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Selbstbauprojekt Nodalpunktadapter

Der Nodalpunktadapter ist ein sinnvolles Zubehör für die Panorama-Fotografie, welches sich zur zuverlässigen Vermeidung von Parallaxenfehler eignet. In der folgenden Dokumentation beschreibe ich den Selbstbau eines einfachen Nodalpunktadapters speziell für meine Olympus E-20 und andere Kameras.



Von der Idee zum Plan

Nach einer Vielzahl bereits realisierten Panoramen habe ich die oft leidige Erfahrung gemacht, dass es gerade bei Bildern mit verschiedenen Tiefenebenen, also unterschiedlichen Objektdistanzen zwischen Vorder- und Hintergründen, zu zum Teil heftigen Parallaxenfehlern kommen kann. Das führt beim Stitchen (das elektronische Zusammenfügen der Einzelbilder) zu unangenehmen Erscheinungen wie zum Beispiel doppelt abgebildeter Baumäste vor Hausfassaden oder dergleichen. Um solcherlei zu vermeiden, muss die Kamera um ihren optischen Mittelpunkt - den sogenannten Nodalpunkt - gedreht werden.

Es gibt im Fachhandel durchaus brauchbare Nodalpunktadapter, die sogar äusserst brauchbar und universal sind. Bei Preisen allerdings, für die mancheiner seine Digitalkamera kauft, ist so eine Anschaffung allenfalls etwas für Profis. Etwas handwerkliches Geschick vorausgesetzt, lässt sich so ein Nodalpunktadapter natürlich auch selber basteln, habe ich mir gedacht, so entstand ein erster Plan:

Plan für einen Nodalpunktadapter
für die Olympus E-20 mit Batteriegriff

Zugegeben, ganz so perfekt war mein erster Plan nicht, aber nach ein paar Wirrungen sah er in etwa so aus, wie oben abgebildet. Bemerken muss ich zudem, dass sich der oben abgebildete Adapter ausschliesslich für die Olympus E-20 mit dem Batteriegriff eignet, da letzterer einerseits die Distanz zwischen Stativgewinde und Nodalpunkt um 17 mm verringert und andererseits die Kamerahöhe um 51 mm erhöht.

Ja, Sie haben richtig gesehen, dieser Nodalpunktadpater eignet sich ausschliesslich für die Brennweiten im Kleinbild-Äquivalent von 35 mm und 28 mm (letztere also mit dem zusätzlichen Weitwinkel-Konverter WCON-08B), in jeweils der maximalen Weitwinkel-Stellung. Ich habe mich zu dieser Lösung entschieden, weil nach meiner Erfahrung sowieso eher oben und/oder unten etwas am Panoramabild fehlt, als dass eine längere Brennweite nötig wäre. Sollten Sie wirklich mal in die Verlegenheit kommen, ein Panorma der Alpen mit 200 mm aufnehmen zu wollen, dürfte der Nodalpunkt-Adpater mangels Vordergrund sowieso überflüssig sein.

Das notwendige Material

Bei der Auswahl der Materialien habe ich primär auf die Stabilität der Konstruktion geachtet. Weiter sollte der Nodalpunktadapter einfach und aus so wenigen Teilen wie möglich aufgebaut sein, auch die Kosten sollten sich in Grenzen halten.

Material für den Bau eines Nodalpunktadapters

Zum Bau des Nodalpunktadapters habe ich folgendes Material verwendet, das ich mehrheitlich in meiner Grabbelkiste fand:

  • 2 Stück Aluplatten 120 x 150 mm, Dicke 2 bis 3 mm
  • 1 Stück L-Leiste aus Alu, auf 150 mm zu kürzen
  • 4 Schrauben 25 mm M4 mit entsprechenden Flügelmuttern

Für Flügelmuttern habe ich mich übrigens entschieden, weil ich sie gerade vorrätig hatte, aber auch die Möglichkeit, den Adapter unterwegs ohne Werkzeug zusammenbauen zu können, fand ich nachträglich bestechend. Da mir dafür allerdings Schrauben entsprechender Kürze fehlten, verwendete ich solche mit einer Länge von 40 mm, was nicht weiter tragisch ist, sondern zusammen mit der Schnellwechselplatte am Stativanschluss für einen geraden Stand sorgt. Auch nicht schlecht ...

