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Datenverwaltung in der digitalen Fotografie

Beim Einsatz moderner Digitalkameras fallen über kurz oder lang eine Menge Bilddaten an, welche möglichst frühzeitig geordent untergebracht und gesichert gehören. Ob damit allerdings eine Haltbarkeit ähnlich der konventionellen Abzügen erreicht werden kann, steht auf einem ganz anderen Blatt.



Arbeitsablauf

Neudeutsch "Workflow" genannt umschreibt dieser Ablauf, was wann wie gemacht wird, beim hier vorliegenden Thema also von der Aufnahme über die Verwaltung bis zur Archivierung und Sicherstellung der Bilder.

Selbstverständlich unterscheidet sich der Arbeitsablauf deutlich, je nach dem, welcher Fotografentyp Sie sind. Aber auch die Mengen, Platzbedarf und das Bedürfnis nach Sicherheit schwanken unter Umständen beträchtlich, abhängig von Ihrem Status und der Frage, ob Sie beispielsweise Ihren Lebensunterhalt mit der Fotografie bestreiten.

Der grobe Arbeitsablauf ist bei jeder Anwendung der digitalen Fotografie etwa der gleiche:

In diesem Dokument konzentriere ich mich auf den engagierten Amateur und lasse ab und an Gedanken zu professionellerem Vorgehen einfliessen. Den Gelegenheitsknipser ohne jeglichen Anspruch kann ich guten Gewissens leider nicht berücksichtigen, aber ich hoffe zuversichtlich, dass mancher, der sich derzeit selber noch in dieser Kategorie einordnet, mit der Zeit zum Amateur aufsteigt und ihm deshalb mein Geschreibsel auch irgendwie nützlich sein wird.

Aufnahme

Bereits zum Zeitpunkt der Aufnahme gilt es aus datentechnischer Sicht einiges zu beachten. Die Bildqualität und damit die Dateigrössen ist ein Faktor, der weitgehend vom Verwendungszweck bestimmt, aber auch von den Speichermöglichkeiten abhängt, wobei ein weiter Aspekt die benötigte Zeit zur Speicherung der Bilddaten während der Aufnahme sein kann.

Die Bildqualität ist einerseits vom Datenformat, dessen allfälligen Komprimierung und andererseits von der Auflösung abhängig. Je grösser die resultierenden Bilddateien, desto länger dauert naturgemäss die Speicherung der Bilddaten auf den Datenträger. Die folgende Tabelle zeigt exemplarisch die Zusammenhänge zwischen Dateigrössen, Speicherzeiten und den üblichen Speicherformaten:

Format
 
Dateigrösse
(KBytes)
Speicherzeit
(Sekunden)
Anzahl Bilder
pro 256 MB
Bemerkung
 
RAW 9'697 17.7 26 verlustfrei, komprimiert
TIFF 15'616 34.6 16 verlustfrei, unkomprimiert
SHQ: JPEG 1:2.7 3'598 13.2 71 verlustbehaftet, komprimiert
HQ: JPEG 1:8 1'217 9.8 210 verlustbehaftet, stark komprimiert
SQ: JPEG 1:8 297 8.3 862 Auflösung nur 1280x960

(Alle Aufnahmen wurden mit meiner Olympus E-20 mit dem eingebauten Blitz von demselben Motiv mit einer Auflösung von 2560x1920 Pixeln gemacht - ausser im "SQ"-Modus mit nur 1/4 der Auflösung -, Zeitmessung handgestoppt und auf eine CF-Karte mit 256 MB von SanDisk gespeichert)

Wie Sie obiger Tabelle entnehmen können, bestimmt die Aufnahmequalität massgeblich die Grösse der zu verwendenden Datenspeicher. Dies ist für die folgende Überlegung bezüglich der Datensicherheit nicht ganz unwichtig. Ich empfehle dringend den Einsatz mehrerer Speicherkarten, auf die die Aufnahmen eines Tages verteilt werden können. Im Notfall - dass die Bilder von einer Karte nicht mehr gelesen werden können, darf nicht ausgeschlossen werden, auch wenn es bei pfleglicher Behandlung eher unwahrscheinlich ist - gehen dadurch nicht alle Bilder verloren.

