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Zwischen Motiv und Technik

Die meisten Menschen greifen bekanntlich hauptsächlich an Familienfeiern, Festtagen oder anderen mehr oder weniger erinnerungswürdigen Ereignissen zu ihrer Kamera, zudem ist sie beliebter Ferienbegleiter, in selteren Fällen aber auch Dokumentationshilfe und wird zur Beweissicherung verwendet. Der engagierte Amateur, der seine Ausrüstung bei jeder möglichen oder unmöglichen Gelegenheit mitschleppt, wird sich mit der Zeit auf bestimmte Motive konzentrieren.



Knipsen vs. Fotografieren

Millionen von Bildern entstehen täglich, die Mehrheit kaum wirklich gezielt, im Automatikmodus geknipst, oft Menschen mit abgeschnittenen Beinen, viel zu oft auch todgeblitzt, Sonnenuntergängen mit schiefen Horizonten oder zweifelhaft gewählten Bildausschnitten. Erinnerungen halt, die beliebteste Entschuldigung für mangelnde Geduld. Vom fehlenden Können will ich an dieser Stelle gar nicht erst reden, denn neben der dafür notwendigen Übung, den Kenntnissen der Grundlagen fehlt doch meist auch die unabdingbare kritische Reflektion.

Und dann stechen einige Bilder aus der Masse heraus, mit wohlüberlegtem Bildaufbau und vor allem einer Aussage. Das sind kaum Produkte des Zufalls, auch wenn es solche tatsächlich geben mag, sondern es sind Bilder, die mit viel Liebe und Leidenschaft "geschaffen" wurden, eben Fotografien im wahrsten Sinn des Wortes.

Ich denke, dass der Unterschied zwischen einem geknipsten Bildli und einer Fotografie bei näherer Betrachtung und der konkreten Auseinandersetzung auch für einen Laien sichtbar werden muss. Dabei ist die technische Vollkommenheit keinesfalls als Kriterium zwischen gut und schlecht oder zwischen Geknipse und Fotografie zu verstehen, sondern darf lediglich als Basis verstanden und gewertet werden. Selbst ein technisch schlecht belichtetes Bild kann perfekt sein, wenn die Bildaussage nur sensationell genug ist.

Wie werde ich zum Amateur?

Wenn ich mich als Amateur bezeichne und stolz darauf bin, meine ich damit mal in erster Linie, dass ich die Fotografie aus Freude und mit einer gewissen Leidenschaft betreibe. Es verbietet sich mir beispielsweise Dinge zu fotografieren, zu denen ich keinen Bezug habe, die mich nicht interessieren. Ich habe keinen Chef im Nacken, keinen dränglenden Auftraggeber und kann in aller Ruhe meinen eigenen Stil entwickeln und perfektionieren.

Zum Amateur wird man meiner Meinung nach primär durch Interesse, sei es an der Fotografie selber oder am dadurch entstandenen Bild. Etwas Grundlagenkenntnisse müssen natürlich schon auch sein, aber entscheidend ist das nicht, zählt letztlich doch das Ergebnis. Gerade die technische Ausrüstung schliesslich ist keinesfalls ein Indiz für das Erreichen des Status eines Amateurs, denn mit Geld kann man zwar alles mögliche kaufen, nur keine selbstgemachten guten Bilder!

Sie merken vielleicht, dass ich das Wort "Amateur" nicht als Synonym zu "Dilettant" verstanden haben will, sondern den ursprünglichen Wortsinn mit der lateinischen Herkunft "amare" bevorzuge, was für "lieben, verehren, gerne tun" steht. So ist für mich ein "Amateur" einer, der - wie der Duden es trefflich formuliert - "eine Sache nicht berufsmässig, sondern aus Liebhaberei betreibt". Der Kauf einer Kamera und das gelegentlich Knipsen damit hat für mich im Unterschied dazu soviel mit Liebhaberei zu tun, wie der berüchtigte Fisch mit besagtem Fahrrad.

Die andere Liga: Profi- und Berufsfotografen

Wenn der Amateur die Fotografie nicht zum Beruf gewählt hat, unterscheidet ihn das grundlegend vom Berufsfotografen. Damit erschöpfen sich die Unterschiede allerdings bereits weitgehend, auch wenn der Ausbildungsstand bei sogenannten Profis eigentlich deutlich besser als der der Amateure sein sollte, haben sie den Beruf bestenfalls irgendwann mal gelernt.

