bzw. mit einiger Übung anzusehen sind. Die folgende Aufzählung von typischen Problemen mag Ihnen helfen, auftretende Effekte einzuordnen oder besser gleich von Anfang an zu vermeiden.

  • Hellere oder dunklere Bereiche im Panorama

    Sollten einige abgegrenzte Bereiche des Panoramas heller oder dunkler als der Rest des gesamten Bildes sein, ist das oft ein Indiz dafür, dass die automatische Belichtung gewählt und somit die Einzelbilder verschieden belichtet wurden.

    Das linke Bild ist deutlich zu dunkel, das mittlere sehr hell und das rechte Bild ist einigermassen korrekt belichtet.

  • Wellige oder verbogene Panoramen

    Sollten sich Ihre Panoramen nach dem Stitchen durchbiegen, rührt das in der Regel davon, dass Sie keinen geraden Horizont gewählt oder das Stativ schräg ausgerichtet haben. Bilden sich Wellen, haben Sie mutmasslich auf den Einsatz eines Stativs verzichtet und die Neigung der Kamera verändert. Ein typischer Anfängerfehler ist auch, dem hügligen Horizont zu folgen, statt einem geraden gedachten Horizont in der Waagerechten.

    Die beiden äusseren Bildern sind deutlich schräg gestellt, das Linke nach rechts und das Rechte nach links gekippt.

  • Farbveränderte vertikale Streifen

    Sollten sich entlang der Nähte farbliche Veränderungen in Form von vertikalen Streifen zeigen, welche typischerweise im Himmel oder in einfarbigen Flächen sichtbar werden, handelt es sich um ein bekanntes Stitching-Problem, welches ich nach meinen Erfahrungen drei verschiedenen Gründen zuschreiben kann: Das verwendete Stitching-Programm hat generelle Probleme mit besonders hellen bzw. dunklen Bildern oder der Bereich der Naht ist zu eng gewählt. Im ersten Fall wechseln Sie besser auf ein besseres Stitcher-Programm, im zweiten reicht meist die Verbreiterung der Naht. Die dritte Möglichkeit, die mir einfällt, wäre eine Vignettierung der Optik, wie sie zum Beispiel durch eine zu offene Blende auftreten kann.

    Dieses Panorama bei ungünstigen Lichtverhältnissen zeigt deutliche vertikale Streifen an den Nähten, ausserdem scheint links aussen der Weissabgleich nicht so ganz geklappt zu haben.

  • Unscharfe Bereiche

    Schon mehrfach habe ich Unschärfen innerhalb von Nähten festgestellt, welche zu breit gewählt wurden. Dies allerdings hauptsächlich bei eher dunklen Panoramen, speziell Nachtaufnahmen. Der Fehlter lässt sich durch die Verringerung der Nahtbreite meist zuverlässig beheben. Auf die Darstellung kann ich hier verzichten, da dieser Effekt in den hier verwendeten Beispielgrössen kaum sichtbar wäre.

  • Geister bzw. Schatten

    Ein oft beobachtetes Problem bei Panoramen mit Personen an den Rändern von Einzelbildern sind sogenannte "Geister" bzw. die Schatten, welche sie beim Stitching hinterlassen. Sind die Überlappungen gross genug gewählt, können sie in der Regel durch geschicktes Verschieben der Naht entfernt werden.

    Der Tramwagen vom Typ "Combino" auf der Mittleren Brücke hier in Basel ist im Original knapp 43 Meter lang. Auf dem Bild erscheint er allerdings deutlich kürzer und wird im Bereich der Naht ausgeblendet, da er nur im rechten Einzelbild vorhanden ist. Die Naht wird hier durch die beiden roten Linien als linke und rechte Begrenzung symbolisiert.