Vielleicht noch ein Wort zu der Aufnahmequalität zwischendurch: Für den Amateur genügt in der Regel das JPEG-Speicherformat. Verwenden Sie jedoch unbedingt die maximal mögliche Auflösung und reduzieren bei Bedarf die Datengrösse durch eine höhere Komprimierung. Die sichtbaren Unterschiede zwischen den 1:2.7- und 1:8-Komprimierungen (SHQ und HQ im obigen Beispiel) sind eher klein und für den privaten Bedarf kaum von Bedeutung.

Die Anzahl Aufnahmen pro Tag sind ein sehr individuelles Mass und hängen ganz von den Gewohnheiten des Fotografen ab. Bewährt hat es sich allerdings, den Vorteil der digitalen Fotografie auszunutzen und lieber ein, zwei Bilder mehr zu machen, damit bei der späteren Auswahl die Chancen besser stehen, eine wirklich gelungene Aufnahme dabei zu haben. Natürlich ist diese Empfehlung auch stark abhängig vom Motiv, denn ein Haus zweimal vom gleichen Standort mit denselben Einstellungen aufzunehmen, wird wohl weniger Sinn machen, als beispielsweise eine Reihe Bilder von spielenden Kindern.

Wenn ich hier immer wieder von der Anzahl Bildern pro Tag schreibe, impliziere ich die Möglichkeit, die gemachten Bilder am Ende des Tages von der Kamera bzw. den Speicherkarten auf einen Computer übertragen zu können. Sollten Sie vorhaben, die Digitalkamera für Urlaubsfotos einzusetzen und während zwei, drei Wochen "den Film" in der Kamera zu belassen, haben Sie - datensicherheitstechnisch - ein nicht zu unterschätzendes Problem, ist die digitale Technik doch derzeit noch nicht so stabil, wie der konventionelle chemische Film.

Aber auch für solche Situationen gibt es mehr oder weniger zuverlässige Mittel; der einfachste Weg wäre natürlich, einen (möglichst portablen) Computer mit in den Urlaub zu schleppen, aber ich gebe zu, dass das nicht in jedem Fall möglich oder gewollt ist. Alternativ sind inzwischen portable Festplatten mit eingebauten Kartenlesern verfügbar, welche sogar mit netzunabhängig betrieben werden können und - je nach eingebauter Festplatte und Bilddateigrössen - Raum für bis zu einige zehntausend Bilder bieten. Weniger grosse Datenmengen - aber immerhin mehrere hundert Bilder - lassen sich auf CD-R oder CD-RW unterbringen, welche mit ebenfalls portablen CD-Brennern mit eingebauten Kartenlesern erstellt werden können. Zuletzt und ganz ohne eigene Hardware kann ich noch auf die Möglichkeit verweisen, CDs in Mini-Laboren oder Internet-Cafés am Urlaubsort erstellen zu lassen, wobei Sie die Daten unbedingt prüfen sollten, bevor Sie die Speicherkarten endgültig löschen.

Datenübernahme

Gewöhnen Sie sich an, die gemachten Bilder so bald als möglich auf den Computer zu übertragen, löschen Sie die Daten aber erst von der Speicherkarte, nachdem Sie die Sicherstellung auf den neuesten Stand gebracht haben.

Die Datenübernahme kann entweder direkt aus die Kamera oder aber durch einen am Computer angeschlossenen Kartenleser erfolgen. Praktischerweise sollte der zweite Weg bevorzugt werden, um das Gefummel mit dem Kabelanschluss an der Kamera zu umgehen. Ausserdem ist diese Lösung oft deutlich schneller als die Datenübertragung aus der Kamera. Beachten Sie dabei, dass Sie vom Computer aus keine Daten auf die Speicherkarte schreiben, da dadurch unter Umständen Probleme in der Kamera entstehen können. Ausserdem ist das Formatieren von Speicherkarten im Kartenleser des Computers unbedingt zu vermeiden.

Ich gehe immer so vor, dass ich via Kartenleser alle Bilder zuerst in ein spezielles Transfer-Verzeichnis kopiere und die Karte dann zurück in die Kamera stecke. Letztere Vorsichtsmassnahme soll sicherstellen, dass ich das Haus nie mit einer leeren Kamera verlasse (obschon ich natürlich in der Fototasche noch mindestens eine weitere leere Karte vorrätig dabei hätte).