Zusätzlich benötigt man noch Befestigungsmaterial, um die Kamera und das Stativ mit dem Adapter zu verbinden:

  • 1 Stativschraube vom Fotohändler, eventuell mit zusätzlichem Distanzstück (Unterlagscheiben)
  • 1 Stativgewinde, fragen Sie mich aber bitte nicht, woher Sie sowas nehmen könnten, falls Sie es nicht bereits haben; es war bei mir ein Zufallsfund in der Grabbelkiste

Die Montage

Sind alle notwendigen Teile beschafft, kann der Nodalpunktadapter zusammengebaut werden. Die anspruchsvollste Aufgabe dabei ist das exakte Anbringen der Bohrungen in den beiden Aluminiumplatten. Von grossem Vorteil ist dabei ein Bohrständer, der mir allerdings nur in einer Miniaturausführung zur Verfügung stand. Ich setzte mit meiner Minibohrmaschine deshalb nur etwa 1 mm tiefe Mulden mit einem 3 mm-Bohrer, um danach die Löcher mit dem kräftigeren Universalbohrer mit 4 mm für die Befestigung der Aluplatten an der L-Schiene und 6.5 bzw. 7 mm für die Stativschrauben zu durchstossen.

Ein Tipp noch am Rande: Prüfen Sie im Vorfeld bitte genau, ob sich Ihr Stativ wirklich um das Gewinde dreht oder vielleicht, wie bei meinen "Velbon"-Stativen, der Drehpunkt zum Beispiel 12 mm vor dem Gewinde zu finden ist. Falls Ihr Stativ ebenfalls so eine Differenz aufweist, muss sie beim Anbringen der Bohrungen entsprechend berücksichtigt und die Abstände - 55 und 72 mm im konkreten Beispiel - korrigiert werden.

Mittels der vier Schrauben sind nun die beiden Aluplatten schnell mit der L-Schiene verbunden und der Adapter ist soweit bereits fertig!

Der Nodalpunktadapter im Einsatz

Die folgende Bildreihe zeigt die auf dem selbst gebastelten Nodalpunktadapter montierte Olympus E-20, für den Betrieb im Hochformat eingerichtet:

Olympus E-20 mit Batterie-Griff
auf Nodalpunktadapter von schräg links Olympus E-20 mit Batterie-Griff
auf Nodalpunktadapter von leicht links Olympus E-20 mit Batterie-Griff
auf Nodalpunktadapter von vorne Olympus E-20 mit Batterie-Griff
auf Nodalpunktadapter von leicht rechts Olympus E-20 mit Batterie-Griff
auf Nodalpunktadapter von schräg rechts
Olympus E-20 mit Batterie-Griff
auf Nodalpunktadapter von oben links Olympus E-20 mit Batterie-Griff
auf Nodalpunktadapter von schräg oben Olympus E-20 mit Batterie-Griff
auf Nodalpunktadapter von oben rechts Olympus E-20 mit Batterie-Griff
auf Nodalpunktadapter von hinten Olympus E-20 mit Batterie-Griff
auf Nodalpunktadapter von schräg hinten
Olympus E-20 mit Batterie-Griff auf dem selbstgebautem Nodalpunktadpater (aufgenommen mit der Canon Digital Ixus v2)

Durch das Umsetzen des Stativanschlusses an die auf den obigen Bildern aufrecht stehende Aluplatte kann die Kamera in die Position für Aufnahmen im Querformat gebracht werden. Wird jeweils das hintere der beiden Löcher für den Anschluss des Stativs verwendet, kann der Nodalpunktadapter für den Einsatz ohne den auf den oben gezeigten Bildern benutzten Weitwinkel-Konverter (mit einer Brennweite von 28 mm im Kleinbild-Äquivalent) umgerüstet werden (maximaler Weitwinkel mit einer Brennweite von 35 mm im Kleinbild-Äquivalent).

Sollten Sie über ein Stativ mit Schnellwechselplatte plus drei solche Platten verfügen, lassen sich zwei davon natürlich auch ständig am Nodalpunktadapter montieren (die dritte wäre als Reserve für die Verwendung ohne den Adapter gedacht). Damit ist der Wechsel zwischen Hoch- und Querformat noch schneller möglich. Eventuell müssen Sie Ihre Schnellwechselplatte auch noch leicht modifizieren, damit die Länge der Stativschraube ausreicht. Bei meiner Lösung mit der 3 mm-Aluplatte war dies jedenfalls nötig, jedoch durch Abschleifen eines leicht überstehenden Randes unterhalt der Schnellwechselplatte um 0.5 mm liess sich dieses Problem einfach beheben. Alternativ kann auch eine etwas längere Stativschraube verwendet werden.