Die technische Ausrüstung muss sich heute in den verschiedenen Lagern kaum unterscheiden, obschon viele Amateure mit vergleichsweisen günstigen Kameras vorlieb nehmen (müssen), während der Profi sein Handwerkszeug oft durch Sachzwänge bestimmt auswählt. Es ist aber bestimmt ein verbreiteter Irrtum zu glauben, die durchschnittlich Profiausrüstung würde den Wert einer Amateurausrüstung deutlich übersteigen. Der Profi wird sich im Gegenteil auf das Nötige beschränken und mehr auf Verfügbarkeit, Robustheit und Zuverlässigkeit der Ausrüstung achten, als irgendwelchen Modetrends nachzulaufen oder auf mangelhafte Qualität zu setzen.

Bedenken Sie bitte auch, dass ein Berufsfotograf von seiner Arbeit leben muss und dabei unter Erfolgsdruck stehend die Leidenschaft vielleicht über kurz oder lang ins Wanken geraten kann. Anders kann ich mir jedenfalls manche Zeitungsbilder nicht erklären, auch wenn ich nicht behaupten will, dass ich es in der konkreten Situation hätte besser machen können.

Technik ist nicht alles ...

... aber ganz ohne sie geht es nun mal nicht. Es liegt in der Natur der Sache, dass zur fotografischen Abbildung zumindest ein lichtempfindliches Element, ein Verschluss und sowas wie eine Linse benötigt wird. Wieviel Aufwand dabei betrieben wird ist für ein gutes Bild selten relevant, auch wenn es für die Verwendung einer exorbitanten Ausrüstung immer einen mehr oder weniger guten Grund geben mag. Technische Qualität kann in manchen Fällen für den Inhalt sogar hinderlich sein, und die Qualität eines Bildes nur an dessen technischen Umsetzung festmachen zu wollen, ist etwa gleich sinnvoll wie die Aussage, dass nur ein Bild aus einer NikOlyMinoLeiCanOntax-Kamera ein gutes Bild sein kann - inkl. dem genauso falschen Umkehrschluss selbstverständlich.

Die Frage nach der sinnvollen Ausrüstung lässt sich pauschal gar nicht beantworten, hängt die Antwort doch vom überwiegenden Einsatzzweck ab. Ganz allgemein würde ich meinen, dass weniger eigentlich mehr sei. Jahrelang bin ich damals mit einer SLR mit 50mm-Objektiv ausgekommen, erst viel später wurde eine deutlich lichtschwächere 28-85mm-Variolinse zu meinem Standardobjektiv, mit allen damit verbundenen Einschränkungen bezüglich Gewicht und Qualität. Heute mag ich nicht mehr ohne flexibel anpassbare Brennweite auskommen, obschon ich mir über die Nachteile durchaus im Klaren bin.

Gerade Anfängern mit ernsthaftem Interesse an der Fotografie empfehle ich, sich auf eine weitgehend manuell bedienbare Kamera mit Festbrennweite zu beschränken und sich erst später für weitere Objektive mit den Brennweiten zu entscheiden, welche für ihren Anwendung geeignet erscheinen.

Familienfotografie

Obschon gerade diese Sparte Tummelplatz für die hier immer wieder etwas despektierlich als "Knipser" kleingeredete Mehrheit der Kamerabesitzer ist, kann auch der engagierte Amateur gerade in diesem Bereich viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Primäres Ziel bei der Familenfotografie ist üblicherweise die Dokumentation, das Festhalten wichtiger familiärer Anlässe, das Aufwachsen des Nachwuchses und dergleichen. Ziel der Aufnahmen ist traditionell das Fotoalbum, welches durch die neuen Technologien der Digitalfotografie allerdings durch deutlich weniger beständige Medien verdrängt zu werden droht.

Für die Familienfotografie reicht bereits eine vergleichsweise einfache Kamera ohne viel Zubehör, wie sie heute recht günstig bei annehmbarer Qualität verfügbar sind. Und was Sie nun vielleicht überraschen wird, empfehle ich für diesen Verwendungszweck eine Kamera für Kleinbildfilm (keinesfalls APS, auch wenn dadurch die Abmessungen der Kamera noch etwas kleiner wären; die bekannten Nachteile dieses Systems wiegen einfach zu schwer).