Sollten Probleme beim Auslesen der Bilddaten auftreten, kann ich nur ausdrücklich vor irgendwelchen Reperaturversuchen direkt auf der Speicherkarte warnen. Verwenden Sie stattdessen ein Programm, das die Daten von der Karte auslesen und auf dem Computer abspeichern kann, wo dann die Rettungsversuche keinenen Schaden anrichten können. Gute Erfahrungen bei meiner bisher einmaligen Benutzung habe ich mit dem kostenlosen Rettungsprogramm JpegDump gemacht, obschon es einerseits auf die Wiederherstellung von JPEG-Dateien beschränkt und andererseits als befehlszeilengesteuertes DOS-Programm funktioniert. Allerdings dauerte das Recovery einer 256 MB-Karte auf einem durchaus zeitgemässen Rechner über zwei Stunden, es wurden aber alle Bilder fehlerfrei erkannt und gespeichert, lediglich die Dateinamen gingen verloren.

An dieser Stelle möchte ich noch ein paar Worte zu den üblichen Bilddateien im JPEG-Format einflechten, welche einerseits im JPEG-Header (Kopf der JPEG-Datei) und andererseits in einer speziellen Datenstruktur mit den Bezeichnungen "EXIF" oder "IPTC" abgespeichert sind. Im JPEG-Header sind unter anderem folgende Angaben vorhanden:

  • Breite und Höhe des Bildes in Pixeln
  • Auflösung (DPI), ein im Prinzip völlig irrelevanter Wert
  • Farbtiefe (8 Bit bei Graustufen, 24 Bit bei RGB oder 32 Bit bei CMYK)

Zudem lässt sich in der JPEG-Struktur einen einzelnen, ggf. auch längeren Kommentar unterbringen.

Die EXIF-Daten können sich je nach Version (üblich sind heute 2.1 und 2.2) und Hersteller bzw. Kamera im Umfang leicht unterscheiden, aber folgende Angaben sind üblicherweise in jeder Bilddatei vorhanden:

  • Aufnahmedatum und Zeit (Format: "JJJJ:MM:TT HH:MM:SS")
  • Hersteller und Modell der Kamera (manchmal werden allerdings die Modelle nicht eindeutig unterschieden)
  • Belichtungsprogramm, Blitzprogramm, oft auch der Autofokus-Modus
  • Belichtungszeit, Blende, Empfindlichkeit (letzteres zum Teil aber etwas versteckt)
  • Brennweite und manchmal auch die Objektdistanz
  • besondere Einstellungen (Kontrast, Sättigung, Schärfe)
  • und vieles andere mehr ...

Mit Windows XP wurden fünf spezielle Microsoft-Felder in die EXIF-Struktur eingeführt, welche über die Dateieigenschaften manipuliert werden können. Sie unterscheiden sich neben der fehlenden Standardisierung - als plattformunabhängig dürfen diese Inhalte nicht gelten! - auch durch ein abweichendes Zeichenformat von den restlichen EXIF-Angaben. Folgende Inhalte werden in diesen Feldern verwaltet:

  • Titel
  • Thema
  • Kommentar
  • Autor
  • Stichwort(e)

Zudem wurde vor vielen Jahren bereits der IPTC-Standard - vom "International Press Telecommunications Council" - eingeführt, welcher ebenfalls erlaubt, weitergehende Informationen zum Bild abzuspeichern. Die hiermit verwaltbaren Angaben sind rein applikativ und nicht so technisch orientiert, wie die EXIF-Inhalte. Beispiele:

  • Bildtitel
  • Priorität, Bearbeitungsstatus, Release-Zeitpunkt
  • numerisch kodierte Kategorien gemäss standardisertem Katalog
  • Herkunft (Stadt, Region, Land)
  • und viele weitere Angaben ...