  • Verdoppelungen im Detail

    Sehr unschön aber nicht unüblich sind beispielsweise Gartenzäune oder Baumäste, welche sich doppelt auf dem Panorama abzeichnen. Diese Parallaxenfehler rühren von einem falschen Drehpunkt her, welcher nicht wie immer wieder vorgeschlagen durch einen geeigneten Nodalpunkt-Adapter ausgeglichen wurde. Nachträglich können diese Fehler nicht mehr korrigiert werden.

    Gut zu erkennen ist der Fehler im obigen Bild an den dicken, mit dem roten Pfeil markierten Ästen. Aber auch die dünneren Ästchen weiter unten erscheinen deutlich unschärfer, was aber erst bei einer entsprechenden Vergrösserung sichtbar wird.

  • Verdoppelungen von Bereichen

    Es kann vorkommen, dass ein ganzer Bereich eines Panoramas verdoppelt wird. Ursache dafür ist meist eine zu grosse Überlappung zweier Bilder, wo das Programm aus dem Tritt gerät und versucht, das Beste daraus zu machen. Manchmal ist ein Bild mit minimalen Differenzen auch schlicht doppelt vorhanden. Üblicherweise erkennt das Stitcher-Programm so einen Fehler recht zuverlässig, aber offenbar nicht immer. Ein konkretes Beispiel liegt mir leider nicht vor, da ich nur diesbezüglich korrigierte Panoramen finde und nicht mehr nachvollziehen kann, wo das jeweils aufgetreten sein könnte.

  • Zwillinge

    Wenn Sie Menschen aufnehmen, welche sich in Aufnahmerichtung durch das Panorama bewegen, kann es durchaus vorkommen, dass sie sich auf mehreren Einzelbildern wiederfinden. Das ist natürlich nicht unbedingt tragisch, aber ich empfehle trotzdem eine kritische Prüfung der Resultate, nicht dass es Ihnen so ergeht wie mir, der sich unvorbereiteterweise von Dritten darauf aufmerksam gemacht sah.

    Man kann mit diesem Effekt - wie man sieht - aber auch trefflich spielen, keine Frage ...

  • Sich langsam bewegende Objekte

    Wenn Sie sich langsam bewegende Objekte - mir fallen da spontan Schiffe ein, aber es gibt sicher noch anderes - in einem Panorama aufnehmen wollen, achten Sie unbedingt darauf, dass diese sich in der Mitte eines Einzelbildes befinden. Das fehlerlose Zusammensetzen ist später sonst kaum mehr möglich.

    Die vorderen beiden Boote mit dem Wasserskifahrer (man sieht ihn in der gewählten Auflösung kaum) sind identisch. Sie wurden jeweils zentral in einem Einzelbild aufgenommen.

  • Sich schnell bewegende Objekte

    Kritisch sind neben langsamen auch sich schnell bewegende Objekte, welche sich in das bzw. aus dem aktuellen Bild zu bewegen drohen. Bedenken Sie dabei auch die Auslöseverzögerung Ihrer Digitalkamera, welche manchmal nicht sonderlich förderlich für das Auslösen im exakt richtigen Zeitpunkt sein muss. Im Zweifel warten Sie also besser ab, bis das sich bewegende Objekt den Bereich des aufzunehmenden Einzelbildes verlassen hat oder lösen nach einer Verzögerung noch ein zweites Bild aus, um eine alternative Variante für das Stitching zu haben.

Es gibt noch eine Vielzahl anderer Probleme, welche ich hier nicht aufgeführt habe. Namentlich bin ich nicht auf alle Probleme eingegangen, die auf Unzulänglichkeiten einzelner Bilder zurückzuführen sind.

Gutes Gelingen!

Abschliessend kann ich Ihnen nun nur noch bestes Gelingen und viel Spass mit Ihren zukünftigen Panorama-Aufnahmen wünschen. Falls Sie eigene Erfahrungen mit mir teilen mögen, würde ich mich sehr über Ihre Anregungen freuen; treten Sie einfach unverbindlich mit mir in Kontakt!


26.12.2003



 :
 
 
 
Alle Rechte © Guido Studer, Basel - Letzte Änderung: 11.05.2010