Hobbyfotografie

Unter diesem Titel könnte man natürlich irrtümlich das Hobby Fotografie verstehen, aber ich habe die Worte deshalb zusammengeschrieben, weil ich damit die Fotografie im Zusammenhang mit diversen Hobbies meine. Nun ist mir auch klar, dass dies ein breites Feld ist, weshalb ich ein paar Beispiele zur Verdeutlichung anführen möchte: Allerlei Spotter (da gibt es solche für Flugzeuge, Züge, Lastwagen, Schiffe usw. - ja, auch welche für Trams soll es geben!), Vereins- und Modellsportfotografen ...

Obwohl im ersten Moment unterschiedlichen Anforderungen an die Ausrüstung bestehen zu scheinen, kommt es doch bei den Meisten dieser Anwendungen auf ein gutes Tele-Objektiv an, je lichtstärker desto besser. Ob digital oder mit chemischem Film bestückt, eine Spiegelreflex-Kamera oder eine geeignete Sucherkamera wäre hier durchaus angebracht, wobei ich eher dazu tendiere, das verfügbare Kapital für eine taugliche Optik einzusetzen, natürlich keinesfalls für ein "Superzoom".

Natur- und Landschaftsfotografie

Ein äusserst vielfältiges Thema ist die Natur- und Landschaftsfotografie. Sie reicht vom Landschaftsbild über die Tier- bis zur Makrofotografie in freier Wildbahn. Gerade in diesem Breich der Fotografie ist die Geduld eine vitale Grundvoraussetzung für das perfekte Bild. Lichtstimmungen beispielsweise können Landschaften mehr oder weniger interessant machen, und bis die ideale Aufnahme eines wilden Tieres entstanden ist, kann es Stunden, Tage oder gar Monate dauern.

So breit gefächert wie die möglichen Motive ist auch die Auswahl der dafür notwendigen Objektive. Für Landschaftsaufnahmen werden meist Weitwinkelobjektive bevorzugt, Tieraufnahmen lassen sich üblicherweise eher mit Tele-Objektiven realisieren, während für besonders kleine Tierchen und Pflänzchen bestenfalls spezielle Makro-Objektive im Tele-Bereich eingesetzt werden. Besondere Anforderungen an die Kameratechnik stellen die Aufgaben eigentlich nicht, bis eben auf die Möglichkeit, die entsprechenden Objektive adaptieren zu können. Ob sich die Digitaltechnik bezüglich der meist gewünschten guten Qualität in diesem Bereich wirklich eignet oder ob nicht doch das Diabild das Mittel der besseren Wahl wäre, muss jeder Fotograf für sich selber entscheiden.

Unterwasserfotografie

Ein Spezialgebiet der Hobby-, Sport- und Naturfotografie ist die Unterwasserfotografie. Die faszinierende Welt unter Wasser bietet eine Vielzahl interessanter Motive unter deutlich erschwerten Bedingungen.

Was die Technik betrifft, gibt es bestimmt intimere Kenner der Materie, die sich erschöpfender darüber auslassen können. Ich würde eine kleinere Digitalkamera mit einem guten Unterwassergehäuse vorschlagen, wobei ich denke, dass die Lichtquellen ein deutlich wichtigeres Thema sein dürfte. Ein professionelles Unterwassergehäuse für eine ebensolche DSLR-Kamera wird den Wert der Kamera aber sicher deutlich überschreiten, nur um die Dimensionen ins rechte Licht zu setzen.

Architekturfotografie

Gebäude, Monumente, technische und industrielle Anlagen, Kulturdenkmäler, Brücken und Innenräume aller Art, das alles sind typische Motive der Architekturfotografie. Bei der Planung von derlei Aufnahmen sollte immer der Sonnenstand berücksichtigt und damit die ideale Tageszeit bestimmt werden, wo die Lichtverhältnisse das Objekt möglichst optimal auszuleuchten vermag.

Geeignete Kameras für diese Disziplin dürften zwar eher im Mittelformatlager zu finden sein, vorzugsweise mit Balgenauszug und variabel verstellbarer Objektivebene. Alternativ können auch Kleinbildkameras mit speziellen Tilt-/Shift-Objektiven zum Einsatz kommen, wobei derlei Optiken weder verbreitet noch günstig erhältlich sind. Eine "normale" Kamera mit einem vorzugsweise möglichst kurzen, verzeichnungsfreien Weitwinkel-Objektiv kann aber durchaus auch zum Einsatz kommen, ganz besonders wenn die Bilder in der Nachbearbeitung perspektivisch entzerrt werden. Letzteres spricht eher für den Einsatz einer Digitalkamera, wobei wegen dem Crop-Faktor ("Brennweitenverlängerung") die Auswahl an bezahlbaren und qualitativ ausreichenden Weitwinkel-Objektiven selbst für gängige DSLR-Systemkameras nicht sonderlich gross ist.