Sie können diese vielfältigen Daten mit verschiedenen Programmen auslesen, manche sogar ändern, was natürlich nicht in allen Fällen sinnvoll sein kann. Viele Programme, besonders solche zur Bearbeitung der Bilddaten, sind allerdings nicht sonderlich nett und löschen besonders die EXIF- und IPTC-Daten ganz oder teilweise. Dies ein Grund mehr, die Originaldateien zu sichern und Änderungen in neuen Dateien zu speichern.

Datenbearbeitung

Sobald die Bilder auf der Festplatte des Computers liegen, können die hochformatigen Bilder zum Beispiel mit dem kostenlosen Programm IrfanView verlustfrei gedreht werden. Gleichzeitig kann an dieser Stelle bereits die erste Grobselektion bezüglich der Qualität vorgenommen und die schlechten Aufnahmen gelöscht werden. Sollte hier mal eine Datei zu viel gelöscht werden, lässt sich die ab der Speicherkarte, die in diesem Moment ja noch nicht gelöscht sein sollte, wiederhergestellen.

Jetzt ist bereits der Zeitpunkt für eine (erste) Sicherstellung gekommen, die sinnvollerweise die Rohdaten umfassen sollte. Wenn Sie über einen Computer mit zwei eingebauten Festplatten verfügen, kann das Ziel der Kopien diese zweite Festplatte sein. Da später noch eine zweite, externe Sicherstellung erfolgen sollte, könnte dieser Schritt auch ausgelassen werden, empfehlen kann ich dieses Vorgehen aber nicht.

Danach ist das Verteilen der Bilder in eine möglichst sinnvoll gestaltete Verzeichnisstruktur angesagt. Die Meinungen darüber, wie eine "sinnvolle" Verzeichnisstruktur auszusehen habe, gehen natürlich weit auseinander. Ein Ansatz ist der einer Chronologie, wo die Bilder Nach Jahren, Monaten oder Tagen bzw. beliebigen Kombinationen davon einsortiert werden. Ein anderer Ansatz ist das themenorientierte Aufteilen, wo zum Beispiel nach Portraits, Landschaften, Ereignissen usw. unterschieden wird. Ich verwende und empfehle eine Mischform daraus, welche als oberste hirachische Ebene das Jahr, darunter die themenorientierte Haupteinteilung gefolgt von einer Feineinteilung, wie bei Landschaften zum Beispiel einzelne Orte, umfasst.

Müssen nun Bilder noch geradegerückt, beschnitten und eventuell farblich korrigiert werden, kann das jetzt, das heisst vor/während dem Kopieren in die Zielverzeichnisse geschehen. Gerade bei farblichen Änderungen oder Beschnitten sollte gut überlegt werden, ob die unveränderte Originaldatei nicht behalten werden soll, und die geänderten Bilder unter einem anderen Namen abgespeichert werden sollen. Geänderte Bilddateien sollten möglichst den Originalnamen behalten und mit einem Versionssuffix - also einer Namenserweiterung; aus P1010001.JPG würde beispielsweise P1010001-A.JPG, nach der zweiten Änderung P1010001-B.JPG usw. - versehen werden. Mutigere Zeitgenossen verzichten auf diese Möglichkeit, später neue Änderungen an den Ursprungsdaten vorzunehmen und überschreiben gleich die Originaldateien. Ich halte das zwar für übermütig, mache es bisweilen aber selber auch so, im professionellen Umfeld würde ich von solchem Tun allerdings dringend abraten.

Spätestens jetzt sollte eine externe Sicherstellung aller neuen Bilddateien vorgenommen werden. Da es sich nur um eine Zwischensicherung handelt, kann zu diesem Zweck ein R/W-Datenträger verwendet werden, welcher für die längerfristige Speicherung nicht so gut geeignet ist.

Nachdem nun die Daten auf Festplatte(n) und/oder externen Datenträger(n) mindestens doppelt vorhanden sind, können die Bilder auf der/den Speicherkarte(n) gelöscht werden. Wie Sie sich erinnern, sollte sich die Speicherkarte nun in der Kamera befinden und auch ausschlisslich dort weiter bearbeitet werden; verzichten Sie konsequent auf das Beschreiben, Löschen oder gar Formatieren von Speicherkarten im direkt mit dem Computer verbundenen Kartenleser. In der Regel reicht das einfach löschen aller Bilder auf den Speicherkarten aus, gelegentlich darf sie allerdings auch mal wieder formatiert werden. Letzteres ist unbedingt angezeigt, wenn irgendwelche Probleme mit der Karte aufgetreten sind, beispielsweise Daten nicht mehr ordentlich gelesen werden konnten oder nach anderen Systemproblemen mit der Kamera.