Fazit und Ausblick

Nach inzwischen über einem Dutzend mit dem neuen Nodalpunktadapter gefertigten Panoramen bin ich mit den Ergebnissen äusserst zufrieden und möchte dieses sinnvolle Zubehör nicht mehr missen. Einschränkend muss ich allerdings einräumen, dass meine Konstruktion mit fast 500g wirklich kein Leichtgewicht ist und die Kamera mit montiertem Adapter in meiner Kameratasche nur noch sehr knapp Platz findet. Bezüglich dem Gewicht wären bestimmt noch Optimierungen durch Ausschnitte in den Aluminiumplatten möglich und auch grössere Kamerataschen wären beschaffbar. Und wenn ich eines Tages mal etwas Zeit und mattschwarze Farbe übrig habe, werde ich das Finnish auch noch etwas optimieren.

Nun bleibt mir nur noch, Ihnen viel Spass beim Bau Ihres eigenen Nodalpunktadapters zu wünschen und selbstverständlich genügend Licht bei dessen Einsatz.

Nachtrag

Fast 1 1/2 Jahren nach dem Bau muss ich etwas zerknirscht zugeben, dass die Mehrzahl meiner Schönwetterpanoramen aus der Hand entstehen und mich mein Nodalpunktadapter nicht ganz so oft begleitet, wie es wünschenswert wäre. Bei Innen- und Nachtaufnahmen oder Panoramen mit kürzen Objektdistanzen bevorzuge ich aber weiterhin die Möglichkeit, die Kamera exakt auszurichten.

Am Nodalpunktadapter selber hat sich dafür etwas neues getan. Zwar hat er immer noch keinen "professionell" schwarzen Anstrich erhalten, dafür sind nun aber zwei Schnellwechselplatten für meine Velbon-Stative fest montiert, was das Wechseln zwischen Hoch- und Querformat sehr schnell und bequem macht:

   

Auf den obigen Bildern ist zu sehen, dass ich inzwischen vier Stativschrauben mit jeweils entsprechendem Stativgewinde auf der Rückseite verwende; zwei davon halten die Schnellwechselplatten und eine dient der Montage der Kamera. Die vierte Stativschraube (im obigen Beispiel aus schwarzem Kunststoff) dient lediglich dazu, die Stativschraube der Kamera bei Nichtgebrauch zu fixieren. Einen Tipp noch: Die Stativschraube für die Montage der Kamera wird mit einer dicken Unterlagscheibe etwas von der Aluplatte abgesetzt, was das Drehen der Stativschraube deutlich erleichtert.

Wenn Sie übrigens nach dem Studium des Plans am Anfang dieser Selbstbauanleitung und den obigen Bildern etwas verwirrt sind, was die Lage der Bohrungen in den Aluplatten angeht, möchte ich Sie hiermit beruhigen: Ich habe tatsächlich den Nodalpunktadapter umgedreht und verwende ihn jetzt "rückwärts". Dort wo ursprünglich die Kamera montiert wurde, finden sich jetzt die Schnellwechselplatten, während die Kamera nun in einer der drei anderen Bohrungen angeschraubt wird. Dieses Vorgehen hat sich als praktikabler erwiesen, da dadurch die Stativanschlüsse nicht mehr umgesetzt werden müssen.

Auch eine zusätzliche Bohrung habe ich angebracht, um den Nodalpunktadapter zusammen mit meiner neuen Canon EOS 20D in Verbindung mit dem Peleng 8mm/3.5-Fischauge (vgl. auch meinen Testbericht) verwenden zu können:

   

Eine günstige und äusserst nützliche Neuanschaffung habe ich inzwischen auch noch getätigt: Eine Libelle - das ist eine Wasserwaage zur exakten Ausrichtung der Kamera und einem Fuss, welcher in den Zubehörschuh (Blitzschuh) der Kamera passt - ergänzt nun meine Ausrüstung. Die montierte Libelle ist auf obigen Bildern ebenfalls zu sehen.


15.12.2003, Update: 26.03.2005



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Alle Rechte © Guido Studer, Basel - Letzte Änderung: 28.02.2008