Sach- und Produktfotografie

Für die Werbung, Kataloge, aber auch zu Zwecken der Dokumentation müssen Objekte ins rechte Licht gerückt und abgebildet werden. Dabei steht die Präsentation der Produkte in der Regel im Vordergrund, was neutrale Hintergründe und gut abgestimmte Beleuchtung voraussetzt.

Üblicherweise wird für die Studioarbeit auf das qualitativ hochwertige Mittelformat zurückgegriffen. Im Amateurbereich können aber auch problemlos gängige Digitalkameras verwendet werden, wenn die Ausleuchtung zumindest im Ansatz studiomässig geschaffen werden kann. Um Verzeichnungen zu vermeiden und die Perspektive zu wahren, wäre ein leichtes Tele-Objektiv angebracht.

Portraitfotografie

Eines der anspruchvollsten Gebiete der Fotografie ist bestimmt das Portrait. Ich halte dabei ein gutes Verhältnis, eine Vertrauensbasis zwischen Fotograf und Modell für die Grundvoraussetzung. Einfühlungsvermögen und Respekt von Seiten des Fotografen sind weitere Bedingungen für gutes Gelingen, die Fähigkeit die Persönlichkeit des Modells geeignet abzubilden ist ein Anspruch, den zu erfüllen es anzustreben gilt.

Von der Technik her erscheint mir die Portraitfotografie deutlich weniger anspruchsvoll, als jede andere Disziplin in der Fotografie. Lediglich bei der Auswahl der Brennweite möchte ich die Empfehlung aussprechen, ein leichtes Tele-Objektiv zu verwenden, zwischen 80 und 100 mm Kleinbild-Äquivalent scheinen angebracht. Eine Blitzanlage dürfte zudem gute Dienste leisten, obschon ich persönlich natürliches Licht bevorzuge.

Mode- und Studiofotografie

Diese vom Amateur eher selten umgesetzte Form der Fotografie wird im Studio mit deutlich mehr Aufwand betrieben, als die einfache Portraitfotografie, die mit einem, zwei oder auch mal drei Blitzgeräten auszukommen vermag. Auch in der Werbung werden uns vielfach so entstandene Kunstprodukte als "reales Leben" verkauft. Bedenklicherweise mutieren diese künstlichen Produktionen vielfach zu Vorbildern für unreflektierende Konsumenten, was ich beispielsweise für den besonders unter jungen Frauen grassierenden Magerwahn für verantwortlich halte.

Im Studiobetrieb werden auch heute noch Mittelformatkameras verwenden, die aber mehr und mehr von der Digitaltechnik verdrängt bzw. durch dieselbe ergänzt wird. Neben einer professionellen Lichtanlage, einem ebensolchen Stativ, den nötigen Hintergründen in verschiedenen neutralen Farben wird in einem Studio besonders viel Platz in der Fläche und der Höhe vorausgesetzt.

Reportagefotografie

Ein hauptsächlich den professionellen Fotojournalisten vorbehaltener Zweig der Gebrauchsfotografie ist das Dokumentieren von zeitgeschichtlichen, kulturellen und sportlichen Ereignissen. Da die Ergebnisse dieses Schaffens oft in der Tagespresse zu finden sind, prägt sie mit ihren Inhalten und Formen auch massgeblich unser Verständnis von Fotografie.

Von der Technik her ist in diesem Bereich heute eine digitale Systemkamera - eine DSLR - wohl das bevorzugte Werkzeug. Dabei werden wohl Modelle vorgezogen werden, welche sich nicht nur durch ihre Zuverlässigkeit und Robustheit auszeichnen, sondern auch die nötige Geschwindigkeit für Serienaufnahmen aufbringen können. Wobei auch hier die Ausnahme die Regel bestätigen wird, da in der Praxis durchaus auch weniger performante, "billigere" Kameras verwendet werden.

Zum Schluss

Abschliessend möchte ich nocheinmal die Bemerkung anbringen, dass die verwendete Technik nicht das Bild ausmacht, sondern nur ein Mittel zum Zweck sein kann. Gerade für den Anfänger sollte die Ausrüstung nicht im Mittelpunkt seines Tuns stehen, sondern das Motiv, die Beschäftigung damit und die Gestaltung des Bildes.


15.01.2004



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Alle Rechte Guido Studer, Basel - Letzte Änderung: 28.02.2008