Archivierung

Das Speichern, Korrigieren und Sicherstellen der Bilddaten ist eigentlich nur dann sinnvoll, wenn später wieder gezielt auf die einzelnen Aufnahmen zurückgegriffen werden kann. Ein Programm zur Archivierung tut also Not!

Je nach Anspruch reicht natürlich bereits eine Textdatei, in der die wichtigsten Angaben zusammen mit den betreffenden Bilddateinamen notiert sind, denn auch darin lässt sich suchen und vielleicht sogar das gewünschte Bild finden. Aber besonders handlich wäre so eine Lösung natürlich nicht.

Es gibt auf dem Markt eine Vielzahl billige, günstige oder weniger günstige käufliche Lösungen, die vielfach auch einen Grossteil der bereits weiter oben besprochenen Vorgänge mehr oder weniger abdecken. Sollten Sie wie ich des Programmierens mächtig sein, bietet es sich ausserdem an, selber die auf die eigenen Bedürfnisse angepasste Lösung zu entwickeln. Entsprechende Hilfsmittel biete ich unter anderem in meiner Freeware-Ecke für Access an, andere frei verfügbare Quellen für weitere Programmiersprachen lassen sich bestimmt auch finden.

Die folgende Aufzählung von Bildverwaltungsprogrammen erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, ich fürchte sogar, dass ich einige wichtige Produkte schlicht vergessen habe oder sie gar nicht kenne. Begeben Sie sich also besser selber auf die Suche und vergleichen Sie die für Sie entscheidenden Leistungsdaten!

(Irrtümer wie immer vorbehalten, Versionen und Preise Stand November 2003)

Ich selber kenne die oben aufgeführten Programme zu wenig, als dass ich viel sachdienliches dazu schreiben könnte. Einzig IMatch habe ich mir etwas genauer angesehen und bin auch durchaus beeindruckt vom gebotenen Funktionsumfang. Interessant scheinen auch die Möglichkeiten der Programmierbarkeit dieses Programms, wobei ich mich diesbezüglich nicht allzu tief eingearbeitet habe.

Wichtig scheint mir bei der Auswahl eines Bildverwaltungsprogramms darauf zu achten, dass eine sinnvolle komplexe Verschlagwortung möglich ist, also jedem Bild verschiedene Stichworte zugeordnet werden können. Aus datentechnischer Sicht wäre es natürlich erstrebenswert, wenn alle einmal erfassten Angaben in geeigneter Form exportiert werden könnten, aber ich fürchte, diesem Wunsch wird kaum ein Programm gerecht werden, zumal das Zielformat zum Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht bekannt sein dürfte.

Sollten Sie sich momentan (noch) nicht für ein Verwaltungsprogramm entscheiden können oder wollen, mag auch eine Zwischenlösung angebracht sein. Neben einer sinnvollen Verzeichnisstruktur können die Bilder zum Beispiel als Index-Drucke ausgegeben und zusammen mit den CDs der Originaldatein geeignet abgelegt werden. Je früher Sie allerdings ein Programm zur Erfassung der Bilddaten einsetzen, desto kleiner die Arbeit der Betitelung und Verschlagwortung.

Sicherstellung

Nachdem der Datenbestand nun soweit organisiert ist und die Bilder auf der Festplatte vorliegen, gilt es für den Fall der Fälle vorzusorgen, also die Daten sicherzustellen.

Als beispielhafter Rhythmus für eine professionelle Sicherstellung würde ich ein Schema wie dieses vorschlagen:

  • tägliche Zuwachssicherung
  • wöchentliche/monatliche Vollsicherung, mit mindestens 3 Generationen
  • jährliche Vollsicherung

Wenn die Sicherstellung lediglich für den Bilddatenbestand ausgelegt sein soll, kann die oben mit "tägliche Zuwachssicherung" bezeichnete Sicherung auch jeweils nach dem Bearbeiten oder dem Einspielen von neuen Bildern erfolgen.

Ohne jetzt in die Quantenmechanik abzugleiten und gleich Schrödingers Katze zum Vergleich heranziehen zu wollen, möchte ich trotzdem festhalten: Eine nicht überprüfte Sicherstellung ist immer mutmasslich defekt und somit wertlos. Somit ist nicht nur eine Überprüfung der Sicherstellung sofort nach dem Erstellen, sondern auch in regelmässigen Zeitabständen während der Lagerung nötig. Und das führt uns gleich zum nächsten Problem, der maximalen Lagerzeit von Datenträgern:

  • CD-RW: 2-3 Jahre
  • CD-R (gebrannt): 2-5 Jahre
  • Festplatte: 5 Jahre
  • Diskette: 5 Jahre
  • Magnetband: 25 Jahre
  • CD-ROM (gepresst): 50 Jahre

Diese Werte sind natürlich eher hypotetischer Natur und können in beide Richtungen deutlich abweichen. Zudem sind sie nur bei pfleglicher Behandlung (Lagerbedingungen/Temperatur) und regelmässigem Unterhalt (zB. Umspulen von Magnetbändern) überhaupt realistisch.

Und zu guter Letzt bliebe noch das Problem der Technologiebeständigkeit, was in der Praxis bedeutet, dass es durchaus fraglich sein kann, ob in nicht allzu ferner Zukunft die Geräte zum Lesen der Datenträger überhaupt noch existieren, unterstützt werden bzw. an vorhandene Rechner angeschlossen werden können. Deshalb und aus Gründen der maximalen Lagerzeit sollten die Daten längerfristig regelmässig auf aktuelle Datenträger umkopiert werden.

Wenn wir von der Lebenszeit von digitalen Daten sprechen, mag hier auch gleich der richtige Moment sein, sich ein paar Gedanken über die Speicherformate der Sicherstellung zu machen. Genauso wie die weiter oben angesprochene Technologiebeständigkeit von Hardware-Komponenten und Datenträgern sieht es natürlich auch bei der Software und den Speicherformaten aus. Besonders firmengebundene Datenformate, wie sie bei RAW-Dateien üblich sind, können bezüglich der Software-Unterstützung als kritisch angesehen werden. Noch vergleichsweise lange dürften TIFF- und JPEG-Dateien unterstützt werden, zumindest gelesen sollten sie auch in zehn Jahren noch von den dannzumal verfügbaren Programmen werden können. Aber auch diesbezüglich steht spätestens dann wieder eine kritische Lagebeurteilung an.

Fazit

Obige Ausführungen zur Lebenszeit mögen Sie nun etwas schockieren, zumal Sie vom chemischen Film und dessen Papierabzüge ganz andere Zeiträume gewohnt sein mögen. Die ältesten heute noch vorhandenen Negative - damals noch auf Glasplatten belichtet - sind inzwischen 150 Jahre alt und haben, ideale Lagerbedingungen vorausgesetzt, sicher eine noch längere Lebenszeit vor sich. Im Gegensatz dazu sind digitale Bilder langfristig deutlich schwieriger zu archivieren und erfordern dabei deutlich mehr Aufwand für deren Erhaltung.

So nett die Bildpräsentation am Bildschirm auch sein mag, das konventionelle Fotoalbum hat noch lange nicht ausgedient. Besonders Erinnerungsbilder, welche vielleicht über Generationen weitergegeben werden sollen, sind auf Papier bestimmt langlebiger und sicherer aufgehoben, als auf elektronischen Datenträgern. Natürlich sind selbstgemachte Ausdrucke aus dem heimischen Farbdrucker keine Alternative zu den Ausbelichtungen durch Fotolabore, da sie in der Regel nach wenigen Jahren an Farbe verlieren und bei allzuviel Licht bis zur Unkenntlichkeit verblassen.

Nun hoffe ich inständig, Ihnen die Lust an der digitalen Fotografie nicht allzusehr getrübt zu haben. Gleichzeitig sind Sie nun aber vielleicht sensibilisiert bezüglich der damit verbundenen Problematiken der Verwaltung von digitalen Daten.


13.11.2003



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